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Vor Kurzem wurde mir so etwas Ähnliches gesagt wie

Patricks Aussage war völlig daneben.

wobei daneben die umgangssprachliche Bedeutung "nicht passend zur Situation" hatte.

Ich wollte dann sagen, dass Claudias Antwort "noch weniger passend" war. Meines Wissens hat das Adverb daneben keine Komparativform, d.h., es gibt kein danebener. Deswegen habe ich gesagt:

Claudias Antwort war noch mehr daneben.

Das hat mir aber immer noch komisch geklungen, weil theoretisch keine Komparative mit mehr gebaut werden sollen. Wie soll man so was sagen? Vielleicht wäre noch weiter daneben besser gewesen? Oder muss man in dem Fall umformulieren und auf das Wort daneben verzichten?

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    Ja, wenn es schon um echte Umgangssprache geht, dann ist die Steigerungsform von daneben natürlich danebener. Standardsprachlich wäre das natürlich total daneben. – Christian Geiselmann Jan 18 at 19:20
  • 1
    @ChristianGeiselmann um ncht zu sagen: am allerdanebensten überhaupt – Hagen von Eitzen Jan 19 at 17:29
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Man muß die Vorstellung von Steigerung im Sinne von Intensivierung von der Komparation der Adjektive trennen. Die sogenannten Grad- oder Intensitätspartikeln (canoo, grammis) dienen dazu, um Wörter und Phrasen verschiedener Kategorien zu steigern (oder abzuschwächen).

Das war enorm schwierig.
Er war völlig aufgelöst.
Wir fanden das ungemein schade.
Ich beschäftige mich außerordentlich gern mit Grammatik.
Sie war total im Unrecht.

Mir scheint, daß weniger, mehr als Gradpartikeln auch Adverbien und Präpositionalphrasen modifizieren können.

Weniger gern denkt er an die Zeit nach dem Studium zurück.

Letztes Jahr waren wir mehr unterwegs.

Weitaus weniger im Blickfeld ist die faszinierende kulturelle Vielfalt. (Rhein-Zeitung, 30.09.2011)

Aber noch mehr von den Socken war ich, als ich den enormen Preis von 5265 € gelesen habe. (aus einem Forenbeitrag)

Oder spezifisch mit daneben:

Noch mehr daneben finde ich die Argumentation, dass man besser fotografieren gehen soll, statt sich mit solchen Dingen zu beschäftigen. (aus einem Forenbeitrag)

Es gibt demnach keinen Grund, den Ausgangssatz falsch zu finden.

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  • Danebenliegen ist ein syntaktisch gesehen anderer Fall, da ist daneben eine abtrennbare Verb-Partikel. Verben können mit Adverbien oder Partikeln graduiert werden (da liegst du aber ganz schön / himmelweit / deutlich(er) daneben als ...). Im Beispiel geht es um daneben sein, da ist daneben ein prädikativ gesetztes 'Adverb' Auch Prädikate mit adverbialen Prädikativen können verglichen werden (sie ist mehr (= öfter) hier als zu Hause), aber es muss passen. Auf daneben passt weit(er) ggf. besser als mehr. Der Ausgangssatz ist nicht 'falsch', klingt aber nach 'Notlösung'. – Ralf Joerres Jan 18 at 15:38
  • @RalfJoerres Ich habe das Beispiel geändert. – Für mich klingt weiter daneben deutlich schlechter (und was wäre dann das Äquivalent zu weniger daneben?). – David Vogt Jan 18 at 15:49
  • Für eine 'negative Steigerung' (die haben wir im Deutschen nicht, aber z.B. im Französischen: moins grand) nehmen wir 'nicht so + ADJ + wie', das geht aber nur vergleichend: Wenigstens war Claudias Spruch war nicht so daneben wie der von Patrick. - Wir alle sind uns vielleicht darin einig, dass eigentlich 'danebener' gemeint ist, was aber nicht geht. Die angepeilten Ersatzlösungen kann man mehr oder weniger gelungen finden. Für mich klingen sie halt alle nach 'Ersatzlösung', aber umgangssprachlich ist all so etwas ohne weiteres machbar. – Ralf Joerres Jan 19 at 11:54
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Ich denke umgangssprachlich ist

Claudias Antwort war noch mehr daneben.

OK.

Meines Wissens hat das Adverb daneben keine Komparativform, d.h., es gibt kein danebener.

Das ist korrekt. Besser wäre wohl gewesen die Umgangssprache zu verlassen, und mit

Claudias Antwort war noch weniger passend.

zu antworten.

