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Ich lese zur Zeit eine Bachelor-Arbeit durch und bin häufiger auf den Begriff "Versuchsteilnehmende" gestoßen. Ich bin nun ein wenig verunsichert, ob dies eine leicht andere Bedeutung hat und auch existiert, oder es eigentlich "Versuchsteilnehmer" heißen soll.

Kontext: Ich bin Muttersprachler ':)

Vielen Dank im voraus für die Hilfestellungen.

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    Eigentlich sollte es auch nicht "Versuchsteilnehmer" sondern "Probanden" heißen ;) – O. R. Mapper Mar 29 at 14:15
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Einige sehen die Notwendigkeit die deutsche Sprache zu gendern, d.h. darauf zu achten nicht nur das generische Maskulinum zu verwenden. Im Zuge dessen wird das Partizip Präsens verwendet und daraus ein Substantiv geformt.

Teilnehmer -> teilnehmen -> teilnehmend -> Teilnehmende

Die Bedeutung ist identisch*.

Weitere häufige Konstruktionen sind Lehrende und Studierende.

*nach einigen Spitzfindigkeiten in den Kommentaren. Im Kontext, ist die Bedeutung hier identisch. Im Allgemeinen jedoch nicht.

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    Naja, die Bedeutung ist eben nicht identisch. Wenn die Teilnehmenden eines Versuchs in der Kneipe sitzen, findet der Versuch offenbar in der Kneipe statt. Das Partizip drückt nämlich aus, dass die Tätigkeit (in diesem Falle des Teilnehmens) gleichzeitig zum Prädikat (also das Sitzen in der Kneipe) stattfindet. – Björn Friedrich Mar 29 at 6:16
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    @puck, ich habe es ja eigentlich schon gesagt: die Tätigkeit im Partizip Präsenz findet zur gleichen Zeit statt wie die Tätigkeit des Prädikats. Anderes Beispiel: Gestern wurden drei Singende beerdigt. Das heißt eben nicht, dass drei Sänger beerdigt wurden, sondern drei Personen, die zur Zeit ihrer eigenen Beerdigung sangen. de.m.wikipedia.org/wiki/Partizip_Pr%C3%A4sens_Aktiv – Björn Friedrich Mar 29 at 7:10
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    @BjörnFriedrich Aber wenn die Studie mehrtägig ist, sind doch auch die in der Kneipe Sitzenden Teilnehmende? – David Vogt Mar 29 at 7:58
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    @infinitezero, es war ja nur ein Beispiel, das verdeutlichen soll, dass die Bedeutungen nicht immer gleich sind. – Björn Friedrich Mar 29 at 8:48
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    @DavidVogt, in dem speziellen Falle könnte man das so sehen. Aber es geht ja darum, ob die Bedeutungen immer und uneingeschränkt identisch sind – und das sind sie eben nicht. – Björn Friedrich Mar 29 at 8:52
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Nach meinem Sprachgefühl ist es zunächst richtig, zwischen den beiden Ausdrücken ("Versuchsteilnehmer"/"Versuchsteilnehmende") einen Bedeutungsunterschied zu vermuten, etwa: Die Substantivform drückt eine Identität aus (Teilnehmer vor oder nach dem Versuch), das Partizip betont die gerade andauernde Tätigkeit (Person, die gerade am Versuch teilnimmt, anstatt gelangweilt aus dem Fenster zu sehen).

Aber in diesem Umfeld darf man annehmen, dass eine "gendergerechte" Formulierung aus einer politischen Auffassung heraus gewählt wurde: Das Partizip Präsens lässt keinen Zweifel, dass das Wort als Utrum gemeint ist (Die Interpretation als nichtgenerische Form ist hier unmöglich, also sind bestimmt nicht nur Frauen oder nur Männer gemeint.), dagegen kann ein generisch gemeintes Maskulinum immer als exklusives Maskulinum mitgelesen werden (Ob mit dem grammatikalischen Maskulinum tatsächlich alle Geschlechter gemeint sind oder nur das männliche, lässt sich nicht allein aus der Grammatik, sondern nur mit Kontext bewerten.).

