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Ich suche einen Begriff, mit dem man in der deutschen Sprache den Ausdruck "soziale Medien" besser - das heißt neutraler und sachlich angemessener - ersetzen kann.

Der Begriff "soziale Medien" ist eine direkte Übersetzung aus dem Amerikanischen (social media). Während ich mit dem englischen Begriff gut zurecht komme, stoße ich mich am deutschen "soziale Medien" jedesmal, vor allem wenn ich in einem sachlichen (wissenschaftlichen) Text präzise, klischeefreie und inhaltlich korrekte Sprache verwenden will. "Sozial" im Deutschen hat für mich zu stark einen Bedeutungsanteil von "Sorge für die anderen". Das "sozial" in "social media" meint aber nicht "Sorge für die anderen" sondern "jedermann" bzw. "in Kontakt treten".

Ich vermute, es ist relativ leicht, ironische, kritische und despektierliche Begriffe zu finden. Solche zu sammeln, wird auch amüsant sein. So ist zum Beispiel der Alternativbegriff

asoziale Medien

bei Kritikern derselben beliebt und verbreitet. Das ist aber natürlich sowohl ironisch als auch provokativ gemeint.

Mir geht es hier um einen nicht wertenden Ausdruck - weder negativ noch positiv.1

  • Ich bin bisher gekommen auf:

kommerzielle Meinungsaustauschplattform

  • Verbreitet ist die Lösung, "soziale Medien" in Gänsefüßchen zu setzen. Damit zeigt der Autor, dass er den Begriff kritisch betrachtet. Ich suche aber einen echten verbalen Ausdruck, keine typographische Krücke.

  • Eine weitere Methode, die denkbar ist: Man spricht von "das was gemeinhin als soziale Medien bezeichnet wird". Aber da ist man natürlich schon nahe an Dr. Murkes "jenes höhere Wesen, das wir verehren" (Heinrich Böll: "Doktor Murkes gesammeltes Schweigen", 1955)

Welche Möglichkeiten gibt es noch?


1 Unter "Neutralität" verstehe ich hier aber auch, dass der Begriff nicht etwa vorgaukelt, es handle sich um eine rein zwischen freien Individuen laufende Kommunikation wie auf einem öffentlichen Platz, denn die "Plätze", auf denen diese Kommunikation in der Praxis stattfindet, sind ja allesamt hochkommerzieller Natur, das heißt, eingerichtet von Dritten mit Gewinnerzielungsabsicht (die aber geflissentlich verborgen wird). Es ist eigentlich dieser Umstand, der mich beim Begriff "soziale Medien" immer zusammenzucken lässt.

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    Eine kürzere Form der dritten Variante wäre "die sogenannten sozialen Medien" - würde das der geforderten Neutralität entsprechen? – Arsak Dec 30 '19 at 10:36
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    @problemofficer: Die Gemeinsamkeit wird erst auf einer höheren Abstraktionsstufe sichtbar. Meiner Meinung nach besteht diese darin, dass "soziale Medien" Plattformen sind, deren zentraler Verwendungszweck für die Nutzer darin besteht, Nachrichten für andere Nutzer - insbesondere auch für Gruppen davon - zu hinterlassen. – O. R. Mapper Dec 30 '19 at 13:27
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    Ich denke es wird für Verwirrung sorgen, einen wohlverstandenen und genutzten Begriff durch einen anderen zu ersetzen. Zu Freunde treffen sagt man ebenso scherzhaft "soziale Kontakte pflegen". Sprache wandelt sich nunmal und gerade das Englische findet viel Einzug, ob nun als Übersetzung oder direkt als Wort. Kann man gut finden, kann man schlecht finden, aber Widerstand ist zwecklos. – infinitezero Dec 30 '19 at 14:47
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    Bei "gemeinhin als soziale Medien bezeichnet" geht dir Neutralität verloren, weil du da durchscheinen lässt, dass du mit dem Begriff nicht einverstanden bist. – infinitezero Dec 30 '19 at 14:48
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    Nicht alle sozialen Medien sind kommerziell, schon gar nicht hochkommerziell. Auch besagt "sozial" nicht, dass man von der Sorge um andere angetrieben ist. Mir scheint Du versuchst die Quadratur des Kreises - Du willst Deine Wertung unmissverständlich zum Ausdruck bringen aber zugleich neutral wirken. – user unknown Dec 31 '19 at 3:33
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Du könntest es auch wie auf der Wikipedia machen und einfach social media als uneingedeutschtes Fremdwort verwenden.

