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Ich verstehe, dass bei Nebensätzen mit Modalverben im Perfekt das finite Hilfsverb "haben" vor dem doppelten Infinitiv stehen muss. Zum Beispiel: "Er sagte, dass er leider nicht hat kommen können."

Ich bin aber gerade auf den folgenden Titel gestolpert: "Grundlegung einer jeden künftigen Philosophie, die als Aufklärung will auftreten können." Hier handelt es sich natürlich nicht um Perfekt von Modalverben in Nebensätzen.

Ist das richtig bzw. notwendig? Ich hätte nämlich diesen Titel mit dem finiten Modalverb ganz am Ende geschrieben.

Darf bzw. soll etwa dann das finite Verb immer vor dem doppelten Infinitiv stehen, wenn es sich um Nebensätze handelt?

  • Ich kann kein Regelwissen bieten. Ich finde den Beispielsatz etwas "gestelzt", weil sie den Satzabschluss vom "will" wegzwingt und m.E. die Betonung hin zu "die Philosophie kann so auftreten" verschiebt - also das erst noch zu erreichende Ziel gewissermaßen schon vorweg nimmt. Dennoch finde ich den Satz nicht unmöglich. Würde es als "Feuilleton-Sprech" beschreiben. – Shegit Brahm May 11 at 6:17
  • Bist du sicher, dass es nicht wird heißt? – Olafant May 11 at 7:09
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    Diese Schrift ist 237 Jahre alt. Der Sprachgebrauch, insbesondere in subtilen Anordnungsconstraints, ändert sich zu schnell, um das heute beurteilen zu können. (Im Original heißt es im übrigen "wird" und nicht "will".) – Kilian Foth May 11 at 7:33
  • Ich würde ja sagen, dass das umgangssprachlich sehr frei ist, wurde aber für diese Ansicht hier unlängst gerügt, und enthalte mich daher einer Anwort :) (Björn hat mich dort hierauf verwiesen.) – phipsgabler May 11 at 8:23
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Prinzipiell gilt absteigende Reihenfolge.

laut einer Studie, die demnächst veröffentlicht3 werden2 soll1

Das finite Verb kann vorangestellt werden. Gewünscht waren Fälle, in denen ein Modalverb vorangestellt wird. Das geschieht nicht so häufig, aber man findet Beispiele.

wie sich aus dem „Geschäft“ […] auch für sie, die beiden Anwälte, ein schönes Honorar könnte1 aushandeln3 lassen2. (SZ, 13.1.2014)

Aus der Bibel wissen wir von den Plagen, die einst über Ägypten kamen, weil der Pharao in seiner Verstocktheit die Israeliten nicht wollte1 ziehen3 lassen2. (SZ, 20.4.2010)

Meistens sabbele ich selber dem armen Angerufenen seine Mobilbox derart voll, dass ich es selber nicht möchte1 abhören3 müssen2. (Hamburger Morgenpost, 8.9.2008)

[die Theologie] die heute bekanntlich klein und häßlich ist und sich ohnehin nicht darf1 blicken3 lassen2. (Walter Benjamin)

Was die Frage nach der Normativität angeht, äußert sich die Duden-Grammatik, 8. Aufl., unter Randnr. 684 wie folgt:

  • Bei haben + Ersatzinfinitiv ist die Voranstellung geboten.

    Es schmerze sie, „dass wir das aus der Opposition heraus nicht haben1 verhindern3 können2“, sagt Möller. Welt 1

  • Bei werden ist beides möglich.

    Es deutet alles darauf hin, dass die FDP dann ihre erste parlamentarische Niederlage wird1 einstecken3 müssen2. Welt 2

    dass bei den Europawahlen […] die FPÖ Verluste einstecken3 müssen2 wird1 tagesschau.de

  • Bei Modalverben ist Voranstellung möglich, aber seltener. Die obigen Fundsätze ohne Voranstellung:

    wie sich daraus ein schönes Honorar aushandeln3 lassen2 könnte1
    weil der Pharao sie nicht ziehen3 lassen2 wollte1
    dass ich es selber nicht abhören3 müssen2 möchte1
    die […] sich ohnehin nicht blicken3 lassen2 darf1.

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