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Man kann sagen, eine Katze habe von Geburt an bei Menschen gelebt. Aber kann man auch von Vögeln sagen, sie seien irgendwas "von Geburt an"?

Vögel werden ja nicht geboren, sondern schlüpfen. Das entsprechende Substantiv finde ich zwar im Wörterbuch ("der Schlupf eines Kükens aus dem Ei"), das Wort kommt mir aber doch recht befremdlich vor.

Wie sagt das der Nicht-Zoologe?


Beispiele

Der Vogel ist von Geburt an blind.
Der Vogel ist von Schlupf an blind.

Beides klingt für mich falsch.

  • 4
    Es gibt noch eine andere Substantivierung: das Schlüpfen. Wäre das keine Option? – Arsak Sep 21 '18 at 15:03
  • 5
    @Marzipanherz So isset - "Direkt nach dem Schlüpfen ist der Jungvogel noch blind. " - Geburt geht überhaupt nicht, Schlupf eher auch nicht (das ist besetzt durch den Begriff aus der Mechanik, das Durchrutschen von Maschinenelementen) – tofro Sep 21 '18 at 15:24
  • 3
    @Marzipanherz In den Wörterbüchern dürften die meisten substantivierten Verben nicht extra aufgeführt sein. – tofro Sep 21 '18 at 16:17
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    @Marzipanherz Auch ich habe bei "Schlupf" zuerst an das Durchrutschen von Machinenelementen gedacht. Für alle, die mit Technik zu tun haben, ist das wahrscheinlich der erste Gedanke. "Das Schlüpfen" ist aber eine gute Möglichkeit. Willst du das nicht als Antwort schreiben? – Walze Sep 21 '18 at 19:31
  • 4
    Ich sehe nicht ein, warum man im Kontext der Ornithologie (und bei anderen Eierlegern) nicht von Schlupf reden sollte. Dass Ingenieure unter Schlupf was anderes verstehen, ist durchaus kein Hinderungsgrund. Ingenieure verstehen auch unter Mutter etwas anderes. Ja und? – Christian Geiselmann Sep 21 '18 at 20:08
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In diesem Fall baut man den Satz anders:

Der Vogel ist blind, seit er aus dem Ei geschlüpft ist.

Dieser Satz ist fachlich falsch:

Der Vogel ist von Geburt an blind.

Dieser mag vielleicht in einem fachsprachlichen Kontext akzeptabel sein, in einem anderen Kontext ruft er aber Verwirrung hervor:

Der Vogel ist von Schlupf an blind.

Beide letztgenannten Sätze sind grammatisch aber natürlich vollkommen korrekt.

  • 1
    "Der Vogel ist von Schlupf an blind" ist zwar - finde ich - lexikologisch elegant, jedoch ist er faktologisch problemamtisch: Der Vogel ist nämlich auch schon blind, solange er noch ruhig im Ei sitzt. – Christian Geiselmann Sep 21 '18 at 20:10
  • 2
    @ChristianGeiselmann So grundsätzlich hast Di ja recht, aber macht man das bei Menschen nicht auch so? Peter war von Geburt an blind. - auch wenn er es vermutlich schon pränatal war. .. – Arsak Sep 21 '18 at 20:50
  • @Marzipanherz Mir geht es da wie Christian Geiselmann, nur habe ich den Kommentar gestern Abend unterlassen. Auch ich denke bei "von Schlupf an", dass der Küken im Ei noch gesehen haben könne, während ich das bei "von Geburt an" nicht so empfinde. Irgendwie hat "von Geburt an" eben doch die Bedeutung "von Anfang an" während man das Schlüpfen nicht als Anfang begreift. – Walze Sep 22 '18 at 7:58
  • Hubert, das finde ich eine gut Lösung, würde allerdings schreiben (nicht sagen): Der Vogel ist, seit er geschlüpft ist, blind. Fühlt sich eleganter an für mich. – Walze Sep 22 '18 at 7:59
  • @ChristianGeiselmann: Ich bin mir nicht sicher, ob es überhaupt Vögel gibt, die nach dem Schlüpfen sehen können. Wenn ich mir alle Bilder von frisch geschlüpften Vögeln ins Gedächtnis rufe, dann kann ich mich nicht an ein einziges Bild erinnern, wo die frisch geschlüpften Jungtiere die Augen offen haben. Ich glaube kein Vogel kann unmittelbar nach dem Schlüpfen sehen. Soweit ich weiß, dauert das immer mehrere Tage bis Wochen, bis sie ihre Augen so weit entwickelt sind, dass sie sie öffnen und benutzen können. Wenn ich recht habe, sind alle frisch geschlüpften Vögel blind, und daher auch davor. – Hubert Schölnast Sep 22 '18 at 11:07
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Wie schon kommentiert, würde ich das Schlüpfen vorschlagen - eine Substantivierung des Verbs schlüpfen. Deinen Beispielsatz könnte man damit folgendermaßen formulieren:

