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Es geht um folgenden Satz:

1 - Der zu Beurteilende wird gebeten, ins Zimmer 17 zu kommen.

  • Ist hier das Wort »Beurteilende« groß oder klein zu schreiben?
  • Was ist mit »zu«? Ist es richtig, »zu« kleinzuschreiben?
  • Gibt es eine amtliche Regelung für das Substantivieren eines Gerundivums eines nichttrennbaren Verbs?

Ich vergleiche das mit:

2 - Der Alte wird gebeten, ins Zimmer 17 zu kommen.

Hier ist »Alte« ein substantiviertes Adjektiv. Setzt man dahinter ein geeignetes Substantiv (z.B. »Mann«) wird daraus ein Attribut dieses Substantivs, und das Adjektiv muss sich nicht mehr selber als Substantiv ausgeben, man schreibt es daher klein:

3 - Der alte Mann wird gebeten, ins Zimmer 17 zu kommen.

Auch zum Satz 1 kann man so einen Satz finden:

4 - Der zu beurteilende Mann wird gebeten, ins Zimmer 17 zu kommen.

Hier ist »zu beurteilende« ein Attribut, welches das Substantiv »Mann« näher beschreibt. Genau dieselbe Rolle hat auch »alte« im Satz 3. Es gibt aber zwei wichtige Unterschiede:

  • alte
    nur ein Wort
    Adjektiv
  • zu beurteilende
    zwei Wörter
    zu + Gerundivum (auch bekannt als »zu-Partizip«)

Klar scheint zu sein, dass die Weglassung des referenzierten Substantivs (Übergang von Satz 3 zu 2, bzw. von 4 zu 1) das Attribut substantiviert (also großgeschrieben) werden muss.

Unklar ist mir aber, ob das ganze Attribut dann großzuschreiben ist (»Der Zu Beurteilende wird gebeten ...«), oder ob es ausreicht, nur einen der beiden Bestandteile großzuschreiben, wobei sich dann die Frage stellt welchen (»Der Zu beurteilende wird gebeten ...« oder »Der zu Beurteilende wird gebeten ...«).

Einfacher wird es natürlich, wenn das Verb, von dem das Gerundivum abstammt, trennbar ist, denn dann wandert das »zu« ins Wort hinein, so dass es nur ein Wort gibt. Beispiel »ausbilden«:

5 - Der Auszubildende wird gebeten, ins Zimmer 17 zu kommen.

Aber wie genau ist die Substantivierung von Gerundiven von nichttrennbaren Verben geregelt?

  • 2
    Warum versuchst du dich nicht an Der zu Alte wird gebeten, ins Zimmer 17 zu kommen? Es ist zwar eine andere Verwendung von "zu", aber hier wird wohl kaum jemand auf die Idee kommen, das groß schreiben zu wollen. – tofro Oct 4 '17 at 13:06
  • @tofro: Ich bin ganz konkret von jemandem gefragt worden, wie man »der zu Beurteilende« schreibt. Der Fragesteller wollte das eigentlich so schreiben: »Der Zu-Beurteilende«, und fragte eigentlich, ob der Bindestrich richtig ist. Ich aber riet ihm stattdessen zu »der zu Beurteilende«. Nur kann ich leider keine offiziellen Regeln finden, um das auch zu belegen, und so ganz sicher bin ich mir auch nicht, ob das richtig ist. – Hubert Schölnast Oct 4 '17 at 13:18
  • @tofro: Aber dein Beispiel ist eigentlich auch spannend. Wie sicher bist du dir, dass man das kleinschreibt? Woher nimmst du deine Sicherheit? Ich bin mir da nämlich gar nicht so sicher. – Hubert Schölnast Oct 4 '17 at 13:20
  • Der Bindestrich ist ziemlich sicher falsch. Auch wenn man den "Zum-Tode-Verurteilten" nach §43 wohl koppeln sollte. Möglicherweise würde man dann den "Zum-Tode-zu-Verurteilenden" so schreiben, aber nicht den "zu Verurteilenden" – tofro Oct 4 '17 at 13:31
  • Darf ich ein bisschen (ceterum censeo) mosern, dass die oben (mit-) gestellte Frage nach "amtlichen Regelungen" der Sache nicht angemessen ist? Sprachkultur ist nichts, was von Amtsstuben aus zu regeln wäre. (Versuche dieser Art aus deutscher Kultusministerialbürokratie würde ich ignorieren.) Und außerdem: wessen Ämter sollten das entscheiden? Deutschlands? Österreichs? Der Schweiz? Die UNESCO? – Christian Geiselmann Oct 4 '17 at 13:31
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Ich sehe keinerlei Veranlassung, das "zu" bei der Substantivierung gross zu schreiben.

Wikipedia sagt, es gäbe keine Regel, aber eine "stillschweigende Übereinkunft", wie das Gerundivum zu bilden sei, läßt sich über die Grossschreibung nicht aus, aber zeigt in den Beispielen deutlich, wie es zu schreiben ist:

Möglich ist aber auch die Substantivierung des zu-Partizips (das zu Lobende und das zu Tadelnde), wobei die Orthografie nicht amtlich geregelt ist, aber wohl weiter Konsens besteht, dass, wo nicht inkorporiert, weiterhin getrennt geschrieben und nicht gekoppelt wird, also „das zu Beobachtende“ und „das Zuzuziehende“[4]. Im Deutschen sind auch einige Gerundive „als Substantivierungen lexikalisiert, z.B. der/die Auszubildende“[5].

Die Quelle [4] verweist auf "Duden, richtiges und gutes Deutsch", das ich leider hier grade nicht zur Hand habe.

Das sollte sowohl deine Frage nach einer amtlichen Regelung, als auch nach der gängigen Praxis beantworten.

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