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In einem Buch ist mir der Genitiv untergekommen:

... und spielte zwei oder drei Lieder Walther von der Vogelweides.

Mir ist schon klar, dass der Satz mit einem andere Namen, etwa Franz Schuberts, gut funktionieren würde. Da nach von der für Vogelweide aber nur der Dativ in Frage kommt und außerdem Vogelweide klar weiblich ist, stolpere ich über das angehängte s.

Gibt es eine andere Lösung als durch Umformulieren den Genitiv zu vermeiden?

In Walther von der Vogelweide: Eine biographische Skizze findet sich die Alternative, die den Genitiv nur auf Walther bezieht:

Die Wiederherstellung des Grabdenkmals Walthers von der Vogelweide...

Für ein ähnliches Namensmuster, Reinmar der Alte, wird der Genitiv als Reinmars des Alten gebildet.

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Das -s des Eigennamen-Genitivs wird hinter dem Namen angehängt. Es entsteht aber eine Unsicherheit dadurch, dass es zwei verschiedene Auffassungen darüber gibt, ob nun der Zusatz von der Vogelweide als Teil des Eigennamens gilt oder nicht:

  1. Entweder wird der Zusatz als integraler Teil des Eigennamens aufgefasst – der Eigenname lautet dann gewissermassen Walther-von-der-Vogelweide
  2. oder der Zusatz wird als ein optionales Anhängsel aufgefasst – der Eigenname lautet dann gewissermassen Walther ([übrigens kommt er] von der Vogelweide).

Im ersten Fall ergibt das Anhängen des Eigennamen-Genitiv-s die Form Walther-von-der-Vogelweide-s, im zweiten Fall hingegen Walther-s (von der Vogelweide).

Bemerkungen:

  • Abweichend von deiner Auffassung nehme ich die Lieder Walthers von der Vogelweide auch heute als korrekt wahr und die Lieder Walther von der Vogelweides als so richtig als spräche man von seinen vielgesungensten Liedern - schlicht eine Folge des Sprechen ohne Nachdenkens. – Christian Geiselmann Nov 5 '17 at 11:48
  • @ChristianGeiselmann: Wie kommst du denn darauf, dass ich die zweite Form nicht als korrekt wahrnähme? Selbstverständlich dünkt sie mich korrekt. Wie hältst du es übrigens mit der Voranstellung? – mach Nov 5 '17 at 18:12
  • 1
    @userunknown: Nein, man lässt eben nicht den vermeintlichen Vornamen weg, sondern man schreibt «Walther schrieb mehrere Lieder», denn bei «von der Vogelweide» handelt es sich eben gerade nicht um einen modernen Nachnamen, sondern um einen mittelalterlichen Namenszusatz aus einer Zeit, als sich Nachnamen noch gar nicht durchgesetzt hatten. Vgl. dazu etwa Walther von der Vogelweide oder die zahlreichen Quellen dort. – mach Nov 8 '17 at 6:31
  • 1
    @userunknown: Hier geht es eben nicht um persönliche Meinungen, sondern um den Sprachgebrauch, wie er bei den sorgfältigsten Schreibenden üblich ist, also in gut redigierten Büchern, Feuilletons usw. Und da ist es nun einmal so, dass die Form «Walthers von der Vogelweide» üblich ist. Ob es einem nun gefällt oder nicht, ist eine ganz andere Frage und tut erst einmal nichts zur Sache. – mach Nov 11 '17 at 9:02
  • 1
    @userunknown: Nun, was ist sie denn, «die eigentliche Frage, die geklärt werden soll»? Selbstverständlich lautet das erste Wort im Titel «Personennamen». Danach geht es aber weiter mit «Genitiv-Spezialfall?» Und im Beitrag sind als Beispiele zwei Namen von Minnesängern aufgeführt. Mir scheint es also sehr offensichtlich um mittelalterliche Namen mit «von der» zu gehen, und insbesondere darum, ob sie einen «Spezialfall» darstellten – wobei ich sinnvollerweise die modernen Namen mit «von der» als impliziten Normalfall dazudenke. Die Antwort ist: ja, sie stellen einen Spezialfall dar. – mach Nov 20 '17 at 13:18
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Dieser Genitiv ist durchaus korrekt, und findet sich auch vielfach im Internet:

Alle genannten Beispiele, lassen sich auch mit von + Dativ formulieren, ohne die Bedeutung zu ändern:

  • Gerhard Atze [...] war ein Dienstmann [...], auf den zwei Lieder von Walther von der Vogelweide um 1204 und 1205 Bezug nehmen.
  • Lehrzeit und Aufstieg von Walther von der Vogelweide als Sänger ...
  • Überzeugungsstrategien in der Sangspruchdichtung von Walther von der Vogelweide

Und genau dasselbe ist auch in deinem Beispiel möglich:

... und spielte zwei oder drei Lieder von Walther von der Vogelweide.

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Da nach von der für Vogelweide aber nur der Dativ in Frage kommt und außerdem Vogelweide klar weiblich ist, stolpere ich über das angehängte s.

Das ist falsch. "Von der Vogelweide" ist der Nachname, bzw. wie ein Nachname, in dem eine grammatische Form quasi geronnen ist. Egal, ob man von Müller, Meier, Schulz noch 20 Euro zu kriegen hat, oder von von der Vogelweide, man braucht ein eigenes von. Der Vorname ist ja nicht zwingend zu gebrauchen.

Gibt es eine andere Lösung als durch Umformulieren den Genitiv zu vermeiden?

Ja. Beziehungsweise nein. Man kann den Genitiv verwenden und das angehängte S umschiffen:

Er spielte drei Lieder des Walther von der Vogelweide.

Daran ändert auch nichts, dass es das heutige Namenssystem zu Zeiten des Walter von der Vogelweide noch nicht gab.

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