6

Ich las soeben diesen Satz:

Die Veranstaltung ist ein Beispiel dafür, wie man die Darbietung dreier Musiker mit Texten siebener Autoren verbindet.

Es geht dabei um die Deklination der Zahlwörter. Folgende Beispiele sind ja durchaus gängig:

der Text eines Autors
die Texte zweier Autoren
die Texte dreier Autoren

Kann man dieses Schema weiterführen?

die Texte vierer Autoren
die Texte siebener Autoren
die Texte achtundzwanziger Autoren

Denn das Folgende ist ja wieder korrekt, bedeutet aber nicht das, was es nach dem obigen Schema bedeuten sollte:

die Texte hunderter Autoren
die Texte tausender Autoren

  • 2
    Ja, dieses Schema existiert so. Laut Wiktionary (als Beispiel) werden Zahlwörter genau so gebeugt. – IQV Nov 16 '17 at 12:15
  • 2
    Ich habe dazu eine Quelle gefunden, die vorigem Kommentar zustimmt, mit dem Zusatz, dass "[b]ei Zahlen ab vier [...] Gentivformen mit –er übrigens ungebräuchlich [sind]". canoo.net/blog/2012/03/15/zahlen-im-genitiv – RoyPJ Nov 16 '17 at 12:17
  • 4
    Ich votiere dafür, die Frage nicht zu schließen, denn das allgemeine Bildungsschema ist ja eben nicht in beliebigen Nachschlagewerken zu finden. Eine Referenz auf einen Expertenbeitrag, in dem auch nur beiläufiger die Ungebräuchlichkeit erwähnt wird, zählt für mich nicht als Nachschlagewerk. – Björn Friedrich Nov 16 '17 at 13:15
  • Bei 2 bis 4 Autoren ist das Schema durchaus gebäuchlich, aber bei 7 Autoren klingt das sehr ungewohnt. Ich würde das einfach umgehen und die Texte von sieben Autoren schreiben. – Uwe Nov 17 '17 at 19:11
  • Siehe auch Ergänzungs-Edit meiner Antwort. (Ich glaube, über die Edits der Antworten wird man nicht benachrichtigt. Daher der Kommentar.) – Min-Soo Pipefeet Nov 17 '17 at 21:28
2

Beides ist richtig.

Ja, die Bildung solcher Formen mit Zahlwörtern über "drei" ist ungebräuchlich.

Aber auch: Ja, in Textgattungen (oder Text-Orten), wo kreative Sprache erlaubt ist (oder wo man sich leisten kann, kreativ zu sein), spricht wenig gegen die Ausdehnung des Prinzips auf höhere Zahlen.

Übrigens meine ich mich an Stellen aus Literatur und Brauchtum zu erinnern, wo auch "vierer" vorkommt. (Wenn mir einfällt, wo das war, füge ich es noch an. Vielleicht war das bei Christoph Martin Wieland irgendwo... aber der ist ja auch sprachkreativ.)

Der Witz ist halt, dass man wissen muss, wo kreatives Formulieren angemessen ist und wo nicht.

| improve this answer | |
  • Viererbob, der Deutschland-Achter? – user unknown Nov 17 '17 at 2:12
  • @userunknown: Das was du meinst ist aber kein isolierter unbestimmter Genitiv, sondern ein Bestandteil eines Kompositums. – Hubert Schölnast Nov 17 '17 at 7:23
1

Wenn man will, kann man dieses Schema natürlich weiterführen; mein Sprachgefühl gerät bei dem Satz mit siebener jedoch eindeutig ins Stocken.

Möglicherweise liegt der Grund für das Stocken darin, dass meine Sprachautomatik ein spezifischeres Schema bildet. Ausgehend von:

eines Autors <-- korrekt, da völlig normale Flexion
zweier Autoren <-- als korrekt empfunden, da häufig im Gebrauch
dreier Autoren <-- als korrekt empfunden, da häufig im Gebrauch

scheint mein Sprachgefühl zweier und dreier nicht bloß zum Schema Zahlwort-er zu verallgemeinern, sondern spezifischer zu <Zahlwort, das auf ei endet>-er . Damit beginnt das Holpern schon bei vierer, da vier nicht auf ei endet.

Für siebener meldet mir mein Sprachgefühl ein "falsches Wort" zurück.

