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Vor kurzem sah ich in einem Supermarkt ein Plakat mit dem Text

Verkäufer (m/w/d) gesucht

Das "d" konnte ich nicht interpretieren, aber eine Internetrecherche zeigt, dass es für "divers" steht. Zitat:

In immer mehr Jobbörsen und Stellenanzeigen findet sich die Abkürzung (m/w/d). Die Bedeutung:
(m/w/d) steht für „männlich/weiblich/divers“. Der Zusatz „d“ für „divers“ ist für intersexuelle Arbeitnehmer gedacht und soll dokumentieren, dass die Bewerberauswahl grundsätzlich geschlechtsneutral erfolgt.
Hintergrund ist ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts (Az 1 BvR 2019/16), das feststellte, dass bisherige, binäre Geschlechtsbezeichnungen (männliche/weiblich) gegen das Persönlichkeitsrecht und das Diskriminierungsverbot verstoßen. Entsprechend seien Gesetzgeber und Unternehmen angewiesen, die Diskriminierung von Intersexuellen zu verhindern. Zum Beispiel indem sie Stellenanzeigen geschlechtsneutraler formulieren und „das dritte Geschlecht“ mit angeben.
Achtung: Die Abkürzung (m/w/d) steht keinesfalls für „männlich/weiß/deutsch“. Manche Rassisten interpretieren sie aber leider so.

Meine Frage:

Müsste man jetzt nicht konsequenterweise statt der mittlerweile gewohnten Wortbildung nach dem Schema Lehrer:in, Lehrer/in o.ä. etwas anderes (mit eine weiteren gender-Endung) schreiben?

Ist bei Verwendung von "m/w/d" wieder das generische Maskulinum korrekt (z.B. Verkäufer)?

PS. Hier noch einige andere Varianten für geschlechtsneutrale Formulierung von Stellenanzeigen:

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    "Eigentlich müsste es heutzutage Verkäufer:in oder ähnlich heißen." Wo steht das? Wenn ich mich recht erinnere, schreibt der Gesetzgeber divers vor. Jan 30 at 10:12
  • @πάνταῥεῖ Was der Gesetzgeber vorschreibt, ist in meiner Frage nachzulesen. Es muss nicht unbedingt "divers" verwendet werden, es gibt auch andere Varianten. Vgl. mein Update. Aber danke für den Kommentar, ich habe versucht, mein Anliegen deutlicher zu machen. Pointiert: Wird man in "offiziellen" Texten künftig statt "Bürger:innen" so etwas wie "Bürger m/w/d" lesen?
    – Paul Frost
    Jan 30 at 10:46
  • 2
    Übrigens falsche Prämisse, daß Sternchen- und Doppelpunktschreibungen nur m/w erfassen sollen.
    – David Vogt
    Jan 30 at 11:23
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    Auch falsche Prämisse, dass Gesetze hier irgendwas vorschreiben würden - Dort steht nur, dass niemand wegen seiner sexuellen Identität/Ausrichtung diskriminiert werden darf. Alles andere ist Interpretation.
    – tofro
    Jan 30 at 12:27
  • 1
    Ich vermute ja, dass die "X (m/w/...)"-Schreibweise ursprünglich aus Bereichen wie der Softwareentwicklung kommt, wo "X" ein englisches, und daher generisches Nomen war ("Data Scientist", "DB Admin"), und man die Genderkürzel dort nur verwendet hat, um explizit zu machen, das X eh explizit generisch verstanden werden soll. Dann könnte es sich über "Zweifelsfälle" Fälle wie "Developer" auf deutsche Bezeichnungen verallgemeinert haben. Ist aber nur eine Hypothese. Jan 30 at 13:24
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Ich weiß, das Thema gendergerechte Sprache lässt bei einigen regelmässig die Hutschnur platzen, also ... erstmal tief durchatmen.

