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Ich denke, dass eine Tüte aus Plastik oder Papier und ein Beutel aus Stoff besteht. Warum nennen man die „Müllbeutel“ so dann? Das ist auch Plastik, oder?

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  • Man sagt aber auch Plastikbeutel. Ein Beutel kann aus Stoff bestehen, muß aber nicht.
    – Uwe
    Jul 12, 2017 at 9:42

5 Answers 5

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Ich glaube, der Begriff Müllbeutel wurde von Marketing-Gesichtspunkten geprägt. Er ist nicht in allen Regionen Deutschlands gängig, in meinem Dialekt sagt man "Mülltüte" - ein "Beutel" ist allenfalls was, wo man sein Geld reintut - allerdings steht auf dem Produkt selbst auch bei mir zuhause "Müllbeutel" drauf.

Schaut man bei ngrams, findet man (-Beutel zugegebenermaßen häufiger) eine ähnliche Verbreitung von Müllbeutel und Mülltüte, schaut man sich aber Herstellerseiten an, findet man grundsätzlich nur den Begriff Müllbeutel.

Eine "Tüte" ist typischerweise ein Verpackungsmittel, das man beim Kauf von (losen) Dingen traditionell umsonst mitbekommt (siehe bis vor Kurzem Plastiktüten im Supermarkt, Pommestüten und die Bäckertüte für die Brötchen), impliziert also "kostet nix".

Wenn ich etwas verkaufen will, sollte ich bei der Wahl meiner Produktbezeichnung nicht einen Begriff wählen, der implizieren könnte, dass man mein Produkt "anderswo umsonst" oder "sowieso" bekommt - Deswegen steht auf der Wasserflasche "Mineralwasser" drauf und auf den Mülltüten eben "Müllbeutel"

Die anderen Antworten sind damit sicher nicht falsch, es gibt auch viele andere gute Gründe, warum man nicht "Tüte" draufschreibt, aber ich denke, das dürfte der Hauptgrund sein.

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    Ich würde eher annehmen, dass Beutel als neutraler, im gesamten Sprachraum benutzbarer Begriff gewählt wurde, auch wenn die Tüte verbreiteter ist als ich dachte: atlas-alltagssprache.de/runde-2/f13b Ich Frage mich, we lange sie schon in Süddeutschland ist, aber zu ihr hatten wir hier ja schon Fragen.
    – Carsten S
    Jul 10, 2017 at 8:47
  • @CarstenS Wie gesagt - Ich schließe andere (Mit-)Gründe nicht aus - Aber der Marketing-Grund ist zu bestechend und die Einheitlichkeit der vom Hersteller gewählten Bezeichnung im Vergleich zur Uneinheitlichkeit im allgemeinen Sprachgebrauch ebenfalls. Danke für den Verweis zum Atlas, hab' ich gar nicht dran gedacht.
    – tofro
    Jul 10, 2017 at 9:02
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    In der Welt, in der ich lebe, sagt man im Alltag eher Müllbeutel. Mülltüte wäre auch möglich, ist aber seltener zu hören. Jul 10, 2017 at 16:20
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Ein bloßer Blick ins Wörterbuch genügt.

Zum Beispiel steht im DWDS unter dem Stichwort Beutel, dass es sich um einen

sackähnliche[n] Behälter aus weichem Material

handle. Ob das weiche Material nun Plastik, Papier, Zellstoff, Flachs, Kautschuk oder irgendetwas anderes ist, spielt für das Beutelsein keine Rolle. Genauso spielt es für das Beutelsein eines Müllbeutels keine Rolle, dass er aus Plastik besteht.

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  • Steht bei "Tüte" was entscheidend anderes? Oder gilt "wenn eine Definition passt, dann muss es die sein"?
    – tofro
    Jul 10, 2017 at 11:58
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    Ich verstehe den Einwand nicht. Erstens geht der Fragesteller davon aus, Tüten bestünden aus Plastik oder Papier - was richtig ist - und Beutel aus Stoff - was nicht allgemein richtig ist. Daher ist er verwirrt darüber, weshalb die meist aus Plastik bestehenden Müllbeutel eben Müllbeutel genannt werden. Meine Antwort widerlegt lediglich seine Annahme. Zweitens gibt es neben der stofflichen Beschaffenheit tatsächlich noch ein entscheidenes Kennzeichen einer Tüte: die Trichter- oder Röhrenform, auch wenn sie etwa bei Einkaufstüten heutzutage kaum noch vorkommt. Jul 10, 2017 at 12:42
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Das Wort »Beutel« bezeichnet nur die Form, nicht aber das Material, aus dem er besteht.

