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Ich habe eine Genitivform der reflexiven Pronomen in einer Grammatiktabelle gesehen, und zwar: mich (akk), mir (dat) und meiner (gen). Aber wann verwendet man eigentlich die letzte Form in Kontext von Reflexivverben?

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Es gibt ohnehin nur sehr wenige Verben, die mit dem Genitiv stehen, die Zahl der reflexiven Verben mit Genitiv kann man an zwei Händen abzählen und die Verben aus dieser Gruppe, bei denen das Personalpronomen im Genitiv verwendet werden kann, sind

Morpheus bemächtigte sich meiner.

Die Armee bediente sich meiner.

Als es darum ging, einen Dummkopf zu finden, entsann man sich meiner.

Später erinnerte sich niemand meiner.

Meine Leute schämten sich meiner.

Diese Ausdrücke sind alle sehr ungewöhnlich. Man wird sie in Gedichten finden, oder als spezielle Stilmittel in Erzählungen. Daher auch die gestelzten Beispiele.


EDIT: Da die Frage wohl anders gemeint war, hier noch Beispiele für die Verwendung von meiner mit nicht-reflexiven Verben, die den Genitiv führen:

Man bedurfte meiner.

Sie gedachten meiner.

Auch diese Liste ist sehr kurz, und auch diese Ausdrücke sind sehr ungewöhlich und gestelzt.

  • Diese Beispiele benötigt noch eine 'sich' (der reflexiver pronomen) neben die 'meiner', oder? Das Wort 'sich' ist immer noch nicht wegzulassen und deshalb 'meiner' hier funktioniert nicht als die reflexive Pronomen – Zhanfeng Lim Sep 10 at 21:23
  • @ZhanfengLim: Richtig wäre: »Diese Beispiele benötigen noch ein 'sich' (ein reflexives Pronomen) neben 'meiner', oder? Das Wort 'sich' kann immer noch nicht weggelassen werden und deshalb funktioniert hier 'meiner' nicht als reflexives Pronomen.« – Hubert Schölnast Sep 11 at 7:06
  • @Zhanfeng Lim: Es gibt im Deutschen nur ein einziges Reflexivpronomen: sich. Bei den anderen Pronomen kann man deren reflexive oder nicht-reflexive Bedeutung nur anhand der Logik des Satzes erkennen. – Janka Sep 11 at 11:29
  • Ich habe meine Antwort ergänzt. – Janka Sep 11 at 11:36
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Grundsätzlich haben reflexive Verben im Deutschen kein besonderes Unterscheidungsmerkmal: Es sind einfach Verben, in denen ein Objekt – ob zufällig oder systematisch – mit dem Subjekt übereinstimmt. Viele Verben existieren »sowohl in einer transitiven Form als auch in einer reflexiven Form« (Anführungszeichen, da man das gesagte nicht zu genau nehmen sollte). Zum Beispiel gibt es jemanden sehen (mit Akkusativobjekt) aber auch sich sehen (reflexiv), die sich eigentlich nur darin unterscheiden, wer gesehen wird.

Die fließende Übergang wird besonders in den ersten beiden Personen klar: wo in der dritten Person das dezidierte Reflexivpronomen sich steht, heißt es mir/mich, dir/dich, uns, euch – exakt diejenigen Formen eines normalen Objekts.

Einige wenige Verben im Deutschen verlangen ein Genitivobjekt. Das, welches einem vielleicht am häufigsten einfällt, ist jemandes gedenken. Semantisch kräuseln sich mir zwar alle Fingernägel, aber grammatikalisch ist nichts gegen einen solchen Beispielsatz einzuwenden:

Er gedachte seiner.

Oder in der ersten Person:

Ich gedachte meiner.

(Die dritte Person krankt ein wenig daran, dass seiner auch das übliche Genitivobjekt der dritten Person, singular, maskulin ist.)

  • Zum letzten Satz: Deswegen packt man gemeinhin ein "selbst" hinter das Pronomen, um deutlich zu machen, was man meint: "Er gedachte seiner selbst" – tofro Sep 12 at 10:35
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Ein Reflexivpronomen gibt es nur in der dritten Person, denn nur dort findet man einen Kontrast zwischen Reflexiv- und Personalpronomen.

Er sieht ihn im Spiegel. (zwei verschiedene Personen)
Er sieht sich im Spiegel. (ein- und dieselbe Person)

Das Erstaunliche am Reflexivpronomen ist, daß es sowohl Akkusativ als auch Dativ sein kann, während diese Kasus im gesamten Singular und in der 3. Plural der Personalpronomen unterschieden werden (mich, mir; dich, dir; sie, ihr; es/ihn, ihm; sie, ihnen).

Ich bin mir sicher und er ist sich sicher.
Er ist mit sich im Reinen.

Wenn man von einem Reflexivpronomen nur dann sprechen kann, wenn es sich vom Personalpronomen unterscheidet, gibt es kein Reflexivpronomen im Genitiv, denn sich kann nicht stehen, wo ein Genitiv gefordert ist, und seiner ist der Genitiv des Personalpronomens.

Aber es gibt natürlich Fälle, in denen seiner sich auf das Subjekt bezieht, wie das begleitende selbst anzeigt bzw. sicherstellt.

Er war seiner selbst überdrüssig und ergab sich dem Trunk.
Nietzsche ist auch ein Kritiker seiner selbst.

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