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Worauf bezieht sich das Präfix "Nieder-" in "Niedersachsen", "Niederlande" oder "Niederbayern"? Bezieht es sich auf die geografische Lage oder hat es eine andere Bedeutung?

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Das bedeutet in der Regel, dass das so bezeichnete Gebiet tiefer liegt als das Gebiet, das mit der Vorsilbe »Ober-« bezeichnet ist.

Beispiel: Die beiden österreichischen Bundesländer Niederösterreich und Oberösterreich. Die beiden Länder bildeten gemeinsam das Erzherzogtum Österreich (die anderen Bundesländer des heutigen Österreich waren früher eigenständige Herzogtümer, Bistümer etc.) Ein großer Teil der Grenze zwischen beiden Teilen des Erzherzogtums ist der Fluss Enns, das ist ein Zufluss zur Donau, welche ihrerseits beide Bundesländer durchfließt.

Jenes Verwaltungsgebiet, das stromaufwärts entlang der Donau liegt, hieß damals »Österreich ob der Enns.« Das stromabwärts gelegene (und somit tiefer liegende Gebiet) hieß »Österreich unter der Enns.« Die beiden Gebiete sind weitgehend identisch mit den heutigen Bundesländern Oberösterreich und Niederösterreich.

Auch das Paar Oberbayern - Niederbayern ist ein weiterer Beleg dafür. Die höchsten Berge Deutschlands liegen in Oberbayern. Durch Niederbayern verlässt die Donau deutschen Boden, daher befindet sich dort ein deutlich tiefer liegendes Gebiet.

Die Niederlande sind dafür bekannt, dass große Teile des Landes tiefer als der Meeresspiegel liegen.

Auch Obersachsen liegt geographisch höher als Niedersachsen.


Auch die Sprachbezeichnungen Oberdeutsch und Niederdeutsch beziehen sich auf die Seehöhe der Regionen, in denen diese Dialekte gesprochen werden: Oberdeutsch im gebirgigen Süden des deutschen Sprachraums, Niederdeutsch im flachen Norden, der bis zum Meer abfällt.

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  • Besteht dann ein Unterschied zwischen dem Präfix "Unter-", welches zumindest in Ortsnamen auch häufig als Komplement zu "Ober-" anzutreffen ist? Commented Jul 17, 2020 at 22:04
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    @O.R.Mapper: Auch bei Ortsnamen bedeuten die Vorsätze Hoch-, Hohen- (z.B. Hohenems) und Ober- im Normalfall eine geographisch höhere Lage (auf einem Berg oder Hügel, oder flussaufwärts gelegen) während Nieder- und Unter- eine tiefere Lage bedeuten (im Tal, flussabwärts). Mitt- oder Mitter- (z.B. Mittersill) bedeutet eine mittlere Lage. Zum Beispiel liegen im Süden der Steiermark entlang des Labillbaches schön hintereinander, im Abstand von kaum 2 km, die Kleindörfer Oberlabill, Mitterlabill und Unterlabill. ... Commented Jul 18, 2020 at 7:03
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    ... Dazu gibt es aber auch viele Ausnahmen. Beispielsweise ist »Unterberg« der Name eines Berggipfels in den Ostalpen. Commented Jul 18, 2020 at 7:06
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    @HubertSchölnast: der bayrisch-österreichische Untersberg mit ca. 1900m Höhe hat seinen Namen lt. Wikipedia von "Untern" = "Mittagspause, Zwischenzeit". Der Unterberg in Niederösterreich mit ca. 1350m wird von der in 11,5 km entfernt liegenden Reisealpe (knapp 1400m) dominiert.
    – subrunner
    Commented Jul 22, 2020 at 7:52
  • Schöne Volksetymologien, die richtige Lösung mit Hinblick auf Niederlande, Normandie und Nordsee ergibt sich aber erst im Vergleich mit Nord und auch das nicht ohne weiteres, da beides keine altererbeten Formen. Nord ist: "From Pre-Germanic *h₁nŕ̥t(e)ros, from Proto-Indo-European *h₁ner- (“inner, under”), from *h₁en (“in”). Compare Ancient Greek ἐνέρτερος (enérteros), νέρτερος (nérteros)." So liegt weiters der Vergleich zu hinter, Hinterland (backlands) sowie eventuel auch alt nahe (vgl. Ahne, Ur-, einst, erst, etc), da Nordland wohl Ausgangspunkt germanischer Besiedlung war
    – vectory
    Commented Dec 26, 2020 at 21:50
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Ich kopier einfach mal meinen Kommentar hierher.

