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Hier wird regelmäßig nach dem Genus eines (Lehn-)Wortes oder nach dem Plural eines Substantivs bzw. nach dem Grund dafür oder nach allgemeinen (Faust-)Regeln gefragt. Selbst Laien können einige Regelmäßigkeiten erkennen und beschreiben. Allerdings treffen in vielen Fällen mehrere dieser Regeln zu, deren Ergebnis sich unterscheidet. Eine Hierarchie der Regeln oder eine andere systematische Lösung für solche Konflikte aufzustellen, scheint aber selbst die Germanistik bisher zu überfordern. Daher meine Frage:

Wurde erfolgreich versucht, eine Künstliche Intelligenz auf eines dieser Entscheidungsprobleme zu trainieren und hat das ggf. neue Erkenntnisse für die DAF-Praxis gebracht?

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    Ich bin mir nicht sicher, ob ein neuronales Netz bzgl. neuer Erkenntnisse weiterhelfen würde - schließlich ist es eine Black Box, bei der die Entscheidungsregeln verborgen bleiben. – Gerhard Jun 10 '17 at 8:32
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    KI (künstliche Intelligenz) und neuronale Netze sind zwei verschiedene Dinge. Neuronale Netze sind Nachbauten von Clustern aus Nervenzellen. Aus einem neuronalen Netz kann man ebensowenig Regeln gewinnen, wie aus dem Sezieren eines Gehirns unter dem Mikroskop. KI ist ein sehr schwammig definiertes Arbeitsgebiet, zu dem unter anderem auch wissensbasierte Systeme gehören. In diesem Fall hat man als Basis einen Satz expliziter Regeln und handelt danach. Auch hier kann man keine neuen Kenntnisse gewinnen, weil die erhofften Kenntnisse bereits explizit vorgegeben werden müssen. – Hubert Schölnast Jun 10 '17 at 8:44
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    Sehr interessante Frage, die aber leider m.A. nach auch ziemlich off-topic ist. Hier geht es eher um den Stand der Technik der KI als um die deutsche Sprache. – tofro Jun 10 '17 at 9:11
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    Du musst deine Frage ein bißchen umformulieren. "Vorhersagen eines Genus" ist leider Unsinn. Das hört sich nach Kristallkugel an. Ein Substantiv hat einen bestimmten Genus. Punkt. Da gibt es nichts vorherzusagen. Ich kann entweder einen existierenden Text auf Richtigkeit untersuchen (das sollte in 90% der Fälle mit einem Wörterbuch gelingen, die restlichen 10% brauchen eine semantische Analyse, bei der man aber auch schon ziemlich weit ist) oder einen Text aus einer fremden Sprache übersetzen und den richtigen Genus wählen. Dazu muss ich aber den fremdsprachigen Text "verstehen" – tofro Jun 10 '17 at 9:17
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    I'm voting to close this question as off-topic because it is about the stand of KI and not about the usage of the German language. – Olafant Nov 15 '19 at 12:39
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Regeln gibt es einige, und die könnte man sicher auch einem Computer beibringen:

  • Fremdwörter auf "-or" sind grundsätzlich maskulin
  • Fremdwörter auf "-us" sind maskulin (außer "Genus selbst"...)
  • Wörter auf "-in" sind (meistens) feminin
  • Fremdwörter aus dem Französischen mit "-au[x]" (oder verdeutscht "-o") sind Neutren
  • Wörter auf "-er" sind meist maskulin
  • Wörter auf "-se" sind feminin
  • Wörter auf "-chen" sind meist Neutren
  • Wörter auf "-lein" genauso
  • Wörter auf "-ung" sind größtenteils feminin
  • Wörter auf "-keit" ebenfalls
  • ... und viele mehr

Und leider gibt es zu jeder dieser Regeln auch Ausnahmen, die ein Algorithmus kennen müsste. Und es gibt auch viele deutsche Wörter, die sich nur im Genus unterscheiden (der/die/das Band, das/der Bund,...) und dabei vollkommen unterschiedliche Begriffe bezeichnen.