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  • Alternativ: "(noch) weiter daneben" – mtwde Jan 18 at 8:55
  • @mtwde Das wäre eine eigenständige Antwort. – πάντα ῥεῖ Jan 18 at 8:56
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Für mich bedeutet völlig daneben, bezogen auf eine Äußerung, wegen des völlig eher absolut inakzeptabel (ein No-Go, ein Geht gar nicht) als unpassend (ungeschickt, unüberlegt, unangebracht), und 'etwas Absolutes' oder 'etwas Völliges' lässt sich nicht gut weiter steigern. Unpassend könnte z.B. heißen, dass eine Bemerkung 'verunglückt' war, das heißt, dass für eine Aussageabsicht ein Wort gewählt wurde, das beim Hörer negative Assoziationen wachruft, die dem Sprecher nicht bewusst waren und die er jedenfalls nicht beabsichtigt hatte.

Daneben als figurativer Ausdruck leitet sich von einer räumlichen Ausgangsbedeutung ab und würde, wörtlich verstanden, 'neben der Situation', also tatsächlich 'unpassend' bedeuten. Solche räumlichen Relationen lassen sich in der Tat nicht steigern, eine Tasse kann nicht "aufer" auf einem Tisch stehen als eine andere, und eine Bemerkung kann zwar unpassender oder deplatzierter sein, aber nicht danebener. Um überhaupt einen Komparativ sinnvoll anwenden zu können, bräuchte es ein Vergleichsglied, welches hier in dem Claudia-Satz formuliert wird. Ich denke, dass man Patricks und Claudias Aussagen tatsächlich daraufhin vergleichen kann, welche der beiden weiter daneben oder umgangssprachlich auch mehr daneben ist. Außerdem kann man das unpassender nennen, was sich weiter graduieren lässt: 'viel / weitaus / bei weitem unpassender als ...'.

Nicht-vergleichend, nämlich als Maximum verstanden (bei vielen Adjektiven ist das als absoluter Superlativ = 'Elativ' möglich), ist völlig daneben eigentlich schon ganz oben an der Messlatte. Statt 'völlig' kann man auch absolut / total daneben sagen, bei in höchstem Maße daneben sträubt sich etwas in mir, für das ich so schnell keine Erklärung habe, aber in höchstem Maße unpassend wäre wiederum okay. Andererseits sind Bewertungen wie 'völlig unangemessen' oder 'totaler Quatsch' nicht wörtlich, sondern als emotionalisierende Übertreibungen zu verstehen und sollen eigentlich bedeuten 'sehr unangebracht' bzw. 'ein ziemlicher Unsinn'.

Als eine Art Raumpronomen (1) (Wo? Daneben.) stehen für daneben einige Steigerungs- oder Maximierungsmöglichkeiten nicht zur Verfügung, welche die Duden-Grammatik im Abschnitt "Der absolute Gebrauch des Superlativs (Elativ)" nennt (Ausgabe 2006 Randziffer 506, S. 380). All das Folgende kann man nicht oder nur mit Einschränkungen hinsichtlich seiner Standardsprachlichkeit sagen:

  • *höchst daneben (aber höchst unbefriedigend)
  • ??schrecklich / *irre / ??furchtbar daneben (aber schrecklich / irre / furchtbar heiß)
  • ??äußerst / ??überaus daneben (aber äußerst / überaus unerfreulich)
  • *erzdaneben / *saudaneben / *superdaneben - allerdings ginge sowas von daneben! (umgangssprachlich)

Derartige Steigerungsmöglichkeiten kann man 'guten Gewissens' nur auf Adjektive anwenden. Man verpasst zwar schon mal Adverbien als Adjektiv-Endungen (Ich hab die aufe Tür zugemacht), das aber nur scherzhaft und in der klar erkennbaren Absicht, fragwürdiges Deutsch zu produzieren.


Grundsätzlich ist mir bei dieser Fragestellung - wie so oft - nicht klar, ob eine Formulierung für eine konkrete Aussageabsicht gesucht wird (dazu fehlt mir mehr Kontext) oder ob es sich nur um so etwas wie grammatische Kombinatorik handelt (was kann man wie ein Adjektiv steigern und was nicht).


(1) Als Wortartbezeichnung existieren in Grammatiken und Wörterbüchern für Wörter wie daneben (dafür, damit, dazwischen...) unterschiedliche Bezeichnungen, das geht von Adverb über Pronominaladverb oder Pro-Adverb bis zu Präspositionaladverb.

