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Ein Schibboleth ist ein Wort oder ein Satz, den eine Sprachgruppe sehr einfach aussprechen kann, während eine andere Sprachgruppe dies überhaupt nicht hinbekommt.

In den Beispielen, die ich bisher gesehen habe, z.B. TV Tropes, wurden bisher nur Schibboleths verwendet, um Deutsche erkennen zu können, z.B. das berühmt-berüchtigte "Squirrel" (Einfach mal googlen).

Gibt es eigentlich auch umgekehrt deutsche Wörter, die Angelsachsen, die sonst akzentfrei Deutsch sprechen, nicht akzentfrei aussprechen können (und die evtl. sogar zeigen, aus welcher Gegend der Betreffende stammt)?

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    Man kann ohne weiteres beim Eichhörnchen bleiben und seinen Schwanz auf bairisch aussprechen. Außerhalb des süddeutsch/bairischen Sprachraums kriegt das keiner hin. – tofro Mar 26 '17 at 17:32
  • @tofro Oichhörnchenschwantz? – Thorsten S. Mar 26 '17 at 18:10
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    Das typische Beispiel ist das Streichholzschächtelchen. – Janka Mar 26 '17 at 18:22
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    Hier gibt's eine Dissertation zum Oachkatzlschwoaf: kleinberg.net/index_files/Page985.htm – tofro Mar 26 '17 at 19:29
  • Täusch' ich mich, oder wird nicht auch Müller eher "Miller" ausgesprochen? Dürfte für manche ähnliche Worte gelten, z.B. auch Genie, ("Jeannie"). Auch "Hamburger" und "Berlin" stellen sicher eine gewisse Hürde dar, wie oft redet selbst ein z.B. in München lebender Amerikaner von den norddeutschen Stadteinwohnern statt von den Fleischeinlagen? A propos "München", auch nicht leicht, nehme ich an. – Philm Mar 27 '17 at 1:59
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Tschechische Chefchemiker auf griechisch-chinesischen Passagierschiffen

..ist ein echter Hochdeutsch-Aussprache-Test, nicht spezifisch für englische Muttersprachler, aber auch für diese geeignet IMHO.

Anmerkung: Dass der Satz in vielen Dialekten oder Mundarten auch unterschiedlich ausgesprochen wird als im Hochdeutschen, schmälert in meinen Augen nicht dessen Eignung.

Anmerkung2: Für jemanden, der von Haus auch hochdeutsch spricht, ist das meines Erachtens auch kein Zungenbrecher, o.ä.

Drei Mundartvarianten fallen mir auf Anhieb ein: "kinesisch/Kemiker", "schinesisch/Schemiker" und die Schwyzerdütsch-Variante des "ch".

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    Beantwortet die Frage nicht. – Carsten S Mar 27 '17 at 6:16
  • Das fragt aber nur das "ch" ab. Hilfreicher wäre es, auch noch die Umlaute ö und ü einzubauen. – Roland Illig Mar 27 '17 at 7:04
  • @Carsten S. Doch, es ist ein Schibboleth, der verwendet werden kann, um Nichtdeutsche (sprachlich gesehen) zu identifizieren, auch Angelsachsen, die sonst gut Deutsch sprechen. So ist die Frage nämlich gestellt. Nochmal lesen. Klar wäre ein Satz, den NUR Angelsachsen schwer aussprechen können, die gewünschtere Antwort, aber die hat offenbar keiner. – Philm Mar 29 '17 at 14:18
  • Da anscheinend der ch-Laut im Deutschen besonders schwierig ist (Eichhörnchen, Frucht oder das oben erwähnte Streichholzschächtelchen habe ich auch noch gefunden ) akzeptiere ich das als Antwort. Während das jemand kaum 1:1 im Hochdeutschen genau so aussprechen wird, halte ich es für praktisch unmöglich, die Mundart, die den Satz (ver)formt, natürlich nachzuahmen. – Thorsten S. Mar 29 '17 at 20:13
  • Danke.. Aber: Wie? " kaum jemand"? Also ich bin in Hannover geboren und spreche das ohne Anstrengung oder Nachdenken hochdeutsch aus, ich empfinde es auch nicht als Zungenbrecher direkt. Ich dachte eigentlich, das wäre schon der "Normalfall"- außer natürlich, wenn jemand sehr mundartaffin ist. – Philm Mar 31 '17 at 1:32
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Es gibt zwar in deutschen Dialekten eine ganze Menge Laute und Lautkombinationen, die für einen Fremdsprachler (und auch für manchen Deutschsprechenden aus anderen Regionen) schwer zu knacken sind, das Hochdeutsche verwendet aber meiner Meinung nach bereits ein "hinreichend verschliffenes Lautmuster", das ja von allen Deutschsprachlern gesprochen und verstanden werden muss.

