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Mir ist jetzt schon ein paar mal aufgefallen, daß wir im Deutschen keine Entsprechung des englischen Begriffs "virtue signalling" (bedeutet etwa: die Zurschaustellung der eigenen Tugendhaftigkeit) zu haben scheinen oder mir dieser zumindest in dem Moment wo ich den Begriff gern benutzen würde nicht greifbar ist.

Klar kann ich die sperrige Bedeutungsumschreibung von oben verwenden, aber die ist eben ... sperrig. Und im Deutschen würde ich erwarten, daß wir ein zusammengesetztes Substantiv für den englischen Begriff haben, welches den Sinn exakt wiedergibt.

Ich könnte mich jetzt an seltsam klingenden Übersetzungen versuchen wie: Tugendzurschaustellung oder Tugendsignalisierung (klingt für mich eher schräg).

Haben wir im Deutschen eine Entsprechung zu "virtue signalling" die kurz und prägnant daherkommt?

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    @TheAwfulLanguage Das trifft es alles nicht. Ein Moralapostel ist jemand, der Moral nur predigt, sie aber nicht lebt; das ist etwas völlig anderes. Die anderen beiden Begriffe sind zu unspezifisch. – jonathan.scholbach Aug 10 '19 at 18:33
  • Ein Lehnwort, das im Deutschen verwendet wird, ist ein deutsches Wort. :) – jonathan.scholbach Aug 10 '19 at 21:49
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    @jonathan.scholbach daß es sich bei "virtue signalling" um ein Lehnwort handelt, müßtest Du aber erst einmal belegen. Allein die Nutzung von Fremdwörtern in einem deutschen Satz macht sie noch nicht zu Lehnworten. Es gibt eine Menge Lehnworte, aber soweit ich mich entsinne, gehorchen diese den grundlegenden Regeln der deutschen Grammatik. Das kann ich (noch!) nicht bei "virtue signalling" erkennen. Übrigens frage ich mich gerade ob bspw. lateinische Namen von Krankheiten oder Knochen (also Fachbegriffe) wirkliche Lehnworte im Deutschen sind. Werde das einmal recherchieren. – 0xC0000022L Aug 10 '19 at 22:19
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Gesucht wird ein Begriff, der dem Englischen virtue signalling entspricht und somit für Zurschaustellung der eigenen Tugendhaftigkeit stehen kann, aber kürzer und prägnanter ist.

Recht nahe kommt dem wohl die

Frömmelei

wenn auch das Wort (und das Verhalten) etwas aus der Mode gekommen sind. Verwandt ist auch die

Prüderie

bei der es ebenfalls vor allem um den Anschein geht, denn wie sehr im stillen Kämmerlein (wenn die Öffentlichkeit nicht mehr zuschaut) von der naserümpfenden Abwendung vom Sexuellen noch etwas übrig bleibt, weiß man nicht.

Drittens könnte man noch die

Regelfuchserei

und die

Paragraphenreiterei

anführen, bei der es um das strikte Einhalten von Normen geht. Allerdings ist hier wohl der Aspekt der Zurschaustellung weniger ausgeprägt, eher geht es um Machtfragen und Rechthabenwollen.

Lässt man als Lösung auch Neologismen zu (einige haben sich darin schon versucht), so schlage ich

Tugendprotzerei

vor, das mir als Wort stilistisch homogener scheint als von anderen bisher erwähnte Varianten wie Tugendangeberei oder Tugendsignalisierung. Daneben könnte eine betroffene Person auch einen

Tugendfimmel

haben, was als Wort sehr schön ist, aber einer anderen syntaktischen Einbindung bedarf als die vorgenannten Substantive.

