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Raub ist im Gegensatz zu Diebstahl mit Gewaltanwendung verbunden. Ich denke dabei nicht allein an die juristische Definition. Die Wörterbücher sagen:

rauben (Eigentum eines anderen) widerrechtlich und unter Anwendung oder Androhung von Gewalt in seinen Besitz bringen (Duden)

rauben etw., jmdn. gewaltsam in seinen Besitz bringen, etw. jmdm. unter Anwendung oder Androhung von Gewalt wegnehmen (DWDS)

Pfeiffer: Raub m. ‘das Rauben, gewaltsame Wegnahme, geraubtes Gut, Beute’, ahd. roub (8. Jh.), asächs. -rōf (in nōdrōf) ‘gewaltsame Entreißung, Beute, Raub’ (unter DWDS oben)

Dennoch wird in den Medien, wenn Kunst gestohlen wird, oft von Kunstraub gesprochen.

Hat Raub in der Zusammensetzung seine ursprüngliche Bedeutung verloren oder handelt es sich, Kunstraub im Krieg ausgenommen, um ungenaue, möglicherweise sensationalisierende Sprache?

Darüber hinaus frage ich mich, wie sich die enorme Zunahme des Begriffs im Verhältnis zu Kunstdiebstahl seit 1980 erklärt, die auf Google Ngrams zu erkennen ist.

Google Ngrams für "Kunstraub", "Kunstdiebstahl"

  • Umgangssprachlich werden oft Begriffe wie "ausgeraubt", "ermordet" etc. verwendet, auch wenn der Sachverhalt nicht der juristischen Definition entspricht. Ich denke es wird genau daher rühren. – infinitezero Mar 12 at 10:52
  • 4
    Ich würde nicht davon ausgehen, dass die juristische Bedeutung eine Wortes die ursprüngliche ist. – Carsten S Mar 12 at 10:54
  • 2
    Ich gehe davon aus, dass das gewaltsame Öffnen einer Tür oder Überwinden von Sicherheitsmechanismen schon als Gewalt zählt, was bei gesicherten Riesengoldmünzen sicher zutrifft. Den Diebstahl sehe ich eher bei einem kleinen Dorfmuseum, wo es keinen nennenswerten Widerstand zu überwinden gilt, oder als Überbegriff, wenn man das Maß an Gewalt nicht thematisieren will. – guidot Mar 12 at 12:56
  • Vergleiche: sprachnudel.de/woerterbuch/raubmordkopierer – Carsten S Mar 12 at 14:09
  • 2
    Wieso hast Du den Cut bei 2000 gemacht - sollten wir nicht sehen, dass KR bei 2010 wieder eingebrochen ist? Wie Du siehst schwanken die Zahlen beträchtlich, das Verhältnis war 1980 etwa 7:1, 2000 17:1 aber auch 1984 schon 16:1. – user unknown Mar 12 at 17:54
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Ich würde ngram hier mit Vorsicht genießen. Schaut man sich die Bücher an, die von Google als Verweise verlinkt werden sind dies in erster Linie Bücher über den systematischen Kunstraub während der NS-Zeit.

Schaut man sich den DWDS-Korpus der ZEIT, bzw Berliner Zeitung an, dann würde ich auch sagen, dass deren Beispiele sich auch eher auf tatsächlichen "Raub" beziehen statt auf Diebstahl.

Ich will allerdings nicht ausschließen, dass deine Beobachtung in gewisser Weise richtig ist. Gründe für die Benutzung von Kunstraub (obwohl es rechtlich ein Diebstahl ist) wären etwa

  • kürzeres Wort (Zeitungsüberschriften kämpfen um jeden Buchstaben)
  • reißerischer (Raub verkauft sich besser als Diebstahl)
  • SEO - Suchmaschinenoptimierte Überschriften (es wird eher nach Raub statt nach Diebstahl gegooglet, auch wegen der Kürze des Worts)
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  • Du müsstest dazu bei der Zeit dann aber auch im gesuchten Zeitraum suchen, also 1980-2000. Wenige spektakuläre Einzelfälle (Mona Lisa, Gurlit) sorgen rasch für Ausreißer, oder der Handel mit Kunst aus Irak und Syrien, der eng an die Kriege dort geknüpft ist. – user unknown Mar 12 at 18:04
  • Mein Eindruck ist, dass der Begriff "Raub" in Zusammensetzungen großzügiger verwendet wird als beim Einzelwort. Man denke an Begriffe wie Raubkopie, Raubdruck usw., wo gar keine Gewalt im Spiel ist. – RHa Mar 13 at 7:58
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Die juristische Unterscheidung zwischen Raub und Diebstahl ist für den Sprachgebrauch eher irrelevant.

Ein "Kunstraub" ist (nach meinen beschränkten juristischen Kenntnissen) in aller Regel ein Einbruchdiebstahl, bei dem sich ein Dieb gewaltsam Zutritt in einen Raum verschafft. Diese Gewaltkomponente (die sich freilich nicht gegen Personen richtet) dürfte eine Erklärung dafür sein, von einem Kunstraub zu sprechen. Ein ähnliches Beispiel ist Raubgrabung. In diesem Fall wird jedoch noch nicht einmal Gewalt angewandt.

Eine psychologische Erklärung ist außerdem, dass ein Raub als schlimmer als ein Diebstahl betrachtet wird. Für viele Menschen ist es ein äußerst schlimmes Delikt, wenn unersetzliche Stücke aus einem Museum gestohlen werden. Der juristische Laie wird daher mit gewisser Berechtigung das Wort Kunstraub dem Wort Kunstdiebstahl vorziehen.

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  • Doch, "rücksichtslos angewandte Macht" als Definition von Gewalt passt sehr wohl auf Raubgrabung - der Boden spukt es nicht freiwillig aus. Es liegt auch nicht offen rum. – user unknown Mar 21 at 10:38

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