Welche politische Relevanz in der Entscheidung zugunsten der einen oder anderen Form mitwirkt, hängt u.a. von der jeweiligen Wortbedeutung und dem Millieu der Adressaten (und Adressatinnen) ab:

  • Die Frage wird m.E. bei positiv besetzten Begriffen wie "Versuchsteilnehmer"/"-ende" kritischer bewertet als bei negativ besetzten wie "Versuchsabbrecher"/"-ende".
  • Die Fundstelle des Begriffs (Bachelorarbeit) weist auf den akademischen Bereich. In diesem wird die eindeutige Addressierung aller mitgemeinten Geschlechter oft als wichtig/kritisch bewertet. Ein Gegenbeispiel wären "Veranstaltungsteilnehmer", die sich vielleicht aus einer bekannt konservativ eingestellten Gruppe, oder einer Gruppe mit höherem Altersdurchschnitt oder geringerem Bildungsstand rekrutieren (sollen). In solchen Gruppen kann die Sensibilität hinsichtlich gendergerechter Sprache geringer oder gar nicht ausgeprägt sein.
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    Das ist nicht richtig. Ein generisch gemeintes Maskulinum kann gerade nicht als exklusives Maskulinum gelesen werden. Ohne die Kennzeichnung "männliche Versuchsteilnehmer" ist der Begriff immer generisch. So wie "Katzen" solange generisch verstanden werden muss, wie sich aus dem Kontext nicht das Gegenteil ergibt (Katzenfutter, Katzenstreu). Frauen sind durch den Begriff "Versuchsteilnehmer" nicht nur am Rande irgendwie mitgemeint, sondern genauso gemeint wie Männer. Es ist gerade keine Sensibilität für Sprache, sondern Verblendung. – user unknown Mar 29 at 18:06
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    Ich habe ja deutlich auf die politische Dimension der Frage, was wie aufzufassen sei und wie sehr das vom Publikum abhängig ist, hingewiesen. Soweit ich weiß, fokussiert sich dieses Forum auf sprachlichen Fragen und beschäftigt sich mit politischen Hintergründen nur soweit unvermeidbar. Die Bewertung dieser Fragestellung zwischen "Verblendung" und "Sensibilität" hängt eben stark vom pers.Standpunkt ab, ich beobachte zudem eine Abhängigkeit vom Millieu, s.o. Die Bez. als "generisches" Maskulinum zeigt ja, dass diese Form (auch ohne "männliche") eben auch mal für "nur männliche" stehen kann. – HelpingHand Mar 29 at 20:12
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    Nein, eine Form kann nicht gleichzeitig das allgemeine und das besondere markieren. Es ist generisch, so wie "die Katze" für die Hauskatze und die Großkatze steht. Aus dem Kontext kann sich ergeben, dass nur von Hauskatzen die Rede ist, ohne explizit jedes Mal "Hauskatze" zu sagen. Dann markiert der Kontext was gemeint ist, nicht das Wort. Das Wort bleibt generisch, auch wenn es nur für eine Teilmenge benutzt wird. – user unknown Mar 30 at 11:47
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    Außerdem behaupte ich, dass gerade der Versuch die Frage unpolitisch, nämlich evidenzbasiert, nicht legendenbasiert, zu antworten, wiederum politisch ist. Es lässt sich eben zeigen, dass die Auffassungen von sog. geschlechtergerechter Sprache mit den Fakten in Konflikt steht. Sie ist nicht empfindsam für Nuancen der Sprache, sondern geht vielmehr stoisch über jede Regung von Zweifel hinweg. Die Ideologie wird der Realität aufgezwängt. – user unknown Mar 30 at 11:54
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Beim Begriff Versuchsteilnehmende wird eine ganz normale grammatisch korrekte Möglichkeit, Versuchsteilnehmende Frauen und Männer zu bezeichnen, gewählt. Es sind somit weibliche wie auch männliche Teilnehmer gemeint. Dasselbe wie VersuchsteilnehmerInnen. Bei Versuchsteilnehmer können weibliche wie auch männliche Teilnehmer gemeint sein. Jedoch müsste man DIE Versuchsteilnehmer schreiben, denn bei DER Versuchsteilnehmer wäre nur ein männlicher Teilnehmer gemeint. Für die weibliche Form wäre es die Versuchsteilnehmerin.

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    Da ich selbst Versuche durchführe, kann ich Ihnen versichern, dass ich nicht nur die männlichen Teilnehmer meine, zumal die überwiegende Anzahl meiner Teilnehmer weiblich ist. Stichworte: generisches Maskulinum, grammatisches versus biologisches Geschlecht. – Björn Friedrich Mar 29 at 6:25
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    Das stimmt nicht. "Der Versuchsteilnehmer" kann generische Einzahl sein, wenn es auf das Geschlecht nicht ankommt, zum Beispiel wenn man das Geschlecht nicht kennt. Das männliche Geschlecht, soweit es sich nicht aus dem Kontext ergibt, muss man ausdrücklich dazu schreiben, wie Du es ja selbst tust: "Der männliche Versuchsteilnehmer bekommt ein blaues Bändchen". – user unknown Mar 29 at 17:52

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