Leichter wird es, wenn neben Substantiven auch Adjektive oder ganze Wendungen als Antwort gelten:

demonstrativ tugendhaft

übertugendhaft

seine Tugend vor sich hertragen

seine Tugend als Monstranz vor sich hertragen


Anmerkung zum

Gutmenschentum

das in anderen Antworten angedeutet (aber noch nicht verbatim vorgeschlagen) wurde. Bei diesem Vorschlag stört mich, dass es - in meinem Verständnis - eine andere Verwendung hat. Wo immer ich im Alltag Leute den Vorwurf des Gutmenschentums äußern höre, ist dieser gemünzt auf Dritte, denen es nicht um die Zurschaustellung ethisch begründeten Verhaltens geht sondern um das ethisch begründete Verhalten an sich, welches aber nach Meinung derer, die den Vorwurf des Gutmenschentums äußern, ein Lächerliches sei.

Oder in anderen Worten: Ich kann einem anderen die Zurschaustellung von Tugendhaftigkeit bescheinigen, ohne die Tugendhaftigkeit als solche lächerlich zu finden. Werfe ich ihm Gutmenschentum vor, sage ich aber, dass ich schon seine Tugendhaftigkeit an sich lächerlich finde, nicht nur die Zurschaustellung.

  • Tugendprotzerei finde ich in der Tat auch noch einmal einen Tick passender als Gutmenschelei. Mal sehen wie sich die Worte im Sprachgebrauch so machen. Danke. – 0xC0000022L Aug 12 '19 at 19:07
  • Beste Antwort bisher, vor Allem auch wegen der Diskussion der verschiedenen Varianten. Auch schön, dass du Frömmelei ausgegraben hast, das ist es in der Tat. +1 – jonathan.scholbach Aug 12 '19 at 23:00
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Der Begriff stammt aus der englisch geprägten (evolutions-)psychologischen Fachliteratur. Viele Begriffe der Fachliteratur werden als Lehnworte verwendet, so auch dieses: Man verwendet im Deutschen das englische Fremdwort Virtue Signaling. Auch der alleinstehende Begriff Signaling ist sowohl in der Ökonomie als auch in der Verhaltensbiologie etabliert.

Viele deutsche Begriffe, die moralisches oder vermeintlich moralisches Handeln kritisieren (etwa: moralinsauer, Gutmensch, Moralapostel), treffen die Bedeutung von virtue signalling nicht richtig, weil beim Begriff virtue signalling zunächst einmal nicht eine Kritik, sondern eine Erklärung von Verhalten im Vordergrund steht. Sicher kann daraus eine Kritik im Sinne verborgenerer, "eigentlicher" Motive abgeleitet werden und sicher geschieht das auch oft, wenn der Begriff virtue signalling im Englischen verwendet wird, dennoch hat virtue signalling eine deskriptive Dimension die bei den deutschen Begriffen aus diesem semantischen Feld fehlt.

