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Existiert eine leichte Erklärung, wie man die Adjektive auf -lich und -haft unterscheiden kann? Zum Beispiel: warum sagt man "eine schmerzliche Erfahrung" aber demgegenüber "eine schmerzhafte Verletzung"?

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Eine "leichte" Erklärung? Eher nicht. Aber eine Erklärung schon (in einer alten Grammatik von 1828 gefunden, daher ein bißchen "altmodisch"):

Die Nachsilbe "-lich" zeigt an:

  1. Die wirkliche Anwesenheit des Zustandes, welchen das Zustandswort angibt. z.B. das, was sich schickt, heißt schicklich;

  2. Eine Verrichtung der Handlung, welche das Stammwort anzeigt, z.B. ein Besuch, der hindert, ist ein hinderlicher Besuch;

  3. Was wirklich getan wird oder getan zu werden verdient, z.B. ein Mensch, der Verachtung verdient, ist ein verächtlicher Mensch; [Diese Verwendung gibt es heute für *verächtlich eigentlich nicht mehr - Das Wort bedeutet heute eher "Verachtung ausdrückend"]

  4. was zu tun möglich oder leicht ist, z.B. was leicht begriffen werden kann, ist begreiflich;

  5. Eine Ähnlichkeit, z.B. was dem Schwarzen ähnlich ist, ist schwärzlich;

  6. Ein Hervorbringen dessen, was das Stammwort anzeigt, z.B. was Abscheu erzeugt, ist abscheulich;

  7. eine Art und Weise, z.B. das Kind hat das Gedicht wörtlich auswendig gelernt.

Die Nachsilbe -haft bedeutet:

  1. so viel als mit dem versehen oder behaftet, was das Stammwort anzeigt, z.B. wer Tugend besitzt, ist tugendhaft;

  2. so viel als geneigt zu dem, was das Stammwort anzeigt, z.B. wer Neigung zu Lügen hat, heißt lügenhaft; [Meine Anmerkung: dieses Wort gibt es heute nicht mehr. Ich würde hier als Beispiel Laster und lasterhaft verwenden]

  3. so viel als erregend oder bewirkend, z.B. ein Anblick, der Ekel verursacht, heißt ekelhaft;

  4. so viel als Ähnlichkeit habend, z.B. eine Arbeit, welche mit der Arbeit eines Meisters Ähnlichkeit hat, heißt meisterhaft.

Vieles von dem, was dieses Buch schreibt, ist sicherlich diskutierbar, und einen richtig greifbaren Unterschied zwischen "-lich" und "-haft" kann man sich nur insofern daraus erarbeiten, dass "-lich" wohl eher eine "ist-so-ähnlich-wie" oder "wird getan oder wirkt wie"-Beziehung ausdrückt und "-haft" eher eine "hat die Eigenschaft"-Beziehung. (Das kann man schön an lästerlich ("lästernd, als Lästerung empfunden") und lasterhaft ("neigt zu Lastern") erkennen.

Und es gibt dabei natürlich sich überschneidende Bedeutungen - Zwischen "meisterlich" und "meisterhaft" kann ich z.B. keinen entscheidenden Unterschied erkennen (Der Duden führt sie als Synonyme).

Das Buch, von dem ich denke, dass es kaum jemand haben dürfte, heißt "Deutsche Sprachlehre für Lehrende und Lernende" von Michael Desaga aus 1828.

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  • Tausend Dank für Ihre Hilfe und die genommene Zeit! – Tarasenya Mar 13 '18 at 22:55
  • Gegenbeispiel: jugendlich – wirklich jung. jugendhaft – wirkt (gekünstelt) jung. – Janka Mar 13 '18 at 23:08
  • @tofro Würdest du noch das Buch genauer bezeichnen? Das wäre bei so einer schönen Quelle doch angebracht! – Christian Geiselmann Mar 13 '18 at 23:28
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    @tofro Inhaltliche Frage: Würdest du der Einschätzung des Autors von 1828 folgen? Oder könnte man auch einen für Grammatiker nicht untypischen Versuch einer Übersystematisierung latent unsystematischer Sprachphänomene vermuten? Immerhin ist das hier ja fast ein Lehrbeispiel für Regeln, die komplizierter sind als die von ihnen beschriebene Wirklichkeit, will sagen: Man lernt leichter die Wörter selbst als die Regeln dazu. – Christian Geiselmann Mar 13 '18 at 23:32
  • @ChristianGeiselmann Ich denke ja, das ist ein schönes Beispiel für krampfhaftes Regelnsuchen, deshalb hab' ich es abgeschrieben. – tofro Mar 14 '18 at 6:46
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Neben dem Jahr 1828 ist in diesem Zusammenhang unter Umständen auch das Jahr 2018 von Interesse.

-haft

drückt in Bildungen mit Substantiven aus, dass die beschriebene Person oder Sache vergleichbar mit jemandem, etwas oder so geartet wie jemand, etwas ist

Beispiele: babyhaft, bruchstückhaft, romanhaft

-lich

(1) kennzeichnet in Bildungen mit Substantiven die Zugehörigkeit zu diesen

Beispiele: baulich, grundgesetzlich, programmlich

(2a) drückt in Bildungen mit Verben (Verbstämmen) aus, dass mit der beschriebenen Person oder Sache etwas gemacht werden kann

Beispiele: bestechlich, erklärlich

(2b) verneint in Verbindung mit un-

Beispiele: unauflöslich, unauslöschlich

(3) drückt in Bildungen mit Verben (Verbstämmen) aus, dass die beschriebene Person oder Sache etwas macht

Beispiele: dienlich, einbringlich, einträglich

(4) drückt in Bildungen mit Adjektiven eine Abschwächung oder Differenzierung aus

Beispiele: dümmlich, gelblich, rundlich

(5) drückt in Bildungen mit Substantiven (Zeitangaben) eine Wiederholung aus

Beispiele: halbjährlich, stündlich, vierzehntäglich

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