Schöne Volksetymologie. Die richtige Lösung mit Hinblick auf Niederlande, Normandie und Nordsee ergibt sich aber erst im Vergleich mit Nord und auch das nicht ohne weiteres, da beides keine altererbeten Formen sind. Nord ist: "From Pre-Germanic *h₁nŕ̥t(e)ros, from Proto-Indo-European *h₁ner- (“inner, under”), from *h₁en (“in”). Compare Ancient Greek ἐνέρτερος (enérteros), νέρτερος (nérteros)." So liegt weiters der Vergleich zu hinter, Hinterland (backlands) sowie eventuel auch alt nahe (vgl. Ahne, Ur-, einst, erst, etc), da Nordland wohl Ausgangspunkt germanischer Besiedlung war – (Vectory Dec 26, 2020 at 21:50)

Die Rekonstruktionen berufen sich auf en.wiktionary.

Der Ansatz bedürfte weiterer Erläuterung.

  1. Die Volksetymologie beginnt mit römischer Besatzung der Germania Superior, der gegenüber die unbesatzten Gebiete als Germania Inferior anzusprechen sind. Die lateinische Etymologie ist hier unbeachtlich. Die Morphologie folgt noch.

  2. Reineweg zufällig und doch Ausschlaggebend ist, was der Kommentar unterschlagen hat, nämlich nieder- gleichwohl auf *ni- "down" zurückzuführen.

    Ob das mit *h₁en, *h₁ner- (“inner, under”) zusammenhängt, ist nicht mit Sicherheit zu beurteilen, scheint nur wegen der Semantik und Konsonanz ein attraktiver Schluss.

    Inferus "lower" verhält sich jedenfalls irregulär, so wie Meisner argumentiert hat, "that *dh underwent treatment as if in anlaut because *en was metanalysed as the preposition 'in' and *dhero- as a separate stem", vgl. gothisch undar, althochdeutsch untar usw. (apud de Vaan), obwohl ein solcher Stamm anderweitig nicht ersichtlich ist. Das ist zwar unsicher.

    Zur Anschauung sei bspw. auf die Idiomatik der Präposition unten im Tal verwiesen. *n- soll wohl nullstufiger Ablaut von *h₁en- chronologisch nach wegfall der Laryngeale sein.

    Zwar hat nieder mit Sanskrit nitarā́m "niederwärts, nach unten" eine genaue Entsprechung in ie. *nitero- mit einem üblichen Ableitungssuffix (DWDS), auf den auch Norden aufbaut. Allerdings wird die Entstehung der Kontrastiven Adjektive relativ spät in der indogermanischen Entwicklung angesetzt (...) und Sanskrit ist nicht unbedingt am ältesten nur weil es sich am weitesten entfernt hat. Dort heißt es ganz richtig Uter Pradesh (kleines Paradies? Vgl. "Sogdia" im Japanischen als Homographie für Paradies).

    Altkirchenslavisch nizъ "nieder, hinab, unten" und Homer'sches griechisch né͞iatos (νείατος) "unterster, äußerster", "eine Art unregelmäßiger superl. zu νέος" (Pape, lsj.gr) zeigen das Suffix nicht. Im Gegenteil wäre der dazugehörige Superlativ wie super, supra, supremum wohl *-(t)mHo- (vgl. imus "lowest, deepest, innermost).

  3. Andere Vergleiche* sind regmäßig fernzuhalten.

    "Hinterland" gilt wie "marshland", "Grenzgebiet" usw. nur zur Veranschaulichung; nicht zu verwechseln mit Inter Mailand.