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    Als Lehnwort ist es aber nach deutscher Rechtschreibung zu schreiben, also Virtuesignalling. Auch beschreibt der Begriff m. E. ein Verhalten, er erklärt es nicht. – user unknown Aug 11 '19 at 1:39
  • Ja, mit der Schreibung hast du Recht, das habe ich angepasst. Danke! Zu Erklärung / Beschreibung: Doch, der Begriff beinhaltet im Rahmen der Evolutionsbiologie genau eine Erklärung für augenscheinlich altruistisches Verhalten. Die Frage, die in diesem Paradigma gestellt wird, ist: Warum "lohnt" es sich, sich selbst durch altruistische Handlungen zu schaden? Und die Antwort ist: Es lohnt sich, weil es ein soziales Signal ist, das Vertrauen bildet, sodass die Handlung am Ende doch in Fitness-Vorteilen resultiert. Das ist genau das, was der Begriff Virtue Signaling bezeichnet. – jonathan.scholbach Aug 11 '19 at 6:56
  • @jonathan.scholbach etwas OT aber wieso genau sollte Altruismus dem Individuum schaden welches sich so verhält? Zumal immer auch die Frage ist ob es nicht doch irgendwelche Motive gibt. Um bei SO zu bleiben. Ich habe mehrfach nach Jahren meine eigenen Antworten wiederentdeckt und so effektiv mir selber geholfen. Das ist wie bei Dokumentation von Quelltext. Man kann es so sehen, daß es für die Kollegen ist. Ich sehe das für die Kollegen eher als Kollateralnutzen und schreibe die Dokumentation meist für mein zukünftiges ich. – 0xC0000022L Aug 11 '19 at 19:31
  • @0xC0000022L Das ist einfache eine Frage der Definition des Begriffs Altruismus. Eine übliche Definition sagt, dass eine altruistische Handlung eine Handlung ist, die dem Handelnden schadet (indem sie mehr Kosten als Nutzen aufweist, etwa), dem Empfangenden aber nützt. Aber man kann es natürlich auch anders definieren, etwa so, dass die Handlung für den Handelnden nutzenneutral ist. Dass es dabei doch verborgene Motive gibt, ist ja genau der Erklärungsansatz, des Begriffs Virtue Signaling. Es gibt auch Leute, die sagen, dass es A. in dieser Form nicht gibt; aber das führt hier zu weit – jonathan.scholbach Aug 11 '19 at 19:38
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    @jonathan.scholbach: Deine Erklärung für Virtuesignalling kenne ich, aber sie steckt nicht im Begriff. Das Wort beschreibt ein Verhalten und unterstellt dem Handelnden die Absicht, dass sein Handeln wahrgenommen wird. Wenn die Erklärung dem Leser/Hörer nicht bekannt ist, dann muss sie separat gegeben werden. – user unknown Aug 12 '19 at 13:20
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Da virtue signalling im Englischen außerhalb von Fachaufsätzen dazu verwendet wird, dem Gegenüber Heuchelei vorzuwerfen, biete ich die Neuerfindung

Gutmenschelei

Das würde ich z.B. dem Donald Trump auf die Zunge legen, sollte mich jemand ohne Englischkenntnisse fragen, was der da eigentlich gerade gesagt hat.

  • Das Wörterbuch des Gutmenschen. Zur Kritik der moralisch korrekten Schaumsprache. Mhmm-hmmm. – Janka Aug 11 '19 at 8:18
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    Ich würde stark davon abraten, das Wort „Gutmensch“ oder Abwandlungen davon zu verwenden. – Carsten S Aug 11 '19 at 10:49
  • Warum? Ok, Schaumschläger ist auch toll. – Janka Aug 11 '19 at 12:12
  • Related: youtube.com/watch?v=hSp8IyaKCs0 – Janka Aug 11 '19 at 12:13
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    @Janka: Man stellt sich mit der Wortwahl immer in einen Kontext. Ich sehe es als Aufgabe dieses Forums, über sprachliche Gegebenheiten Auskunft zu geben und damit Reflexion über Sprache zu ermöglichen. Und der Kontext des Worts Gutmensch ist eine sprachliche Gegebenheit. Wenn ein Begriff, wie Gutmensch vor Allem von Rechtspopulisten und -extremisten als Kampfbegriff verwendet wird, dann sollte das imho nicht mit "these are only words" beiseite gewischt werden. Man kann das natürlich verwenden, aber wir sollten auf diese Konnotation hinweisen. Sonst leisten wir einen Bärendienst. – jonathan.scholbach Aug 11 '19 at 18:34
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Ich werfe hier einmal das

Pharisäertum

siehe z. B. Duden in den Ring. Das ist mir im Unterschied zu einigen anderen der genannten Alternativen schon in freier Wildbahn begegnet.

  • Nicht schlecht, habe ich auch schon gehört. Wobei man dann schon ein wenig bibelfest sein muß :) – 0xC0000022L Aug 12 '19 at 19:03
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Tugendapostel oder Moralapostel könnte, je nach Kontext, passen.

