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Besonders beim Einkaufen trifft man all zu oft auf Bezeichnungen wie das Wort “Landfleischerei”, das wohl eine ländliche Idylle suggerieren soll, aber inhaltlich (glaube ich) genau dasselbe wie “Fleischerei” bedeutet1. Ähnliches gilt für Markennamen wie “Wiesenhof”.

Gibt es auf Deutsch einen linguistischen oder rhetorischen Fachbegriff für solche Nomina? Falls nicht, wie bezeichnet man sie am besten? Ich suche einen Begriff oder Ausdruck der deutlich ausdruckt daß man nicht nur Schönfärberei sondern eine Täuschungsabsicht unterstellt.

Es geht nicht darum ob in einem konkreten Fall “Landfleischerei” in Täuschungsabsicht gebraucht wird, sondern wie man die Meinung daß es so ist ausdruckt. Ich glaube schon daß manch einer sein Betrieb einigermaßen arglos so bezeichnet, aber daß besonders im Supermarkt eine Art Täuschung sehr wohl beabsichtigt ist.

P.S.

Ich habe und verwendet, aber mir ist natürlich egal welche es wird.

1 Landfleischerei” könnte vielleicht auch bedeuten “Fleischerei auf dem Lande” — also nicht in der Stadt — aber wo möglicherweise (oder sogar wahrscheinlich) dennoch Tiere aus der Massentierhaltung verarbeitet werden.

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    Ich wüsste jetzt nicht, was an der "Landfleischerei" (und am Wiesenhof) behaupten würde, das kein Fleisch aus Massentierhaltung verwendet wird. Bei einer "Stadtfleischerei" stelle ich mir irgendwie weniger Tiere vor. – tofro Jan 23 '18 at 16:52
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    @tofro: Natürlich wird das nicht explizit behauptet, aber andere Assoziationen werden aufgerufen die diesen Gedanken in den Hintergrund drängen, und vielleicht ein Bild van Tieren auf dem offenen Lande oder auf einer Wiese im Vordergrund setzen. – PJTraill Jan 23 '18 at 17:44
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    @tofro: In der Stadtfleischerei gibt es nur Hund und Katze, Hamster und Kanari. :) Das sehe ich auch so. – user unknown Jan 23 '18 at 20:46
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    Bei der Landfleischerei finde ich interessant, dass die entsprechende Firma vermutlich argumentieren kann, dass ihre Anlage (eine lebensmittelindustrielle Großschlachterei) durchaus auf dem Lande steht. Die Großen der Branche haben ihre Betriebe (wo dann 3000 ungelernte Arbeiter über Ketten von Subunternehmen beschäftigt sind) oft wirklich in sehr abgelegenen Gebieten... – Christian Geiselmann Jan 24 '18 at 9:22
  • Der Begriff muss ja gar nicht irreführend sein. – Rudy Velthuis Jan 24 '18 at 22:34
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Das ist ein Euphemismus, Wikipedia beschreibt ihn so: "...ein sprachlicher Ausdruck, der eine Person, eine Personengruppe, einen Gegenstand oder einen Sachverhalt beschönigend, mildernd oder in verschleiernder Absicht benennt."

Das ist eine rhetorische Figur oder auch Stilmittel, auch hier sei auf den interessanten Wikipedia-Artikel mit der Liste der rhetorischen Stilmittel verwiesen, sehr lesenswert.

