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Was ist der Unterschied zwischen "warnen" und "vorwarnen"?

Um genauer zu sein, im Großen und Ganzen verstehe ich das Verb "warnen", aber "vorwarnen" nicht.

Ich muss zugeben, dass mir "vorwarnen" ein bisschen redundant erscheint.

  • Das musst Du nicht zugeben, weil man es einerseits schon ahnt und andererseits daran nichts anrüchiges ist, das der Entschuldigung bedarf. – user unknown Mar 18 at 22:10
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In der Tat, rein semantisch gesehen ist vorwarnen redudant, da warnen ja auf jeden Fall vor einem Ereignis stattfinden muss (das also in der Zukunft liegt).

In der praktischen Sprache verwendet man vorwarnen trotzdem relativ häufig. Übrigens ohne einen semantischen Unterschied zwischen warnen und vorwarnen.

a) Was, das Pferd hat Schnupfen? Hättest du mich doch vorgewarnt!

b) Was, das Pferd hat Schnupfen? Hättest du mich doch gewarnt!

Beides heißt exakt das gleiche. Satz (a) käme aber eher in mündlicher Sprache vor, Satz (b) eher in schriftlicher.

In mündlicher Sprache fügt man bisweilen kurzen Wörtern irgend eine Silbe hinzu, um sie länger zu machen und um die Bedeutung klarer werden zu lassen. Das vor vor warnen hat so eine Funktion: Es macht das Wort länger, das heißt, die Aufmerksamkeit des Hörers wird länger daran haften bleiben. Und durch das zusätliche vor unterstreicht der Sprecher, dass es ihm wichtig gewesen wäre, von der Krankheit des Pferdes deutlich vorher zu erfahren (z.B: bevor er sich draufsetzt).

Ein Grund für die Wahl von vorwarnen oder warnen kann übrigens auch der Satzrhythmus sein.

Ein anderes Beispiel für eine solche Unterstreichungssilbe (wie ich das jetzt einmal nenne) ist

*Den Briten wurde die EU-Mitgliedschaft aufoktroyiert.

Dieser Satz wird von gebildeten Personen für falsch gehalten (und nicht nur wegen des Inhalts): Jemandem etwas oktroyieren heißt bereits jemandem etwas aufzwingen. Zu sagen, man zwänge jemandem etwas aufauf (aufaufzwingen) wäre albern. Jedoch erkennt die weniger gebildete Person beim oktroyieren nicht, dass das auf schon drinsteckt, darum hört man diese Wortverwendung recht häufig.

Ergänzende Beobachtung

Bei gängigen Verben mit Vorsilbe wird im Deutschen in bestimmten Satzbau-Situationen die Vorsilbe abgetrennt:

Ich werde beim Stierkampf zusehen. --- Ich sehe beim Stierkampf zu.

Wir sollten die Suppe kurz aufkochen. --- Ich koche die Suppe kurz auf.

(Nicht jedoch in allen Fällen. Wir sollten diese Dinge unterscheiden --- Wir unterscheiden diese Dinge, und nicht etwa: Wir scheiden diese Dinge unter.)

Mit vorwarnen scheint mir, ist die Abtrennung der Vorsilbe (zwar technisch möglich, aber) nicht wirklich üblich. Man könnte zwar, aber man sagt nicht:

*Ich warne dich vor.

*Der Küstenwetterdienst warnte die Segelsportler vor, dass nachmittags Böen zu erwarten seien.

So etwas klingt - jedenfalls in meinen Ohren - holprig.

Ich würde das so deuten, dass vorwarnen kein vollgültiges präfigiertes Verb ist und dass das vor hier eben eher als eine Unterstreichungsilbe (ohne jedoch die volle syntaktische Funktion) anzusehen ist. (Meine persönliche Deutung. Ich weiß nicht, was die publizierte Philologie dazu sagt.)

