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Vor einer Weile stand in einem Artikel der folgende Teil eines Satzes:

1.) Wenn zum Beispiel diskutiert wird, in was die Bundesregierung investieren soll, ... <- in etw. (Akk.) investieren

Dem steht gegenüber:

2.) Wenn zum Beispiel diskutiert wird, woran die Bundesregierung anknüpfen soll ..., <- an etw. (Akk.) anknüpfen

3.) Wenn zum Beispiel diskutiert wird, worauf die Bundesregierung vertrauen soll , ... <- auf etw. (Akk.) vertrauen

4.) Wenn zum Beispiel diskutiert wird, wofür die Bundesregierung eintreten soll, ..., <- für etw. (Akk.) eintreten

5.) Wenn zum Beispiel diskutiert wird, wogegen die Bundesregierung einschreiten soll, ..., <- gegen etw. (Akk.) einschreiten

6.) ...

7.) Wenn zum Beispiel diskutiert wird, worüber die Bundesregierung nachdenken soll, ..., <- über etw. (Akk.) nachdenken

Der Versuch, in 1.) ein Pronominaladverb zu verwenden, ergibt jedoch einen ungrammatischen Satz:

8.) Wenn zum Beispiel diskutiert wird, *worin die Bundesregierung investieren soll, ...

Das gleiche Phänomen zeigt sich z.B. bei in etw. einwilligen.

9.) Wenn zum Beispiel diskutiert wird, *worin die Bundesregierung einwilligen soll, ...

Wie ließe sich erklären, dass in etw. investieren oder in etw. einwilligen kein Pronominaladverb zulassen, während z.B. an etw. (Akk.) anknüpfen, auf etw. vertrauen u.v.a. es erfordern?


N.B.: Hinweise à la "In gesprochener Umgangssprache hört man in 2.) bis 7.) auch [Präp. + was] erklären nicht, warum 8.) und 9.) nicht existieren (können).

Edit 11.02.19: Bsp. 6.) der Einfachheit halber entfernt. Danke für den Hinweis, Olafant

  • 1
    "Wenn zum Beispiel diskutiert wird, womit die Bundesregierung rechnen kann, ..." - mit erfordert den Dativ. – Olafant Feb 8 at 19:29
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Tofro hat das Rätsel schon gelöst, hier noch etwas historischer Kontext. Wie so oft hilft das Deutsche Wörterbuch weiter. Unter in heißt es:

von in trennt sich, was bei andern wörtern dieser gattung im deutschen nicht geschieht, die adverbialform ab, und zwar als eine doppelte, den beiden hauptrectionen der praeposition entsprechend. dem in als praep. des weilens, der ruhe geht zur seite für den begriff intus unser inne, innen, dem in als praep. der bewegung unser ein für den begriff intro [...]

Unter worin dann:

älter worinne, worinn, seit dem 15. jh. belegbare zusammensetzung aus wo (mhd. wâr, wâ) mit erhaltenem r vor vokalischem anlaut und adv. in aus ahd. inni, inna, inne, mhd. inne, lat. intus. die form worin ist demnach nicht aufzufassen als eine verschmelzung von wo mit präpositionalem in, das in des zweiten wortgliedes hat vielmehr, wie sich auch aus der bis zur wende des 18. und 19. jh. überaus häufigen schreibung worinn ergibt, als zu inn, in verkürztes adverb inne zu gelten [...]

Man hat also adverbiales in, inne(n) (Komparativ: inner) mit der Bedeutung "innen" in Zusammensetzungen wie:

darin, worin, hierin; d(a)rinnen; innehaben, innehalten (daraus Inhalt); innerlich

und adverbiales ein mit der Bedeutung "hinein" in solchen wie:

(he)rein, eindringen, Eindruck, bairisch eini (< ein hin)

Demnach sollte worin nur dort stehen können, wo in mit dem Dativ steht.

