7

Ich beobachte in Diskussionen in letzter Zeit oft eine Herabsetzung des Gegenübers durch Übertreiben seines Standpunkts ins Extreme.

Beispiel 1:

A: Ich finde, man sollte über ein Tempolimit zumindest nachdenken, denn –
B: Also ich finde, dass überhaupt nichts gewonnen wird, wenn Sie überall Schrittgeschwindigkeit fordern!

Beispiel 2:

C: Ich denke nicht, dass wir eine Obergrenze für Flüchtlinge brauchen, denn –
D: Im Gegensatz zu Ihnen möchte ich nicht die europäische Bevölkerung durch xy ersetzen!

Wie nennt man diesen rhetorischen Tiefschlag? Da muss es doch ein Wort dafür geben. Es geht mir jetzt auch nicht um Tempolimit oder Flüchtlinge, andere Beispiele sind mir aber nicht eingefallen.

  • 2
    Erinnert mich in gewisser Weise ans argumentum ad absurdum. Evtl eine Mischform? – mtwde Jan 29 at 21:34
  • Das Stilmittel der Übertreibung ins Gegenteil halte ich aber für sehr putzig. Also ich finde, dass wir erst handeln und dann nachdenken sollten! Schrittgeschwindigkeit jetzt! <Hackenknall> – Janka Jan 29 at 22:08
  • @Iris es beinhaltet zwar passende Elemente, bildet es aber nicht genug ab, um mMn eine Antwort mit diesem Begriff zu rechtfertigen – mtwde Jan 30 at 12:04
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Es gibt die Methode der Übertreibung als Strohmann-Argument:

Die These des Gegners verzerrt, übertrieben oder falsch darstellen, dann die entstellte These widerlegen und behaupten, dass nun die ursprüngliche These widerlegt sei.

Ziel dabei ist es aber nicht das Gegenüber herabzusetzen, sondern es wird ein neues angebliches Argumente der Gegenseite fingiert (das Argument des Strohmanns), das einfach zu widerlegen ist und beim Gegenüber selbst auch nicht verteidigt werden wird, Es wird dann behauptet, die Widerlegung der Strohmann-Position wäre eine Widerlegung der tatsächlichen Position des Diskussionsgegners (siehe auch Quelle 2)

  • Das ist der in der Philosophie übliche Terminus. – jonathan.scholbach Jan 30 at 9:53
3

Ich würde dies als eine Mischform mehrerer rhetorischer Figuren bezeichnen.

Wie @Iris bereits zeigte scheint es sich hier zunächst um ein Strohmann-Argument zu handeln. Die Vorgehensweise bei diesem ist:

Person 1 stellt Behauptung Y auf

Person 2 wiederholt Behauptung von Person 1 in einer verzerrten/übertriebener Art und Weise

Person 2 attackiert/widerlegt die verzerrte neue Version der Behauptung

Also ist Behauptung Y falsch

Quelle

Gleichzeitig findet sich hier noch ein persönlicher Angriff / Herabsetzung des Gegenübers.

B: Also ich finde, dass überhaupt nichts gewonnen wird, wenn Sie überall Schrittgeschwindigkeit fordern!

könnte man auch ohne Angriff umformulieren in

B: Also ich finde, dass überhaupt nichts gewonnen wird, wenn überall Schrittgeschwindigkeit gefahren wird!

Dementsprechend denke ich, dass hier auch ein argumentum ad hominem enthalten ist, das durch ein argumentum ad populum aufgebaut wird.

B stellt eine Aussage auf, die der öffentlichen Meinung entspricht (alleine weil sie so absurd ist, dass niemand ihr zustimmen würde) - ad populum

B behauptet, dass A diese Aussage unterstützt/fordert/aus A's Aussage folgt

B impliziert dadurch, dass A dumm/unfähig ist, darum sind Aussagen von A falsch - ad hominem


Der Vollständigkeit halber will ich noch auf das argumentum ad absurdum hinweisen. Dies ist eine

Art der Argumentation, bei der eine Aussicht (insbes. eine bestimmte Auslegung einer Vorschrift) widerlegt wird, indem man zeigt, dass sie zu abwegigen Ergebnissen führt.

Allerdings denke ich, dass hier das Strohmann-Argument besser greift.

1

Hyperbel ist das Stilmittel der Übertreibung, ihr Gegensatz die Untertreibung (wikipedia hyperbel)

Wie nennt man diesen rhetorischen Tiefschlag?

das Gegenargument lächerlich machen, es ins Lächerliche ziehen

weiters käme in Frage:

als Karikatur darstellen, Karikaturisierung

oder auch

Ironisierung, Satirisch darstellen, Satirisierung

0

Bei beiden Beispielen würde ich von Gesprächsverweigerung sprechen, von unverhohlenem Unwillen, von komplettem Blockieren, auch von jmd. das Wort abschneiden. Umgangssprachlich nennt man all das wohl abbügeln.

Im Gegensatz zu Vickel würde ich im diesem Fall nicht von einem "Stilmittel" sprechen - denn wo wäre hier der Stil? - sondern von einer rhetorischen Figur. Vielleicht könnte man die Äußerungen von B und D als das Abbilden des Unmöglichen interpretieren, dann wäre es ein Adynaton. Ganz allgemein äußern B und D Antithesen. Dass ich bei B und D außerdem noch an Phrasendrescherei denke, also an Floskeln, ist ... äh ... mein persönliches Ding. ;-)

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