Der Vogel ist seit dem Schlüpfen blind.

Ich hatte noch versucht, den entsprechenden Eintrag in einigen gängigen Nachschlagewerken zu finden.

Es gibt einen Eintrag bei canoo.net, allerdings keinen beim Duden. Auch beim DWDS bin ich nicht fündig geworden.

Wie User tofro im Kommentar oben richtig schrieb, werden viele substantivierte Verben in solchen Nachschlagewerken nicht gesondert aufgeführt. Ich hatte gehofft, dass Schlüpfen eine Ausnahme sein könnte, weil es mir sehr geläufig ist (im Gegensatz zu Schlupf, das kannte ich vorher nur aus Zusammensetzungen wie Unterschlupf, Schlupfloch oder Schlupflid).

Ich kann also nicht ausschließen, dass Schlüpfen z.B. regional unterschiedlich häufig gebraucht wird.

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Deine beiden Beispiele klingen merkwürdig, weil sie so nicht üblich sind; wer nicht auffallen will, packt die Botschaft in einen Standardsatz. Einer wurde ja bereits genannt.

  • Der Vogel ist blind geschlüpft.
  • Der Vogel ist blind, seit es ihn gibt.
  • Der Vogel ist von Anfang an blind.
  • Der Vogel ist blind seit Stunde null.

Falsch sind deine Beispiele aber nicht. Das zweite ohnehin nicht, das erste deshalb nicht:

Die Verwendung von »Geburt« setzt keine Gebärmutter voraus; so spricht der Duden beispielsweise von »Zur-Welt-Kommen« (Bedeutung 1b). Der Mensch beginnt sein Leben, wenn der letzte Fuß draußen ist – der Vogel auch. Das ist die Geburt. Abgesehen davon lässt sich die Gebärmutter als inneres Ei verstehen.

Der Einsatz von »Geburt« geht aber noch weiter, ist noch nicht einmal an Lebewesen geknüpft, denn es gibt auch den metaphorischen Gebrauch.

  • Das Verschwinden der Fuhrwerke begann mit der Geburt des Automobils.
  • Die Geburt der Musik aus dem Schrei

Wenn etwas aus dem Schrei geboren werden kann, dann auch aus dem Ei.

  • So rein sprachlich bin ich da mit Dir, außer bei dem Satz mit der Gebärmutter als innerem Ei, da geht der Biologe in mir auf die Barrikade. Auch wenn ich weiß, was Du meinst. – Arsak Sep 21 '18 at 20:54
  • Ich sehe das ähnlich. Vor allem war auch explizit nach der Wendung von Geburt an gefragt, bei der stabilitätsbedingt noch größerer Abstand zum Gebärvorgang herrschen dürfte. (ab ovo weist, nur nebenbei bemerkt, auch ein breites Verwendungsspektrum auf, das nicht auf Schlüpfvorgänge beschränkt ist.) – johnl Sep 21 '18 at 20:59

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