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Ich möchte mal wissen, ob es eine Erklärung dafür gibt, weshalb gehen nicht passivfähig, wohingegen fahren passivfähig sein soll. In einer Übung meines Buches (Grammatik aktiv b2/c1) steht nämlich, dass gehen nicht unter den mit einem aktiven Subjekt versehenen Verben steht (was es passivunfähig machen würde); sollte das allerdings auch nicht für fahren gelten? Wieso hat gehen kein aktives Subjekt aber fahren doch?

Im Buch erwähnte Beispiele des unpersönlichen Passiv mit fahren:

Auf dem Land wird häufig mit dem Auto gefahren.

Es wird zum Wintersport in die Alpen gefahren.

  • Falls ich gegangen wurde, dann wurde ich rausgeworfen - ob das Passiv o.ä. ist, übersteigt meine Grammatikkenntnisse. Es ist mehr eine Redewendung. – Shegit Brahm Jan 27 at 10:06
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Die Frage, was sich die Autoren des Buches gedacht haben, läßt sich nicht beantworten. Passivierte Formen von gehen findet man leicht. Natürlich muß man zunächst einmal transitives gehen ausschließen:

Es ging einzig darum, welcher Weg gegangen wurde.

Ebenso die scherzhafte Wendung gegangen werden für entlassen werden, die es in den Duden geschafft hat: 6b.

Ein paar Treffer für gehen im Wortsinne:

Eine Theorie besagt, dass links geritten und gegangen wurde […] 1

Vorbei sind einfach die Zeiten, in denen ausschließlich mit Anzug und Krawatte ins Büro gegangen wurde. 2

Jeder der 14 einheimischen Bergführer hatte zwei Personen zu betreuen, achtete auf deren körperlichen Zustand und [darauf] dass nur langsam gegangen wurde. 3

Nach einem gemeinsamen Segens-Lied war der offizielle Teil des Mitarbeiterfestes vorüber, gegangen wurde aber noch lange nicht. 4

Für gehen in Wendungen:

für die erste Sendung wurde auf Nummer sicher gegangen […] 5

auch wenn durchaus mit einer gewissen Körperlichkeit zur Sache gegangen wurde. 6

Die Intensität, mit der in dieser Woche im Training zu Werke gegangen wurde […] 7

woraufhin der Ursache auf den Grund gegangen wurde. (mit Dativobjekt) 8

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  • Meine Güte, Sätze wie diese wären mir nie eingefallen :D Sehr interessant. Danke. – Beneficium Jan 26 at 21:33
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Dass man selbst zwar gefahren werden kann, aber nicht gegangen werden kann, wurde in der ersten Antwort bereits erklärt.

Allerdings passen die Beispiele in der Frage nicht zu dieser Art der Passivform. Das was in der Frage mit fahren gezeigt wird, ist mit gehen durchaus auch möglich. Ich beziehe diese Antwort also im Zweifelsfall auf die Beispiele der Frage, nicht auf den sonstigen Text der Frage.
Es gibt nämlich schon eine Passivform für gehen, die zu den Zitaten aus der Frage passen.

Der Satz

Am Sonntag wird bei uns in die Kirche gegangen.

drückt aus dass eine Gruppe von Personen üblicherweise sonntags in die Kirche geht. Die Formulierung "es wird..." drückt hier aus dass etwas schon immer so war und es auch weiterhin so sein soll bzw. wird.

Ich kenne diese Art der Formulierung vor allem um etwas zu fordern, oder etwas als selbstverständlich und ohne weitere Diskussion hinzunehmen.
Zum Beispiel wenn man einem Kind zum tausendsten mal erklärt warum es mit in die Kirche soll:

Am Sonntag wird in die Kirche gegangen, da gibt es keine Diskussion.

Bedeutet: Wir gehen am Sonntag immer in die Kirche, also gehen wir auch heute wieder. Das ist so, also frag nicht schon wieder warum wir das tun.

Ein anderes Beispiel.

Bei schönem Wetter wird hier viel spazieren gegangen

beschreibt, dass "hier" (d.h. in dieser Umgebung) bei schönem Wetter viele Menschen spazieren gehen.

Diese Formulierungen klingen nicht alltäglich, sind aber nicht falsch. Auch wenn man sie nicht oft hört, kommen sie durchaus zum Einsatz.

