7

Welches der folgenden Wörter ist am besten für Quelltextbeispiele in wissenschaftlichen Arbeiten (z.B. Masterarbeit) der Informatik zu verwenden?

  • Listing: Sehe ich in vielen Büchern, ist für mich aber kein Deutsch. Der Duden führt Listing nur im Wertpapierkontext auf.

  • Code(beispiel): Wird auch oft benutzt, aber "fühlt" sich ebenfalls nicht deutsch an.

  • Quelltext: Fühlt sich am deutschesten an, aber wirkt etwas "verkrampft".

  • Beispiel: Habe ich auch gesehen. Hier beschränkt man sich auf die Bedeutung als Beispiel unabhängig davon was es eigentlich ist.

Veranschaulichung

Es geht um die rot unterstrichene Stelle:

enter image description here

Es handelt sich meistens um Beispielcode, also einzelne Methoden oder kleine Klassen oder auch mal nur Teile einer Klasse. Manchmal aber auch um JSON oder XML. Ich bin nicht sicher ob letztere gleich behandelt werden sollten.

  • Eventuell sollte hervorgehoben werden, dass ein allgemeiner Begriff für Einschübe, die Quelltext enthalten, gesucht wird. Im konkreten Fall des in der Frage gezeigten Screenshots könnte ich mir nämlich ansonsten "Algorithmus" gut vorstellen - das passt aber (ebenso wie "Beispiel") nicht für alle "Listings". – O. R. Mapper Mar 21 '18 at 16:12
  • "Fühlt" sich Beispielcode für Dich deutscher an als Codebeispiel? – Arsak Mar 21 '18 at 19:27
  • Wie wäre es mit Programm? – Robert Mar 22 '18 at 3:02
  • 3
    Ich persönlich kann nicht nachempfinden, wieso Quelltext von verschiedenen Leuten als verkrampft empfunden wird... ich kenne das als ein ganz normales und gebräuchliches Wort aus persönlichen Gesprächen mit Programmierern. – Lykanion Mar 22 '18 at 23:31
  • 1
    Das kommt darauf an, worauf sich der Textblock-Titel beziehen soll! Das ist eine grundlegende Entscheidung bei der Dokument-Struktur: entweder bezieht sich der Titel auf den Strukturtyp des Dokuments (also z. B. einfach "Textblock" bzw. "Abbildung" bei Bildern - oder halt "Listing"), oder aber der Titel soll sich auf den Inhaltstyp beziehen. Dann wäre eher "[Source] Code", "Quelltext", "Beispiel", "Auszug" angebracht. Kommt auch darauf an, ob es im gleichen Dokument noch Textblöcke eines anderen Typs gibt (z. B. SQL). – Nicolas Mar 27 '18 at 13:14
5

Quelltext ist korrekt (Quellcode würde auch gehen).

Code würde man noch akzeptieren, hängt aber vom Kontext ab.

Listing wird niemand mit "Source code" assoziieren. (edit: Scheint ein antiker Begriff zu sein der mir (Baujahr 1982) nicht geläufig ist. Ältere Semester würde es scheinbar verstehen)

PS: Ich bin Software-Entwickler.

  • 3
    Ich würde Quellcode nehmen – RoyPJ Mar 21 '18 at 16:17
  • 2
    Ich bin auch Programmierer und sage, dass Listing im Kontext eines Buchs über Programmiersprachen und deren Einsatzgebiete vollkommen normal ist. Quellcode oder -text ist aber in Ordnung. – user unknown Mar 21 '18 at 17:52
  • 1
    Und wahrscheinlich bist Du zu jung, um mit Listing einen Quelltext zu assoziieren. – Carsten S Mar 21 '18 at 21:49
  • 3
    'Listing wird niemand mit "Source code" assoziieren.' - zumindest in der Zeitschrift IX wird Listing auch in aktuellen Ausgaben routinemäßig für die Beschriftung von Quelltextauszügen verwendet. – O. R. Mapper Mar 22 '18 at 9:27
  • 2
    "Listing" ist im Englischen immer noch der richtige Begriff für ausgedruckten Source Code. en.wikipedia.org/wiki/Listing_(computer) de.wikipedia.org/wiki/Programmausdruck – PiedPiper Mar 22 '18 at 12:01
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Ich arbeite in der Softwareentwicklung, und meinem Eindruck nach ist Listing ein heutzutage (2018) gängiges Wort für den gesuchten Einsatzzweck. Es wird beispielsweise in aktuellen Ausgaben von in Deutschland verbreiteten deutschsprachigen Computerzeitschriften wie c't und iX verwendet.1 Siehe dazu auch die Autorenhinweise des Verlags, die ebenfalls von "Listings" sprechen.

Um konkret auf die in der Frage erwähnten deutschsprachigen wissenschaftliche Arbeiten einzugehen, ist festzustellen, dass der Begriff Listing auch sowohl in wissenschaftlichen Publikationen (z.B. hier, hier und hier) aus dem aktuellen Jahrzehnt als auch in aktuellen Bachelor- und Masterarbeiten aus der Informatik (z.B. hier, hier und hier) auftritt.

