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Ich habe schon mehrfach solche Sätze gelesen:

„Es sei dem Leser sogar verziehen, sollte er noch nie etwas von der Kalmückien gehört haben

oder

„Sie sollten die Informationen weitgehend gut verstanden haben

Man sieht, dass durch das Wort „sollte“ Konjunktiv 2 verwendet wird, aber die Struktur mit zusätzlichem Verb in Perfekt und dann haben/sein in Infinitiv kann ich in meinem Grammatikalischen Buch nicht finden.

Das ähnlichste zu diesen Strukturen, das ich gefunden habe ist die subjektive Bedeutung der Modalverben. Die aber bildet man mit „soll“ und nicht mit „sollte“.

Zum Beispiel:

„Trump Jr. soll gefährdetes Riesenschaf gejagt haben.“

Hat die Struktur in den oberen Beispielen einen Namen, den ich verpasst haben könnte? —> gleiches Problem

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    Warum sollte das einen eigenen Namen haben? Modalverben werden nunmal üblicherweise mit dem Infinitiv anderer Verben verwendet, und das andere Verb im Perfekt + Modalverb im Konjunktiv macht es jetzt nicht so außergewöhnlich, dass das einen eigenen Namen verdient hätte. – RHa Jan 4 at 19:29
  • 3
    Diese drei Beispiele sind drei semantisch verschiedene Konstruktionen: "sollte er..." == für den Fall, dass...; "Sie sollten..." == so wäre es normalerweise; "soll gejagt haben" == hat angeblich gejagt. Schon deshalb ist keine einheitliche Bezeichnung angebracht. – Kilian Foth Jan 4 at 19:54
  • 1
    Kalmückien hat keinen Artikel, man würde also sagen Ich habe noch nie etwas von Kalmückien gehört. Wenn man von der Republik Kalmückien sprechen würde, wäre der Artikel korrekt: von der Republik Kalmückien. Auch, wenn das Land Kalmückei heißen würde, hätte es feminines Genus und würde einen Artikel tragen. Wenn die Bewohner des Landes gemeint sein sollten, müsste es heißen er hat noch nie etwas von den Kalmücken gehört - natürlich alles passend zu der vom Satz verlangten Struktur, also sollte er noch nie etwas von Kalmückien / von der Republik K. / von den Kalmücken gehört haben. – Ralf Joerres Jan 5 at 15:54
  • Muss man immer Infinitiv Perfekt benutzen, wenn man die Vergangenheit in dem Nebensatz ausdrucken möchte? Könnten die Sätze auch mit Infinitiv Präteritum statt Infinitiv Perfekt gebildet werden? Beispiele: „Sie sollten die Informationen weitgehend gut verstanden“, oder „Hat die Struktur einen Namen, den ich verpassten könnte, oder „.....sollte er noch nie etwas von der Kalmückien hörten.“ ? – Gasper Kosmac Jan 6 at 12:20
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Kurzantwort: Es handelt sich in allen drei Fällen um das Modalverb sollen, kombiniert mit einem Infinitiv Perfekt. Die Bedeutung von sollen ist dabei jeweils eine andere.

Das erste Beispiel ist ein Konditionalsatz. Im Deutschen kann Konditionalität in einem Nebensatz außer durch Konjunktionen (wenn, falls, sofern) mit Verb-Letzstellung auch durch einen Nebensatz ohne Konjunktion, dafür mit Kopfstellung des konjugierten Verbs, bezeichnet werden. Beispiel:

  • Hätte ich das Geld, würde ich das Haus kaufen, anstatt es zu mieten.

Der Beispielssatz kann demnach so umformuliert werden:

Es sei dem Leser sogar verziehen, wenn er noch nie etwas von Kalmückien gehört haben sollte.

Die Verbform sollte ist richtig als Konjunktiv 2 bezeichnet, in diesem Fall nicht mit einem einfachen Infinitiv, sondern mit dem Infinitiv Perfekt von hören. Sollte trägt hier allein die Bedeutung Konditionalität als einer Form von Möglichkeit bzw. genauer Eventualität, welche, wenn sie real wird, das im Hauptsatz Genannte wahr bzw. wirksam werden lässt. Darüber hinaus kennzeichnet sollte einen vergleichsweise geringen Grad an Wahrscheinlichkeit, der sich in zugespitzter Weise folgendermaßen umschreiben ließe:

Auch wenn einzelne Leser noch nie etwas von Kalmückien gehört haben sollten, es sei ihnen jedenfalls verziehen, oder:

In dem vermutlich höchst seltenen Fall, dass jemand noch nie von Kalmückien gehört hätte, sei ihm verziehen.

Eine solche, etwas gewundene Denk- und Formulierungsweise erkläre ich mir so, dass der Autor/Sprecher einerseits die Erwartung äußern möchte, dass man Kalmückien wenigstens dem Namen nach kennen sollte, dass er jedoch andererseits niemanden "vorführen" will, auf den das nicht zutrifft. Da ich selbst von diesem Land noch nie und allenfalls von deren Bewohnern namentlich gehört habe, nehme ich mir die Freiheit, den Satz für Ironie zu halten.