Ich würde allerdings davon abraten, einen neuen Begriff zu prägen. Der Ausdruck soziale Medien hat sich trotz allfälliger Problematik nun einmal etabliert. Anführungszeichen oder einschränkende Zusätze wie «sogenannte» drücken kaum weniger ironisierende Distanz aus als der Kalauer von den «antisozialen» Medien. In einer Sprachglosse mag so etwas angebracht sein, aber nicht in einem wissenschaftlichen Text. Da sind Begriffe zwar kritisch zu beleuchten und zu systematisieren, aber von einem etablierten Sprachgebrauch würde ich nur dann abweichen, wenn es die Neuartigkeit des Gegenstands unbedingt erfordert.

Übrigens bin ich mir durchaus nicht sicher, ob die Konnotationen des deutschen Worts sozial auch wirklich sich derart unterscheiden von denjenigen des englischen Worts social. Meiner Meinung nach tun sie es nicht, aber ich bin da kein Spezialist.

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    Den zweiten Punkt (ob "sozial" im Deutschen von den meisten Sprachnutzern so verstanden wird, wie ich es behauptet habe, nämlich als "in Sorge um den anderen") finde ich interessant, und ich bin gespannt, hier Neues zu lernen. - Den ersten Punkt (dass man etablierte Begriffe verwenden soll, weil sie halt etabliert sind) finde ich für meine Frage irreführend. Wenn ich mich nicht bewusst entschieden hätte, gegen den Strom der leichtfertig akzeptierten Begrifflichkeiten zu schwimmen, hätte ich die ganze Frage ja gar nicht gestellt. – Christian Geiselmann Dec 30 '19 at 22:04
  • @ChristianGeiselmann: Mich dünkt viel eher die Rede von «leichtfertig akzeptierten Begrifflichkeiten» irreführend, wenn es um wissenschaftliche Wortwahl geht. Die Rede von Leichtfertigkeit, Akzeptierung oder Gegen-den-Strom-schwimmen-Wollen gehören zur Gattung der Sprachglossen. In einem wissenschaftlichen Text würde ich hingegen erwarten, dass der existierende Sprachgebrauch zwar untersucht und hinterfragt, dann aber – derart geläutert – übernommen wird. – mach Dec 31 '19 at 16:30
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    @ChristianGeiselmann: Es ist ganz einfach der hermeneutische Zirkel. Nach einer Umdrehung ist man zwar wieder am gleichen Ort, aber reicher an Erkenntnis. Und Hinterfragen bedeutet ja nicht ablehnen. – mach Jan 2 '20 at 15:31
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    @userunknown Ich gebe Dir in allem Recht. Einzig der Unterstellung, ich unterschlüge die Bedeutungsvarianten von "sozial" im Deutschen möchte ich widersprechen. Ich glaube, mein Problem mit "soziale Medien" kommt nicht von der Vieldeutigkeit des Begriffs "sozial" im Deutschen, sondern von der gedankenlosen und schiefen Übernahme des Begriffs aus dem Amerikanischen. Ich glaube, im Amerikanischen ist bei "social" das Bedeutungslement "viele Leute, die miteinander kommunizieren" vorherrschend. Ich meine, im Deutschen ist das anders. – Christian Geiselmann Jan 13 '20 at 23:24
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    ... Indiz: Man sagt ja im Amerikanischen auch "social event" (und meint damit eine Party), man würde aber im Deutschen dafür nie "soziales Event" oder "soziales Ereignis" oder "soziale Veranstaltung" sagen, es sei denn man drückte sich bewusst ironisch oder gestelzt aus. Aber schon bei "soziale Veranstaltung" sind wir eher bei einem von der Feuerwehr ausgerichteten Weihnachtsfestessen für Obdachlose. – Christian Geiselmann Jan 13 '20 at 23:25
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Ich fürchte, alle Alternativformulierungen werden zunächst mal länger. Dass 'sozial' in der deutschen Sprache nach 'Sozialfall', 'sozialer Benachteiligung', 'sozialer Randgruppe', 'Sozialdienst' und Ähnlichem riecht, ist nur die eine Seite der Medaille und außerdem eine abgeleitete 'Bedeutung' bzw. eine eher verkürzte Ausdrucksweise für die eigentlich gemeinten 'problematischen Bereiche im sozialen Gesamtgefüge'. Solche unschönen und ungenauen Verkürzungen kenne ich von 'biologischem Gemüse' oder 'unethischem Verhalten'. 'Sozial' hat allerdings weitere Bedeutungsanteile; das hier genannte 'Sorge für die anderen' wäre etwa bei DWDS die Bedeutung 4