Diese Ausnahmen, und vor allem die letzte, sorgen dafür, dass man die Regeln eigentlich gleich wieder vergessen kann - Man könnte mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit, aber nicht Sicherheit, ein Genus bestimmen. Das kann selbst ein "native speaker" in solchen Fällen nur mit Kontext. Ohne Kontext ist eine solche Bestimmung alles andere als "zuverlässig".

Baut man ein Stück Software, das eine komplette semantische Analyse eines Satzes ausführen kann (und da ist man dran oder kann es schon), dann hat man die Möglichkeit, den Satz tatsächlich zu "verstehen" und daraus u.U. auch genug Kontext abzuleiten, dass man Genus und Numerus genau bestimmen könnte. Aber wie gesagt: Nicht ohne Kontext.

  • "Ausnahmen, die ein Algorithmus kennen müsste" Mir ging es ja gerade um Systeme ohne festen Algorithmus bzw. um die Bewertung, Verbesserung oder Entwicklung von Algorithmen, die auch Menschen anwenden können. – Crissov Jun 10 '17 at 15:16
  • Crissov hat nicht nach Regeln gefragt, die man einem Computer beibringen könnte, sondern genau umgekehrt: Er hat danach gefragt, was ein Computer, der sich mit deutscher Sprache beschäftigt, uns Menschen beibringen könnte. – Hubert Schölnast Jun 10 '17 at 16:10
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    Auch z.B. ein neuronales Netz muss eine Ausnahme "lernen". Dann ist deine Frage weitab von allem, was mit der deutschen Sprache zu tun hat - Du willst wissen, ob es ein technisches System gibt, dass Regeln aus einem offensichtlich total chaotischen System mit extrem vielen Einflüssen von außen, einer mehrtausendjährigen Geschichte und massenhaft Mehrdeutigkeiten ableiten kann und diese aus den Daten formulieren könnte - Das halte ich für sehr unwahrscheinlich. Eher lernt ein Computer das Singen. – tofro Jun 10 '17 at 18:23
  • Mir fällt auf Anhieb kein Substantiv auf "-ung" ein, welches kein substantiviertes Verb darstellt. Ähnlich verhält es sich mit "-lein" und "-chen" (Diminutive) und "-keit". Ich bin mir nicht sicher, ob bei einem Fremdwort, welches eine derartige Endung hat aber nicht den passenden "Grund" dafür (also z.B. "-ung", obwohl es sich nicht um ein Substantiviertes Verb handelt) wirklich diese Regeln angewandt würden. – Martin Rosenau Jun 10 '17 at 20:07
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    "Wörter auf "-er" sind meist maskulin" - ja, wie die Mutter, Schwester, Tochter, Butter, das Futter, Gatter, ... - das sind zu viele Ausnahmen, um noch von Ausnahmen zu sprechen. – user unknown Nov 15 '19 at 22:08
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Zitat aus "Link":

Gerade bei neueren Lehnwörtern ..., sodass das Wort mit mehr als nur einem Genus verwendet wird. ... Ob eine der Tendenzen letzlich "gewinnt" und welche das ist, bestimmt der Sprachgebrauch.

Beispiele:

  • die E-Mail, das E-Mail
  • der Grappa, die Grappa
  • der Benchmark, die Benchmark
  • der Weblog, das Weblog
  • (oder, aus einer Frage auf dieser Webseite:) der Socket, das Socket

Aus dem zweiten Satz des zitierten Abschnitts folgt, dass diejenigen Muttersprachler, die ein neues Fremdwort benutzen, quasi darüber bestimmen, welches Genus denn "richtig" ist und dass das "richtige" Genus erst nach längerem Gebrauch des Wortes in der deutschen Sprache feststeht.

Eine Software, die das "richtige" Genus eines beliebigen, der Software unbekannten Fremdwortes bestimmen kann, müsste folglich vorhersehen können, für welches Genus sich die Muttersprachler in Zukunft entscheiden werden, da man die Software ja nach einem Fremdwort befragen könnte, das im Deutschen noch neu ist, und das zur Zeit noch mit unterschiedlichen Genera verwendet wird.

So etwas ist wohl nicht möglich.


