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Mir ist spontan kein Vorname, der mit sch beginnt und nicht vom Englischen eingedeutscht wurde, eingefallen. Ich habe also gesucht und nur relativ exotische Namen, wie folgt, gefunden:

  • Schwanhilde
  • Schorsch (ist ja nur (?) eine Kurzform)
  • Schwerthelm
  • Schwiedhard

Gibt es dafür eine gute Erklärung oder ist das einfach Zufall?

* Edit: "traditionell deutsch" ist vielleicht etwas ungenau oder zu subjektiv. Ich meine damit Vornamen, die man heute sowohl an jeder x-beliebigen Schule/KiTa, wie auch in irgendwelchen Altersheimen findet. Das schließt z.B. hoffentlich sowas wie "Jimmy Blue" aus. Klar, Vornamen unterliegen geschmacklichen Vorzügen. Aber ich kann mir vorstellen, dass z.B. in Japan oder Lesotho es durchaus möglich ist, Vornamen zu finden die mit einem Laut anfangen, den wir in Deutsch mit Sch aufschreiben.

  • 3
    Vornamen heißen auch Rufnamen - Ruf' mal was, was mit "Sch-" anfängt, dann hast du deine Antwort... – tofro Oct 15 at 19:19
  • 6
    Schakkeline? ;-) Schneewittchen auf Seite 2 vorname.com/deutsche,vornamen,1.html?only=S ^^ Ansonsten interessante Beobachtung/Frage! – Shegit Brahm Oct 15 at 19:36
  • 3
    @tofro: Das überzeugt mich nicht wegen Stefan in nicht-hanseatischer Aussprache. – guidot Oct 16 at 9:15
  • 2
    @tofro: Während meiner Schulzeit bin ich jahrelang »Schölli« genannt und auch gerufen worden. Das ging meinen Schulkollegen offenbar leichter über die Lippen als »Hubert«. Einer meiner Arbeitskollegen wird (ebenfalls wegen seines Nachnamens) »Schratti« genannt/gerufen und auch bei diesem Namen fallen niemanden die Zähne aus dem Mund. – Hubert Schölnast Oct 16 at 10:06
  • 3
    Es gibt ja sowieso nicht allzu viele Vornamen, die gebräuchlich sind und germanischer Ursprung. Wikipedia listet noch Stein (und mehrere Varianten davon), Stillfried und Sturm. Dass der ʃ-Laut im Anlaut vor t nur s geschrieben wird, ist ja eine Rechtschreibgeschichte. Sven wäre auf Hochdeutsch vermutlich auch mit ʃ-Laut ausgesprochen worden, hätten Eigennamen immer die gleichen Lautverschiebungen gefolgt wie andere Wörter. – jarnbjo Oct 16 at 13:41
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Namen verhalten sich grundsätzlich wie alle anderen Wörter, was die Etymologie betrifft. »Traditionell deutsche Vornamen« lassen sich einteilen in:

  • von Germanischen Vorläufern abgeleitete Namen
  • aus klassischen (altgriechisch, römisch/lateinisch) oder biblischen (hebräisch) Namen abgeleitete Namen

Ich denke, die Frage möchte ersteres diskutieren.

Zuerst muss die Frage nach der Herkunft des Sch geklärt werden. Der entsprechende Zischlaut findet sich nicht im rekonstruierten Urgermanischen und auch das Gotische, die älteste germanische Sprache, von der wir schriftliche Belege haben, kennt ihn nicht. Er entstand irgendwo zwischen dem Althochdeutschen (das sc noch als /sk/ aussprache, wie heute noch im Englischen oder in skandinavischen Sprachen häufig üblich) und dem Neuhochdeutschen. Ursprünglich wahrscheinlich als Lautwandel aus /sk/ über /sx/ wobei das Schriftbild von sc zu sch wurde und dort verharrte. Außerdem wurden die Kombinationen s + Konsonant (außer st und sp) und rs wohl sehr früh als sch-Laute ausgesprochen, weswegen entsprechende Wörter (Schwein, Schlag, schmecken, Schnecke, harsch) bald auch mit sch geschrieben wurden. St und sp folgten später, wobei die niederdeutschen Dialekte den Lautwandel nicht völlig oder verzögert mitgemacht haben; dieser Lautwandel wurde nicht in der Rechtschreibung festgehalten. (Dort, wo im Auslaut rs auf t trifft, herrscht in oberdeutschen Dialekten rscht vor, während in niederdeutschen eher /rst/ gesprochen wird – vgl. Wurscht.)

Da S der zweithäufigste Anfangsbuchstabe (10,8 %) in deutschen Texten ist, könnte man argumentieren, dass es genügend germanische Namen mit S gäbe, die sich etymologisch zu sch entwickelt haben.

An dieser Stelle muss man aber beachten, wie germanische Namen in der Regel gebildet wurden: Üblicherweise wurden zwei Bestandteile zusammengefügt, wobei ursprünglich die inhaltliche Bedeutung wichtig war, zu späterer Zeit nurmehr Wohlklang. Schaut man sich diese Bestandteile an, stellt man fest, dass es insgesamt relativ wenige waren: Auf der Liste deutscher Vornamen germanischer Herkunft finde ich gerade 65 Gruppen mit gemeinsamen Erstbestandteilen. Darunter fallen Sieg- und Stein- mit S als Anfangsbuchstabe. Statistisch gesehen würde man 2,5 pro Buchstabe erwarten, wenn die Buchstaben gleich verteilt wären. Streicht man C, Q, X, Y, Z – die überwiegend keine germanischen Anlaute repräsentieren – und V – das entweder F oder W entspricht – bleiben 20, womit statistisch gesehen jeder Buchstabe 3,25 Gruppen haben sollte. In beiden Fällen ist S mit zwei solchen Gruppen zwar statistisch leicht unterrepräsentiert aber doch im Rahmen zufälliger Verteilungen.

Was den zweiten Spiegelstrich betrifft: Das Hebräische kannte zwar einen /ʃ/-Anlaut, Griechisch und Latein aber nicht. Da Hebräische Namen in der Regel über Griechisch oder Latein zu uns kamen (dank der Bibelübersetzungen), verloren sie auf diesem Weg ihr /ʃ/ – so wurde zum Beispiel aus Schlomo Salomon oder aus Schmuel Samuel. Einige Vornamen, wie zum Beispiel Stefan aus dem Griechischen, unterlagen zwar dem oben erwähnten Lautwandel (daher auf Deutsch /ʃtefan/ während er zum Beispiel auf Englisch /stefan/ ausgesprochen würde), werden aber heutzutage nicht mit Sch geschrieben. Daher ist auch diese Herleitungsquelle wenig ergiebig.

Zusammengefasst lässt sich sagen:
Es gibt keinen lautlichen Grund, warum diese Vornamen ausgeschlossen sein sollten – siehe Stefan oder der Spitzname Schorsch. Alte germanischen Namen hatten jedoch nur äußerst selten die Lautkombination, die sich zu /ʃ/ entwickeln würde. Latein und Altgriechisch kannten /ʃ/ gar nicht, es war aber möglich, dass sich Namen aus diesen Sprachen zufällig zu /ʃ/ entwickelten – allerdings ist Stefan der bekannteste Kandidat. Aus dem Hebräischen könnte man Namen mit Sch vermuten, da /ʃ/ bekannt war, sie wurden aber in der Regel unter /ʃ/-Verlust über das Griechische oder Lateinische übernommen.

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