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  • Ach so, man kann also das sagen? Dann hältst du die Behauptung der Übung im Buch (zumindest ohne Weiteres) für falsch, oder? Die lautet nämlich: "Hat das Verb ein aktives Subjekt? Ist Passiv möglich? Kreuzen Sie an." Und im Lösungsschlüssel steht das Verb "gehen" nicht angekreuzt. – Beneficium Jan 26 at 16:21
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    @Beneficium Ist nicht sehr üblich, aber kommt vor. Vielleicht ist es auch regional begrenzt. Ich weiß nicht was mit "aktives Subjekt" gemeint ist. Bist du sicher dass deine Beispiele ein aktives Subjekt haben? – puck Jan 26 at 16:24
  • Canoo "definiert" es folgenderweise: "Nicht passivfähig sind dementsprechend Verben, die kein aktives Subjekt haben, deren Subjekt nicht der eigentliche Träger oder Verursacher der Handlung ist (= intransitive Vorgangs- oder Zustandsverben)." (url: cutt.ly/mrRqYrZ). Weder "gehen" noch "fahren" werden als Beispiele genannt. Ich weiß ehrlich gesagt nicht genau, inwiefern meine Beispiele ein aktives Subjekt haben, aber, da sie im Passiv sind, nehme ich an, dass die Antwort sollte "ja" lauten. – Beneficium Jan 26 at 16:49
  • 1
    Im Fall von gehen und fahren ist das Subjekt zweifellos Träger der Handlung, also gibt es ein aktives Subjekt. Gegenbeispiele wären die Verben sein und werden. In der Tat sagt man nicht "Es wird gewesen" oder "Es wird geworden". Dass diese Verben kein aktives Subjekt haben, wäre also die Begründung dafür. – RHa Jan 26 at 17:01
  • 1
    Gehen kann genauso im unpersönlichen Passiv verwendet werden wie fahren. Hier ein Beispiel: spiegel.de/gesundheit/ernaehrung/… – RHa Jan 26 at 21:31
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Ich weiß nicht genau, was du mit aktivem und passivem Subjekt meinst.

Gehen kann (im Sinne von »Ich gehe ins Kino«) nicht im Passiv stehen, weil man nicht von einer anderen Person gegangen werden kann. (Die Wendung »Er wurde gegangen« (ihm wurde gekündigt oder eine Position wurde ihm so ungemütlich gemacht, dass er von selbst gekündigt hat) ist umgangssprachlich und salopp.)

Ich wurde ins Kino gegangen

ergibt keinen Sinn (ohne sehr kontextabhängig zu werden).

Für fahren gilt das nicht, denn neben »Ich fahre Auto« oder »Ich fahre ins Kino« gibt es noch die Form jemanden (irgendwohin) fahren. Hier ist das Passiv problemlos möglich.

Ich fahre meinen Kumpel zum Kino. Mein Kumpel wird von mir zum Kino gefahren.

oder:

Ich fahre Auto. Das Auto wird von mir gefahren.

Deine Frage:

Wieso hat gehen kein aktives Subjekt aber fahren doch?

Ich kenne diese Terminologie nicht, aber ich vermute, dass Folgendes gemeint ist: Im Satz »Ich gehe ins Kino« ist das Subjekt (Ich) handelnd. Es geht ins Kino.

Im Satz »Ich werde [von jemandem] zum Kino gefahren« ist das grammatische Subjekt (Ich) nicht selbst handelnd: Es fährt nicht selbst. Die eigentliche Handlung (das Fahren) erledigt jemand anders. Diese andere Person kann mit einer Präposition in den Satz eingefügt werden, aber der Satz funktioniert auch ohne ihre explizite Erwähnung.

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    @Beneficium Du irrst Dich. Wie Phillip sehr schön erklärt hat ist gehen implizit aktiv: "weil man nicht von einer anderen Person gegangen werden kann." Für gehen macht es einfach keinen Sinn. Man braucht einen Körper und Beine um zu gehen. Das dieser Körper dies selbstständig tut ist implizit (wie man Roboter und Drohnen zu betrachten hätte ist eine andere Frage). – πάντα ῥεῖ Jan 26 at 13:49
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    Ich bin zwar kein Muttersprachler, aber ein Satz wie "Wenn man kein Auto hat wird gegangen/gelaufen." klingt in meinen Ohren nicht allzu verkehrt. – jarnbjo Jan 26 at 14:11
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    @jarnbjo Das ist Infinitiv nicht Passiv. – πάντα ῥεῖ Jan 26 at 14:46
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    @Beneficium "Verstehe ich das richtig?" Ich denke mal ja, – πάντα ῥεῖ Jan 26 at 14:48
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    @πάνταῥεῖ Wenn jemand so betrunken ist, dass er aus eigener Kraft kaum noch stehen und gar nicht mehr (zielgerichtet) gehen kann, dann kann man aber durchaus sagen, dass er zur Ausnüchterungszelle gegangen wird, analog ein mit Handschellen gefesselter Verhafteter, der vergeblich versucht, nicht aufs Revier gegangen zu werden. Das funktioniert nicht nur grammatikalisch, das ergibt auch durchaus Sinn, der verstanden wird, auch wenn es eher humorvoll-salopp formuliert ist und man hochsprachlich und in Schriftform eher abgeführt werden bzw. geleitet werden verwenden würde. – Volker Landgraf Jan 26 at 15:02

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