Der Lackmustest für "native German" ist deshalb m.A. nach kein Aussprachetest, sondern ein Test auf die fliessende Verwendung eines Sprachmittels, das andere Sprachen in dieser Form nur unvollständig oder gar nicht besitzen:

Sowas könnte z.B. das komplexe Gender-System, die Artikel, oder, am besten, der Umgang mit Modalpartikeln, die andere Sprachen weniger ausgeprägt oder gar nicht besitzen. Hier liegt für mich ein fast 100% sicheres Unterscheidungskiterium zwischen "native speaker" und "guter Zweitsprachler".

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[Edit: Einleitung als Erklärung]

Wenn man den Schibboleth (erstmal nur wie gemeint hinsichtlich der Aussprache) genauer betrachtet, gibt es mindestens drei Varianten:

  1. Schwer auszusprechende Lautkonstruktionen wie "squirrel" für Deutsche oder das "R" für manche Asiaten.

  2. Worte, die man in der eigenen Region einfach gewohnt ist, anders auszusprechen. Dies ist wohl die Variante, die in der historischen Verwendung des Begriffes Schibboleth am häufigsten vorkommt. Letztendlich beruhen die Unterschiede also auf Verwandtschaft und/oder Nachbarschaft von Bevölkerungsgruppen, historischer, geographischer, sprachlicher. Hier gibt es eben für "Englisch vs. Deutsch" einige Ansatzpunkte für gemeinsame Wörter, z.B. lateinischen Ursprungs, Lehnwörter, usw.

    • Ich habe in einer anderen Antwort Konstruktionen genannt, in denen die Schwierigkeit genau darin besteht, dass der Englische Muttersprachler bekannte Worte anders gewohnt ist, auszusprechen, z.B. "Hamburger", "finite", das gilt auch teilweise für gegenseitige Lehnwörter o.ä. Anders ausgedrückt: Gemeinsamkeiten wie Nachbarschaften historisch oder geografischer Natur stellen also m.E. den wohl häufigsten verwendeten Trennungsansatz dar, ähnlich wie wenn man z.B. jugoslawische Sprachen unterscheiden wollte.
  3. Worte, die normal (nicht lautmalerisch) niedergeschrieben nicht genug Hinweise (für gewisse Sprachgruppen) liefern, wie etwas auszusprechen ist, etwa ein Dialektbegriff eines hochdeutsch geschriebenen Wortes wie das anderweitig erwähnte "Oachkatzlschwoaf" (bayerisch) oder "Chuchichäschtli" (Küchenkästchen, schwizerdütsch).

  4. Als gemeinsamen Unterpunkt für die drei erstgenannten Arten gibt es dann noch die erforderliche Aussprachegenauigkeit. Wenngleich ich z.B. als Hochdeutsch Sprechender trotzdem glaube, die beiden unter 3. genannten Dialektbegriffe hinreichend gut auszusprechen, wird mich ein Einheimischer aufgrund meiner Aussprache dennoch wohl als "nicht von hier" verorten können.