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    Ich denke eher, dass eine zusätzliche Vorsilbe tendenziell eine Verstärkung der Bedeutung bewirkt. Und das ist nicht nur im Deutschen so: lateinisch cadere und decadere, bspw. Aber es gibt zahlreiche Beispiele. – jonathan.scholbach Mar 18 at 22:27
  • @jonathan.scholbach War nicht dies das, was ich auch zu sagen versuchte, wenn auch nicht in der von Dir gemeisterten Kürze und Eleganz? – Christian Geiselmann Mar 19 at 10:29
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    Kann sein, dass Du das sagen wolltest, es ist bei mir nicht so angekommen. :-) Du schreibst, dass die Verlängerung die Bedeutung klarer machen soll, darunter habe ich etwas anderes verstanden, als dass es die Bedeutung verstärken soll. Aber vielleicht habe ich dich da falsch verstanden. – jonathan.scholbach Mar 19 at 10:40
  • @jonathan.scholbach Sicherlich kann man unterscheiden zwischen eine Aussage klarer machen und eine Aussage verstärken. Doch gibt es zwischen beidem auch eine große Zone der Überschneidung. Ich habe diese im Auge gehabt, du mehr die Sonderzonen. – Christian Geiselmann Mar 19 at 12:02
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In den meisten Fällen werden warnen und vorwarnen synonym gebraucht, und die Vorsilbe vor ist dann in der Tat redundant.

Allerdings kann man jemanden warnen bevor etwas passiert, die Zeit das Unheil abzuwenden kann aber zu kurz sein. Dann ist m.E. nur noch "warnen" passend.

Der Beifahrer warnte noch: "Ein Kind!". Doch da rummste es auch schon.

Außerdem kann eine Warnung zu unspezifisch sein, um als Vorwarnung bezeichnet werden zu können:

Der Pfaffe warnte uns jede Woche, dass Wein, Weib und Gesang ins Verderben führen.

Auch hier passt vorwarnen nicht.

Außerdem erscheint mir Vorwarnung unpassend, wenn das Unheil gar nicht eintritt.

Der Wetterbericht warnte vor Sturmböen, aber es kam nur zu mittleren Brisen.

  • Gut beobachtet, +1 – jonathan.scholbach Mar 18 at 22:43
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    Ich stimme zu, möchte aber präzisierend hinzufügen, dass der Unterschied gleichwohl weniger ein semantischer, mehr ein pragmatischer ist: In welchen Situationen verwendet man welches der beiden Verben? - Du würdest Dir auch schwer tun, dein Wetterbeispiel mit vorwarnen umzuformen, selbst wenn der Sturm dann richtig heftig wurde. Du würdest nie sagen: Der Wetterbericht warnte vor Sturmböen vor, und diese wurden dann auch richtig heftig. Du würdest trotzdem sagen: Der Wetterbericht warnte vor Sturmböen, und in der Tat fegten diese dann Baum und Strauch aus der Landschaft. – Christian Geiselmann Mar 19 at 10:34
  • ... Allgemein gilt wohl: vorwarnen wird überhaupt nur in dieser Zusammenschreibung verwendet. Die Abspaltung der Vorsilbe, wie das bei vollgültigen Vorsilbenverben gängig ist, scheint bei vorwarnen nicht möglich zu sein. So gesehen ist vorwarnen kein vollgültig präfigiertes Verb. Und das ist wieder ein Argument für meine These, dass es sich hier nur um eine kommunikationspraktische Unterstreichungs-Vorsilbe handelt. – Christian Geiselmann Mar 19 at 10:38
  • Gibt es denn ein Beispiel dafür, dass vorwarnen in einem Satz viel besser passt als warnen? Mir fällt spontan keines ein. – mtwde Mar 19 at 12:04
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    Ich habe diese Beispiele für "vorwarnen" gefunden. Aber ich weiß nicht, ob man nur mir "vorwarnen" benutzen kann. z.B. Ich habe diese Fehler begangen, obwohl er mich vorgewarnt hat z.B. Ich habe dich vorgewarnt, warum bist du so schnell gefahren? z.B. Das Gerät warnt vor, wenn die Batterien leer werden. – Lina Mar 19 at 12:09

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