  • Ich hatte nicht an Euphemismus gedacht; danke für den Hinweis! Mir scheint daß die verschleiernder Absicht eher im Deutschen als im Englischen (meiner Muttersprache) verstanden wird, was mir nicht bewußt war. Wir würden nämlich “Euphemism” nicht so oft gebrauchen wenn eine Täuschung Absicht wäre, was dem englischen Wikipedia Artikel zu entnehmen ist, obwohl das in Fällen wie “enhanced interrogation” = Tortur durchaus so ist. Außerdem gibt es vielleicht einen anderen Terminus der die Alternativen beschönigend, mildernd ausschließt. Bislang also ein ▲ aber noch nicht √! – PJTraill Jan 23 '18 at 18:08
  • Why would you think that "euphemism" in English has a different meaning? – tink Jan 23 '18 at 18:29
  • Euphemismus stellt nicht unbedingt eine Täuschung dar, bzw. wird diese nicht immer unbedingt beabsichtigt. Es ist eher eine Überhöhung für eine Tatsache, die bei näherer Betrachtung dem Versprochenem nicht stand hält. Ich würde also sagen etwas schwächer als Täuschung. Manchmal wird es auch ein bisschen anders benutzt, so daß man es wirklich merkt. Das Gesagte ist dann eindeutig ironisch oder sarkastisch. – Thomas Jan 23 '18 at 18:42
  • @tink: I do not say that euphemism has a different meaning in English, but that the nuances in meaning occur with different frequency. I have always thought of a euphemism primarily as an expression used to avoid explicitly naming something because of a taboo or out of respect for the presumed feelings of ones hearers or of oneself. In this case there is no intent to deceive. At the same time it can be used deceitfully, as in enhanced interrogation meaning torture. – PJTraill Jan 24 '18 at 9:43
  • 3
    Onkel Duden (dem ich mehr trauen würde als einem Eintrag in der Plethipedia) definiert Euphemismus als beschönigende, verhüllende, mildernde Umschreibung für ein anstößiges oder unangenehmes Wort. Wenn man dieser Definition folgt, geht es also nicht um die Anstößigkeit der Sache, sondern um die Anstößigkeit des Worts, und da Großschlachterei jedenfalls kein anstößiges Wort ist (wenn auch eventuell eine problematische Sache) könnte man zum Schluss kommen, dass Euphemismus hier nicht richtig passt. – Christian Geiselmann Jan 24 '18 at 10:14
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Euphemismus wäre auch meine erste Antwort.

Richtet man sich aber an weniger gebildete Leser und Zuhörer und will die eigene Bildung nicht zur Schau stellen, kann man auch gut mit Substantivierungen dessen arbeiten, was Thomas als Erklärung teils schon genannt hat:

  • Verharmlosung
  • Beschönigung
  • Verschleierung
  • Danke für die andere Vorschläge. Verharmlosung finde ich sehr passend, weil es darauf hindeutet daß der Sprecher sich sehr wohl von etwas schlechtem bewußt ist und probiert zu verhindern daß der Hörer darauf kommt. Beschönigung weniger, weil es auch ein Euphemismus aus Rücksicht auf den Gefühlen der Anderen (oder die eigenen) sein könnte. Verschleierung auch etwas weniger, weil das Element harmlos fehlt: es macht nicht deutlich daß der Gegenstand eben nicht harmlos ist. – PJTraill Jan 24 '18 at 9:36
  • Was harmlos ist und was nicht ist Ansichtssache. – user unknown Jan 24 '18 at 16:59
  • Ich finde "Landfleischerei" ziemlich harmlos. Die Fleischerei muss ja nicht etwas verschleiern. Das ist höchstens eine Vermutung. – Rudy Velthuis Jan 24 '18 at 21:27
  • @RudyVelthuis: Vielleicht hat sie was zu verschleiern; Zustände. Was soll das "Land" in Landfleischerei? Wegen der Mieten dürften alle Großfleischereien auf dem Land sein, aber was interessiert es den Kunden? Landliebe? Ich denke es sollen romantische Vorstellungen evoziert werden, und zwar auf subtile Weise, denn sobald man drüber nachdenkt kommt man drauf, dass Lidl für Millionen Kunden kaum in einer gemütlichen Eckfleischerei im Dorfkern einkaufen wird. – user unknown Jan 24 '18 at 21:32
  • @userunknown: Das "Land" ist da drin weil sie ja nicht in der Stadt ist. Warum soll eine Landfleischerei eigentlich eine unethische Großfleischerei sein? Der Begriff an sich ist m.E. völlig in Ordnung. Wenn der Begriff missbraucht wird ist das eben Missbrauch. Und ja, Firmen, ob groß oder klein, ob ethisch oder nicht, suchen sich natürlich einen schönen, vorteilhaften Namen aus. – Rudy Velthuis Jan 24 '18 at 21:45
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Bei solchen Bezeichnungen, die dem Verbraucher mehr suggerieren sollen als tatsächlich dahintersteckt, spricht man auch von einem Marketingbegriff.