Für Zahlwörter, die auf /t/ oder /d/ enden, setzt bei mir dagegen das anders gemeinte Schema ein:

dutzender Autoren
hunderter Autoren
tausender Autoren

Die Frage, was nun "richtig" sei, wird für den Leser/Hörer so einer Konstruktion wohl nicht von Interesse sein. Denn er wird sie nicht nach "richtig" oder "falsch", sondern nach dem unbewusst gebildeten Schema seines Sprachgefühls interpretieren und bewerten.


Wer nun, wie ein Kommentar zu dieser Antwort nahe legt, der Meinung ist, dass es willkürlich sei, ein Schema nur aus den zwei Fällen zweier und dreier zu bilden, vierer aber nicht mehr einzubeziehen, vergegenwärtige sich einfach mal die Häufigkeitsverhältnisse anhand von Google Books Ngram Viewer (exemplarisch zu den 2000er-Werten berechnet):

  • Das Wort dreier wird knapp 7 Mal seltener verwendet als das Wort zweier.
  • Das Wort vierer wird dagegen schon 96(!) Mal seltener verwendet als das Wort dreier.

Es ist also schon ein gravierender "Riss" zwischen den Verwendungshäufigkeiten von einer, zweier und dreier auf der einen und vierer, fünfer etc. auf der anderen Seite.

Einen weiteren, aber bei weitem nicht so starken Häufigkeitsabsacker gibt es von vierer zu fünfer (hier wieder exemplarisch zu den 2000er-Werten berechnet) - knapp 13 Mal seltener - , während die folgenden sechser, siebener und neuner sich alle mehr oder weniger in der gleichen Größenordnung wie fünfer bewegen - siebener etwa 1.470(!) Mal seltener als dreier.

Bemerkenswert ist auch, dass alle Google-Books-Fundstellen zu siebener im Zeitraum 1994-2000 auf eine einzige Bildschirm-Seite passen. Eine Genitiv-Verwendung findet sich darunter nicht.

Die Genitiv-Verwendung findet man aber auch nicht mal mehr für vierer, wie wiederum dieses Ngram-View für "zweier Menschen,dreier Menschen,vierer Menschen" zeigt, und zwar im ganzen Zeitraum von 1800 bis 2000:

  • "Ngrams not found: vierer Menschen"
  • "Ngrams not found: vierer Personen"
  • "Ngrams not found: vierer Autoren"
| improve this answer | |
  • Probier mal "einer Autorin", um aus Deinem Ei-Schema zu schlüpfen. – user unknown Nov 17 '17 at 2:14
  • @userunknown Ich verstehe den Hinweis nicht. Das Schema ist eben nicht auf "eines" oder "einer" aufgebaut, sondern auf "zweier" und "dreier". – Min-Soo Pipefeet Nov 17 '17 at 10:34
  • Nur weil sich 2 auf 3 reimt von einem Schema zu sprechen ist aber gewagt. Mir ist kein Fall bekannt, wo man Endungen nach Reimen gruppieren kann. "Eines Autors" wird anders gebildet als "zweier, dreier, vierer Autoren", weil es Einzahl ist. Zwei Fälle, um eine Korrelation herzuleiten - kleiner kann das Sample ja kaum sein, wenn ein gemeinsames Merkmal abgeleitet werden soll. Das erste Gegenbeispiel "vierer" wird von Dir m.E. willkürlich ausgeschlossen, um zu diesem angeblichen Schema zu gelangen, für das es keine weiteren stützenden Argumente gibt. Das ist Esoterik, nicht kritische Analyse. – user unknown Nov 17 '17 at 18:01
  • @userunknown Du verwechselst mehrere Dinge.a)Von Reim hat niemand was geschrieben; dass Vokal- und Konsonanten-Endungen der Wortwurzel in Sprachen zu verschiedenen Flexionen führen, ist dagegen eher die Regel als Ausnahme.b)Hier geht es nicht um Statistik, sondern darum, wie der Mensch sich die Sprache bildet. Schon von zwei Fällen ausgehend zu verallgemeinern, ist ein typisch-menschliches Verhalten; ob dieses Verhalten "berechtigt" ist, tut hier nichts zur Sache, denn Sprache ist menschen- und nicht natur-gemacht.c)Auch das im OP vorgeschlagene Schema basiert nur auf zwei Fällen.d)s.Edit. – Min-Soo Pipefeet Nov 17 '17 at 21:25

Your Answer

By clicking “Post Your Answer”, you agree to our terms of service, privacy policy and cookie policy

Not the answer you're looking for? Browse other questions tagged or ask your own question.