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Ich wüsste gerne den Unterschied zwischen "nötigen" und "zwingen".

Er hat sie gezwungen, die Papiere zu unterschreiben.
Er nötigte sie, das Papier zu unterschreiben.

Er zwang uns zum Bleiben.
Er nötigte uns zum Bleiben.

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Da gibt es eine ganze Anzahl von Unterschieden:

  1. Nötigung ist ein Straftatbestand - Zwang nicht. Das Finanzamt kann dich zwingen deine Steuern zu bezahlen, aber nicht dazu nötigen. Man kann daraus also (zumindestens in diesem Kontext) ableiten, das Zwang u.U. mit einer Legitimation einhergeht, Nötigung nicht. Nötigung findet statt, wenn man jemand anderen ohne Legitimation seinem Willen unterwirft.
  2. Außerhalb dieses juristischen Kontexts ist es eigentlich genau andersherum: Wenn meine Freundin mich nötigt, die Rechnung im Restaurant bezahlen zu dürfen, ist das zwar nicht notwendigerweise nett, aber auch nicht schlimm (es ist eher als eine stark ausgeprägte Bitte zu verstehen) - zwingt sie mich aber dazu, ist das ganz bestimmt nicht nett zu verstehen und hört sich an, als ob sie mich mit der Waffe bedroht hätte.

Die Wortherkunft von nötigen, abstammend von nötig hat eher etwas von "jemanden davon überzeugen, dass etwas nötig ist", während "Zwang" von alters her eher der Obrigkeit vorbehalten ist (siehe "Zwingburg", "Dresdner Zwinger"). Zwang ist, wenn es mit der notwendigen Legitimation (Macht, Gesetz,...) ausgestattet ist, eine akzeptable Aktion, Nötigung kann grundsätzlich keine Legitimation haben.

Duden definiert 3 Bedeutungen für nötigen:

(1) jemanden gegen seinen Willen (mithilfe von Gewalt, Drohung o. Ä.) zu etwas veranlassen; zwingen

(2) (von einem Sachverhalt, Umstand o. Ä.) jemanden zu einem bestimmten Verhalten, Tun o. Ä. zwingen

(3) durch eindringliches Zureden, Auffordern, Ermuntern zu etwas [zu] veranlassen [suchen], jemanden durch Zureden [zu] veranlassen [suchen], sich an einen bestimmten Ort zu begeben

Das Beispiel mit der Restaurantrechnung fällt ziemlich sicher unter (3), die schwächste Form des Nötigens.

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    Ehm, ist es überhaupt möglich, jemanden nötigen, etwas machen zu dürfen? – Eller Jun 10 '17 at 5:17
  • @Eller Du meinst das Beispiel mit der Freundin? Natürlich. – tofro Jun 10 '17 at 6:39
  • Ich meine, man kann jemanden nötigen zu bezahlen. Aber nötigen bezahlen zu dürfen??? Das ergibt keinen Sinn. Entweder man darf, oder man darf nicht. Es ist nicht möglich, jemanden zu nötigen ein Recht oder Erlaubnis zu haben. PS. Ich verstehe schon, dass "bezahlen zu dürfen" ein Eu­phe­mis­mus für "bezahlen" oder "bezahlen müssen" ist. – Eller Jun 10 '17 at 7:18
  • @Eller Siehe mein Edit. Natürlich wird mich meine Freundin nicht nötigen, bezahlen zu dürfen (das "darf" sie ja immer), sondern mich dazu bringen, zuzulassen, dass sie bezahlt. Das läuft aber im Prinzip auf dasselbe hinaus. – tofro Jun 10 '17 at 7:22
  • Nein, das Beispiel mit Rechnung fällt nicht unter 3. Wenn ich bezahlen darf, dann kann ich bezahlen, muss es aber nicht. Im Beispiel geht es aber genau darum, dass jemand "durch eindringliches Zureden, Auffordern, Ermuntern" veranlasst wird die Rechnung zu bezahlen und nicht zu Recht haben, eine Rechnung zu bezahlen. Vergleichen Sie mit "können". Es ist nicht möglich, jemanden nötigen, fliegen zu können. Nötigen zu fliegen - ja. Aber wenn man fliegen nicht kann, dann bringt eine solche Nötigung gar nichts - man fällt trotzdem auf den Boden. – Eller Jun 10 '17 at 7:39
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Im allgemeinen Sprachgebrauch sehe ich zwischen »zwingen« und »nötigen« folgenden Unterschied:

(1) Beim Zwingen sorge ich dafür, dass jemand etwas tut, was ich will.

(2) Beim Nötigen veranlasse ich jemanden zu einer Handlung, die meine Absicht sein kann, aber nicht muss.

Beispiele:

(1) Ich zücke ein Messer und sage: »Mädchen, du ziehst dich jetzt aus.«

(2) Durch mein Fahrverhalten sieht sich ein Autofahrer genötigt, in den Graben zu fahren, um eine Kollision zu vermeiden.

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    Sehe ich nicht so. In Beispiel (2) ließe sich beispielsweise genausogut "gezwungen" statt "genötigt" verwenden, und sogar die Aussage "Durch mein Fahrverhalten zwinge ich einen Autofahrer, in den Graben zu fahren, um eine Kollision zu vermeiden." wäre gleichbedeutend in Bezug auf das Verhalten des Sprechers. – O. R. Mapper Jun 9 '17 at 21:22
  • @O.R.Mapper: »Zwingen« und »sich gezwungen sehen« unterscheiden sich. In Beispiel (2) war es nicht die Absicht des Sprechers, den Autofahrer in den Graben zu befördern, letzterer glaubte vielmehr, keine andere Wahl zu haben. Und wenn wir das Fehlen der Absicht voraussetzen, sollte in deinem Beispielsatz um der Klarheit willen »zwinge« durch »nötige« ersetzt werden, weil es sich um eine Nötigung handelt. – Pollitzer Jun 10 '17 at 7:15
  • "Der Regen zwang mich, den Schirm aufzuspannen" vs. "Der Regen nötigte mich, den Schirm aufzuspannen" - Wollte der Regen in einem der beiden Fälle, dass ich den Schirm benutze? – tofro Jun 10 '17 at 7:52
  • @tofro: In meiner Antwort beziehe ich mich nur auf Personen. – Pollitzer Jun 10 '17 at 8:05
  • @Pollitzer: "Und wenn wir das Fehlen der Absicht voraussetzen, sollte in deinem Beispielsatz um der Klarheit willen »zwinge« durch »nötige« ersetzt werden, weil es sich um eine Nötigung handelt." - wie gesagt, genau das sehe ich nicht so. Und zudem habe ich aufgezeigt, dass "zwingen" und "sich gezwungen sehen" effektiv dasselbe bedeuten können und beide keine Absicht voraussetzen. – O. R. Mapper Jun 10 '17 at 9:57

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