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  • "und 'etwas Absolutes' oder 'etwas Völliges' lässt sich nicht gut weiter steigern" - das stimmt zwar (wenn man die üblichen Vorbehalte, mathematische Absolutheit in natürlicher Sprache zu suchen, außer Acht lässt), aber "daneben" lässt sich auch mit "ziemlich" kombinieren, und dann kann man es tatsächlich inhaltlich sinnvoll steigern. Davon abgesehen klingen einige der hier genannten Formulierungen wie "äußerst daneben" oder "furchtbar daneben" durchaus akzeptabel. – O. R. Mapper Jan 18 at 11:51
  • @O. R. Mapper: Du meinst vermutlich, wenn man es mit 'ziemlich' graduiert, hat man so etwas Ähnliches wie eine Steigerung, allerdings auf der semantischen Ebene, nicht als grammatische Form? So gesehen stimmt das. Ob man äußerst daneben oder furchtbar daneben als "durchaus akzeptabel" (= nicht völlig inakzeptabel oder schon auch einigermaßen akzeptabel?) sehen kann - mag sein. Bei so etwas stellt sich immer die Frage, welchen Maßstab an Irritationstoleranz der einzelne Beurteiler hat und wie häufig etwas eigentlich nicht Stimmiges produziert wird (vgl. 'in keinster Weise'). – Ralf Joerres Jan 18 at 13:17
  • Keine Steigerung, lediglich eine Verwendung von "daneben", die keinen Maximalgrad ausdrückt - auf die sich dann eine Steigerung anwenden ließe. Davon abgesehen schränkt "durchaus" meiner Meinung nach "akzeptabel" nicht ein, sondern betont nur, dass die Aussage ggf. einer anderen im Raum stehenden Aussage widerspricht. – O. R. Mapper Jan 19 at 12:14
  • @O. R. Mapper: Wie sähe eine solche Steigerung von 'ziemlich daneben' aus? - Was 'durchaus' angeht: Stimmt. Ich hatte das bis jetzt falsch aufgefasst und das gerade in den Wörterbüchern nachgelesen. Es bedeutet im Grundsatz 'unbedingt, auf jeden Fall', aber ich hatte bis jetzt keinen Anlass, an meiner Bedeutungszuschreibung zu zweifeln. Ich muss dem mal weiter nachgehen. Etwas Ähnliches war mir mal mit 'dediziert' und 'dezidiert' passiert, da hatte ich einen falschen Sprachgebrauch immer wieder gehört und den bei mir abgespeichert. – Ralf Joerres Jan 19 at 12:51
  • @O. R. Mapper: Nochmal zu durchaus: Es gibt ja Sätze wie 'das kann durchaus zutreffen'. Hieße es nur 'unbedingt', müsste der Satz lauten das muss durchaus zutreffen, oder? Möglicherweise ist 'durchaus' auch ein Autoantonym, ähnlich wie 'allerdings' = ein Wort mit zwei entgegengesetzten Bedeutungen wie 'frugal', 'Platzangst' oder 'Quantensprung'. – Ralf Joerres Jan 19 at 13:01
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Es stimmt, dass daneben keinen Komparativ (und auch keinen Superlativ) hat, aber streng genommen hat es auch nicht die Bedeutung von unpassend. Letztere existiert eben nur umgangssprachlich, und im Gegensatz zu meinen Vorrednern betrachte ich es als akzeptabel, auf umgangssprachlichem Niveau auch derartige, grammatikalisch falsche Wortkreationen zu verwenden.
In einem Gespräch, in dem gehobeneres Sprachniveau erwartet wird, oder gar schriftlich würde ich auch das Wort daneben in obiger Bedeutung vermeiden.

Möchte man hingegen einen Mittelweg beschreiten, so kämen nach meinem Dafürhalten Formulierungen wie

Claudias Antwort war in noch stärkerem Maße daneben
Claudias Antwort war erst Recht daneben

in Frage.

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  • 'In noch stärkerem Maße daneben' ist sprachingenieurmäßig konstruiert und schwerfällig. 'Erst recht daneben' ist okay, aber der Bezugspunkt scheint mir stärker die komplette Aussage zu sein als vorrangig das 'Adverb'; 'erst recht' funktioniert syntaktisch wie 'auch', mit den Zusatzinfos: Der Unterschied ist deutlich / markant, und: Der Sprecher ist sehr überzeugt von seiner Aussage, und: Die Aussage ist emotional gefärbt. – Ralf Joerres Jan 19 at 11:39
  • @RalfJoerres 'In noch stärkerem Maße daneben' ist sprachingenieurmäßig konstruiert und schwerfällig. - Das ist beim Versuch, einen Mittelweg zwischen Umgangssprache und gehobener Sprache zu beschreiten, m.E. nahezu unvermeidlich. – Volker Landgraf Jan 19 at 13:15

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