5

Woher kommt der Ausdruck Knast haben?

Ich denke, der Ausbreitungsraum und die Bedeutung sind relativ unumstritten: In den neuen Bundesländern wird der Ausdruck umgangssprachlich synonym zu Hunger haben gebraucht.

Ich hab so'n Knast! Was gibs zum Mittag?

Allerdings habe ich keine wirklich gute Erklärung oder Belege zur Wortherkunft gefunden. Im Netz steht oft, dass es was mit Gefängnis zu tun hätte. Das kommt mir doch etwas weit hergeholt vor.

Meine beste Idee wäre eine Umschreibung des Magengrummelns: knas dann für Knacken. (wie heute noch im Dänischen zu finden)

EDIT Warum die Herleitung von Gefängnis mir unwahrscheinlich erscheint:

Zum einen finde ich es fraglich, dass eine Gefängnisreferenz sich im allgemeinen Sprachgebrauch derart verbreitet hat. Es fehlt doch der Bezug zum alltäglichen Leben, damit auch jeder etwas mit dem Ausspruch anfangen kann. Ein Gegenbeweis wäre m.e. der Beleg, dass das Aufkommen des Auspruchs mit einer Zeit von staatlicher Repression/Massenverhaftungen korelliert. (Der einzig vergleichbare Gefängnisausdruck, der mir einfällt ist das Seife aufheben und das hat sich als Referenz in jüngster Zeit mE nur durch moderne Medien(Serien) so verbreitet)

Auch drückt das Verb haben, ja Besitz aus. Sicher kann dieser Ausspruch dann durch weglassen verkürzt worden sein, doch zum einen Fällt mir da kein vergleichbares Beispiel mit haben ein und zum zweiten müssten sich dann ja Ursprungs oder Übergangsformen finden lassen. z.B. ich habs wie im Knast

Subjektiv (als jemand der den Ausdruck verwendet) macht es auch vom Sprachgefühl keinen Sinn. Ich benutze knast haben für meinen aktuellen Zustand. Während eine Bedeutung a la ich habe es wie im Gefängnis ja doch eher langfristig ist.

  • "Das kommt mir doch etwas weit hergeholt vor." Warum? Zumindest in früheren Zeiten wurde man im Gefängnis (oder als Soldat im Arrest) nicht besonders gut verpflegt. Außerdem, wenn der Ernährer im Gefängnis saß, hatte die Familie i.d.R. Hunger zu leiden. – Roland Dec 17 '18 at 8:45
  • 1
    Danke @Roland habe meine Frage erweitert – Bernd Konfuzius Dec 17 '18 at 9:18
  • Hilft hier nicht wirklich weiter, aber etwas Wortherkunftskunde schadet ja auch nicht: Duden Universalwörterbuch sagt zu Knast: "vgl. jiddisch knas, hebräisch gĕnạs = Geldstrafe]." - Weiter noch Knaster: "ursprünglich = edler, würziger Tabak, der in »Rohrkörben« gehandelt wird, zu niederländisch knaster < spanisch canasto < griechisch kánastron = Korb]." - Dürfte man vermuten, dass knast haben vielleicht eher von kanastron haben ("einen leeren Korb haben") kommt? – Christian Geiselmann Dec 17 '18 at 9:30
  • Mundmische hat einen Eintrag, aber leider ohne weitere Infos: mundmische.de/bedeutung/14140-Knast. – Philipp Dec 17 '18 at 21:59
5

Im norddeutschen Raum bedeutet(e) Knast umgangssprachlich auch Buckel. Extremer Hunger hat negative Folgen, u.a. Magenschmerzen. Da die meisten Menschen sich bei Magenschmerzen eher krümmen als ausstrecken, was medizinisch gesehen ratsam wäre, krümmen sie den Rücken, bekommen also plus/minus einen Buckel. Eine Paraphrase für "Mann, hab' ich ein' Knast!" könnte also sein: "Ich bin schon ganz krumm vor lauter Hunger."

2

Ast / Knast

Allgemein bekannt ist der Ast im Zusammenhang mit Hungern überwiegend nur als Teil des Worts Hungerast, mit dem ein akuter Glukosemangel bei Ausdauersportlen bezeichnet wird (auch bekannt als Mann mit dem Hammer).

Hungerast im Marathon
Marathonsportler in der Erschöpfung, rechts

Das Wort Ast soll sich angeblich aus der, wie im Bild oben zu sehen, gekrümmten Haltung herleiten.

Ein ganz ähnlicher Bezug könnte man auch mit dem niederdeutschen Wort Knast (knorriger oder auch dürrer Ast) bestehen.

1

Zuerst: Ich kenne den Ausdruck für "Hunger" nicht. In meiner Gegend ist er nicht verbreitet.

Der Online-Duden kennt zwei Substantive unter Knast, die er für nicht miteinander verwandt hält - Einmal einen Ausdruck für das Gefängnis, der aus der Gaunersprache stammt und wohl mit deiner Frage nichts zu tun hat, zum Anderen einen regionalen Ausdruck, der laut Duden

Knorren, Aststück, Astansatz

oder

dickes Stück Brot

bedeutet. Die erste Bedeutung dürfte hier irrelevant sein, die zweite schon eher - "Lust auf ein Stück Brot" dürfte hier die Bedeutung sein.

Ein paar weitere interessante Hinweise hat der Duden unter Herkunft noch für uns:

verwandt mit Knust

was wiederum der Endstück eines Brotlaibs ist und mit solchen Wörtern wie verknusen (futtern, essen) verwandt ist. Der Kreis zum Essen ist somit geschlossen.

Das wiederum kennt man auch im Südwesten Deutschlands, dort ist der Knaus ein Brot-Endstück oder ein Knorren/Ast.

  • Der OP hat schon recht, wenn er sagt, dass der Ausdruck vor allem in den östlichen Bundensländern vorkommt. Daher kenne ich ihn auch. Em Schwobaland sait ma dees it. Interessant finde ich aber, dass der Ausdreck noch nicht in die größeren Wörterbücher geschafft hat. – Christian Geiselmann Dec 17 '18 at 10:32
  • @ChristianGeiselmann "dass der Ausdreck noch nicht in die größeren Wörterbücher geschafft hat" - vielleicht, weil Dreck dort generell nichts verloren hat? (SCNR) – Volker Landgraf Dec 20 '18 at 8:14

Your Answer

By clicking “Post Your Answer”, you agree to our terms of service, privacy policy and cookie policy

Not the answer you're looking for? Browse other questions tagged or ask your own question.