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In the wiktionary article of 'dessen', it says:

Another common mistake is a double-genitive construction such as the following: Nach dem Tod seines Vaters wurde er Leiter dessen Betriebes. — “After the death of his father, he became the director of the latter’s company.” Since dessen/deren are substantival pronouns, not determiners, they can never have another genitive following them. The correct phrase reads: Nach dem Tod seines Vaters wurde er Leiter von dessen Betrieb. The mistake is from hypercorrection: the exaggerated desire to avoid the preposition von (“of”).

I am a native speaker and find this to be highly questionable. I am 100% sure that I am using such constructions, although I admit that it sometimes feels slightly odd, which led me to look this up in the first place. However, after searching my intuition, I firmly believe that this is actually 100% grammatical, notwithstanding what wiktionary claims.

My argument is this: Consider the following:

Eines Mannes Betrieb ist sein Einkommen. (Nom)

...sah eines Mannes Betrieb. (Acc)

...gab eines Mannes Betrieb einen neuen Namen. (Dat)

...wurde eines Mannes Betriebes Leiter. (Gen)

surely, these are all grammatical, however weird. My point is, my native intuition tells me that 'eines Mannes' is not in agreement with Betrieb anyway, no matter the case. Is it not true, that I can replace 'eines Mannes' with 'dessen'?

wurde dessen Betriebes Leiter

= wurde Leiter dessen Betriebes

Why should the constituent 'dessen' now require agreement with the Betrieb, and why then should it not allow the Betrieb to stand in the genitive?

In short: Is 'Nach dem Tod seines Vaters wurde er Leiter dessen Betriebes' grammatical?

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    As a native (German) speaker, why do you ask in English? – RalfFriedl Jan 17 at 9:35
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    @RalfFriedl why not? This question might as well be interesting for the not-yet-perfectly-speaking-German community. – infinitezero Jan 17 at 11:30
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    @infinitezero Meine Haltung dazu war stets: Wer diese Site besucht, kann Deutsch oder lernt Deutsch; wenn er Deutsch lernt, ist er daran interessiert, deutsche Texte zu lesen - gerade auch dann, wenn er noch nicht in der Lage ist, solche Texte in der gleichen Perfektion zu produzieren. Bei der Französisch-Schwester-Site ärgere ich mich - der ich Französisch besser lernen möchte - über die vielen englischen Beiträge. – Christian Geiselmann Jan 17 at 14:19
  • 2
    Nicht jeder, der Deutsch lernt, ist in der Lage einen solchen Text zu verstehen. Wie oft habe ich mich geärgert, dass ich interessante Erklärungen zu meiner Lernsprache in derselbigen Sprache nicht verstehen konnte, da diese mein Niveau übersteigen. – infinitezero Jan 17 at 14:20
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    Es spricht ja desweiteren nichts gegen eine bilinguale Antwort in Deutsch und Englisch. – infinitezero Jan 18 at 0:26
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Die Begründung ist in der Tat nicht eben erhellend, im Ergebnis ist die Aussage aber letztlich plausibel. Zunächst einmal ist dessen zumindest nach dem Verständnis der deutschen Grammatik auch eine Art Determinativum (die IDS-Grammatik spricht allgemein von einem Ausdruck der Objektdeixis, andere von einem deiktischen Determinativ). Das "dessen-Unbehagen" lässt sich durch solche terminologisch immer etwas heiklen Abgrenzungen (Determinativ vs. Pronomen) jedenfalls nicht überzeugend erklären.

Beginnen wir mit einem weiteren Beispiel (aus Zifonun 2003: 18):

Die DRK-Kreisvorsitzende Diemut Theato dankte Alfred Nennstiel im Beisein dessen Nachfolgers Thomas Lochner (...) (Rhein-Neckar-Zeitung, 15.01.2003)

Der Grund, warum das eventuell ungrammatisch ist, liegt in einer Eigenart des deutschen Genitivs. Aus der agrammatischen Natur von *der Einkauf Stahls und dergleichen folgert man allgemeiner:

  • (Müller 2002:) G-PRÜF (Genitivüberprüfung): Morphologischer Genitiv auf N[omina] muss per Spezifikator-Kopf-Kongruenz abgeglichen werden.
  • (Zifonun 2003:) Der Genitiv eines appellativischen Substantivs kann nur in einer Nominalgruppe mit kongruierendem Begleiter erscheinen.
  • (Gallmann in Duden-Grammatik 2016:) Genitivregel: Eine Nominalphrase kann nur dann im Genitiv stehen, wenn sie (i) mindestens ein adjektivisch flektiertes Wort und (ii) mindestens ein Wort mit s- oder r-Endung enthält.