    Alt ist auf den Wechsel derjenigen Wurzel *h2el- gegenüber **h2en-* mit den Ableitungen alias "anderer" respektive an-derer bezogen. Zudem entspricht die Unterwelt in poetischer Sprache otherworld, sowie inferi ~ -orum "the inhabitants of the underworld", was zumindest in Sumero-Akkadischer Literatur auch in Richtung ca. Westen geht.

    Daran könnte urlaub zwar anschließen, vgl. engl. furleave gegen lat. feria, bzw. hier die Erlaubnis sich zu entfernen (weiteres bei Grimm). Obwohl foreign zwar weder mit ur-, fremd noch fern zu vergleichen ist, sondern outdoors, steht es darin aber noch am nächsten bei besagtem ghostword *dhero-. Heureka!

    Hinter eins, Proto-Indo-Europäisch *Hoy-nos mag eine Ableitung von *h₁e- vermutet werden, doch das äußerst dünne Eis ist nicht belastbar. Englisch yon, yonder, the beyond (wie otherworld) gehört wahrscheinlich dazu, mag Zufall sein.

  4. Nord ist außergermanisch jedenfalls unbekannt. Latein benützt dafür borealis, ein Nordwind der griechischen Mythologie, zur Bezeichnung der Himmelsrichtung, ohne Etymologie. Es ist dafür zweckmäßig, einen vergessenen Verwandschaftsgrad zu vermuten ...

    Einerseits wird verwiesen auf Sanskrit (giri-) und Balto-Slavisch (Litauisch girė, Old Church Slavonic gora) "mountain" (auch "forest") als ob "those living beyond the mountains." (etymonline) Eine entsprechende Vergleichsmöichkeit findet sich schon im Sumerischen (cf. epsd sux. gilim, akk. gūru "foliage", auch "forest") im Wechsel mit anlautendem m (wimre.).

  5. Andererseits ist für die Toponomastik Nehrung beachtlich, was mit narrow "eng" wiederum zu Angeln, und *Vikingern passen sollte (s. dort), andererseits jedoch an Meer, Meereszunge erinnert.

    Zieht man zum weiteren Vergleich naos, ahd. nacho "Schiff" und englisch boat heran, um boreas mit Nord ... wird man vergeblich nach dem kleinsten gemeinsamen Nenner suchen. Tamil kattumaram (Katamaran*) als dritter im Bunde führt mit kaṭṭu "Band, Bündel" und maram "Baum" (DWDS, was ich nach erster Suche in DSAL kaum bestätigen kann) definitiv zu weit, auch wenn mit Sumerisch schon Meluhha im Blick ist, und catina "Kette" (wie "Band"?) ein bekanntes mediterranes Wanderwort ist, sowie griechisch kata auch "herunter" bedeutet. Das eine begründet das andere leider nicht.

    Man darf im Ansatz */n m b/ wenigstens auf Mark verweisen, insbesonder die Mark Brandenburg, vieleicht auch Mecklenburg (das wäre nieklich), denn an jener Stelle wird die germanische Urheimat verortet (passim, trotz dürftiger Beweislage). Widerum im Alpenraum werden inzwischen die Anfänge der Runenschrift gesucht (Helm von Negau) was für die Onomasiologie relevant ist.

Wegen der dürftigen Quellenlage in niederdeutschem Gebiet ist die Toponomastik letztendlich unsicher und die angesprochenen Bedeutung gar nicht zu falsifizieren.


PS: Der Vergleich ist tatsächlich nicht ganz neu, nur fehlt eine formale Lösung zur Verwandschaft der nunmehr gertennt behandelten *ni- und *h1en. Grimm gab dereinst zu bedenken:

