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Heute las ich auf einem "Begrüßungs-Bildschirm" folgende Formulierung, die mein Sprachgefühl irritiert hat:

Werte Gäste der XYZ AG,

herzlich Willkommen bei der ABC GmbH!

Der Bildschirm hängt im Foyer der ABC GmbH, die an diesem Tag eine Delegation von der XYZ AG erwartet hat.

Die "Gäste der XYZ AG" sind meinem Sprachgefühl nach bei der XYZ-AG zu Besuch. Müsste man in der vorliegenden Situation nicht "von der XYZ AG" schreiben? Das klingt für mich eher zutreffend, aber trotzdem ein wenig holprig.

Leider finde ich in den gängigen Wörterbüchern unter dem Lemma "Gast" keinen Beleg für mein Gefühl; Eine Google-Suche mit Kombinationen von "Gast" mit "Genitiv" und/oder "von" fördert nichts brauchbares zutage, und ich habe keine Idee, welche spezielle Art von Nachschlagewerk hier vielleicht in Betracht kommen könnte.

Kann jemand mein Gefühl bestätigen (oder auch widerlegen) und hat idealerweise irgendeine Fundstelle zum Nachschlagen? Vielleicht gibt es auch eine elegantere Formulierung als "Werte Gäste von der XYZ AG"?

PS: Ob "Werte" als Anrede hier passend ist, ist ausdrücklich nicht Gegenstand dieser Frage.

Nachtrag / Klarstellung:

Ich bin mir bzgl. folgender Aussagen sicher:

  1. "Gäste der XYZ AG" kann Personen bezeichnen, die bei der XYZ AG zu Gast sind, und dies ist die übliche Bedeutung dieser Formulierung (aber auf die oben geschilderte Situation nicht zutreffend)
  2. Die Formulierung "Gäste von der XYZ AG" macht es eindeutig, dass die XYZ AG die Herkunft der Gäste ist, und nicht als Gastgeber auftritt.

Meine Hauptfrage lautet (und mein Sprachgefühl sagt "nein"):

  • Kann "Gäste der XYZ AG" auch ausdrücken, dass die Gäste von der XYZ AG kommen?
  • Gibt es für die (positive oder negative Antwort) irgendwelche Belege?

Bonusfrage:

  • Die Formulierung "Gäste von der XYZ AG" erscheint mir korrekt aber holprig. Gibt es eine elegantere Variante?
  • 2
    Was ist jetzt dein Gefühl? Dass es "Die Gäste von der XYZ-AG" heißen sollte? Dann täuscht dich dein Gefühl. Dies hört man zwar in nachlässiger Alltagsrede hin und wieder, doch schreiben sollte man es keinesfalls. Und selbst im Mündlichen würde es einen als wenig sprachgewandt brandmarken. – Christian Geiselmann Oct 22 '18 at 13:54
  • Danke für die Rückfrage. Ich habe meine Frage ergänzt, jetzt ist hoffentlich klar was gefragt ist. – Hans-Jakob Oct 22 '18 at 15:14
  • 1
    Ah! Jetzt verstehe ich das. Es geht um "Gäste von der ABC-AG bei der XYZ-AG". Dann finde ich hast du recht mit deinem Gefühl. – Christian Geiselmann Oct 22 '18 at 15:52
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Kann "Gäste der XYZ AG" auch ausdrücken, dass die Gäste von der XYZ AG kommen?

Warum nicht? Abweichend von der postulierten »üblichen Bedeutung« kann das Genitivattribut auch so verwendet werden:

  • Gäste der letzten Saison
  • Gäste der anderen Art
  • Gäste adliger Abstammung
  • Gäste außerirdischer Herkunft

Solange die Funktion des Attributs klar ist, gibt es keinen Grund, das mit einer Präpositionalgruppe oder einem Nebensatz zu präzisieren. Und da der Gastgeber in Deinem Fall ja offensichtlich bekannt ist, verursacht man auch bei der Herkunft der Gäste keine Missverständnisse.

Gibt es für die (positive oder negative Antwort) irgendwelche Belege?

Wohl kaum: Die verschiedenen Funktionen des Genitivattributs sind ja hinreichend bekannt. Vorsicht ist nur geboten, wenn die Bedeutung einer solchen Phrase unklar ist. Das hängt aber immer vom Kontext ab und lässt sich deshalb nicht in grammatische Regeln fassen.

