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Ich bin gerade über einen Text gestolpert, in dem ein übereifriger Blogger die weibliche Form für die Mozilla Foundation verwendet:

Die gemeinnützige Stifterin ist Eigentümerin der Firefox-Entwicklerfirma Mozilla Corporation [...] ¹

Die Form Stifterin ist hier eindeutig falsch, aber ich bin mir nicht sicher, ob eine Stiftung auch Eigentümerin sein kann, oder ob hier ebenfalls die neutrale Form Eigentümer hingehört.

Allgemeiner formuliert stellt sich mir also die Frage, ob der feminine Genus sich auch auf nachfolgende Wörter übertragen kann.


¹ Der Autor hat den Originaltext inzwischen korrigiert. Die Stiftung ist jetzt Eigentümerin. Meine obige Frage besteht also weiterhin.

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    Ich würde "Eigentümerin" und generell fast alle Substative auf -in nur für eine weibliche Person verwenden, aber nicht für ein Abstraktum mit was auch immer für einem grammatischen Geschlecht. Das hat aber nichts mit der Endung -ung zu tun und damit, ob die sich irgendwie "überträgt": Die Firma (keine Endung -ung) ist Eigentümer ... usw. – dirkt Aug 27 '16 at 6:46
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    Ich würde die Frage auch auf weitere Wörter erweitern. Es ist z.B. auch interessant ob eine Flasche nicht nur ein Behälter ist, sondern ab und zu mal als eine Behälterin agieren kann. – Eller Aug 27 '16 at 6:49
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    @dirkt Was ist mit einer GmbH, AG o.ä.? In juristischen Texten wirst Du oft "die Mandantin" oder "die Klägerin" lesen, wenn "die Gesellschaft" gemeint ist. – PerlDuck Aug 27 '16 at 19:49
  • @PerlDog: Ich muss keine juristischen Texte lesen (zum Glück...), und für mich hört sich "die Klägerin" für "die Gesellschaft" einfach falsch an. Möglicherweise gibt es da einfach verschiedene Arten von Sprachgebrauch? – dirkt Aug 28 '16 at 8:30
  • Ein Kater ist ein katzenartiger Tier und eine Katze eine katzenartige Tierin??? An sich wird bei "x ist y", also Prädikativ, das Genus nicht vom Subjekt übernommen. – tofro Mar 19 '17 at 17:49
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Die Verwendung des Wortes "Eigentümerin" für juristische Personen mit femininem Genus ist in juristischen Texten nicht unüblich. Google findet 2350 Links für "Stiftung als Eigentümerin" verglichen mit 2340 für "Stiftung als Eigentümer", 9840 Links für "AG als Eigentümerin" ("AG" = "Aktiengesellschaft") verglichen mit 9780 für "AG als Eigentümer", 7010 Links für "die Gemeinde als Eigentümerin" verglichen mit 8500 für "die Gemeinde als Eigentümer".

Das gilt analog auch für andere juristische Rollen, etwa "Klägerin" statt "Kläger" und "Beklagte" statt "Beklagter".