Quelltext könnte eventuell auch passen, legt den Fokus aber meines Erachtens eigentlich woandershin. Gefühlsmäßig wirkt "Quelltext 5: ..." als Beschriftung für einen Quelltextauszug in einem Artikel ähnlich deplaziert wie "Deutsch 5: ..." as Beschriftung für ein natürlichsprachliches Zitat (in deutscher Sprache). Quelltextauszug, Quelltextabschnitt oder Quelltextausschnitt passt schon erheblich besser, ist aber natürlich auch länger. Bis auf die Länge gilt dasselbe für Code.

Wörter wie Beispiel oder Algorithmus können für sich genommen oder zusammengesetzt mit Quelltext oder Code verwendet werden, eignen sich aber nur in bestimmten Fällen (wenn das Gezeigte tatsächlich ein Beispiel für irgendetwas ist bzw. wenn tatsächlich der Algorithmus im Vordergrund steht, und nicht z.B. die Syntax einer Programmiersprache).


1: Wie von anderen Benutzern angemerkt, könnte der Begriff mit einem Generationenproblem im Zusammenhang stehen. Ich wurde ungefähr Mitte der 80er Jahre geboren und bin damit offenbar zu jung, um mit Listing irgendetwas "Veraltetes" zu assoziieren.

  • 2
    Dass man das hier und dort schon mal sieht will nicht sagen, dass es richtig ist. Ich finde Listing für ein Codebeispiel ziemlich übertrieben. Ein Listing ist der vollständige Abdruck eines ganzen Quelltexts. – Rudy Velthuis Mar 26 '18 at 19:57
  • Ich habe mal bei meinen ehemaligen Kommilitonen nachgefragt. Keinem U40er sagt "Listing" etwas. – Helmut Mustermann Mar 28 '18 at 19:18
  • @HelmutMustermann: Interessant. Wenn einem dieser ehemaligen Kommilitonen nun also das Wort "Listing" in einer der genannten Zeitschriften oder einem Paper begegnet, wie nehmen sie das dann auf? Verstehen sie ernsthaft den Text nicht, oder ist der Begriff im Kontext eventuell plötzlich doch klar? – O. R. Mapper Mar 28 '18 at 20:52
2

Software-Entwickler hier, der in den 90ern mit der Computerei angefangen hat.

Dass sich keine der Alternativen richtig gut anfühlt, mag daran liegen, dass gerade in der IT das Englische so übermächtig ist, dass es einfach keinen allgemein üblichen und vertrauten deutschen Begriff gibt. Ich z.B. habe nur ein einziges deutsches IT-Fachbuch im Schrank stehen (erschienen 1995, verwendet »Listing«).

Allgemein für einen »Schnipsel Code« gefällt mir Quellcode am besten. Es ist als Wort relativ kurz, bringt die Sache ohne zusätzliche Bedeutungsnuancen auf den Punkt und fühlt sich sehr vertraut an. Ich hatte an »Quelltext« herumüberlegt. Ja, das ersetzt das englisch angehauchte Code mit einem deutschen Wort. Aber am Ende stimme ich zu: Es wirkt – imo weil es eingedeutscht ist – etwas verkrampft.

Listing kenne ich als Begriff für einen »Codeschnipsel«, ist aber stark mit der Vergangenheit assoziiert. 80er Jahre mindestens. Vergilbtes beige und grün-schwarze, kastenförmige Minimonitore. :) Das kann natürlich ein Generationenproblem sein.

Codebeispiel fühlt sich auch sehr rund an, aber nur dann, wenn der Schnipsel wirklich ein Beispiel ist. Angenommen, das Ergebnis eines wissenschaftlichen Artikels ist die effiziente Implementierung eines bestimmten Algorithmus. Wenn dann am Quellcode »Beispiel« dransteht, wäre das schon etwas seltsam.

Und wenn wir schon dabei sind: Implementierung kann im richtigen Kontext auch gut passen – wenn z.B. erst die Theorie behandelt und dann eine beispielhafte (ha!) Umsetzung in Code gezeigt wird.