Beobachtung: Offenbar kongruiert dessen in Ihrem Beispiel

Nach dem Tod seines Vaters wurde er Leiter dessen Betriebes.

nicht mit Betrieb. Vergleiche

Nach dem Tod seines Vaters wurde er Leiter *deren Werkstatt.

(Hingegen: Nach dem Tod seines Vaters wurde er Leiter eines/seines Betriebes. vs. Nach dem Tod seines Vaters wurde er Leiter einer/seiner Werkstatt.)

Der Genitiv Betriebes steht mithin -- in Ermangelung eines kongruierenden Begleiters -- im Sinne der angeführten Regeln unbegleitet, sodass der Fall -- durch die Brille der oben genannten Regeln betrachtet -- im Grunde ebenso liegt wie in *Er wurde Leiter Betriebes. Dieses Konstruktionsproblem fällt in Ihrem Beispiel und dem der Rhein-Neckar-Zeitung wohl deshalb nicht sofort auf, weil Vater und Betrieb bzw. Alfred Nennstiel und Nachfolger jeweils beide Maskulina sind, sodass man geneigt sein mag, dessen gedanklich quasi in einer Doppelrolle zu interpretieren.

Der präsentierte Fall ist freilich ein Spezialfall. Die Konstellation fällt möglicherweise auch durch das Raster anderer Varianten der "Genitivregel", wie man sie in geeigneter Form vereinzelt durchaus auch in Schul- und Fremdsprachengrammatiken findet. Umgekehrt mag man einwenden, dass manchen Grammatikern diverse Varianten der "Genitivregel" zu restriktiv sind (vgl. Wiese 2017: 1315). Ich denke aber persönlich nicht, dass jemand Ihre Konstruktion bei näherer Betrachtung tatsächlich für grammatisch hielte. (Wohlgemerkt: Bei näherer Betrachtung. Die erste Intuition steht auf einem anderen Blatt. Auf mich wirkte Ihr Beispiel bei der ersten Lektüre zum Beispiel zwar unrund, aber keineswegs eindeutig falsch.) Soweit diese irgendwelche anderen "Genitivtests" passiert, ist das mutmaßlich eher einer terminologischen Vereinfachung in der Formulierung der Tests geschuldet (es ist schon ungewöhnlich, dass man in der genitivischen Nominalphrase einen flektierten "Begleiter" hat, der nicht mit dem Kopfnomen kongruiert ...). Wenn man näher schaut, sieht man aber m.E. ganz gut, dass hier "getrickst" wird, also eine Konstruktion zum Einsatz kommt, deren scheinbare Grammatikalität durch geeignete Austauschübungen sofort in sich zusammenfällt. Zusätzlich zu der oben durchgeführten können Sie übrigens auch einmal schauen, was passiert, wenn Sie den Vater durch die Mutter ersetzen. Dort lässt sich wiederum beobachten, dass ausschließlich im Fall zufälliger Genusidentität mit dem späteren Nomen eine nicht offensichtlich ungrammatische Konstruktion entsteht: ?Nach dem Tod seiner Mutter wurde er Leiter deren Werkstatt. Das ist sprachlich "unlogisch".

L: P Gallmann, Die flektierbaren Wortarten, in: Duden: Die Grammatik, 9. Aufl. 2016; G Müller, Syntaktisch determinierter Kasuswegfall in der deutschen NP, in: LB 189, 89, hier zit. nach dem Postprint unter https://home.uni-leipzig.de/muellerg/mu3.pdf; B Wiese, Flexive in Phrasen, in: Gunkel et al, Grammatik des Deutschen im europäischen Vergleich: Das Nominal, Teilbd. 2, 2017; G Zifonun, Was geschieht, wenn dessen einen Genitiv trifft?, in: Sprachreport, 3/2003, 18–22, https://pub.ids-mannheim.de//laufend/sprachreport/pdf/sr03-3b.pdf.

