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Gibt es ein Substantiv für jemanden, der hingerichtet werden soll? Also der Hingerichtete vor seiner Hinrichtung.

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    Mir fällt nur der Zum Tode verurteilte ein. Und das Netz bestätigt einiger massen, zB de.wikipedia.org/wiki/Kategorie:Zum_Tode_verurteilte_Person. – Adam Bittlingmayer Sep 7 '16 at 11:25
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    Der Hinzurichtende? Todeszelleninsasse? Todeskandidat? Oder etwas unschärfer: Delinquent? – guidot Sep 7 '16 at 11:28
  • Galgenmännchen, Galgenschwengel usw gibt es auch, aber alle werden seit langem eher figurativ verstanden. – Adam Bittlingmayer Sep 7 '16 at 11:31
  • "Welche Mordskulisse, wird manch öffentlich Hinzurichtender angesichts der vielen Schaulustigen gemurmelt haben." (Martin Gerhard) – tofro Sep 7 '16 at 11:57
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Wenn über die Todesstrafe berichtet wird, geschieht das meist über:

Todeskandidat

Aber ich finde

Todgeweihter

auch schön und passt auch darauf, ebenso wie das Beispiel aus den Kommentaren:

Hinzurichtender

  • Todeskanditat finde ich etwas respektlos, Todgeweihter zu religiös, aber Hinzurichtender trifft es eigentlich genau. Hätte mir eigentlich selber einfallen müssen. ;-) – ceving Sep 8 '16 at 10:14
  • @ceving I find Hinzurichtender zu bürokratendeutsch, wenn du mich fragst. Natürlich sehr spezifisch, aber zu sehr auf das Verfahren fokussiert. – Trilarion Sep 8 '16 at 13:02
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In deutschsprachigen Ländern gibt es seit einigen Jahrzehnten keine Todesstrafe mehr. Seit Ende der Nürnberger Prozesse gab es kaum noch Anlässe, lokal über entsprechend Verurteilte zu sprechen. (In der DDR war es m.W. weitgehend Tabuthema.) Daher ist der aktuelle Gebrauch in Umgangssprache und Medien wahrscheinlich von anderen Sprachen und Kulturen sowie diversen Fachsprachen beeinflusst.

Traditionell gibt es allerdings viele Begriffe aus dem Themenfeld, die eine morphologische Ableitung ermöglichen würden. Dem Deutschen fehlt dazu eine regelmäßige Opposition von Substantivendungen wie im englischen -er und -ee (und -ed). Stattdessen muss man meist den (stilistisch unschönen) Umweg über substantivierte Partizipien nehmen:

  • Hinrichtung, hinrichtender/die *Hinzurichtende
  • Exekution, exekutierender/die *Zuexekutierende
  • Henker, henken (oft verwechselt mit hängen) → der/die *Zuhenkende
  • Scharfrichterder/die *Scharfzurichtende
  • Todesstrafeder *Todessträfling / die *Todessträfine
  • Todesurteilder/die *Zumtodeverurteilte / *Todesverurteilte
  • Kapitalverbrechender Kapitalverbrecher / die Kapitalverbrecherin

Mal von den Problemen der Rechtschreibung nominalisitierter mehrgliedriger Partizipien abgesehen, wird (gefühlt) derzeit am ehesten der/die zum Tode Verurteilte verwendet. Todessträfling ist vielleicht der stilistisch schönste Begriff, aber meiner Einschätzung nach ziemlich unüblich – angesichts des geringen Frauenanteils ist die schwierige Movierung von +ling ein vernachlässigbares Problem.

Wer wegen eines Deliktes, auf das die Todesstrafe (engl.: capital punishment) steht, überführt und verurteilt wurde, dem „kostet es den Kopf“ (lat. caput). Das entsprechende Kapitalverbrechen wird heutzutage aber häufig mit laxerer Bedeutung gebraucht oder als Finanzvergehen missverstanden. Darum ist Kapitalverbrecher kein geeigneter Begriff für den gesuchten Kontext.

Zum Latinismus Exekution ließe sich auch direkt – statt über den Umweg exektuieren – ein Partizip und somit wahrscheinlich *Exekutand oder *Exekutent bilden. (Mein Latein ist arg eingerostet.) Diese Wörter sind aber noch ungebräuchlicher als *Exekutor.

Während in totalitären Regimen, die fast immer die Todesstrafe einsetzen, oft nur wenig Zeit zwischen Urteil und Vollzug vergeht, werden in verfassten Rechtsstaaten normalerweise sämtliche juristische Möglichkeiten (Revisionen, Gnadengesuche, …) ausgeschöpft, was häufig zu einer langen Haftzeit vor der Exekution und manchmal zu einer Abwendung oder Umwandlung der Strafe führt. Da in einem Gefängnis – Rechtssprech: Justizvollzugsanstalt – meist ein eigener Bereich für die zur Höchsstrafe verurteilten Insassen vorgesehen ist, haben sich eigene Begriffe eingebürgert. Das englische death row inmate würde ich bspw. als Todestrakthäftling oder wie @guidot als Todeszelleninsasse übersetzen. Je nach Kontext dürften das die passendsten Begriffe sein.

Todeskandidat ist zwar nicht unüblich, würde ich aber vermeiden, da es auch bspw. in medizinischen Kontexten verwendet werden könnte.

In Medienberichten wird häufig auch der Grund für die Verurteilung als Bezeichnung für die Person verwendet, etwa: der verurteilte Polizistenmörder, mutmaßliche Massenvergewaltiger, ehemalige Drogenschmuggler, feindliche Kämpfer, sowjetische Spion.

  • Grundsätzlich gute Antwort, aber über die substantivierten Partizipien mit Zu- bin ich mir unsicher; ich denke nicht, dass diese Formen so grammatikalisch sind. – Jan Sep 9 '16 at 21:25

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