  • Schnipsel Code == code snippet? Und Code muss nicht nur Implementierung(en) enthalten, sie enthält auch Deklarationen, usw. Implementierung klingt daher für mich (Programmierer seit 1980) absolut falsch. Die Implementierung ist nur ein Teilbereich. – Rudy Velthuis Mar 25 '18 at 16:02
  • @RudiVelthuis Implementierung meine ich normalerweise in der Bedeutung »der Quellcode zu einer abstraken Idee« oder »Prozess der Umsetzung einer abstraken Idee in Quellcode«. In meiner Welt (v.a. C++, Python) wird das Wort so gut wie nie anders benutzt. In deiner Bedeutung scheint mir das eher eher von der Programmierplattform abzuhängen. In C++ z.B. wäre das Pendant zur Deklaration die Definition, und »implementation« ist der Normalbegriff für die Umsetzung des C++-Standards in einem Compiler/einer Standardlib. – besc Mar 26 '18 at 16:27
  • Rudy, nicht Rudi. Egal was du normalerweise meinst, Implementierung als allgemeine Bezeichnung für Quellcode/Quelltext, also als Übersetzung von "source code", macht keinen Sinn. – Rudy Velthuis Mar 26 '18 at 19:24
  • @RudyVelthuis Rudy, sorry. Das meine nicht nur ich. Das ist die nahezu ausschließliche Verwendung, die ich tagtäglich höre und lese; in deutsch und englisch gleichermaßen. Für sehr viele Leute scheint das sehr viel Sinn zu machen. Was stört dich daran? – besc Mar 26 '18 at 20:17
  • Wirklich? Ich nicht, und ich programmiere auch tagtäglich. – Rudy Velthuis Mar 26 '18 at 20:21
2

In Ergänzung der anderen kompetenten Antworten hier:

Für mich wäre "Quelltext" oder "Quellcode" zunächst der typische Begriff für den HMTL-(etc.)-Code, der mir auf dem Browserbildschirm eine Website anzeigt und den ich mir auf gesonderten Wunsch ("show source code") auch in seiner HTML-(plus-x)-Originalform anschauen kann. Da dieser Code jedoch heute oft erst beim Aufrufen der Seite im Server speziell für diesen Betrachtungsfall erzeugt wird, ist dieser Quellcode nicht identisch mit dem Code, der wiederum im Server sitzt und die ganze Sache steuert.

Dies nur vorab.

Für den Fall in der Ausgangsfrage frage ich mich, ob nicht auch

Programmcode

ein gut brauchbares Wort wäre.

Vorteil: Auch dem zufällig vorbeikommenden Leser, der also nicht von vornherein weiß, dass es hier um eine Arbeit aus der Informatik geht, wird damit eigentlich auf Anhieb klar, was gemeint ist. Wenn es nur nur "Code" oder "Quelltext" heißt, könnte auch in einer literaturwissenschaftlichen oder sprachwissenschaftlichen Arbeit vorkommen.

  • Für den Normalmenschen gebe ich dir recht mit dem Programmcode. Aber die Frage zielt auf die akademische Welt, und dort ist das Wort potenziell mehrdeutig. Wenn du deinen Quelltext durch den Compiler jagst und hinten ein ausführbares Programm rausfällt, ist das auch Programmcode – halt nicht menschenlesbar, sondern maschinenlesbar und auf der CPU (oder einem virtuellen CPU-Ersatz) direkt ausführbar. Die meisten Leser würden »Programmcode« vermutlich trotzdem intuitiv als Quellcode verstehen, aber in einem Paper würde ich mich darauf im Zweifel nicht verlassen wollen. – besc Mar 26 '18 at 16:34
  • @besc. Zuerst, nicht alle Compiler generieren direkt Maschinencode, und wenn doch, dann heißt das auch Maschinencode oder schlicht Programm, aber nicht Programmcode. Programmcode ist schon der Begriff für Quellcode. Der Nachteil dieses Begriffes ist allerdings, dass Quellcode nicht immer Programmcode ist. Es kann auch der Code einer Bibliothek (DLL, .lib, .sa, usw.) oder einer einzelnen Quelldatei (oder Teile daraus) sein, oder eben nicht real existierender Quellcode, der nur verdeutlicht wie man etwa benutzt (sieht man z.B. oft auf S.O.), usw. – Rudy Velthuis Mar 28 '18 at 9:33
1

Quelltextauszug

oder

Quellcodeauszug

hört sich für mich am "wissenschaftlichsten" an und wäre das, was ich in einer wissenschaftlichen Arbeit nehmen würde. Da das Abgedruckte ja normalerweise nict der ganze Quelltext ist, ist "Auszug" auch am präzisesten.

  • +1. Das ist in meinen Augen bisher der beste Vorschlag. – Lykanion Mar 26 '18 at 18:55
  • Wieso "Auszug"? Ein Beispiel kann ja ein vollständiger Quelltext sein. Aus meiner Erfahrung würde ich sogar sagen, dass das oft genug der Fall ist (auf Stack Overflow heißt sowas MCVE). Die Bezeichnung Quelltextbeispiel aus der Frage ist m.E. schon richtig, da gibt es nichts zu verbessern. – Rudy Velthuis Mar 26 '18 at 19:27
  • @RudyVelthuis Wenn du z.B. Quelltextauszüge aus einem real existierenden größeren Programm zeigst (wie das bei einer akademischen Arbeit üblich und notwendig ist) ist Beispiel sicher falsch, weil das nicht wiedergibt, dass es sich sozusagen um ein wörtliches Zitat handelt. – tofro Mar 26 '18 at 21:07
  • @tofro: Dann nennt man es Quelltexauszug (oder Quellcodeauszug). Aber das ist nicht immer der Fall, also ist diese Bezeichnung nicht immer richtig. – Rudy Velthuis Mar 27 '18 at 12:26

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