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    Unter Moralapostel versteht man eigentlich jemanden, der Moral nur lehrt, sich aber nicht an seine eigene Lehre hält. Das ist nochmal ein bisschen was anderes. Zunächstmal bezeichnet Virtue Signaling eine Handlung, Moralapostel eine Person. Aber wichtiger: Derjenige, der Virtue Signalling betreibt, hält sich ja an seine Moral. Die Unterstellung ist nur, dass er das aus anderen, letztlich eigennützigen Motiven tut. Das kann also zwar auch eine Kritik an Moral sein, aber es ist eine andere Kritik als Moralapostel. – jonathan.scholbach Aug 11 '19 at 18:25
  • @jonathan.scholbach daß sich der Handelnde bei "virtue signalling" an seine Moral hält ist eine Tautologie. Denn Moral ist immer subjektiv und damit ist es logisch, daß derjenige entsprechend seiner eigenen Moral handelt. Allerdings ist die Frage inwieweit sich derjenige evtl. selbst belügt davon weitgehend unberührt. Ich frage mich bspw. bei "geistlichen Würdenträgern" immer wieder inwieweit die an das glauben was sie anderen predigen. Aber die sprichwörtliche Monstranz welche so ein "Würdenträger" vor sich her trägt entspricht zumeist sehr wohl "virtue signalling" ... – 0xC0000022L Aug 11 '19 at 19:39
  • @0xC0000022L Nein, das ist nicht tautologisch. Denn der Moralapostel predigt eine Moral, an die er sich dann nicht hält ("Wasser predigen und Wein trinken"). Derjenige, der Virtue Signaling betreibt, verhält sich ja entsprechend der "Tugend", die er signalisiert. Moral nur zu predigen ist gerade kein Virtue Signaling. Das Wesentliche an dem Signal sind die Kosten, die das Signal für den Signalgebenden hat. Aber das ist alles Diskussion, die hier eigentlich nicht hingehört. – jonathan.scholbach Aug 11 '19 at 20:05
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    @jonathan.scholbach ich weiß, daß Du das bereits mehrfach behauptet hast; sehe ich allerdings nicht ganz so. – 0xC0000022L Aug 11 '19 at 20:54
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    @jonathan.scholbach Ich weiß eigentlich nicht, wie du darauf kommst, ein Moral- oder Tugendapostel würde sich prinzipiell nicht an seine eigenen Regeln halten. Für mich impliziert der Begriff das nicht. – tofro Aug 13 '19 at 5:45
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Man muss hier wissenschaftlichen und umgangssprachlichen Gebrauch unterscheiden. In jedem Fall wäre die Verwendung des Anglizismus selbst eine Art Virtue Signalling. Es ist zwar denkbar das Konzept sei älter als die Fachliteratur, die den Begriff prägte, und daher leicht zu umschreiben. Das würde das Signal, bzw. dessen Kraft schwächen. Signalverstärkung oder Rückkopplung wäre soweit allenfalls in technischer Sprache gebräuchlich.

Interessant ist der umgangssprachliche Gebrauch dagegen eher nicht, da zumeist abwertend oder unpräzise. Es gibt sicherlich verschiedene kontextabhängige Begriffe. Gesucht wird dennoch nach einem Substitut für

"Virtue signalling** is the conspicuous expression of moral values."

  • ... ist der merkwürdige Ausdruck moralischer Werte. *[Übersetzung meine]

Bspw. Deutschtümelei wäre vom Kontext abhängig. Klar kann man dagegen halten, das, was als Deutschtümelei bezeichnet wird, hätte auch Substanz hinter der Fassade. Das kann man bei Virtue Signaling aber auch, soweit es nicht eigentlich Lippenbekenntnis bedeutet. Gleichschaltung, Anbiedern, o.ä. wären noch stärker negativ. Oft ist eigentlich Nebelkerze gemeint, also das Verschleiern wahrer Absichten, Vgl sich mit fremden Federn schmücken. Anders wird ins Lächerliche ziehend auch vom Schwanzlängenvergleich bzw. hochtrabend von Kräftemessen gesprochen.

