2

Warum schreibt man «gescheit» mit T? Das Wort kommt ja von «scheiden» (bedeutet also das Vermögen, gut zu unter-«scheiden»), so dass eigentlich die Schreibung «gescheid» vorzuziehen wäre – wie Grimm es auch tut (vgl. DWB: «gescheid»).

Auch ist in schweizerdeutschen Dialekten, wo der Gegensatz zwischen D und T nicht durch Konsonantenschwächung, Auslautverhärtung und aufgepfropftes niederdeutsches Lautsystem verundeutlicht worden ist, die Aussprache zweifelsfrei mit D («gschiid», «gschiider»).

  • 1
    Was das DWB selber dazu schreibt, ist nicht genug? – David Vogt Sep 5 at 14:21
  • 2
    Aus Deinem eigenen Link: seit dem 17. jahrh. aus falscher ableitung gescheut geschrieben und noch bis heute gesprochen – Torsten Link Sep 5 at 14:47
  • 1
    Das Wort gescheit ist übrigens nicht nur mit entscheiden, scheiden, die Scheide, die Scheidung usw. verwandt, sondern auch mit das Scheit, scheitern, der Scheitel, scheißen, die Schiene, der Schi. Auch die englischen Wörter shit und science sowie die aus dem altgriechischen importierten Wörter Schizophrenie und Schisma haben alle dieselbe urindoeuropäische Wurzel. – Hubert Schölnast Sep 6 at 8:40
  • Vlt. kan man als Kompromis sagen, -d't wäre die richtige Form, nur unterschiedlige entstellt worden--aber wie kämme ich dazu?!? Bemerkennswert: Phonem-Länge, im Mittelhochdeutschen noch teils "contrastive", endwiegelte sich unterschiedlig in die Dialekte. Im Auslaut im Mitel Barrierischen (bis hoch zu Wien) ging er Kontrast wege, weil "predictable". Das würgte, glaub ich, auf fortis-/lenis-Konsonanten. Genua kan ich das aber nie widergeben, insoweit also nicht einschaetzen, ob's everhaubt relevant ist. Vgl vlt Stadt, Staat, Stätte / Stad'l. Ansonstonsen was Hubertus sagt, vgl schei-tel. – vectory Sep 21 at 18:21
  • Sorry, siehe GUIDO SEILER, On the Development of the Bavarian Ouantity System: "The morphonological alternations discussed in (20) above provide a sali-ent pattern for the distribution of lengthened and short vowels: vowels are lengthened before singletons, and they are short before geminates." (p. 118) "However, only Middle Bavarian generalized that not only most but all long surface vowels are lengthened vowels." (p. 119), (20d) sg. [flu:s] ~ pl. [fliss] 'river'". Wegen apocope wie in flyss(e) wäre g'scheid' ~ der g'schadd' Bub' zu erwarten. Wenn dem nicht so ist, dann wegn cluster – vectory Sep 21 at 18:55
2

Ein Wechsel zwischen D und T, vor allem im Auslaut, ist recht häufig und nicht ungewöhnlich.

Das Geld (mit d) ist ja auch mit vergelten, gelten, Entgelt (alle mit t) verwandt.

Auch das Brot (heute mit t) wurde früher zumindest in Österreich »Brod« (mit d) geschrieben. Der Familienname Brodschneider erinnert noch daran, und ich kann mich erinnern, dass es in den 1980er-Jahren im Grazer Univiertel noch eine uralte Bäckerei gab, wo über dem Eingang »Brod und Semmeln« stand.

| improve this answer | |
  • Erich Kästners schreibt irgendwo (ich meine, es sei in seiner Teil-Autobiographie Als ich ein kleiner Junge war gewesen): »Mein Vater schrieb noch ›Brod‹ und ›Thür‹.« Kästner wurde in Dresden geboren, sein Vater hat vor der Rechtschreibreform von 1901 das Schreiben gelernt. – Jan Sep 9 at 13:47
  • wegen Gold, der Baltich-Germanischen Isoglosse, ist Geld ~ gelten jetzt nicht unbedingt der beste Vergleich. – vectory Sep 21 at 18:58

Your Answer

By clicking “Post Your Answer”, you agree to our terms of service, privacy policy and cookie policy

Not the answer you're looking for? Browse other questions tagged or ask your own question.