Auch das Wort 'Medium' hat in seiner Anwendung auf eine Internetplattform etwas Auslegungsfähiges. Er steht für mich in Zusammenhang mit 'Massenmedium' - auch die 'sozialen Medien' sind ein Massenphänomen, und sie zielen wie die Massenmedien auf die Öffentlichkeit, funktionieren aber per Zugangsbeschränkungen eher wie Clubs.

Ich finde, 'Kommunikationsplattform' trifft es sehr gut, nur ist der Begriff unhandlich. 'Internetbasierte Bühne für soziale Interaktion' ist noch weitaus unhandlicher und auch kein ernst gemeinter Formulierungsvorschlag, in dem obendrein der Aspekt der kommerziellen Verwertung noch fehlt. 'Virtuelle Arena für Meinungsabsonderungen ohne soziale Verantwortung' wäre deutlich polemisch und zielt nur auf die negativen Aspekte. 'Werbefinanzierter digitaler Tummelplatz für soziales Mit- und Gegeneinander': auch wieder zu lang und zu umständlich...

Mit einem Wort: Keine Idee.

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  • Ich muss dir leider widersprechen. Von "keine Idee" kann keine Rede sein. Ich habe drei bis vier gar nicht schlechte Vorschläge erspäht. Internetbasierte Bühne für Meinungsabsonderungen ohne soziale Verantwortung (ein Mix aus den verschiedenen Vorschlägen) scheint mir allgemein recht treffend... :-) – Christian Geiselmann Dec 30 '19 at 22:01
  • Das lässt sich gut in einen Kommentar einbauen, aber nicht in einen wissenschaftlichen Text. – infinitezero Dec 31 '19 at 7:56
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Wer immer das englische Wort "social" mit dem deutschen "sozial" zum ersten Mal im Zusammenhang mit "social media" übersetzt hat, hätte vorher in den Duden schauen sollen. Da heißt es unter "sozial":

  1. die Gesellschaft betreffend,
  2. gesellschaftlich,
  3. gemeinnützig,
  4. wohltätig.

Im englisch-deutschen Wörterbuch hingegen steht unter "social":

  1. gesellig,
  2. gesellschaftlich,
  3. sozial.

Während also der deutsche Begriff zunächst bierernst politisch daherkommt, bevor er ins Gemeinnützige und Wohltätige abbiegt, ist "social" im Englischen zuallererst privat-gesellig, dann erst öffentlich-gesellschaftlich, bevor er ins Soziale abgleitet, bis hin zu sozialistisch. Gibt es eine adäquate Übersetzung des Begriffs "social", die den privat-geselligen Aspekt abbildet? Die "geselligen" Medien etwa? Nein, klingt irgendwie nach Stammtisch, obwohl - ganz widersinnig wäre das nicht. Aber es gibt noch ein anderes Wort: "soziabel"! Der Duden beschreibt es als

  1. umgänglich,
  2. gesellig.

Pech nur, dass diesen Ausdruck kaum einer kennt und benutzt, denn er stammt aus der Zoologie und gilt für das Verhalten von Herdentieren. Nicht ganz abwegig in diesem Fall, wenn man bedenkt, wie sich Chatgruppen im Netz verhalten.

Aber gewöhnen wir uns vielleicht daran:

"Soziabel" ist etymologisch und phonetisch verwandt mit "social" und "sozial", ist nur um eine Silbe länger, und endlich hätten wir eine neue Bedeutung für ein viel zu selten benutztes Wort! Vielleicht mal ein positives Beispiel, wie ein Begriff aus dem Tierreich auf den Menschen überspringen kann, ohne eine Pandemie auszulösen.

