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Frage auf Deutsch

Welche normative Autorität hat der Duden? (Ich beziehe mich hier auf das Wörterbuch.)

English Question

What's the normative authority of the Duden? (I am referring to the dictionary.)

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    @mtwde Ich habe die Frage gestellt, um die Wissenssammlung zu strukturieren, und Diskussionen in Kommentaren zu vermeiden. (Anlass war german.stackexchange.com/questions/54096/…) Die Frage ist für mich ein Anker für zukünftige Links: Wann immer man den Duden zitiert, kann man hier auf diese Frage verlinken. In diesem Sinne halte ich die Frage für einen sinnvollen Beitrag zu dieser Seite, auch wenn sie keinen eigenen Forschungsaufwand erkennen lässt. Ich war überrascht, dass sie noch nicht existiert. – jonathan.scholbach Aug 30 at 20:34
  • Daher denke ich, dass wir das hier als eine Ausnahme der von dir zitierten Regel ansehen sollten. Aber ich kann auch mit dem -1 gut leben und deinen Standpunkt nachvollziehen. – jonathan.scholbach Aug 30 at 20:35
  • Ja, leider gibt es keine FAQ hier ^^. Das wäre ein Eintrag dafür oder fürs meta. Mit deiner Intention kann man die Frage aber auch anders stellen. etwa "In vielen Diskussionen (link zum bsp1, 2,3) wird der Duden als ultimative Beleginstanz für blablabla angeführt. Hat der Duden tatsächlich (noch immer) diese normative Autorität? Damit bin ich nicht einverstanden, weil... . Was unterscheidet ihn von anderen Nachschlagewerken? etc. pp. Warum wird nicht wiktionary genommen?" Da gibt es dann immerhin ein konkretes Problem und sicher genausoviele Antworten (oder sogar bessere)^^ – mtwde Aug 30 at 21:17
  • /2 Das erzeugt dann evtl wirklich Diskusionen in den Kommentaren, aber joa, die kann man dann auch in den Chat verschieben wenns ausufert ^^. Wobei die auch hilfreich sein können. – mtwde Aug 30 at 21:19
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Seit der letzten Rechtschreibreform von 1996 dieselbe wie jedes andere Wörterbuch, nämlich praktisch keine. Die "normative Autorität" (falls es so etwas gibt, und zumindestens für die, die sich daran halten müssen (alle innerhalb des direkten Einflußbereichs der Staaten, z.B. Schüler, Staatsbedienstete,...) oder wollen (alle anderen) hat seither der Rat für deutsche Rechtschreibung

Anspruch eines guten Wörterbuchs sollte es sein, weitgehend existierende Sprache zu dokumentieren anstatt zu normieren.

Da es niemanden gibt, der für die große Mehrheit der Sprachnutzer rechtlich bindend vorschreiben kann, was richtig und was falsch ist, betrachten viele Sprachnutzer den Duden allerdings immer noch als eine "Autorität über die deutsche Sprache".

  • @jonathan.scholbach Das ist an sich nicht üblich - Wenn sich jemand die (eigentlich unnötige) Mühe macht, eine zweisprachige Frage zu formulieren, darf man wohl mit ziemlicher Sicherheit annehmen, dass er eine Antwort auch dann versteht, wenn sie nur in einer Sprache formuliert ist. – tofro Aug 30 at 17:41
  • @jonathan.scholbach Vielleicht, weil man dann doppelt soviel schreiben müsste? – tofro Aug 30 at 21:07
  • Mmmmm... es gibt im „Einflussbereich des Staates“ mittlerweile Zig Sprachregelungen (Stichwort: Gender-/Geschlechtsneutrale Sprache), die mit dem Duden aber sowas von nichts zu tun hat. – Peter Aug 30 at 22:36
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    @Peter Im Duden stand noch nie, was man sagen soll, nur wie ... – tofro Aug 30 at 22:54
  • @tofro: In meinem Fall - ich sag nicht wo - gehts tatsächlich auch um das „wie“, was ich schade finde. – Peter Aug 30 at 23:14
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Kurz gesagt: Seit der Neuregelung der deutschen Orthographie im Jahre 1996 keine mehr. Allerdings hat der Duden weiterhin ein so hohes Prestige, dass er nach wie vor vielfach als letzte Berufungsinstanz in Fragen zur deutschen Sprache gilt.

Davor hatte der Duden diese Authorität über 40 Jahre lang offiziell inne, denn die deutsche Kultuministerkonferenz entschied im Jahre 1955:

Im Zweifelsfällen sind die im 'Duden' gebrauchten Schreibweisen verbindlich.