Müsste man jetzt nicht konsequenterweise statt der mittlerweile gewohnten Wortbildung nach dem Schema Lehrer:in, Lehrer/in o.ä. etwas anderes (mit eine weiteren gender-Endung) schreiben?

Das wäre natürlich extrem praktisch und ich glaube auch, dass es dazu irgendwann einmal kommen wird, aber im Moment noch keine entsprechende sprachliche Durchdringung besteht. Es gibt allerdings viele verschiedene Zeichen um alle Geschlechtsformen darzustellen. Am bekanntesten sind dabei. neben dem von dir genannten Doppelpunkt. sicherlich der Gender_gap und das Gender*Sternchen. In deinem Beispiel also

Lehrer_in

Lehrer*in

Natürlich wäre es auch möglich eine komplette neue Form zu bilden. Also als Beispiel könnte man an die Männliche Form immer ein "s" hängen. In dem Fall also meinetwegen.

Lehrers

Bekannt ist das im Gegensatz zu den Strichen, Punkten und Sternchen allerdings nicht. Wer es liest (und nicht gerade frisch vom Mond kommt) hat bei den bekannten Alternativen jedoch eine gute Chance zu wissen, was gemeint ist.

Problematisch wird es nur bei einer Sache: der Aussprache. Man erinnere sich nur an die aktuellem Diskussionen über das akustisch leicht abgetrennte "in" in den Heute-Nachrichten oder Talkshows.

Im Normalfall wird in diversen Sprachleitfäden für Behörden jedoch empfohlen genderneutral zu formulieren, bzw. eines der bekannten Gap-Zeichen (:_*) zu nutzen. Also, z.B.

a) Genderneutrale Personenbezeichnungen

Lehrende

b) Genderneutrale Begriffe

Lehrkraft

c) Gap-Zeichen

Lehrer:in, Lehrer*in, Lehrer_in

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  • Ich habe den Eindruck, diese Antwort geht gar nicht so recht auf den konkreten Kontext der Stellenausschreibungen und der (fast nur) dort vorkommenden expliziten Nennung von "(m/w/d)" ein. Jan 30 at 11:41
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    @O.R.Mapper Gerade die Alternativen unter c) sind doch entstanden um mehr als nur m/w abzubilden. Dass a) nur im Plural funktioniert stimmt.
    – mtwde
    Jan 30 at 13:54
  • 1
    @jonathan.scholbach: Wie ich auch in den Kommentaren zu meiner Antwort geantwortet habe, war mir das bislang nicht klar. Danke für den Hinweis. Ich vermute dennoch, dass diese eigentlich beabsichtigte Bedeutung weitläufig unbekannt ist, denn sie geht aus der Schreibweise einfach nicht hervor. Allgemein werden Gender-Gap etc. meinem Eindruck nach einfach als "modernere Schreibweise" an Stelle von "/-in" verstanden. Jan 30 at 16:54
  • 1
    @O.R.Mapper Es wäre tatsächlich interessant, wie das in der Sprecher*innengemeinschaft verstanden wird :) Wir können da nur spekulieren. Jan 30 at 16:59
  • 1
    @O.R.Mapper Dass Stern (bzw. Doppelpunkt) als Zeichen verstanden werden soll, diverse Geschlechtsidentitäten mit einzubeziehen, war auch mir nicht bekannt. Das ist auch erklärungsbedürftig und dürfte an großen Teilen der Deutschsprechenden vorbei gehen. Ohne Erklärung wirkt es ja nur wie eine Variante von VerkäuferIn oder Verkäufer(in). Jan 31 at 10:20
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Müsste man jetzt nicht konsequenterweise statt der mittlerweile gewohnten Wortbildung nach dem Schema Lehrer:in, Lehrer/in o.ä. etwas anderes (mit eine weiteren gender-Endung) schreiben?