Das Wort »Bild« ist ein plakatives Beispiel für das Risiko von Missverständnissen:

  • ein Bild des Louvre
  • ein Bild des jungen Picasso
  • ein Bild des Barocks
  • ein Bild des Matterhorns

In obigen Phrasen entscheidet einzig das Allgemeinwissen des Lesers, welche Funktion das Attribut hat.

Umgekehrt kann die Phrase

  • ein Bild des Präsidenten

allein durch ihren Kontext eindeutig werden (frei erfunden):

  • Heuss malte leidenschaftlich gern.
  • von Weizsäcker war Kunstsammler.
  • Scheel war sehr eitel.

Wenn die vielfältigen Funktionen des Genitivattributs beim Wort »Bild« keine Probleme bereiten, wieso sollte man sich dann bei »Gast« einschränken?

Die Formulierung "Gäste von der XYZ AG" erscheint mir korrekt aber holprig. Gibt es eine elegantere Variante?

Ein Genitivattribut kann oft durch eine Präpositionalgruppe mit von ersetzt werden (siehe canoo.net). Insofern ist »Gäste von der XYZ AG« korrekt (wenn auch weniger elegant). Die Präposition von klärt allerdings nicht die Funktion des Attributs und klappt genauso bei »Gäste der ABC GmbH«. Beispiel:

  • Die Gäste vom Hotel nebenan sind oft zu laut.

Um ausdrücklich die Herkunft der Gäste zu benennen, wäre die Präposition aus etwas treffender. Aber am besten fände ich, ein anderes Wort für »Gäste« zu wählen, welches mehr deren Herkunft fokussiert: »Mitarbeiter«, »Vertreter«, »Abgesandte« oder »Delegation«.

  • > Aber am besten fände ich, ein anderes Wort für »Gäste« zu wählen Dieser Vorschlag (auf den ich wohl auch selbst hätte kommen können, aber leider nicht bin), führt dazu, dass ich diese Antwort akzeptieren werde. Das ist wohl die elegantest mögliche Lösung! – Hans-Jakob Oct 24 '18 at 7:25
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Ohne dass ich dies nun eigens mit Verweisen auf Grammatikwerke belegen könnte, kann ich dir aus meinem Sprachgefühl als Muttersprachler (und beruflich auch immer wieder Publizierender) bestätigen, dass dein Gefühl richtig ist. Um die Gäste, die von der ABC-AG kommen, bei der XYZ-AG zu begrüßen, wäre es in der Tat am besten

Werte Gäste von der ABC-AG, herzlich willkommen bei der XYZ-AG!

zu schreiben.

Rein von der Grammatik her wäre zwar auch

? Werte Gäste der ABC-AG, herzlich willkommen bei der XYZ-AG!

nicht falsch, aber da der Genitiv Gäste der ABC-AG auch so verstanden werden kann als meinte er "jene, die bei der ABC-AG zu Gast sind", ist es stilistisch und kommunikationstheoretisch besser, die eindeutige Form zu verwenden. Solche Plakate sollen ja auf einen Blick verständlich sein und also dem Leser möglichst wenig Stolpersteine in den Weg legen.

Allerdings hängt die Entscheidung für eine Formulierung auch vom jeweiligen Umfeld ab.

Werte Gäste von Siemens, herzlich willkommen bei Bayer!

wäre jedenfalls die natürliche Variante in diesem Fall. Stolpersteinlose Begrüßungs-Plakate wären nach meinem Dafürhalten:

Werte Gäste von der Deutschen Bahn, herzlich willkommen bei den Hannoveraner Verkehrsbetrieben.

Werte Gäste aus den Pelikan-Werken, herzlich willkommen bei Faber-Castell.

Liebe Gäste von Vattenfall, herzlich willkommen bei Greenpeace!

Werte Gäste von der Schreinerei Tischbein, herzlich willkommen in der Tischlerei Steinmetz!

  • > ist es stilistisch und kommunikationstheoretisch besser, die eindeutige Form zu verwenden Vielen Dank speziell für diesen Gedanken! Es geht ja nicht allein darum, wie der Satz nach den Regeln der Sprache verstanden werden kann/darf. – Hans-Jakob Oct 24 '18 at 7:23

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