Allerdings galt der Duden zumindest inoffiziell auch davor als Authorität, denn

Im Jahre 1915 wurde also der Grundstein für die enorme Bedeutung der Dudenredation für die Geschichte der sprachlichen Zweifelsfälle im 20. Jahrhundert gelegt. [..] Die Auskunftsfreudigkeit der Dudenredation führte dazu, dass eine Instanz entstand, die fortan in allen sprachlichen Fragen und Zweifelsfällen als normative Autorität gelten sollte.

Quelle "Sprachliche Zweifelsfälle im Deutschen: Theorie, Praxis, Geschichte" von Wolf Peter Klein, Seite 79f

  • Danke für die Antwort. Würde es dir etwas ausmachen, sie auch auf Englisch zu formulieren? Die Frage war ja auch zweisprachig. – jonathan.scholbach Aug 30 at 17:32
  • Der Duden sagt bestimmt auch, dass das "In Zweifelsfällen" sein sollte. :-) Ich kann's nicht editieren, weil's nur ein Zeichen ist. – Jens Aug 31 at 21:13
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Zu mehr Info über Duden: Wer bestimmt, welche Regeln in der deutschen Spache gelten?

Im Moment gibt es nur ein verbindliches Regelwerk, und zwar das vom Institut für Deutsche Sprache. https://www.rechtschreibrat.com/regeln-und-woerterverzeichnis/ Allerdings gilt das nur für amtlichen Gebrauch.
Für Privatpersonen oder Angestellte eines Privatunternehmens ist das nicht verbindlich. Deswegen sieht man immer wieder Schreibweisen wie "daß" auf neu ausgestellten medizinischen Unterlagen usw.

  • Danke für die Antwort. Würde es dir etwas ausmachen, sie auch auf Englisch zu formulieren? Die Frage war ja auch zweisprachig. – jonathan.scholbach Aug 30 at 17:32
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Antwort auf Deutsch

Der Duden ist keine offizielle Autorität mehr. Er hatte diese Rolle von 1955 bis 1995, als die Kultusministerkonferenz der Länder den Duden als verbindliche Autorität für den Schulunterricht vorschrieb. Gegenwärtig hat diese normierende Rolle der Rat für Deutsche Rechtschreibung inne. Mehr Informationen darüber sind unter der Frage Wer bestimmt, welche Regeln in der deutschen Spache gelten? zu finden.

Damit ist der Duden nun nurmehr ein Wörterbuch. Im Allgemeinen wird die Funktion eines Wörterbuchs darin gesehen, eine Beschreibung (Deskription) der Sprache und keine Normierung (Präskription) der Sprache zu liefern. Einerseits lässt sich jedoch auch jede wissenschaftlichen Beschreibung nicht vollständig von normativen Vorstellungen der Beschreibenden trennen, sodass deskriptive und präskriptive Vorstellungen von reichweitenstarken Wörterbüchern nie völlig voneinander zu trennen sind; andererseits ist der Duden gerade auch aufgrund seiner Geschichte die De-facto-Referenz für unklare Fälle. Im Zweifel über bestimmte Regeln der Orthographie, Interpunktion oder Grammatik, werden die meisten Menschen im Duden nachschlagen.


English Answer

The Duden does not have official authority any more. It used to have official authority, from 1955 to 1995, when the Kultusministerkonferenz der Länder (Conference of Ministers of Culture of the German states), who decides on what is being taught at school, had given it this authority, so that school teachers were bound by Duden rules. Currently, this authority is given to the Rat der Deutschen Rechtschreibung (Council of German Orthography). More information about this can be found in the thread Wer bestimmt, welche Regeln in der deutschen Spache gelten? (Who decides which rules apply to German language?, in German only).

Nowadays, the Duden has merely the status of a dictionary. In general, the purpose of a dictionary is to describe the language, not to normalize it. On the one hand, any description of language, even a scientific one, cannot be fully free of normative premises; on the other hand, thanks to its historical role, the Duden is still the de facto reference in uncertain cases. If in doubt about certain rules of orthography, punctuation or grammar, most people would consult the Duden.

  • Duden ist nicht nur ein Wörterbuch. shop.duden.de/Shop/Die-Grammatik-1 – Dan Sep 7 at 18:26
  • @Dan Der Kommentar passt besser unter die Frage. Unabhängig davon denke ich, dass relativ klar ist, dass mit "der Duden" das Wörterbuch gemeint ist, solange nichts näheres bestimmt ist. Größere Klarheit kann aber nicht schaden, deswegen passe ich die Frage entsprechend an. – jonathan.scholbach Sep 7 at 19:01

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