Zunächst ist festzustellen, dass es noch nicht die eine "gewohnte Wortbildung" gibt - wie auch aus dem Umstand ersichtlich wird, dass du selber mehrere Varianten aufzählst. Während die aufgezählten Varianten aber (unabhängig von persönlicher Vorliebe dafür) vermutlich wenigstens verstanden werden, besteht meinem Kenntnisstand nach noch kein abschließender Konsens über eine irgendwie gartete "weitere gender-Endung", die das "divers" repräsentieren würde. Zwar existiert der Vorschlag, dies über einen "Gender Gap" oder ein "Gender-Sternchen" (Unterstrich bzw. Sternchen vor der Endung) auszudrücken, jedoch darf bezweifelt werden, dass die intendierte Bedeutung dieser Schreibweisen weitläufig bekannt ist und richtig verstanden wird. Daher halte ich den Vorschlag schon mal nicht für durchführbar.

Davon abgesehen war aber mein Eindruck über die Hintergründe der genannten Verwendung nochmal ein anderer:

Das "(m/w/d)" (und vormals "(m/w)") wird überhaupt erst gesetzt, um die unterschiedlichen Formen des Substantivs zu vermeiden.

Sprich: "(m/w/d)" hinter der Berufsbezeichnung kennzeichnet die Berufsbezeichnung explizit als generisches Maskulinum (bzw. ggf. generisches Femininum). Listet man das Substantiv hingegen mitsamt allen Endungen auf, kann man sich, soweit ich weiß, das "(m/w/d)" dahinter sparen, weil die Geschlechtsneutralität der Stellenanzeige bereits durch die unterschiedlichen Formen der Berufsbezeichnung klargestellt wird.

Daher, als direkte Antwort auf deine Frage: Nein, konsequent ist es, die Geschlechtsneutralität in genau einer Form der Berufsbezeichnung auszudrücken - entweder durch Endungen oder durch hintenangestelltes "(m/w/d)". Und da die Endungen bislang das "d" nicht allgemeinverständlich hergeben, wird momentan meist die letztgenannte Schreibweise bevorzugt.

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  • 2
    Und da die Endungen bislang das "d" nicht hergeben, wird momentan meist die letztgenannte Schreibweise bevorzugt. Die Behauptung ist falsch; die Gender-Gap-Schreibungen (mit Stern, Doppelpunkt, Unterstrich) schließen d und keine Zuordnung explizit mit ein.
    – David Vogt
    Jan 30 at 12:34
  • 1
    @DavidVogt: Wieso, der Gender-Gap hängt doch auch nur ein optionales -in an. Jan 30 at 14:50
  • 2
    Nein, sonst hätte man ja bei der Paarform bleiben können (oder alternativ Schreibungen wie Verkäufer/‑in. Siehe z.B. de.wikipedia.org/wiki/Gender-Gap_(Linguistik).
    – David Vogt
    Jan 30 at 15:06
  • @DavidVogt: Interessant. Diese Bedeutung war mir noch nicht bekannt, obwohl mir Gender Gap und Gender-Sternchen etc. als Schreibweisen durchaus seit Jahren geläufig sind. Da diese intendierte Bedeutung aus der Schreibweise gar nicht intuitiv hervorgeht, vermute ich auch, dass "Verkäufer_in" etc. zumeist nur als "modernere Variante" von "Verkäufer/-in" verstanden wird. Letztendlich sind wir damit wieder exakt da, wo wir mit dem generischen Maskulinum auch waren - die intendierte Bedeutung geht aus dem Begriff nicht hervor. Danke dennoch für deine Hinweis, ich habe meine Antwort angepasst, ... Jan 30 at 16:49
  • ... und am Fazit ändert sich dadurch freilich nichts, dass es genügt, die Geschlechtsneutralität entweder explizit in Klammern oder implizit durch eine irgendwie geartete Auflistung der unterschiedlich gegenderten Berufsbezeichnungen klarzustellen. Jan 30 at 16:52

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