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tüdeln - fummeln, binden; Tüdeldraht" - Draht der etwas einfach befestigt; betüdeln - umsorgen.

Einträge finden sich weder bei Grimm noch Pfeiffer, DWDS zeigt ansteigende Nutzung seit den 90er Jahren.

Die angestiegende Nuzung ist sicherlich der Figur Meister Röhrich im Film Werner zu verdanken. Demnach scheint das Wort wie die Figur eben Norddeutsch zu sein. Dort verortet es de.wiktionary auch.

In meiner eigenen Antwort zu dieser Frage schließe ich auf die den Worten deuten, deutsch bzw. Lat. tueor "protect" zugrunde liegende Wurzel. Gibt's entgegenstehende Meinungen?

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Ich kenne Tüdel (Kram, unwichtiger Kram), tüdeln (fummeln, sich in Nebensächlichkeiten verlieren) und vertüdelt (verworren, auch verwirrt).

Tüdel doch dieses Band mal auf. Das Geschirr (Leinen vom Pferde Gespann, Schifffahrt) hat sich vertüdelt. Du bist ja ganz vertüdelt heute, Großmutter. Was liegt denn hier für ein Tüdel rum?

Ich bin gebürtiger Bremer und dort auch aufgewachsen.

  • nujo, das steht meinen Behauptungen nicht entgegen. Es bestätigt die Glosse "fummeln". Aber danke für den Kommentar. Wegen Schiffahrt muss ich an "Tau" denken; Zwecks Pferdegeschirr" vgl "Zügel"; Weiterhin fällt mir "schnallen" i.S.v. "begreifen", viz "betydelsen" ein, insofern man auch etwas *fest tüdeln oder antüdeln kann. Übrigens fiel mir mitlerweile auch mal "zotteln" und ähnliches mehr auf, noch ohne viel Erfolg. – vectory Dec 2 at 22:36
  • Es würde Deine Antwort klar aufwerten, wenn Du dazuschreiben würdest, aus welcher gegend Du stammst (bzw. in welcher gegend Du dies gehört hast), da es sich hier mit ziemlicher Sicherheit um einen nur regional üblichen Begriff handeln dürfte. – Volker Landgraf Dec 3 at 0:24
  • Danke für den Hinweis. Hab ich angefügt. – Camissa Dec 3 at 2:34
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Weiter nördlich, im Schwedischen, findet sich betydelse, das insofern verwandt am ehesten als begreifen, Begriff übertragen werden kann, jedenfalls als "Sinn, Bedeutung" übersetzt wird. Diese beiden Worte zu verbinden dürfte aber schwer sein.


Vorüberlegung:

Ich meinte anfänglich, der Schwedische Wortstamm tydel- gehe auf Titel (Lat. titulus) zurück. Währenddessen findet sich bei Grimm im Lexikon dort wo tüdeln zu suchen wäre bspw. Tüte, tüten, sodass Tüdeldraht eventuell in semantischer Nähe zu packen, binden, eintüten zu sehen ist. Tüte ist wie En. bag relativ unsicher.

Eine Verbindung von Titel und Tüte könnte eventuell im Bürokratischen Kontext zu sehen sein, insofern Parallelen über Umschlag, Schlagwort zu Klappentext, rubrum, Artikel, chapter etc. besteht, also zu jenen Begriffen, die eine Aufschrift, Überschrift, Zusammenfassung, eben den Titel, Tenor, Leitspruch oder Leitfaden, bezeichnen. (Ich meine ein derartiges Wort, das beides vereint, gesehen zu haben, doch verwechsle ich das womöglich mit der wagen Erinnerung an meine eigene Theoriefindung).

Im für Tüte angesetzten Sinne Umschlag, Gebinde, würde windeln zu umsorgen, bemuttern, "betüdeln" passen.


Quellenlage:

Tatsächlich wird betydelsen, betyda, tyda zu deuten, bedeuten gestellt. Da deuten über Umwege auch mit Deutsch verknüpft sein könnte, was etwas mysteriös und volksetymologisch anmutet, sowie sowohl Tüte als auch Titel ungeklärter Herkunft sind, ist die Frage nach (be)tüdeln meines Erachtens letztendlich offen, unbeschadet des soweit nachgewisenen Vergleichs betydeln ~ deuten.

Titel wird im Etruskischen vermutet.