  5. Die Grundidee des Schibboleth lässt sich von der Aussprache aber auch auf Satzbaufehler u.ä., also allgemeine Schwierigkeiten, bestimmte Sätze oder Konstruktionen fehlerfrei zu sagen oder zu schreiben, übertragen, im folgenden ein Beispiel:

[Erste Antwort von mir- vor Edit:] Da ein aussprachebezogener "echter" Schibboleth schwer zu finden scheint, [und nach obiger "Klassifikation"] stimme ich einer anderen Antwort zu, dass die Haupthürden im Deutschen meist woanders liegen als in der reinen Aussprache: Deswegen war meine erste ein "grammatischer Schibboleth" sozusagen (ich erlaube mir damit, dessen Bedeutung zu erweitern):

Wer selbst so einen Satz fehlerfrei formen oder auch nur unter ähnlichen Sätzen (z.B. in einem MC Test) sofort als korrekt erkennen kann , der ist, würde ich sagen, in einem deutschsprachigen Land geboren:

Der Rock der zwei Mädchen war länger als die Hose des dritten Mädchens, der der BH zu groß war.

Oder auch einzeln, wenn auch deutlich leichter: Die Männlichkeit, das Mädchen, die Hose, der Busen, der Rock

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    Beantwortet die Frage nicht. – Carsten S Mar 27 '17 at 6:16
  • Es gibt Fälle, wo eine Antwort einen stark verwandten Teilaspekt erwähnen kann. Ist sicher Geschmackssache, so wie auch die Notwendigkeit gewisser Kommentare. – Philm Mar 29 '17 at 14:09
  • Wow, mir war vorher gar nicht aufgefallen, dass beide Nichtantworten von Dir sind. Übrigens sind Unterscheidungen, die für Muttersprachler schwierig sind, nicht automatisch auf für Nicht-Muttersprachler schwer. – Carsten S Mar 29 '17 at 14:32
  • Hat niemand behauptet übrigens ;-) Und der Kommentar passt auch nicht zu dieser Antwort. Obiges ist ja gerade für Muttersprachler überhaupt nicht schwer.. – Philm Mar 30 '17 at 23:29
  • Edit/Nachtrag: Vergleichbare Ideen: Ansonsten hatte mich mal ein Englischlehrer nach dem Unterschied zwischen "leiden an" und "leiden unter" gefragt. Tiefere Feinheiten wie den Unterschied zwischen dasselbe vs. das Gleiche oder der Verdienst vs. das Verdienst kriegen ja auch schon die meisten Deutschen nicht hin, das ist also für Ausländer erst recht zu schwer. – Philm Mar 30 '17 at 23:38
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Spezifisch für English native speakers:

Johann Wolfgang von Goethe musste sich noch keine Gedanken über finite Elemente oder eine Integermatrix machen.

("finite" und "Integer" sind unerwartete Aussprache-Fallen- "fainaite" vs. "fieniete"- und meines Erachtens ziemlich gute Schibbolethe, aber auch Goethe dürfte nicht leicht für Jeden sein, der "Wulfgäng" insbesondere.)