über die etymologie des wortes gibt es nur vermutungen: das schon von Wachter 1148 verglichene griech. νέρτερος (unten, weiter unten befindlich) wird auch von Wackernagel im handwb. 215ᵇ und von L. Meyer in den bemerkungen z. ältesten gesch. der griech. myth. 55 beigezogen, wozu nun Kluge im etymol. wb. 241ᵇ noch zu bedenken gibt, dasz das umbrische nertro 'links' bedeutet, so dasz wir also hier wieder wie in andern sprachen der vorstellung begegnen würden, dasz links und rechts auch zugleich die begriffe nördlich und südlich ausdrücken (s. Grimm gesch. d. d. spr. 980 ff., vergl. auch dessen kl. schriften 4, 258 f. myth.⁴ 28, 836, nachtr. 22. 295, rechtsalterth. 808); Weinhold in Haupts zeitschr. 6, 460 (vergl. auch dessen riesen 25) stellt es mit Niörđr, Neri, nerge (s. nehrung*) und* norne zu sanskr. nâra, nîra wasser, griech. νᾱρός, νηρός flieszend (das schon von Graff 2, 1096 verglichen wurde), so dasz sich etwa als grundbedeutung 'meerwärts liegende gegend' oder (mit bezug auf den wind) 'vom meere herkommend' ergeben würde. (dwds/dwb: Nord)

Das war eigentlich recht einfach aufzustöbern, um nicht zu sagen offensichtlich. Für die aufsässigen Kommentatoren (unten) ist es aber zu viel verlangt oder zu unwissenschaftlich; zu recht, dennoch unbegründet, wie ich finde, weil ich nur behaupte, die Etymologie sei unsicher, sie sich aberwitziger Weise in Sicherheit wiegen, bitte gehen Sie weiter, es gibt hier nichts zu sehen.

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  • 4
    Ich lese hier einiges mit fragwürdigem Wahrheitsgehalt über "hinter" und "Nord", sogar über *"alt", "Urlaub", "Nehrung", "Katamaran" und "Mark", und dabei frage ich mich die ganze Zeit: Hat du die Frage überhaupt gelesen? Hast du sie auch verstanden? Denn nichts von dem, was du hier hinterlassen hast beantwortet die gestellte Frage. Commented Feb 26, 2023 at 8:05
  • 2
    Ich habe -1 auf diesen diesen Text gegeben, weil er meiner Meinung nach pseudowissenschaftliches Geschwafel ist. (Ich sage hiermit nichts nichts über den Autor. Ich sage etwas über meine Meinung, die ich zu diesem Text habe.)
    – Alina
    Commented Feb 26, 2023 at 14:48
  • 3
    @CorneliusBrand: Alles. Ich kann nicht beurteilen, was von dieser Antwort frei erfunden und was wahr ist. Und ich glaube, dass kaum ein anderer Leser dieses Forums dazu in der Lage sein wird. Warum muss man sich auf Altgriechisch, Sanskrit, Altkirchenslawisch und Sumerisch berufen, um diese Frage zu beantworten? Diese Antwort ist pseudowissenschaftlich, denn sie gibt vor, wissenschaftlich zu sein, zitiert aber keine einzige Quelle. Vor allem aber produziert diese Antwort eine Menge heiße Luft. Diese Antwort schießt mit Kanonen meilenweit an den Spatzen vorbei.
    – Alina
    Commented Feb 27, 2023 at 6:30
  • 5
    Die vergleichende Sprachwissenschaft auf die ich mich berufe, welcher ich meine noch etwas hinzuzufügen habe […] Das Nachschlagen von Etymologien auf Wiktionary und Zusammenstellen von Ähnlichklingendem ist kein Beitrag zur Wissenschaft. Was wichtiger ist: Es hilft auch den Fragestellern nichts. Die Behauptung, daß die Niederlande die Nordlande wären, ist ja noch nicht einmal ordentlich aufgeschrieben (aber wie soll man denn Altniederländisch north und nither verwechseln?).
    – David Vogt
    Commented Feb 27, 2023 at 8:53
  • 5
    Alles andere, die irrelevanten Belege, der Schreibstil (Andere Vergleiche sind regmäßig fernzuhalten), die gespielte Empörung … ist nur Ablenkung von der Tatsache, daß du diese Seite mißbrauchst, in der es um Antworten auf Fragen geht, und nicht um private etymologische Träumereien.
    – David Vogt
    Commented Feb 27, 2023 at 8:55

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