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Welcher ist der Unterschied zwischen den Ausdrücken

jm. Möglichkeit(en) bieten

und

jm. Möglichkeit(en) einräumen

Und gibt es überhaupt welchen?

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Wenn wir (1) mit (2) vergleichen, ändert das Wort ‚Möglichkeit‘ seine Bedeutung.

(1) jemandem (eine) Möglichkeit(en) bieten

(2) jemandem (eine) Möglichkeit(en) einräumen

In (1) heißt ‚Möglichkeit‘ so viel wie ‚Chance‘ oder ‚Gelegenheit‘. In (2) heißt ‚Möglichkeit‘ eher ‚Alternative‘ oder ‚möglicher Verlauf‘. Das folgende Satzpaar mag dies verdeutlichen.

(1a) Der Verlagsleiter bot Peter die Möglichkeit (an), eng mit dem berühmten Autor Hans Müller zusammenzuarbeiten.

(2a) Der Staatsanwalt räumte die Möglichkeit ein, daß der Angeklagte zur Tatzeit nicht am Tatort war.

In (1a) erhält Peter eine Chance. In (2a) gibt der Staatsanwalt zu, daß es so-und-so gewesen sein könnte. (Könnte = Möglichkeit) Wir könnten auch sagen: ‚Er räumte es als Möglichkeit ein‘.

In (2a) könne wir ‚einräumen‘ nicht mit ‚anbieten‘ ersetzen. Ob ‚anbieten‘ in (1a) durch ‚einräumen‘ ersetzt werden kann, ist nicht ganz klar. Vielleicht wollte der Verlagsleiter eigentlich gar nicht, daß Peter mit Hans Müller zusammenarbeitet. Dann könnte man evtl. ‚einräumen‘ benützen, aber ich finde es nicht sehr gelungen. Besser wäre es, einfach das Wort ‚widerwillig‘ hinzuzufügen: ‚Widerwillig bot der Verlagsleiter Peter die Möglichkeit an, …‘

Zuletzt fällt noch auf, daß wir ‚Möglichkeit(en)‘ als Subjekt benützen können:

(1b) Ihm bot sich eine neue Möglichkeit.

(1c) Eine andere Möglichkeit hat sich uns damals nicht geboten.

Die folgenden Sätze sind hingegen unsinnig:

(2b) #Ihm räumte sich eine neue Möglichkeit ein.

(2c) #Eine andere Möglichkeit hat sich uns damals nicht eingeräumt.

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    Der Unterschied zwischen (1a) und (2a) ist sehr gelungen dargestellt. Allerdings entspricht (2a) nicht dem (2) jemandem (eine) Möglichkeit einräumen – Min-Soo Pipefeet Nov 25 '17 at 12:43
  • @Min-Soo Pipefeet Ich glaube schon, daß (2a) und (2) einander entsprechen. Ich hätte doch schreiben können: ‚Der Staatsanwalt räumte dem Verteidiger die Möglichkeit ein …‘. Das klingt vielleicht ein Wenig steif (weshalb ich es auch weggelassen hatte); aber natürlich kann ‚einräumen‘ hier – wie sonst auch – mit Dativobjekt auftreten. (Andernfalls wäre ja (2) von vornherein falsch, oder?) – MarkOxford Nov 25 '17 at 13:16
  • 1
    Ja, das hättest Du zwar schreiben können, aber richtig klingt das für mich nicht. Das wäre äquivalent zu "Es wäre dem Verteidiger möglich, dass der Angeklagte zur Tatzeit nicht am Tatort war" - das ergibt keinen Sinn, denn die Möglichkeit bezieht sich auf den Angeklagten und ist an sich existent - für alle. Man kann jemandem ein Recht oder eine Kreditlinie einräumen, aber keine Möglichkeit. Man kann höchstens jemandem zugestehen, dass es die Möglichkeit gibt, dass ... - Aber das ist wiederum ne andere Sache. – Min-Soo Pipefeet Nov 25 '17 at 13:25
  • Zu: "Andernfalls wäre ja (2) von vornherein falsch, oder?" - Nein, siehe zum Beispiel den Satz: "Die Mitgliedstaaten können der zuständigen Behörde jedoch die Möglichkeit einräumen, die Frist des Unterabsatzes 1 zu verkürzen." Ein authentischer und korrekter Satz. Ist nicht weit von "Möglichkeit bieten", aber nicht ganz. Könnte vielleicht Schlüssel zur Antwort auf die Frage sein. – Min-Soo Pipefeet Nov 25 '17 at 13:40
  • @Min-Soo Pipefeet Meines Erachtens kann ‚Er räumte ihm die Möglichkeit ein, daß …‘ verstanden werden kann als ‚Er gestand ihm zu, daß…‘ bzw. als ‚Er räumte ihm ein, daß es möglich ist, daß …‘ (Früher konnte man auch sagen: ‚Er gab ihm zu, daß…‘.) – MarkOxford Nov 25 '17 at 13:58
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In den meisten Fällen sind beide Wörter austauschbar.
Bieten bedeutet eher ein aktives Anbieten.
Einräumen bedeutet eher ein passives Erlauben

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    Die Unterscheidung aktiv/passiv trifft es nicht. Was soll das sein, passives Erlauben? Dann wäre einräumen ja auch passiv, ist es aber auch nicht. – user unknown Nov 25 '17 at 18:04
  • Vielleicht trifft es das Gegensatzpaar offensiv/defensiv besser. Ich kann mir schon ungefähr vorstellen, worauf die Antwort hinaus will, ein bisschen mehr Erklärung würde ihr allerdings sicher nicht schaden. – Annatar Nov 27 '17 at 12:14
  • Aktiv/passiv ist möglicherweise falsch ausgedrückt: Meinst du "freudig zustimmend" vs. "unwillig nachgebend" (was beides "aktiv" ist)? – tofro Nov 27 '17 at 20:09
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Obwohl es bereits eine akzeptierte Antwort gibt, möchte ich nochmal auf einen anderen Aspekt des Unterschieds hinaus, der sich tatsächlich auf das verwendete Verb selbst bezieht.

Wenn ich jemandem eine Möglichkeit (an)biete, dann existiert diese Möglichkeit bereits, und ich biete ihm die bestehende Möglichkeit an.

Wenn ich jemandem eine Möglichkeit einräume, dann SCHAFFE ich die Möglichkeit erst, bevor ich Sie dem anderen anbiete.

Vergleiche:

Ich biete Dir die Möglichkeit, für mich als Teamleiter zu arbeiten:

Die Stelle des "Teamleiters" existiert bereits, ich biete sie dem Gegenüber an.

Ich räume Dir die Möglichkeit ein, für mich als Teamleiter zu arbeiten:

Ich schaffe die Stelle des "Teamleiters" und biete sie dem Gegenüber an.

  • Ich biete dir die Möglichkeit, eine neu zu schaffende Stelle als mein Teamleiter zu besetzen. Ich räume dir die Möglichkeit ein, die Stelle mit meinem bisherigen Teamleiter zu tauschen. Geht beides, oder? – Annatar Nov 27 '17 at 12:25

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