DWDS sieht spekulativ Tüte neben Zitze (vgl. En. tit, teat, zit), mit einer zugrundeliegenden Bedeutung spitz--man denke an kegelförmig gerollte Papiertüten, die Schultüte, etc. Ich möchte ansetzen, dass Spitze, En. top auch im weiteren Sinne zur Überschrift passt, und darüber hinaus (bzw. andererseits) dass Zitze auch zu betydeln "umsorgen" im Sinne bemuttern passt, doch ein koherentes Bild ergibt sich daraus nicht. Auch kein Deut (Niederländische Münze geringen Wertes) als etwas kleines, ein abgebrochener Teil hilft wenig, soweit dessen Herleitung mir nicht bekannt ist.

Vgl. auch die Lohntüte, einen Titel auf eine Forderung (juristisch); Zuspruch, Ausspruch, Schuldspruch, Schuld; summary, summa summarum, total, ...


*þiudijaną (> deuten) listet passender Weise

  1. to associate (with); engage with; attach to; join (with); connect

  2. to interpret; point out; explain

Vgl. daher erstens zu binden, Band, Bund, Bündnis, Verband, Verbund (sowie husband, bond).

Zur Etymologie wird ausgeführt:

Origin obscure. Possibly a conflated word, partly from *þeudō (“people”), from Proto-Indo-European *tewtéh₂ (“people”); and partly from *þeudjaz, *þiudiz (“good, friendly”), from Proto-Indo-European *tew- (“to hearken, take notice, regard in a friendly manner”).

Doch heißt es dort anders unter

  • *þeudjaz

From Proto-Indo-European *tewH-; related to Latin tueor, tūtus.[1] Alternatively, from *þeudō (“people, tribe”).

  • tutus

Collateral perfect participle of tueor (“I care for, guard, defend, protect, etc.”). Compare tuitus.

  • tueor

From Proto-Indo-European *tewH- (“to look favorably, protect, observe”).

Das passt zumindest zu betüdeln "umsorgen".

Dagegen steht

  • *tewtéh₂ (“people”);

Clear cognates are found only in Italo-Celtic, Baltic and Germanic [...]

[...] Often a derivation from the roots *tewh₂- (“to be strong; swell”)[4] (referring to the strength of community) and *tewH- (“to look favorably; protect; observe”)[5] is considered, but the presence of a laryngeal renders that suspect.[6]

Anmerkung: *H steht für unentschlossenheit zwischen *h1,2 oder 3 im Rahmen der bisher nicht abschließend geklärten Laryngal-Theorie.

Insofern ist die "presence of a laryngeal" noch kein Ausschlusskriterium. Die Glosse "to be strong, to swell* ist so allgemein, das hilft leider kaum weiter.


Fazit:

tüdeln wäre m.M.n. also als sekundäre Ableitung aus (sozial) zusammen schließen denkbar.

Abseits gesicherter Vorgängerformen und Verwandten bleibt leider nur Spekulation übrig. Die kann dann gerne unfundiert als falsch bezeichnet werden. Soweit gilt aber "ungeklärt".

  • 5
    Die ganze Antwort ist bei all der (lobenswert) geleisteten Mühe in seiner Gesamtheit sehr undurchschaubar und trägt eher zur Verwirrung bei. Es ist nie klar abgetrennt, was Fakten und was Spekulationen sind. Völlig abwegige Dinge sollten ganz weggelassen werden. Ganz großes -1 von meiner Seite, bitte überarbeiten! – äüö May 27 at 8:30
  • Das was nicht verlinkt ist, ist mein eigener Gedanke. Undurchschaubar ist der Stil nur wegen der Herleitung. Eine durchgehende Herleitung, etwa direkt aus dem Schwedischen, ist mir mangels Vergleichsmaterial nicht möglich. Die Verwirtheit liegt dann ebenso in der Person des Betrachters. Unzufriedenheit damit kann ich nachvollziehen. – vectory May 27 at 8:55
  • 2
    @vectory Zwischenüberschriften könnten hilfreich sein, zum Beispiel – jonathan.scholbach May 27 at 12:54
  • 2
    Als schwedischer Muttersprachler kann ich nur sagen, dass hier einige Fehler vorhanden sind: die Grundform von "betydelse" ist ohne "n" am Schluß, sonst wäre es die bestimmte Form. Auch gibt es kein Wortstamm der "tydel-" heißt. Der Stamm heißt "tyda" oder "tyd-". Das -"el" gehört also zu "-else" was ein Substantivierungssuffix ist, das wahrscheinlich aus dem Dänischen eingeleiht worden ist. – Beta Jun 27 at 15:28

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