Daher auch der folgende Kontrast:

Ich stell mich mal daneben (=neben + Akk.) und schau dir zu.
Und du stehst daneben (=neben + Dat.) und guckst blöd!

Steht darin (=in + Dat.) auch, wie man das repariert?
Ich schreib das da jetzt rein (=in + Akk.).

  • (+1) Sehr gut erklärt. Und es widerlegt natürlich, was ich in meiner Antwort geschrieben habe. :-) – Björn Friedrich Feb 9 at 8:17
  • (+1) Sehr schöne Ergänzung zu meiner Antwort, danke. Ich habe nicht daran gedacht, den Grimm zu Rate zu ziehen. – tofro Feb 9 at 11:54
  • @David Vogt Der Rückgriff auf GRIMM ist natürlich immer prima ;-), nur: Ist das, was du zitiert hast (und was ich längst selbst gelesen hatte), eine Erklärung, oder doch nur die Beschreibung des Status quo? :-) – multiplex et liber Feb 11 at 12:18
  • 1
    Diachron gesehen eine Erklärung (worin aus wo(r) plus inne), synchron eine Beschreibung (worin nur da, wo auch in mit dem Dativ stehen kann). – David Vogt Feb 11 at 12:31
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In den Wendungen etwas in etwas investieren oder in etwas einwilligen fordert die Präposition "in", da es sich um gerichtete Bewegungen handelt, den Akkusativ.

Das Adverb "worin" fragt allerdings nach dem Dativobjekt.

Ich habe nichts, worin ich das Kleingeld aufbewahren könnte

(wegen Ich bewahre das Kleingeld im Portemonnaie auf - Dativ)

aber nicht

Ich habe nichts, worin ich das Kleingeld hineinlegen könnte

(wegen Ich lege das Kleingeld in das Portemonnaie - Akkusativ)

Für die Frage nach dem Akkusativobjekt gibt es das (relativ ungebräuchliche) Adverb wohinein, das man wegen seiner Sperrigkeit gerne durch etwas anderes ersetzt.

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    Wieso fragt worin nach dem Dativ? Diese Unterscheidung war diesem Muttersprachler fremd. "wherein to invest" wäre meines Erachtens ebenso korrekt. Google sträubt sich, zeigt nur Ergebnisse für "where to invest". "wo Die BR investieren soll" wäre ebenso akzeptabel, schon allein weil "wor-in-in-vestieren" eine unschöne Redundanz enthält.Mit rein, herein hat worin vielleicht nichts zu tun, hört sich aber fast so an und stünde damit wenigstens Umgangssprachlich dem Beispiel entgegen. z.B. Man findet "das Ministerium investiert darin 70 Millionen Euro", sogar darin investiert sein. – vectory Feb 8 at 20:11
  • @vectory Wieso das so ist? Weil es für gerichtete Bewegung mit Akkusativ eben "wohinein" gibt. – tofro Feb 8 at 20:25
  • Das ist doch jetzt ein zirkuläres Argument. – vectory Feb 8 at 22:17
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    @vectory Auf die Frage "worin sollte die Regierung einwilligen" kann ich nur antworten "im Parlament", aber nicht mit "in einen Vertrag". Also mit Dativ. Und ja, "hineinwilligen" ist kein mir bekanntes Wort, deswegen kann dein Satz auch nicht so lauten. Ich weiss ehrlich gesagt nicht, worauf du hinaus willst. Wenn du einen Kommentar abgibst, den ich auch verstehen kann, bin ich gerne bereit deine Frage zu beantworten oder gar meine Antwort zu modifizieren. – tofro Feb 8 at 22:46
  • 1
    Dann frage ich mich, was denn eine Erklärung sein könnte - Sprache ist zum allergrößten Teil die Dokumentation des Ist-Zustandes. Wenn dir das nicht gefällt, solltest du dich mit Mathematik beschäftigen. – tofro Feb 11 at 12:49

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