  • Nachtrag: Ich selbst halte dies nachträglich für den besten genannten Schibboleth (von allen Antworten, insb. meinen :-) , aber ich hätte gerne Meinungen von English native speakern gehört.. – Philm Apr 21 '17 at 8:13
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    Ich gebe hier zu bedenken, dass ich als deutscher Muttersprachler, der aber auch Softwareentwickler ist, das Nomen »Integer«, insbesondere vor den »Variablen«, nicht als deutsches Wort [ɪnˈteːɡɐ] sondern als englisches Wort [ˈɪnted͡ʒɐ] aussprechen würde, und ich glaube sogar, dass in diesem Kontext (»Integer Variable«) die englische Aussprache ohnehin die richtigere wäre. Außerdem ist die Schreibweise falsch: Es müsste »Integervariable« oder »Integer-Variable« heißen. Das Deppen-Leerzeichen ist im Deutschen kein erlaubtes Mittel zur Bildung von Komposita. – Hubert Schölnast Apr 21 '17 at 9:19
  • Du hast recht: Für einen Softwareentwickler ist das Wort deswegen kein guter Schibooleth, vielleicht ändere ich den Vorschlag noch ab, integer gibt es ja auch in anderen Kontexten. Insgesamt sehe ich bei Worten lateinischen Ursprungs, die es im Deutschen gibt, wenig Grund, eine englische Aussprache zu bevorzugen. Siehe auch de.wikipedia.org/wiki/Integer_(Datentyp) – Philm Apr 21 '17 at 9:46
  • Lustig übrigens, dass Du zeitgleich meine Antworten hier kommentierst, während ich gerade dabei war, eine andere Frage von Dir umfangreich zu beantworten zu versuchen :-) – Philm Apr 21 '17 at 9:47
  • Mal allgemein: Das von Thema , ob z.B. Softwareentwickler oder andere Profis auch deutsche Wörter oder Aussprachen verwenden- ist sehr interessant- insbesondere müssen wir da alle unsere "Toleranz" erhöhen, dass es da auch große Unterschiede zwischen Deutschland/Österreich/Schweiz gibt, und sicher noch mehr unabhängig der Nationalitäten: Ich selbst bleibe, wenn ich deutsch rede, bei der deutschen Aussprache "Integer Variable" - und wenn ich Englisch rede oder extrem viele Englisch Begriffe vorkommen, dann spreche ich beides Englisch aus. – Philm Apr 21 '17 at 9:53
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Variante aus der Klasse der Schibboleths der gemeinsamen und verwandten Worte- ein Versuch dies auf die Spitze zu treiben:

Ernie Müller und sein Freund Bert Hamburger saßen in München und aßen eine Brezel, eine Portion Pommes Frites, zwei Hamburger und eine Nürnberger Bratwurst. Dabei lasen sie einen Reiseführer über Berlin.

(Ich kenne nicht genug gut Deutsch sprechende Angloamerikaner, um zu sagen, welche der gestellten Fallen am meisten Schwierigkeiten macht, aber alle Hauptwörter und Namen im Satz stellen eine Herausforderung dar, es gibt alle bis auf die "Pommes Frites" anders ausgesprochen im Englischen, wenn auch bei "Freund", "Müller" und "Brezel", "(..Führer)", "Nürnberger.." und "München" nur ähnlich/abgewandelt, was es aber nicht in allen Fällen unbedingt einfacher macht.)

-- Oder auch folgende kombinierte Lauthürden i/ü + diverse g Aussprachen:

Bürger Berger ist deutscher Staatsbürger aus Hamburg, tanzt gerne Bergeretten und isst gerne Burger, während der Vater der heiligen St. Brigitta Birger hieß.

Haupthürden: Brigitta und Bergerette wird engl. mit "dsch" ausgesprochen.

  • Ich glaube eigentlich, dass es nicht viele Angloamerikaner gibt, die auch nur eines der Worte aus dem ersten Teil aussprechen wie ein Deutscher, aber in Summe wird das kaum möglich sein. Am Rande interessant ist, wie ein Deutscher jetzt "Hamburger" (das Essen) ausspricht, der "Burger" ist eindeutig englisch, aber ich spreche den "Hamburger" eigentlich deutsch aus wie die Stadt, den "Cheeseburger" eben englisch :-) – Philm Mar 31 '17 at 0:44
  • Das zweite wäre auch ein guter Kandidat für schriftlichen "Schiboleth", z.B. Multiple Choice Test, welche Abwandlung davon korrekt ist (Varianten mit ist/isst, usw.) – Philm Mar 31 '17 at 0:55

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