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  • Kleiner Hinweis: german.meta.stackexchange.com/q/1048/25241 – Björn Friedrich Jan 17 at 5:06
  • "Kleiner Hinweis: german.meta.stackexchange.com/q/1048/25241" -> Ja, dann löschen wir die Antwort eben wieder. Das macht wirklich keinen Spaß hier. Einem deutschen Muttersprachler auf Deutsch antworten? Ungeheuerlich. Gutes Gelingen weiterhin. – johnl Jan 17 at 5:18
  • 1
    Ich stelle fest, dass meine (gelöschte) Antwort wiederhergestellt wurde; meine damals bereits vorbereiteten Verbesserungen habe ich nun noch vorgenommen. Wenn ihr die Dauerkritik an der vermeintlich "falschen" Sprache von Antworten beibehalten wollt, macht es. Ich habe darauf keine Lust mehr. Ich bin/war lange genug hier, um zu wissen, dass Antworten in der Sprache der Frage empfohlen werden ("should", nicht "must"). Warum jedes Mal Antwortende kritisiert werden müssen, wenn sie davon abweichen, weiß ich nicht. Und wenn ich es (durch Löschung) korrigieren will, ist es auch nicht recht ... – johnl Jan 26 at 16:54
  • 1
    @BjörnFriedrich Es geht nicht um diese eine Äußerung. Jedes Mal wird man hier kritisiert, wenn man in der "falschen" Sprache fragt/antwortet. Damit nervt man andere Menschen auf Dauer eben (was wohl auch die Absicht ist). Das ist kein Vorwurf an Sie persönlich, sondern an die hiesige Kultur. Übrigens: Ja, was ist wohl der Grund für die deutsche Antwort? Vielleicht, dass der Fragesteller deutscher Muttersprachler ist und ich für die Antwort mindestens zehn Minuten länger benötigt hätte, wenn ich sie auf Englisch verfasst hätte (auch wegen der Zitate)? – johnl Jan 26 at 17:25
  • 1
    "Nach dem Tod seiner Mutter wurde er Leiter deren Werkstatt" Auch diesen empfinde ich ehrlichgesagt nicht als falsch, und kann das Zusammenfallen der Grammatikalität durch einen solchen Austausch nicht direkt nachvollziehen, womit ich aber zugegebenermaßen von der Mehrheit abweichen könnte. Den zitierten Satz der Rhein-Necker-Zeitung würde ich persönlich als absolut unauffällig einschätzen, was mich ebenfalls stutzig macht. Die Verwendung scheint so häufig zu sein, dass sie, wie der anderen Antwort zu entnehmen, sogar als Beispiel im Dudeneintrag 'dessen' dient. – JMC Jan 27 at 12:46
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Fix the Wiktionary!

Allow the double-genitive for father's firm's manager,

…wurde er…

  • Leiter des Betriebes seines Vaters
  • Leiter seines Vaters Betriebes
  • Leiter dessen Betriebes
  • Leiter seines Betriebes

all are perfectly fine and dandy!

Compare the plural:

  • Leiter der Betriebe seiner Eltern
  • Leiter seiner Eltern Betriebe
  • Leiter derer Betriebe
  • Leiter ihrer Betriebe

Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod!

  • Leiter von [wem/was:] dessen/deren Betrieb

Dessen/deren officially inflect weakly

  • Leiter von dessem/derem Betrieb

can be heard that strongly inflected but according to https://de.wiktionary.org/wiki/dessem and https://de.wiktionary.org/wiki/derem contradict standard grammars who prefer dessen/deren weakly uninflected with no further case suffices, namely there:

  • mit dessem/derem ältesten Sohn
  • mit dessen/deren ältestem Sohn

Dessen without dative -m works for similar reasons as dessen without further genitive -s.

https://www.duden.de/rechtschreibung/dessen blesses

  • die Ankunft meines Bruders und dessen Verlobter

in which i would trade that strong genitive noted in https://en.wiktionary.org/wiki/Verlobte for the weak genitive from https://www.duden.de/rechtschreibung/Verlobte when interchanging a stronger pronoun in front of the verb turned past participle adjective turned noun:

  • die Ankunft meines Bruders und seiner Verlobten

The canoo http://www.canoonet.eu/services/OnlineGrammar/InflectionRules/FRegeln-P/Pron-der-die-das.html?MenuId=Word4240&lang=en also does without dessem inflection in favor of

  • Otto und Peter trafen zusammen mit dessen Freund (= Peters Freund) ein.
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  • 1
    Those are not fine. all examples for the singular inflect with -s, but dessen doesn't. why? per chance because it's wrong. We want an accademic source, duden or cannoo for example. I'm not quick to call anything wrong, but it's not correct just because it sounds right to you, and in fact it sounds odd to me, now. – vectory Jan 25 at 20:57
  • @Roman Czyborra I really like this answer because of the Duden and canoonet references. However grammatical it might be, I am at least not alone in using and encountering it frequently. – JMC Jan 27 at 18:42

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