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    Der Schlüssel ist der Status als juristische Person. Juristische Personen besitzen einige der Rechte und Pflichten natürlicher Personen, und auch der Sprachgebrauch folgt dieser Konstruktion teilweise. Dagegen ist z.B. eine Flasche (wie oben angemerkt) nur ein bloßes Ding und damit immer ein Behälter und niemals eine Behälterin. – Kilian Foth Aug 27 '16 at 8:03
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    @userunknown Wer definiert denn, was richtig ist, wenn nicht der übliche Sprachgebrauch? – Uwe Aug 28 '16 at 5:17
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    Der übliche Sprachgebrauch ist ja gerade nicht, das Wörter anderen Wörtern ihr Geschlecht aufdrücken. Dass Juristen in eine Falle von Pseudopräzision gehen hängt vielleicht damit zusammen, dass ihre Sprache weniger aus dem Sprachzentrum kommt, als aus Kalkülen, Konventionen und Regelwerken. – user unknown Aug 28 '16 at 5:49
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    @userunknown Vgl. z. B. Wikipedia: "Kläger (bei juristischen Personen stets Klägerin) nennt man im Zivilprozess die Person, die gegen den Beklagten das Verfahren durch Klage einleitet." – Uwe Aug 29 '16 at 6:51
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    @userunknown Für juristische Personen mit femininem Genus gilt in der juristischen Fachsprache die Konvention, daß wenn sie eine juristische Rolle, z. B. Kläger, Beklagter, Eigentümer, Stifter, innehaben, die weibliche Form dieser Rolle benutzt wird, also Klägerin, Beklagte, Eigentümerin, Stifterin. Das wird so gelehrt, und dieser Gebrauch läßt sich auch empirisch belegen. Daß die juristische Fachsprache hier (wie auch an anderen Stellen) von der Alltagssprache abweicht, macht es nicht falsch. – Uwe Aug 31 '16 at 7:41
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Das Suffix -in ist dafür da, biologisches weibliches Geschlecht anzuzeigen.

Allerdings spricht nicht unbedingt etwas dagegen, es für den Zweck der grammatischen Kongruenz zu verwenden. Man muss sich bei dieser Entscheidung jedoch vor Augen führen, dass Leser über diese Form stolpern werden – weil diese Art der Kongruenz in der Allgemeinsprache völlig unerhört ist.

Was ich so auch schon oft gelesen habe:

Die SPÖ (= Sozialdemokratische Partei Österreichs) ist die Rivalin der ÖVP.

Es klingt befremdlich.

  • Was ist daran befremdlich? In meinen (deutschen) Ohren klingt das vollkommen normal. Die SPD, die CDU (… Union). Wie würdest Du denn dazu sagen? – PerlDuck Aug 27 '16 at 19:32
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    @PerlDog: Die Zange ist keine Werkzeugin, sondern ein Werkzeug. Werkzeug hat sein eigenes Geschlecht - als Wort, und darum geht es. Das Werkzeug, sächlich. Der Rivale, männlich. Die Grünen und die SPD sind Rivalen. In "die Grünen"! ist das "die" ein Mz.-Die, kein Femininum. Ähnlich: Die Piraten. Großkatze und Kojote sind Rivalen um die Beute. Willst Du da auch gendern? – user unknown Aug 28 '16 at 0:13
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    @userunknown Ich bin so dämlich! Die Rivalin habe ich gar nicht bemerkt und habe mich statt dessen auf die SPÖ fixiert. Ich stimme vollkommen zu: Es soll der Rivale heissen. Asche über mein Haupt. – PerlDuck Aug 28 '16 at 10:16
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    @userunknown: Allerdings gibt es zum Rivalen das Gegenstück der Rivalin; "Erna ist die Rivalin von Gerda" ist ohne Zweifel ein korrekter Satz. Auf der anderen Seite gibt es von "Werkzeug" keine weibliche Form, selbst wenn es auf Menschen angewendet wird: "Tina verstand sich als Werkzeug Gottes"; "als Werkzeugin Gottes" geht da nicht. Deshalb hat das Werkzeug-Beispiel keine Aussagekraft darüber, ob "Rivalin" beim Parteien-Satz angemessen ist oder nicht. – celtschk Aug 28 '16 at 11:40
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    @userunknown: Das Wort "Werkzeugin" existiert nicht, das Wort "Rivalin" existiert. Willst Du das etwa anzweifeln? Ansonsten sehe ich nicht, inwieweit Deine Einlassungen irgendwie relevant für die Frage sein sollen, ob das "Werkzeuginnen-Argument" gültig ist. – celtschk Aug 28 '16 at 14:06
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Das Sprachlabor der Süddeutschen Zeitung hat sich am 15. Oktober 2016 mit diesem Thema befasst; im Internet ist die Kolumne mit die Mühen der Ebene betitelt.