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    Ja. Bei der Landfleischerei (für einen vermutlich industrielle Großschlachterei) finde ich Marketingbegriff passender als Euphemismus. Ich glaube, weil ich Euphemismus eher beziehen würde auf Bezeichnungen für Klassen von Dingen (Entsorgungspark statt Atommüllfabrik), nicht für Eigennamen, und die Landschlachterei scheint mir stark in Richtung eines Eigennamens zu gehen (welchen die betreffende Firma sich gibt). – Christian Geiselmann Jan 24 '18 at 9:18
  • Man könnte sogar fast meinen, dass Fleischerei schon beschönigend für Schlachterei ist, aber das würde wohl zu weit führen. Nichtsdestotrtoz glaube ich, dass die Entscheidung zwischen diesen beiden Wörtern sehr bewusst gefällt wurde. – RoyPJ Jan 24 '18 at 10:11
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    @ChristianGeiselmann: Guter Punkt. Geht in Richtung Eigenname ist richtig: sie tun als ob es ein sinnvoller Begriff ist während es nichts wesentliches an Fleischerei zufügt, wenigstens nichts ehrliches, und es wird fast ausschließlich als Teil von einem Firmen- oder Markennamen gebraucht. – PJTraill Jan 24 '18 at 10:13
  • @RoyPJ: Fleischerei könnte verschleiernd gemeint sein, aber es kann auch damit zu tun haben ob ein Betrieb nur schachtet, nur Geschlachtetes weiterverarbeitet oder beides tut. Übrigens gibt es auch “Landschlachtereien”. – PJTraill Jan 24 '18 at 10:17
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Im Grunde könnte man von

Vorspiegelung falscher Tatsachen

sprechen, auch wenn dies zunächst ein Begriff aus dem Strafgesetzbuch ist und hier - zur Bezeichnung von Produkt- und Firmennamen, die dem Kunden eine falsche Idylle vorspiegeln - in einem Feld noch unterhalb der Strafbarkeit (Betrug) verwendet würde.

Außerdem will die Firma sich und ihre Produktionsbedingungen natürlich

schönreden

und die Kunden

hinters Licht führen

oder

einlullen

und sich damit

aufhübschen

Geht man kognitionswissenschaflich an die Sache ran, könnte man auch von

Framing oder Reframing

sprechen: Ein Ding wird über eine bestimmte Bezeichnung für dieses Ding in einen anderen Kontext gestellt; hier den Kontext eines stereotypischen, idyllischen Bilderbuchlandlebens mit friedlich grasenden Kühen, das sich deutlich unterscheidet von der - hier mal vermuteten - agrar- und lebensmittelindustriellen Wirklichkeit eines modernen, großen Schlachtbetriebs, der hauptsächlich von Subunternehmerketten mit Personal beschickt wird, das armselig wohnt und die Landessprache nicht gut kennt.

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    So ganz stimme ich dem nicht zu. Ich denke schon, dass jene Fleischereien auf dem Land angesiedelt sind (was hätte es auch für einen Vorteil, sie mitten in der Stadt zu bauen..). Es ist also nicht unbedingt eine falsche Tatsache, sondern das, was wir uns darunter vorstellen, ist falsch. Und das wird natürlich bewusst eingesetzt. – RoyPJ Jan 24 '18 at 10:13
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    @RoyPJ Ja, verstehe. Jedoch: Als falsche Tatsachen, die hier vorgespiegelt werden, sehe ich weniger die geographische Lage der Schlachterei sondern die Bild- und Vorstellungswelten, die mit dem Begriff Landfleischerei einhergehen (Gras, Sonne, Bauernhof, Kühe, Friede, Freude, Eierkuchen). Aber ich gebe zu, dass das weniger Tatsachen sind, eher Vorstellungen. Vielleicht also Vorspiegelung falscher Vorstellungen? – Christian Geiselmann Jan 24 '18 at 10:19
  • 1
    (Re)Framing ist interessant/nützlich. – PJTraill Jan 24 '18 at 10:33

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