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Diese Frage ist praktisch ein Follow-Up auf diese Frage. Ich kenne mich einigermaßen mit Phonetik und Phonologie aus, und kann ein bisschen Finnisch (wo es Langkonsonanten gibt). Mit diesem Background kommt es mir (als Österreicher) so vor, als ob es in manchen Dialekten in Deutschland lange Formen der Nasale (/m/ und /n/) gäbe, die Phonemstatus haben; zB:

  • [kɔm] -- komm!
  • [(zi:) kɔm:] -- (sie) kommen

Oder:

  • [(zi:) ge:n] -- sie gehen
  • [(zi:) gɛ:n:] -- sie gähnen

Also in der "verschluckten" Form von unbetonten Endsilben "-men" und "-nen". Kann das jemand bestätigen, eventuell sogar mit Forschung dazu?

Oder bilde ich mir das ein, und solche Formen ergeben sich nur im Kontext, und unterscheiden sich in "isolierter" Form gar nicht?

  • Mir ist nicht ganz klar, was für dich der Unterschied wäre zwischen [kɔm.m̩] und [kɔ.m̩] in Bezug auf die Wahrnehmung durch die Sprecher. Der Sprecher macht sich beim Sprechen (und der Hörer beim Hören) ja keine Gedanken zur Silbenzahl der Wörter. Aus Kontext sowie aus der Länge des verschliffenen Schlussnasals wird klar, welche Wortform gemeint ist (nämlich Schriftform "kommen"). Wo sollte man da an Silbenzahlen denken? – Christian Geiselmann Apr 20 '17 at 16:08
  • Ich habe große Zweifel, ob in echter Alltagssprache ein Unterschied in der Länge des Schlusskonsonanten von "komm" und "kommen" besteht. Für meine Ohren sind beide gleich lang, wenn ich sie mir in einen Satz eingebettet gesprochen vorstelle. Mangels Bücherzugangs kann ich das aber momentan nicht nachschlagen. Bis dahin bleibt's daher erstmal eine nicht weiter fundierte Privatmeinung. ;) – ParaDice Apr 20 '17 at 16:14
  • @ChristianGeiselmann Wahrnehmung habe ich deshalb gesagt, weil ich die Schriftsprache weglassen wollte. Angenommen, zwei Dialektsprecher machen eine Art Ratespiel, bei denen Wörter ohne Kontext gebraucht werden, und einer sagt [kom:]. Kann dann der Hörer eindeutig feststellen, ob "kommen", und nicht "komm!" gemeint war? Wenn ja, sollte er die Fähigkeit haben, /m/ von /m:/ mit Bedeutungsdifferenz zu unterscheiden, und wir hätten ein Phonem. – phipsgabler Apr 21 '17 at 7:35
  • @ChristianGeiselmann Aber in Bezug auf den Unterschied hast du eigentlich recht, die Silbenstruktur ist nicht relevant. – phipsgabler Apr 21 '17 at 7:37
  • Hallo php, ach, so meintest du das: Ratespiel, ob ein Unterschied zwischen Komm! [kom] und kommen [kom:] gehört werden kann. Das wäre mal ein Experiment wert. Meine Vermutung wäre, dass es in der Praxis nicht (oder nur mit erheblicher Fehlerquote) zu hören ist. Auf der anderen Seite zeigt mir die Selbstbeobachtung als Sprecher, dass ich wenigstens gefühlt da schon einen Unterschied in der Aussprache mache: bei kom:m ist bei mir das m noch länger und es hat auch eine Tendenz, als zweites m mit Akzent gesprochen zu werden. Ich glaube aber wie gesagt nicht, dass man das dann auch hören kann. – Christian Geiselmann Apr 21 '17 at 7:54
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Ja, es gibt Dialekte mit langen Nasalen, aber die langen Nasale sind nicht verschluckte Nachsilben. Lange Nasale treten in den meisten Dialekten auf, die Langkonsonanten haben, also insbesondere in den hochalemannischen, allerdings mit Ausnahmen – so hat etwa da Zürichdeutsche sehr wohl Langkonsonanten, aber keine langen Sonoren.

Minimalpaare sind selten (z.B. altertümlich dänne /ˈtænːə/ ‘fort, weg’ vs. däne /ˈtænə/ ‘drüben’), aber Name /ˈnamə/ reimt sich nicht auf Flamme /ˈflamːə/, Schine /ˈʃɪnə/ ‘Schiene’ nicht auf dinne /ˈtɪnːə/ ‘drinnen’, Channe /ˈxanːə/ ‘Kanne’ nicht auf cha’ne /ˈxanə/ ‘kann ihn’, immer /ˈɪmːər/ nicht auf gi’mer /ˈkɪmər/ ‘gib mir’, chum /ˈxʊm/ ‘komm’ nicht auf chrumm /ˈxrʊmː/, etc. etc.

Lange Nasale aus verschliffenen Endsilben mögen phonetisch auftreten, aber ich kann mir schlecht vorstellen, dass sie in irgendeinem Dialekt ins phonologische System übernommen worden wären.

  • Das sind ein paar interessantere Beispiele, danke! Anscheinend habe ich mich zu sehr auf meine Endsilben konzentriert... – phipsgabler Apr 23 '17 at 8:50
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Ich weiß nicht ob es hilft, aber das Phänomen der silbentragenden bzw. auch Phonemcharakter tragenden langen Schlussnasale kommt jedenfalls auch in der sogenannten Standardvariante der Aussprache vor, nicht etwa nur in Dialekten.

Wennse wolln, könnse gehn! [Wenn Sie wollen, können Sie gehen.]

Wose rechtham, hamse recht! [Wo Sie recht haben, haben Sie recht.]

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    Das war nun aber Berliner Dialekt. – Janka Apr 20 '17 at 19:37
  • @Janka Das klingt bei mir als Westfale nicht wesentlich anders. – Uwe Apr 21 '17 at 7:30
  • @Uwe Meines Wissens zeigt das oben zitierte Beispiel auch nur die ganz alltägliche Assimilation von Lauten, nicht etwa eine dialektale Variante. – ParaDice Apr 21 '17 at 8:41
  • Das ist ein typisches Phänomen der Umgangssprache. – mach Apr 23 '17 at 18:25

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