Zurschaustellen ist das eigentliche Signalling. Von Virtue oder sonstiger Wertung ist dabei kaum die Rede. Sich in den Vordergrund rücken ist ebenso subtil negativ besetzt. Herausstellen, hervorstellen, hervorheben, exponieren, präsentieren oder einfach signalisieren sind dagegen recht neutral. In alledem wird der erfragte Kontext nicht mehr erkennbar, wenngleich die ursprünglich nicht wertenden Bedeutung nahe liegt, die im Übertragenen Sinne eine Einladung bezeichnet; vgl. einladendes Aussehen. Etwas weiter hergeholt wäre Reiz, reizen passend, soweit reizend eine gewisse mehrdeutigkeit bewahrt, und Reiz, aufreizen hinreichend psychologische Bedeutung ähnlich Signal tragen. Vgl auch reizen im Skat neben En raise im Poker. Gebaren (vs Gebühr, ungebührend, Bürde etc., s. Geschäfts-Gebaren) steht dem nicht fern.

Um auf Moralinsäure zurückzukommen, würde ich schlussendlich plädieren für:

Angeben

Salop gesagt wird auch von angebenden Angebern gesprochen. gift "Gabe" ist dabei etwa parallel zu Tugendhaftigkeig, jedoch im Sinne Talent davon zu unterscheiden: virtuos ist noch stärker als begabt. Mit begnadeten Künstlern, Gnädigkeit oder Bescheidenheit hat das aber wenig zu tun, daher sagt man Angebern gern falsche Bescheidenheit nach.

Sofern Angeben in gewissen Gesellschaftsschichten zum MO gehört, wird dagegen von Machtdemonstration oder Statussymbolik gesprochen, welche oft auch der Abschreckung dienen.

Angabe "Eröffnung" (vgl. jemandem etwas eröffnen "verraten") passt sodann auch zur oben bezeichneten Einladung. Vgl. dagegen verladen "in die Irre führen", ausladend, sich entladen, sich entledigen und eine große Klappe.

Im Sinne tonangebend ist zwar eine positive Konnotation erkennbar, und der Angeber ohne Ton quasi nur eine zutiefst sarkastische Variante davon.

Wegen dem Fokus auf Rollenverteilung im soziale Gefüge ist dieses Wort letztendlich auch unpassend. Zudem wird abgeben und Altruismus quasi ausgeschlossen und Gier, Geiz oder Geilheit impliziert.


Positiver besetzt ist dagegen Tugend, welches dennoch kontextuell und daher subjektiv ist und alleinstehend nur virtue übersetzt, und das nicht besonders treffend, sehr eng auf christlichen Kontext gemünzt.

Insofern Tugend als Sammelbegriff auch Zurückhaltung bezeichnet, ist es mit virtue signalling eigentlich nicht vereinbar, lediglich im Sinne den Aussenstehenden nicht erkennbarer Zeichen, die erst durch den Vorwurf des Tugendzurschaustellens allgemein kenntlich gemacht werden würden. Siehe dahingehend auch tunlichst, sofern vergleichbar mit Tugend (nur in tunlichst unterlassen).

Auf die Herkunft des Wortes einzugehen, das bspw. bei Pfeiffer oder Kluge/Seeboldt auf eine Bedeutung viel Milch geben zurückgeführt wird, erspare ich mir. Nur so viel. Sanskrit, insb das Rig-Vedische, ist zwar vergleichsweise alt, aber nur bedingt konservativ; Die Bedeutung bzgl. Milch, die soweit einzig in Sanskrit belegt zu sein scheint, könnte ebenso gut umgekehrt von einem allgemein abstrakten Begriff spezialisiert worden, oder gar zufällig lautlich ähnlich sein. Daher folgt nur ein aus Rückschlüssen gewonnener Vorschlag.

Werbung ist der augenscheinliche Ausdruck moralischer Werte

Ggf. fehlt dabei ein Attributiver Vorsatz. ermutigend, Anhänger, ... Tatsächlich findet g-books immerhin drei Ergebnisse jüngerer Zeit für "Tugendwerbung", von denen zwei gleichzeitig von Moral reden, natürlich im Religiösen Kontext. Das dritte könnte ein OCR Fehler für "Jugendwerbung sein"; So oder so, vgl "Jünger".

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