Nachtrag (zur Frage von "Gerhard"):

Warum ist das nicht möglich?

Nehmen wir als Beispiel ganz einfach das Wort "E-Mail":

Die erste E-Mail, die Deutschland erreicht hat, ging an die Universität Karlsruhe. Das erste E-Mail, das Österreich erreicht hat, ging an jemand anderen.

Damals hat die Pressestelle der Universität Karlsruhe wahrscheinlich eine Meldung herausgebracht, dass "die erste Email" in Deutschland angekommen ist.

Irgendwer hat damals unbewusst die Entscheidung getroffen, in irgendeine Pressemeldung "die E-Mail" und nicht "das E-Mail" hineinzuschreiben.

Möglicherweise ein Journalist, möglicherweise ein Mitarbeiter der Pressestelle oder ein Informatik-Professor oder gar ein Student, der mit dem Mitarbeiter der Pressestelle geredet hat.

Die Pressemeldung wird herausgegeben und sämtliche Zeitungen, Fernseh- und Radiosender halten sich daran. Später halten sich auch alle anderen Deutschen daran, da der Tagesschau-Sprecher ja "die" E-Mail und nicht "der" E-Mail gesagt hat und es so auch in der "Beispielstädter Rundschau" geschrieben wurde.

Die Tatsache, dass man in Österreich "das E-Mail" und nicht "die E-Mail" sagt, zeigt eindeutig, dass der Herausgeber der Pressemeldung sich auch anders hätte entscheiden können.

Schlussfolgerung:

Solange man nicht vorhersagen kann, wer später einmal ein noch unbekanntes Fremdwort erstmalig "veröffentlicht" (z.B. in einer Pressemeldung, in einem Werbespot, in einem Musikstück ... verwendet), kann man auch nicht vorhersagen, welches Genus dieses Fremdwort einmal haben wird.

Schließlich hängt es von dieser Person entscheidend ab, welches Genus dieses Wort einmal bekommen wird.

Ob diese Vorhersage durch einen Menschen oder durch einen Algorithmus getroffen werden soll, spielt dabei keine Rolle.

  • Warum ist das nicht möglich? – Gerhard Jun 11 '17 at 1:28
  • @Gerhard Habe meine Antwort etwas erweitert – Martin Rosenau Jun 11 '17 at 6:39
  • Die Vorstellung, dass ein einzelner Journalist über die Verwendung entscheidet, ist nett aber realitätsfern. Wenn sich 70% der Leute so, und 30% so entscheiden würden, dann wird sich eine solche Aufteilung auch bei Journalisten finden, sofern sie repräsentativ sind. Und wieso soll eine KI das nicht lernen können? Journalisten und IT-Nerds wissen viel, außer dass sie nichts wissen, und so erliegen sie reihenweise und vorhersehbar der Illusion, Fremdwörter aus dem Englischen seien meist sächlich (the e-mail --- it) und das sei relevant. belleslettres.eu/content/deklination/genus.php – user unknown Nov 15 '19 at 22:18
  • @userunknown Ich habe meine Antwort noch einmal überarbeitet. Aber nach wie vor würde in meinem Beispiel eine einzige Person darüber entschieden haben, welches Genus das Wort "E-Mail" hat. Und nach wie vor behaupte ich, dass es nicht möglich ist, das Genus eines noch unbekannten Fremdwortes mit Sicherheit vorherzusagen, ohne zu wissen, welche eine einzige Person beim entsprechenden Fremdwort über das Genus bestimmen wird. – Martin Rosenau Nov 16 '19 at 10:46
  • Sicherheit ist doch gar nicht nötig - es ist doch nur nötig, deutlich besser als der User prognostizieren zu können, welches Genus das Wort bekommt. Ich nutze etwa das LanguageTool, um meine Zeichensetzung zu verbessern. Ab und zu setze ich mich über dessen Vorschläge hinweg, wenn ich meine es besser zu wissen. Wahrscheinlich wäre meine Fehlerquote schon besser, wenn ich den Vorschlägen blind immer folgte - durch meine Vetomöglichkeit wird sie noch besser. – user unknown Nov 16 '19 at 13:01

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