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Zunächst einmal würde ich auch dringend davon abraten einen nicht etablierten Begriff zu verwenden. Dafür sind social media / soziale Medien viel zu verbreitet und allgemein akzeptiert. Ob man diesen nun mag oder nicht.

Aber wenn man denn unbedingt will, es gibt in Deutschland für alles einen Verein, so auch den (relativ bekannten) Verein Deutsche Sprache, der auf seiner Internetseite einen Anglizismenindex anbietet.

Unter social media wird als deutscher Begriff

digitale Medien

vorgeschlagen. Allerdings halte ich diesen persönlich für irreführend im gewünschten Kontext.

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    Ja, "digitale Medien" trifft es nicht, denn das könnte ja auch ein klassischer Nachrichtenkanal sein, der statt über UKW etc. nur übers Internet (also "digital") sendet. Oder gar ein digital (im technischen Sinne, statt analog) ausgestrahlter Fernsehsender. – Christian Geiselmann Dec 30 '19 at 21:58
  • Es gibt hier (wie so oft) keinen Grund für Downvotes. – Paul Frost Jan 27 at 17:22
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Nach dem Lesen von rund einem Dutzend Kommentaren zu meiner Eingangsfrage sowie der vier-fünf Antworten, die ebenfalls eingetroffen waren:

Vielen Dank für die vielen tiefsinnigen, teil auch gelungen amüsanten Beiträge! Nach dem Lesen (und vielleicht als Quintessenz) fiel mir ein Begriff ein, der für mich die Kriterien der Neutralität, Distanz und Präzision einigermaßen zu erfüllen scheint, vorerst und versuchsweise jedenfalls. Das wäre:

Publikumsmedien

im Sinne von: Hier publiziert nicht eine (professionelle) Redaktion, sondern hier publiziert jedermann. Oder wenn schon denn schon:

Jedermannmedien

und etwas präziser:

elektronische Jedermannmedien

oder auch:

audiovisuelle Jedermannmedien


Nachtrag

Ich bin andernorts jetzt auf den Begriff

computersoziale Netzwerke

gestoßen, der mir ganz gut gefällt, weil er den Ausdruck "soziale Netzwerke" zwar verwendet (jeder weiß also gleich, um was es sich handelt, da der Ausdruck eben etabliert ist), ihn aber um eine die kritische Distanz signalisierende Präzisierung "computer" erweitert.

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    Bitte keine Danksagungen und Kommentare in Antworten. Du kannst Antworten, die Dir gefallen, aufwerten. – user unknown Dec 31 '19 at 3:30
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    Wenn ich einen der Begriffe lesen würde hätte ich keinen Plan, was diese Aussagen sollen. – infinitezero Dec 31 '19 at 7:18
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    @userunknown Der Dank ist hier nur die Einleitung zu meinen eigenen Lösungsvorschlägen. – Christian Geiselmann Jan 1 '20 at 10:53
  • @infinitezero Das verstehe ich. Es wäre aber auch mit soziale Medien (oder social media) so, wüsstest du nicht aus anderer Quelle, was damit gemeint ist. Es ist eine Frage der Nutzungsfrequenz bzw. der Einführung des Begriffs. - Die Unerklärbarkeit des Gemeinten aus den semantischen Begriffselementen von soziale Medien war ja gerade Teil des Anlasses meiner Frage. Bei Bohrmaschine ist das besser: Das Wort erklärt sich von selbst. Soziale Medien erklärt sich nicht von selbst. – Christian Geiselmann Jan 1 '20 at 10:53
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    @infinitezero Wie gesagt, mich stört am Ausdruck soziale Medien, dass er irreleitend ist, jedenfalls solange man ein herkömmliches Verständnis des Worts "sozial" in der deutschen Sprache hat. Also suche ich Ersatz. Mit Kino habe ich dieses Problem nicht. Sagte man aber Tonspielhaus zum Kino (also unter offenkundiger Fehldarstellung der Tatsachen), dann würde ich vielleicht auch dieses Wort vermeiden. – Christian Geiselmann Jan 12 '20 at 18:51

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