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Viele kennen sicher noch die Hörspiele von Bibi Blocksberg und das bekannte Intro mit den Zeilen:

Bibi Blocksberg, die kleine Hexe, kann so manches, wovon ihr träumt.
Und sie wird euch immer helfen, denn sie ist euer bester Freund.

Jetzt wissen wir, dass Bibi Blocksberg eindeutig weiblich ist. Wie kommt es jetzt dazu, dass Bibi im Intro als bester Freund besungen wird und nicht als beste Freundin?

  • War die Unterscheidung im Jahre 1988, als das Intro geschrieben wurde, noch nicht so wichtig?

  • Kann der Ausdruck bester Freund als eine Art generisches Maskulinum gesehen werden der beide Geschlechter einschließt? War es damals so oder auch noch heute?

  • War es Marketing und kleine Jungs sollten nicht abgeschreckt werden? Stichwort: Bäh, Mädchen, ich will keine Freundin (Wie gesagt, Text ist von 1988). Zielgruppe sind schließlich Kinder zwischen 4–10 Jahren.

  • Ist schlussendlich alles dem Reimschema geschuldet und/oder es reimt sich auch einfach nichts vernünftiges auf Freundin?

  • Oder ist etwas ganz anderes der Grund?

  • 4
    Man sagt ja auch Die Polizei, dein Freund und Helfer, nicht etwa Die Polizei, deine Freundin und Helferin. Das spricht dafür, dass "Freund" geschlechtsneutral verstanden werden kann. Wenn man will, kann man diese geschlechterübergreifende Verwendung von technisch gesehen genusbehafteten Wörtern auch sehen in: Alle Menschen werden Brüder. – Christian Geiselmann Jan 25 '18 at 10:39
  • 12
    Es sollte sich langsam rumgesprochen haben, dass grammatisches und biologisches Geschlecht in der deutschen Sprache nicht viel miteinander zu tun haben. – tofro Jan 25 '18 at 10:44
  • 2
    @Tofro Wenn das mal keine grammatikalische Revolution hervorruft, ich glaube damit wirst du dir nicht gerade Freunde machen, Ups: Freundinnen. – Thomas Jan 25 '18 at 10:59
  • 2
    @Thomas Die Revolution hätte schon vor 1000 oder mehr Jahren stattfinden müssen - Das ist nämlich schon mindestens solange so. – tofro Jan 25 '18 at 11:04
  • 6
    Die Macher haben gedacht: "Was reimt sich auf träumt? Ach ja, Freund." – Björn Friedrich Jan 25 '18 at 11:53
6

Nehmen wir folgendes Paradigma des generischen Maskulinums:

  • Bezieht sich ein generischer Ausdruck auf Personen beiderlei Geschlechts, nutzt man das Maskulinum.
  • Bezieht sich ein generischer Ausdruck nur auf weibliche Personen, nutzt man das Femininum.
  • Bezieht sich ein generischer Ausdruck nur auf männliche Personen, nutzt man das Adjektiv männlich oder etwas ähnliches.

(Der Gedanke dahinter ist, dass der erste, mit Abstand häufigste Fall der einfachste ist, und man zugleich Frauen nur ausschließen kann, indem man es explizit macht.)

Unter diesem Paradigma ergibt die Verwendung durchaus Sinn: Wir möchten eben ausdrücken, dass Bibi nicht nur die Damenkonkurrenz um unsere beste Freundschaft für sich entschieden hat, sondern selbst unseren besten männlichen Freund aussticht. Oder mit anderen Worten: Das Geschlecht spielt keine Rolle; niemand kann Bibi in Sachen Freundschaft das Wasser reichen. Hätten wir stattdessen gesagt, dass Bibi unsere beste Freundin wäre, wäre nicht klar gewesen, ob vielleicht unser bester Freund Franz nicht noch viel besser wäre.

  • Genau so. Gut auf den Punkt gebracht. – Björn Friedrich Jan 26 '18 at 15:36
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Grammatisch ist das einfach falsch. Natuerlich sind grammatisches und biologisches Geschlecht nicht notwendigerweise identisch. Das ist hier aber unerheblich, da auch Bibis grammatisches Geschlecht mit Sicherheit Femininum ist. Denn

* Hast du Bibi gesehen? Ich möchte ihn was fragen.

ist sicher falsch, richtig hingegen

Hast du Bibi gesehen? Ich moechte sie was fragen.

Was beweist, dass Bibis Genus Feminimum ist. Damit ist der Satz grammatisch falsch, weil er die Genus-Kongruenz zwischen der grammatisch femininen Bibi und dem grammatisch maskulinen Freund verletzt.

Genus-Kongruenz ist nicht in allen Verwendungen von sein obligatorisch, etwa in den Beispielen, die hier in den Kommentaren erwaehnt werden, so auch in dem von RHa genannten Beispiel

Der Maifeiertag ist eine gute Gelegenheit, einen Ausflug zu machen.

Genus-Kongruenz ist aber im vorliegenden Fall gefordert, weil hier die Identitaet zweier Gegenstaende behauptet wird. Damit muessen diese Gegenstaende die gleichen Eigenschaften haben. "Freund" ist aber fuer maskuline Freunde vorgesehen, der Satz

* Mein Freund ist nett. Sie gibt mir immer von ihrer Schokolade etwas ab.

waere falsch.

Das von Christian Geiselmann im Kommentar erwaehnte

Die Polizei, dein Freund und Helfer.

ist ein etwas anders gelagerter Fall, weil hier generisches Maskulinum auf die Gruppe der Polizist*innen angewandt wird.

Generisches Maskulinum ist hier ausgeschlossen, da es sich um eine konkretisierten, individualisierten Referenten handelt.

Im Fall von Bibi kann man es als dichterische Freiheit durchgehen lassen, was in diesem Fall bedeutet: Es ist einfach nach dem Schema »Reim dich oder ich fress dich« gereimt. Aber natürlich ist die Frage »Was haben sich die Macher*innen gedacht« rein spekulativ und kann hier daher nicht wirklich beantwortet werden.

  • 3
    Es geht doch nicht darum, ob Bibi grammatikalisch feminin ist, sondern dass Freund grammatikalisch maskulin ist. Denn sonst wäre nach derselben Logik Bibi, das Mädchen ... falsch. – Björn Friedrich Jan 25 '18 at 16:49
  • @BjörnFriedrich Das verstehe ich nicht. Warum sollte "der Freund" nicht grammatisch maskulin sein? Hat ja den maskulinen bestimmten Artikel. – jonathan.scholbach Jan 25 '18 at 16:51
  • @BjörnFriedrich und wie wäre es dann mit: """Bibi, das Mädchen, ist dein Freundin"? oder "Das Mädchen ist dein Freund"? – Beta Jan 25 '18 at 17:43
  • @Beta, warum fragst du mich? Der Antwortende stellt doch hier einen Zusammenhang her, nicht ich. – Björn Friedrich Jan 25 '18 at 18:24
  • 1
    Sein verlangt keine Kongruenz bezüglich des Geschlechts. Das kann man z.B. an einem Satz sehen wie Der Maifeiertag ist eine gute Gelegenheit, einen Ausflug zu machen, wo der Maifeiertag männlich, die Gelegenheit aber weiblich ist. – RHa Jan 26 '18 at 7:09

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