Bleiben wir bei Vorreiter/in. Wenn die Duden-Grammatik von 1959 im Wesentlichen noch gilt, verhält es sich so, dass bei Personen das männliche oder weibliche Pendant zu verwenden ist: Liesel ist die Hüterin der Gänse, Hans ist der Feind alles Bösen. Die schöne Literatur hat auch hierin ihre Freiheiten: Du warst die Königin, sie der Verbrecher (Schiller, Maria Stuart). Bei Sachbegriffen können die weiblichen Formen gewählt werden, müssen es aber nicht: Die Vernunft ist der Urheber/die Urheberin dieses Gesetzes. Ist das Gleichsetzungsglied mit dem Prädikat fest verbunden, werden die Regeln der Kongruenz außer Kraft gesetzt. Sie sei, sagt Frau Marthe in Goethes „Faust“, von je der Ordnung Freund gewesen. Für die Kongruenz der Apposition gilt Ähnliches: Was Venus band, die Bringerin des Glücks (Schiller, „Die Piccolomini“).

Es ist also durchaus möglich und nicht falsch, eine Gesellschaft als Stifterin und als Eigentümerin zu bezeichnen. Frei nach dem Schlussabsatz des Sprachlabors lässt sich sagen:

»Die Mozilla Foundation kann also Eigentümer und Eigentümerin sein. Aus manchen Blickwinkeln mag das dubios sein, grammatikalisch nicht.«[1]


[1]: Leider geht der Originaltext unter Anderem über die Schweizerische Volkspartei als Vorreiterin, wodurch sich der letzte Satz wunderschön mit »politisch mag das dubios sein« formulieren lässt. Für die Mozilla-Foundation ist mir leider nichts wirklich vergleichbares eingefallen.

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Man kann ohne weiteres schreiben:

Der Eigentümer ist eine ältere Frau.

Die Eigentümerin ist eine Gräfin.

Der Tankwart ist ein junges Mädchen.

Rolle und Person müssen nicht unbedingt kongruent sein.

Was m.A. nach nicht geht:

Die Friseuse war ein älterer Herr.

Wenn man sich entscheidet, die geschlechtsneutrale männliche Form der Rolle nicht zu verwenden, muss die Person auch dazu passen.

  • Ja, allerdings ist Satz No. 2 nur korrekt, wenn schon klar ist, dass der Eigentümer weiblichen Geschlechts ist. Ansonsten muss die neutrale maskuline Form gewählt werden. – deponensvogel Aug 28 '16 at 19:09
  • @deponensvogel mit Verlaub, das ist Unsinn - eine Gräfin ist i.A. weiblich. Das ist hier schon klar. – tofro Aug 29 '16 at 13:04
  • Da hast du aber bereits ›Eigentümerin‹ gelesen, wenn du zu ›Gräfin‹ kommst. Wenn man noch keinerlei Info über den Eigentümer hat, ist er immer maskulin, weil indefinit und generisch. Nur wenn man bereits weiß, dass es sich um einen Menschen mit Brüsten handelt, ist der Satz gültig: Die Eigentümerin ist eine Gräfin. Andernfalls wäre es ja so wie mit diesem Beispiel: Die Einbrecherin entpuppte sich als eine Frau. – deponensvogel Aug 29 '16 at 18:07
  • @deponensvogel - Nach dieser Aussage müsste man schreiben "Der Eigentümer ist eine Gräfin" oder "Eine Gräfin ist die Eigentümerin". Die Reihenfolge der Wörter im Satz hat aber normalerweise keinen Einfluss auf die Beugung der Substantive. – tofro Aug 29 '16 at 18:39
  • Es gibt auch generisch weibliche und sächliche Fomen: Die Person, die Koryphäe, die Fachkraft - das Mitglied. – user unknown Aug 29 '16 at 19:17

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