In dem zweiten Beispiel (Sie sollten die Informationen weitgehend gut verstanden haben) kann eine analoge Verbform mit sollten als Konjunktiv 2 vorliegen. Der Satz ist allerdings in mehrfacher Hinsicht unklar, z.B. bin ich nicht sicher, ob sich das weitgehend auf gut oder auf verstanden bezieht, und das Sie kann das höfliche Anredepronomen Sie sein oder eine 3. Person Plural. Meine Paraphrasen für mögliche Bedeutungen wären:

Sie (= die Zuhörer) müssten die Informationen eigentlich verstanden haben (es wurde ihnen ja alles ganz langsam und ausführlich erklärt).

Die Verbform wäre hier wieder der Konjunktiv 2 von sollen mit Infinitiv Perfekt. Sollte hat hier eine subjektive Bedeutung, denn auch die Konjunktivformen der Modalverben treten in subjektiver Bedeutung auf, hier ist es die einer Vermutung. Sollte für Vermutungen ist seltener als müsste und eher gehobene Standardsprache.

(Bevor Sie sich selbst an die Reparatur heranwagen,) sollten Sie die Informationen (aus der Reparaturanleitung) gut verstanden haben.

Hier hat der Konjunktiv 2 von sollte die subjektive Bedeutung einer Empfehlung.

(Der Abteilungsleiter erwartete / verlangte / sagte,) dass die Mitarbeiter die Informationen erst gut verstanden haben sollten, (bevor sie sich an die Umsetzung / Anwendung machten)

Hier kann es sich um das Präteritum oder wieder um den Konjunktiv 2 von sollen in einer indirekten Rede handeln. Eine indirekte Rede kann im Indikativ oder im Konjunktiv ausgeführt werden. Das Modalverb sollen wird oft dazu herangezogen, um auszudrücken, dass eine andere Person als der Sprecher und der Angesprochene erwartet, dass das im Infinitiv Genannte getan wird oder dass es bereits erledigt worden ist. So werden etwa Aufforderungen und Imperative über eine Mittelsperson mit sollen weitergegeben: Sagen Sie dem Müller, er soll mich anrufen oder Schicken Sie mir mal den Müller. Später der Beauftragte zu Müller: Du sollst den Chef anrufen / Der Chef hat gesagt, du sollst ihn anrufen bzw. Du sollst zum Chef (kommen).

Das dritte Beispiel (Trump Jr. soll gefährdetes Riesenschaf gejagt haben) wäre zu paraphrasieren als

Die Leute sagen, dass / Es heißt, dass Trump Jr. ein gefährdetes R. gejagt hat / Nach den Aussagen einiger Zeugen hat Trump Jr. ...

Hier handelt es sich um die spezielle Form einer distanzierenden Redewiedergabe, mit der der Sprecher offen lässt, ob die Information wahr ist bzw. ob sie zutrifft. Es ist die typische Form der Weitergabe von Hörensagen-Informationen. Anderes Beispiel dafür:

  • Er soll schon zweimal geschieden sein.
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  • Danke fuer die auswendige Erklaerung. Muss man immer Infinitiv Perfekt benutzen, wenn man die Vergangenheit in dem Nebensatz ausdrucken möchte? Könnten die Sätze auch mit Infinitiv Präteritum statt Infinitiv Perfekt gebildet werden? Beispiele: „Sie sollten die Informationen weitgehend gut verstanden“, oder „Hat die Struktur einen Namen, den ich verpassten könnte, oder „.....sollte er noch nie etwas von der Kalmückien hörten.“ ? – Gasper Kosmac Jan 6 at 19:16
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    @Gasper: Ein "Infinitiv Präteritum" existiert im Deutschen nicht, "verstanden" als Präteritum ist kein Infinitiv, sondern die erste oder dritte Person Plural im Präteritum von verstehen und kann nur mit den Personalpronomen wir oder sie oder Sie oder mit entsprechenden Subjekten verwendet werden (mein Bruder und ich, die Leute, meine Geschwister, die Schüler ...). "Ich verpassten" geht nicht, es müsste heißen "ich verpasste den Bus". Modalverben als Modalverben (es gibt sie auch als Vollverben: Ich kann das nicht!) werden immer mit einem Infinitiv verbunden, ... – Ralf Joerres Jan 6 at 21:05
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    ... und da haben wir nur den einfachen Infinitiv 'Präsens' (verstehen) und den Infinitiv Perfekt (verstanden haben), diese beiden auch im Vorgangspassiv (verstanden werden + verstanden worden sein) und im 'Zustandspassiv' (verstanden sein + verstanden gewesen sein), und das Ganze dann alles noch einmal mit 'zu' jeweils vor dem letzten Verb der Gruppe. Das heißt: Genau diese 7 Gruppen mit verstehen können mit einem Modalverb kombiniert werden, andere nicht, und bei 'nicht brauchen' gibt es standardsprachlich die 7 Gruppen mit 'zu', umgangssprachlich auch ohne zu. – Ralf Joerres Jan 6 at 21:20
  • Danke, jetzt verstehe ich es. – Gasper Kosmac Jan 7 at 11:03
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  1. Vorzeitigkeit heißt es, was der Teil gehört haben ausdrückt.

  2. Die Formen von sollen haben in deinen Sätzen verschiedene Funktionen. Gehört das auch zu deiner Frage?

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