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In einigen Büchern über Rhetorik und beim googeln im Kontext von wissenschaftlichem Schreiben findet man öfters das Wort zielwirksam.

Es ist weder im Online-Duden noch in Wiktionary gelistet.

Beispiele

Zur Frieddialektik gehört ein zweiter Schulungsgegenstand. Hierbei geht es darum, durch Argumentation und Kooperation Sachprobleme zielwirksam zu lösen.

Auf der Sachebene sollte der Moderator in der Lage sein, den Einstieg zu optimieren, dafür Sorge zu tragen, dass jeder das jeweilige Problem verstanden hat, den Problemlösungsprozess bei jedem Tagesordnungspunkt zielwirksam und strukturiert zu lenken sowie bei Bedarf unterstützende Methoden und Medien einzusetzen.

Thiele, Albert: Die Kunst zu überzeugen : Faire und unfaire Dialektik. Berlin Heidelberg New York: Springer-Verlag, 2013.

Fragen

Was genau bedeutet zielwirksam? Ist es synonym zu effektiv?

  • 4
    Es soll wohl effektiv bedeuten, ist aber rar. Wie löst man denn ein Sachproblem, wenn nicht wirksam? Und welche zusätzliche Qualität bringt das Wörtchen ziel ein? Im zweiten Fall würde man eher zielgerichtet schreiben. Ohne das Wort Moderator würde ich auf einen Fremdwortphobiker tippen. Was ein Wort genau bedeutet ist immer so eine Frage - als ob man es sonst nur so grob wissen wollte. Willst Du es genau wissen, musst Du Herrn Thiele selbst fragen, der könnte ja noch leben. – user unknown Nov 17 '17 at 1:46
  • 2
    @userunknown: Das solltest du als Antwort schreiben. – Hubert Schölnast Nov 17 '17 at 7:29
  • @HubertSchölnast: Nun, was es genau bedeutet weiß ich nicht. Was es wahrscheinlich bedeutet hat der Frager selbst erraten. Meine Polemik kann nur der Autor beantworten und ist bei CG auch nicht schlecht aufgehoben. Ich schwanke noch, ob man nicht schließen sollte. :) – user unknown Nov 17 '17 at 17:48
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Zunächst zur Bedeutung

Die Interpretation der Bedeutung von zielwirksam ist - speziell mit den Beispielsätzen, die in der Frage angeführt sind - eine knifflige Angelegenheit, denn es gibt Probleme auf mehreren Ebenen. Zunächst mal ist die Frage, was der Autor hier mit zielwirksam eigentlich meinte. Dann kommt die Frage, ob er das, was er meinte, mit zielwirksam auch gut ausgedrückt hat.

Versuchen wir einmal, herauszufinden, was der Autor gemeint haben könnte.

In den Beispielsätzen aus der Eingangsfrage kann man zielwirksam durch effektiv ersetzen (wie der Fragesteller ja schon vermutete) und erhält dann allgemeinverständliche Sätze, die auch einen Sinn ergeben.

Zur Frieddialektik gehört ein zweiter Schulungsgegenstand. Hierbei geht es darum, durch Argumentation und Kooperation Sachprobleme effektiv zu lösen.

Warum der Autor nicht einfach effektiv gesagt hat, ist mir allerding ein Rätsel. Vielleicht eine Abneigung gegen sogenannte Fremdwörter? Der Autor hätte auch einfach wirksam sagen können:

Zur Frieddialektik gehört ein zweiter Schulungsgegenstand. Hierbei geht es darum, durch Argumentation und Kooperation Sachprobleme wirksam zu lösen.

Wobei ich zwischen wirksam und zielwirksam keinen Unterschied erkennen kann.1

Wenn man ganz genau hinschaut, wird es allerdings fraglich, welchen Mehrwert sowohl zielwirksam als auch wirksam in diesem Satz überhaut haben. Denn wenn davon die Rede ist, Probleme zu lösen, dann ist die Lösung natürlich immer "wirksam", denn wenn sie nicht wirksam ist, ist sie ja keine Lösung.