So bezeichnet man z.B. auch den Sack am Bauch von allen lebend gebärenden Säugetieren, die keine Plazenta haben, als Beutel. Die davon abgeleitete Bezeichnung für diese Tiergruppe ist dann auch: Beuteltiere.

An vielen Gelenken im menschlichen Körper sitzen auch Schleimbeutel. Das sind mit Flüssigkeit gefüllte Säckchen, die Druck und Reibung an den Gelenken reduzieren.

In vielen Dialekten Österreichs wird auch der Hodensack des Mannes als Beutel bezeichnet und als Schimpfwort benutzt. Z.B. im Wiener Dialekt: »Beidl«, das entspricht in der Schwere der Beschimpfung ungefähr dem Arsch (wienerisch: »Oasch«)

Im Mittelalter gab es den Beruf des Beutlers. Das war jemand, der aus Leder Wasser- und Weinbeutel herstellte. Solche Beutel werden auch heute noch z.B. in Spanien hergestellt und verwendet (»Bota« = spanischer Trinkbeutel). Damit verwandt ist der aus Glas gefertigte (und somit starre) Bocksbeutel.

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Eine Tüte ist ursprünglich ein kegelförmiges Behältnis. Denk an die Eistüte, an die Schultüte, an die Pommestüte.

Der Zweck ist natürlich, dass das ganze nach viel mehr aussieht, als es eigentlich ist. Und dass man das Ding mit einer Hand von unten anfassen und oben mit der anderen Hand Sachen rausgrabbeln kann.

(Außerdem gibt's auch noch die Flüstertüte. Da ist es einfach nur die Kegelform. Natürlich auch bei der Tüte, die man sich dreht.)

Müll in Kegeln darzubieten, dass man oben eine möglichst große stinkende Oberfläche und unten drin keinen Platz hat, hat glaube ich noch keiner versucht. Von daher ist die Mülltüte wohl eher ein sprachlicher Witz.

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  • Der erste Absatz ist richtig.
    – Carsten S
    Jul 9, 2017 at 22:07
  • Das mit der Kegelform ist interessant. Man lernt nie aus. :-) Jul 10, 2017 at 17:50
  • Nach Deiner Antwort bin ich mir nicht sicher, ob Dir klar ist, dass "Mülltüte" absolut geläufig ist (vielleicht nicht überall).
    – Carsten S
    Jul 11, 2017 at 9:47
  • Ja, es ist geläufig. Und ich denke immer an eine große Pommestüte mit Müll.
    – Janka
    Jul 11, 2017 at 11:57
  • Ok. Jedem sein Idiolekt :)
    – Carsten S
    Jul 18, 2017 at 7:12
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Laut Wikipedia gibt es Beutel aus ganz unterschiedlichen Materialien. Das Wort ist daher schonmal korrekt.

Fraglich ist nun, warum sich im allgemeinen Sprachgebrauch nicht die Mülltüte als alleinige Bezeichnung durchgesetzt hat, obwohl sie den Begriff enger eingrenzt. Das könnte daran liegen, dass das Wort Tüte nur für kleine Behälter verwendet wird. Das Wort Beutel hat eine größere Spannweite, so dass die Hersteller einfach auf alle Packungen dasselbe Wort schreiben können, egal, ob der Beutel nun 3 Liter oder 60 Liter fasst.

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    Die »Mülltüte« hätte es zumindest in Österreich aber ohnehin schwer gehabt, weil es bei uns keine Tüten, sondern Sackerl gibt. Und Müllsackerl (das sind kleine Müllsäcke) gibt's in Österreich tatsächlich, z.B. für Hundekot: easy-dogs.net/typo3temp/pics/9090f1caf4.jpg Jul 9, 2017 at 19:16

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