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In einer Frage in diesem Forum wurde die Behauptung aufgestellt, Formulierungen wie

an die tausend Besucher

seien semantisch zu erklären als

an (die Tausend) Besucher

wobei "die Tausend" das Zahl-Substantiv meine, das ja weiblich ist.

Diese Auffassung wurde angegriffen mit der Gegenthese, dass das die in diesem Ausdruck vielmehr zu die Besucher gehöre (und dass tausend hier einfach nur als Zahlwort zu lesen sei) also

an die (tausend) Besucher

Ich war kurz geneigt, der zweiten These zu folgen, denn man kann ja auch sagen.

Es kamen an die 753 Besucher

Das ist zwar stilistisch nicht gut, denn wenn man die genaue Zahl kennt, ist eine Annäherungsformel wie "an" unsinnig (noch deutlicher in: "Es kamen circa 753 Besucher" - ein typischer Stilfehler aus der Journalistenschule). Gleichwohl ist der Satz grammatisch in Ordnung, denn auch die Siebenhundertdreiundfünfzig kann als ein weibliches Substantiv gelesen werden.

Gibt es nun, über diese beiden wohl gleich starken Vermutungen hinaus, Kenntnisse über die Herkunft der Formulierung und somit den Ur-Sinn des die?

  • Der Duden hat ja einen eigenen Eintrag für an die - das spricht m.E. eher für die zweite These. – Arsak Nov 5 '19 at 16:00
  • Vermutlich verwandt: So and die in this question – Henning Kockerbeck Nov 5 '19 at 16:37
  • Wäre "die" ein Artikel für "Tausend" würde man "Tausend" groß schreiben, oder? – user unknown Nov 5 '19 at 16:41
  • Ich würde eher an eine Skala, zum Beispiel auf einem Maßstab denken: "Das Wasser stieg bis (nahe) an die 5 Meter (-Marke)." Davon dann abgeleitet auf andere Skalen und Größen, "Die Zahl der Besucher stieg bis an die tausend". Davon dann wieder abgeleitet, "Es kamen an die tausend Besucher". – Henning Kockerbeck Nov 5 '19 at 16:47
  • @userunknown Ich wäre (zumindest) vorsichtig mit dem Ableiten einer inneren Sprachlogik von Schreibkonventionen. Sonst könnte heute einer kommen und sagen aufwändig komme von Wand. (Ja, ich weiß, ein böses Beispiel.) – Christian Geiselmann Nov 5 '19 at 16:57
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Wenn ich darüber nachdenke, möchte ich eine dritte These aufstellen und das so gruppieren.

(an die) tausend Besucher

Ich habe keine Regel dazu parat, aber "an" oder "die" alleine ergeben keinen sinnvollen Ausdruck. Ich halte das Konstrukt "an die" für einen alternativen Ausdruck für "knapp".

Etwas weiter gefasst wäre "etwa", wobei dann auch mehr als tausend Besucher gemeint sein könnten. Die Formulierung "an die" drückt für mich gefühlsmäßig aus dass die Zahl nicht ganz, oder höchstens ganz knapp erreicht wurde.

  • Sehe ich auch so. Bei "etwa tausend" würde ich den Unsicherheitsspielraum nach oben und unten ungefähr gleich einschätzen, bei "an die tausend" kann der tatsächliche Wert deutlich tiefer, aber nur minimal höher liegen (und der Vollständigkeit halber: "bis zu tausend" lässt praktisch kein Überschreiten zu). – Volker Landgraf Nov 6 '19 at 1:14
  • Interessante These... – Christian Geiselmann Nov 6 '19 at 11:04
  • Ich finde, dass Duden mit seinem Eintrag zu "an die" diese These stützt: duden.de/rechtschreibung/an_die – Iris Nov 7 '19 at 13:44
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Es liegt nahe, die Konstruktion zurückzuführen auf reichen mit an und Akkusativ.

Die Zahl der Besucher reicht an die tausend.

An die muß irgendwann als etwa reanalysiert worden sein und bleibt in allen Kasus unverändert. In den beiden folgenden Beispielen läßt es sich daher durch etwa ersetzen.

Es wird mit an die tausend Besuchern gerechnet.

Da an die als etwa gelesen wird, kann ein Artikel vorangehen.

Der Leiter der Stiftung hieß die an die hundert erschienenen Gäste willkommen.

Wenn man an die als Adverb mit der Bedeutung etwa, fast versteht, hat das den Vorteil, daß folgende Sätze parallel analysiert werden können als Verbindung eines Zahlwortes mit einem modifizierenden Adverb.

mit an die tausend Zuschauern
mit fast tausend Zuschauern
mit genau tausend Zuschauern
mit über tausend Zuschauern

Wenn man dagegen an die tausend als Einheit auffaßt, ist mir nicht klar, wie der Bezug von tausend zu Zuschauern hergestellt wird und warum mit Zuschauern an die tausend nicht möglich ist bzw. eine andere Bedeutung hätte.

  • Das wäre doch dann im Grunde eine Bestätigung der These 1, also Auflösung als "an (die Tausend) Besucher", oder? – Christian Geiselmann Nov 6 '19 at 11:06
  • Ich weiß nicht, wie ich es noch eindeutiger formulieren kann: an die ist eine Einheit, die das Zahlwort modifiziert. Es ist parallel zu etwa (oder annähernd, fast). Also für den zweiten Beispielsatz: Es wird mit etwa tausend Besuchern gerechnet. Mit Reanalyse ist gemeint: in reicht an die tausend verbindet sich an mit die tausend; aber in an die tausend Besucher bilden an und die eine untrennbare Einheit, die tausend modifiziert. – David Vogt Nov 6 '19 at 11:14
  • Man denke bei Reanalyse auch an Präpositionen wie aufgrund, infolge, anhand. – David Vogt Nov 6 '19 at 11:15

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