[Anmerkung: Auch effektiv hat möglicherweise dieses Problem. Aber anders als im Gegensatzpaar wirksame Lösung vs. unwirksame Lösung (wobei die unwirksame Lösung dann keine Lösung mehr ist), ergibt effektive Lösung vs. ineffektive Lösung eher noch einen Sinn, denn man kann ineffektive Lösung verstehen als "Lösung, die funktioniert, wenn auch nicht so super gut".]

Also könnte man ohne Verlust auch schreiben:

Zur Frieddialektik gehört ein zweiter Schulungsgegenstand. Hierbei geht es darum, durch Argumentation und Kooperation Sachprobleme zu lösen.

Was in meinen Augen von allen bisherigen Sätzen der vernünftigste ist.

Nun zur Polemik:

Man kann zwar nicht behaupten, dass das Wort

zielwirksam

nicht existiert (denn hier steht es ja), jedoch kann man über seine Existenzberechtigung füglich einige polemische Worte verlieren.

Für mich gehört zielwirksam zum Bürokratenjargon (und vielleicht noch zum Ingenieursjargon), genau wie seine finsteren Brüder

zielführend

und

zeitnah

Das sind Wörter, die ich nur aus dem Munde höherer Beamter oder sonstiger administrativer Chefitäten höre, etwa in Fügungen wie Das ist nicht zielführend (womit wohl gemeint ist: "Das nützt nichts, das hilft uns nicht weiter") und Bitte diese E-Mail zeitnah beantworten, wofür ein normaler Mensch ohne Verschwurbelungssyndrom sagen würde: "Bitte antworten Sie möglichst schnell."

Wie immer man zu diesen Begriffen steht, zur Verwendung in Texten, bei denen es auf guten Stil ankommt, sind sie nicht geeignet. Sie sind sozusagen

*stilschädlich

Nachtrag

Inzwischen ist mir aufgegangen, warum feiner besaitete Geister Wörter wie "zeitnah", "zielführend" und "zielwirksam" als etwas zwischen Beleidigung und Vergewaltigung des Sprachempfindens wahrnehmen.

Direktes Zusammenfügen von Substantiv+Adjektiv (oder Partizip) findet man häufiger, wo zwischen den Elementen einen Akkusativ-Beziehung besteht:

fleischfressend - wen oder was? Fleisch!

nestbauend - wen oder was? ein Nest!

eierlegend - wen oder was? Eier!

fruchttragend - wen oder was? Frucht!

spaghettikochend - wen oder was? Spaghetti!

erbgutschädigend - wen? das Erbgut!

Für Verhältnisse im Dativ, Genitiv oder Präposition ist diese Wortbildungsart weniger üblich. Man kann sich natürlich darüber hinwegsetzen, aber dann kommen eben so Sachen heraus wie

zielführend - wohin? zum (!) Ziel führend

Dem Sprachempfinden fehlt dann etwas, nämlich der Dativmarker oder die entsprechende Präposition. Das Widerstreben, solche Wendungen zu akzeptieren, sieht man gut, wenn man versucht, das Prinzip produktiv einzusetzen:

*höllefahrend - zur Hölle fahrend

*bahnhofshaltend - am Bahnhof haltend

*abgrundschauend - wohin? in den Abgrund

Allerdings kann man dem einige Wörter entgegenhalten, die trotz Dativ-Beziehung stilistisch einwandfrei sind:

hasserfüllt - erfüllt mit Hass

sinnentleert - entleert von Sinn

sonnenzugewandt - wem zugewandt? der Sonne!

Das heißt, offenbar gewöhnt man sich mit der Zeit daran.


1) Man sollte allerdings auch die Möglichkeit in Betracht ziehen, dass in bestimmten fachsprachlichen Kontexten bestimmte Wörter eine besondere Bedeutung haben, die im Alltagssprachgebrauch nicht erkennbar ist. Zum Beispiel kann einem philosophischen Werk ein harmloses Wörtlein wie "Sein" am Anfang in besonderer Weise definiert sein, die man kennen muss, um den Rest des Buches zu verstehen und nicht für trivial zu halten. Falls dies der Fall sein sollte mit zielwirksam in den Beispielsätzen, falls also zielwirksam bei Fried eine spezifische Bedeutung haben sollte: sorry!

  • Das ist die beste Analyse die ich hier bisher gelesen habe. – Björn Friedrich Nov 23 '17 at 7:29

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