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Als ich hier kürzlich in einem Kommentar bezogen auf die Aussage "... Stefan Zweig is bending the rules to his purposes ..." die Frage stellte, welche Regeln Zweig denn gebogen haben soll, hat man mich verbessert: Er habe die Regeln gebeugt.

Nun kenne ich den Ausdruck sich die Regeln zurechtbiegen. Daher sagt mir mein Sprachempfinden: wenn schon nicht zurecht, dann biegt man Regeln wenigsten noch. Dass man das Recht beugen kann, also im übertragenen Sinne die Göttin Justitia, ist mir geläufig. Aber wieso sollte man Regeln nur beugen, nicht aber biegen dürfen?

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Wie @tofro schon kommentiert hat, bedeutet biegen eine dauerhafte Veränderung (physikalisch wird der Fließpunkt des Materials überschritten, so dass es nicht mehr zurückfedert), wärend beugen etwas temporäres ist.

Von daher würde sich die Regeln zurechtbiegen bedeuten, dass man die Regel verändert (zumindest in der eigenen frechen Interpretation) so dass sie einem angenehmer ist. Da schwingt auch die Implikation mit, dass es sich um einen länger andauernden Regelverstoß handelt (wenn ein Autokonzern jahrelang Abgasmessungen betrügt, als rein hypothetisches Beispiel)

Stefan Zweig hat die Regeln hingegen gebeugt, das heißt soweit belastet (durch großzügige Auslegung), das sie ihm gepasst haben, aber nicht soweit, dass ihm jemand daraus einen Strick hätte drehen können.

Unabhängig von der genauen Bedeutung gibt es aber im Deutschen eben nur die beiden Redewendungen "die Regeln beugen" und "sich die Regeln zurechtbiegen".

  • Das ist interessant, denn mit dem englischen to bend allein kann dieser wichtige Unterschied gar nicht ausgedrückt werden. Bei "... Stefan Zweig is bending the rules to his purposes ..." erschließt sich also erst durch den Kontext, ob bending mit biegt oder mit beugt zu übersetzen ist. – Björn Friedrich Jul 19 '18 at 12:04
  • Richtig, aber die Redewendung "die Regeln biegen" gibts im Deutschen halt nicht. – ths Jul 19 '18 at 16:59
  • Zurechtbiegen schon. – Björn Friedrich Jul 19 '18 at 17:10
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Biegen und Beugen sind sehr ähnliche Wörter, sie beschreiben ähnliche oder gar gleiche geometrische Verformungen unterschiedlicher materieller Objekte. Von daher ist es nicht verwunderlich, daß für ein immaterielles Wort wie "Regel" umgangssprachlich mal das eine, mal das andere verwendet wird, und Justita wird dich für die vermeintliche falsche Verwendung des einen nicht strafen können.

Man kann eine Regel (oder auch das Recht) eigentlich nicht beugen, biegen oder dehnen, entweder man bricht sie oder nicht. Daß eine Regel gebeugt wird liegt in der Regel daran, daß sie nicht gut bzw. eindeutig formuliert ist.

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    Ählich, aber nicht gleich: Biegen ist (zumindestens bei nichtelastischen Dingen wie Eisenstangen und - hoffentlich auch - Regeln) ein irreversibler Prozeß und würde damit die Regeln dauerhaft verändern, während beugen normalerweise (außer bei Hexenschuß) zum Ausgangspunkt zurückkehrt. – tofro Jul 16 '18 at 10:41
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    @tofro Da geht mir doch glatt ein Licht auf, denn bislang war ich mir des Unterschieds gar nicht so bewusst. – Björn Friedrich Jul 16 '18 at 14:21
  • @tofro Sehe ich nicht so, du kannst alles wieder gerade biegen, was auch umgangssprachlich so verwendet wird. Und eine Regel wird nie zurechtgebogen, so daß sie eine neue Bedeutung bekommt. Es wird eine bestehende Regel unterschiedlich weit ausgelegt oder anders interpretiert, sie wird aber im Kern nicht verändert und bleibt im Originalen bestehen. Von daher würde nach deiner Lesart beugen besser passen, aber ich stimme dem nicht zu. – Thomas Jul 16 '18 at 14:39
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    Ich denke, der Unterschied, den ich oben beschrieben habe, ist auch der Grund dafür, dass man das Recht beugen, aber nicht biegen kann. – tofro Jul 16 '18 at 14:55

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