3

Warum bekommt das Wort "Pharao" manchmal im Genitiv kein -s?

Die Macht des Pharao.

Der Fluch des Pharao.

4

Eigentlich ist das falsch. Der Genitiv des Pharaos hat eigentlich ein s am Ende (siehe Wiktionary)

Aber so, wie vor rund 100 Jahren das Dativ-e aus der deutschen Sprache verschwunden ist (früher: »Am Brunnen vor dem Tore, da steht ein Lindenbaum« heute: »Der Ball fliegt an dem Tor vorbei«), verschwindet gerade langsam das Genitiv-s bei Wörtern, die mit einem Vokal enden. Vor allem Wörter, die auf -o enden, schien davon besonders stark betroffen zu sein:

Der Kurs des Euro(s) steigt.
Der Herzschlag des Embryo(s) war kaum zu hören.
Die Bahn eines Tornado(s) ist nicht genau vorhersehbar.

  • 2
    Der Euro ist ein Eigenname. Dort darf/soll man das Genitiv-s schon immer weglassen. – tofro Sep 10 '17 at 8:46
  • @tofro: Wiktionary sieht das anders. Es sieht für den Genitiv singular beide Möglichkeiten vor: de.wiktionary.org/wiki/Euro – Hubert Schölnast Sep 10 '17 at 8:50
  • 2
    Sagichdoch. Beim Euro ist das Weglassen des Genitiv-s nicht falsch. Bei deinen anderen Beispielen schon. Deine Antwort impliziert, es wäre falsch. – tofro Sep 10 '17 at 8:52
  • @Hubert Schölnast Eigentlich scheint dieser Wandel vor langer Zeit begonnen zu haben. Ich bin gerade auf den folgenden Satz aus dem Jahr 1968 gestoßen : ..., daß es(...) ein Grab des Pharao Tut-ench-Amun geben müsse. – Dreikäsehoch Sep 12 '17 at 19:55
  • @Dreikäsehoch: Stimmt. Ich beobachte das ebenfalls seit meiner Kindheit. Ich glaube fast, dieser Wandel stagniert. Es gibt derzeit so einen Zwischenzustand: Umgangssprachlich wird das s im gesamten deutschen Sprachraum wenig verwendet, aber offenbar weiß jeder, dass man es eigentlich verwenden müsste, weswegen es in der Schriftform meist (aber nicht immer) verwendet wird. – Hubert Schölnast Sep 12 '17 at 20:04
4

An sich gibt es zwei legitime Gründe, nach denen man das Genitiv-s weglassen darf:

  1. Bei Eigennamen "Das Pferd des Otto"
  2. Bei (noch) nicht eingedeutschten Wörtern aus einer fremden Sprache "Die Kurven des pacific highway"

Keiner der beiden Fälle scheint bei deinem Beispiel zuzutreffen (man könnte möglicherweise einen Eigennamen daherreden, das halte ich aber für unrichtig), das Weglassen des Genitiv-s ist also eher einer Veränderung der Sprache, die zunehmend das -s auch bei "normalen" Wörtern wegläßt, zuzuschreiben, wie schon von Hubert beschrieben.

  • 1
    Ich denke, beim Weglassen des s des Pharaos interpretiert das Sprachzentrum (üblicherweise im Hirn des normalverbrauchenden Otto) den Pharao als Eigennamen. So würde ich mir jedenfalls erklären, dass "der Fluch des Pharao" akzeptabler klingt als "der Fluch des Tornado" - hier würde ich noch immer ein s anhängen. – Christian Geiselmann Sep 10 '17 at 15:12
  • @ChristianGeiselmann Das ist das, was ich meinte, als ich schrieb "man könnte sich einen Eigennamen herbeireden". ;) – tofro Sep 10 '17 at 15:19
  • 1
    Ja, aber du sagst ja auch, dass du es für unrichtig hältst, während ich es für richtig halte (also nicht, das zu tun, aber zu meinen, dass das Hirn des s-Weglassers es tut). – Christian Geiselmann Sep 10 '17 at 16:20

Your Answer

By clicking “Post Your Answer”, you agree to our terms of service, privacy policy and cookie policy

Not the answer you're looking for? Browse other questions tagged or ask your own question.