2

Was ist richtig:

Sie werden von folgenden Tieren begrüßt:

  • netten Einhörnern
  • lieben Narwalen
  • tollen Nashörnern

oder

Sie werden von folgenden Tieren begrüßt:

  • nette Einhörner
  • liebe Narwale
  • tolle Nashörner

(Es ist klar, dass ohne die Liste Dativ angebracht wäre.) Aber ist es auch mit der Liste der Fall?

Edit: Nochmal zur Verdeutlichung meines Problems.

Hier ist die Antwort für mich eindeutig, da wir eine Kongruenz brauchen:

Sie werden begrüßt von:

  • netten Einhörnern
  • lieben Narwalen
  • tollen Nashörnern

Man könnte das auch schreiben als

Sie werden begrüßt von netten Einhörnern, lieben Narwalen und tollen Nashörnern.

Eine Kongruenz haben wir aber auch hier:

Sie werden von folgenden Tieren begrüßt:

  • nette Einhörner
  • liebe Narwale
  • tolle Nashörner

Meine Aussage oben ("Es ist klar, dass ohne die Liste Dativ angebracht wäre.") war wahrscheinlich falsch: Man kann das nicht einfach so ohne die Liste schreiben (Danke an David Vogt in den Kommentaren). Die Frage ist also vermutlich: Was ist hier der Status der Listenpunkte? Was ist die Liste grammatikalisch? Welche Regeln gelten für sie?

2. Edit: Es geht mir tatsächlich um die grammatikalische Korrektheit. Der Abschnitt (bzw. ein weniger tierisches Äquivalent) war Teil eines längeren Textes.

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  • 2
    Natürlich ist die Kongruenz auch in Auflistungen zwingend. Welchen Grund sollte es geben, sie sinnentstellend zu ignorieren?
    – tofro
    Mar 11 at 16:36
  • 1
    Was genau heißt ohne die Liste?
    – David Vogt
    Mar 11 at 17:21
  • 2
    @KilianFoth Dein Beispiel ist ein ganzer Satz mit einem Doppelpunkt drin (auch in der Aufzählung). Den kan man auch "flach" hinschreiben, ohne Grammatikregeln zu verletzen. Die Kongruenz ist darin gewährleistet. Niemand sagt, dass man einen Nebensatz aus den Listenpunkten machen muss. Von daher: Das ist ein anderes Beispiel, das mit der Frage nichts zu tun hat
    – tofro
    Mar 12 at 7:33
  • 2
    Das Verlassen von Regeln hat üblicherweise einen Sinn (und mag dann vieleicht auch durch diesen Sinn gerechtfertigt sein): In der Werbung ist es z.B. "auffallen", in Hinweisschildern u.U. Kürze und Übersichtlichkeit. Die Kongruenzregeln der deutschen Grammatik in typographischen Aufzählungen zu verlassen, hat keinen für mich einleuchtenden Sinn. Wenn mir einer einen nennt, ändere ich vielleicht meine Meinung
    – tofro
    Mar 12 at 15:21
  • 2
    @Wolf Es geht mir tatsächlich um die grammatikalische Korrektheit. Der Abschnitt (bzw. ein weniger tierisches Äquivalent) war Teil eines längeren Textes.
    – P_S
    Mar 12 at 17:52
2

Die äußere Form der Darstellung ändert für gewöhnlich nichts an der Grammatik. Ob also eine Aufzählung hintereinander in einer Reihe

Sie werden von folgenden Tieren begrüßt: netten Einhörnern, lieben Narwalen, tollen Nashörnern.

untereinander in einer Liste

Sie werden von folgenden Tieren begrüßt:

  • netten Einhörnern,
  • lieben Narwalen,
  • tollen Nashörnern.

treppenartig eingerückt

            Sie werden von folgenden Tieren begrüßt:
        netten Einhörnern,
    lieben Narwalen,
tollen Nashörnern.

gespiegelt

.nrenröhsaN nellot ,nelawraN ,nrenröhniE :tßürgeb nereiT nedneglof nedrew eiS

oder sonst wie dargestellt wird, die Kasuskongruenz (in diesem Beispiel Dativ) bleibt bestehen.

Da Sie es in den Kommentaren angesprochen haben, möchte ich noch auf den Doppelpunkt, oder vielmehr die Zeichensetzung allgemein, eingehen.

Ob vor der Aufzählung ein Doppelpunkt steht oder nicht, spielt keine Rolle. In jedem der Beispiele könnte man sämtliche Satzzeichen weglassen, und trotzdem wäre Dativ der einzig korrekte Kasus für die aufgezählten Dinge.

Satzzeichen dienen dazu, die syntaktische, grammatische Struktur zu kennzeichnen. Die Struktur ist aber auch ohne Satzzeichen da. Zum Beispiel bleibt ein Nebensatz auch dann ein Nebensatz, wenn ich vergesse, ihn mit einem Komma vom Hauptsatz abzugrenzen. Genauso bleibt der Kasus fest, egal ob ich einen Doppelpunkt vor die Aufzählung setze oder nicht.

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  • Hast du eine Quelle für gespiegelt? (just kidding) Mar 11 at 19:14
  • Der Argumentation kann ich nicht folgen. In meinem Beispiel gibt es auch in Fall 2 eine Kasuskongruenz: Sie werden von folgenden Tieren begrüßt.... Danach gibt es einen Doppelpunkt, der für mich nicht zur "Darstellung" gehört, sondern zur Grammatik.
    – P_S
    Mar 12 at 8:12
  • @BjörnFriedrich Sehe ich erstmal anders. Wie der Verlauf der frühneuhochdeutschen Zeit bereits erkennen lässt, entwickelt sich die Funktion der Zeichensetzung von einer rhythmisch-intonatorischen hin zu einer syntaktischen. Somit ist auch die heutige Interpunktion vorwiegend dazu da, in einem Text logisch-syntaktische Grenzen zu setzen (z.B. Sätze und Teilsätze zu kennzeichnen) die einer grammatischen Regelung unterliegen. (uni-bielefeld.de/lili/personen/useelbach/STUD/Beschorner/…) Alternativ natürlich de.wikipedia.org/wiki/Interpunktion
    – P_S
    Mar 12 at 8:59
  • @BjörnFriedrich: Habe mich evtl. unklar ausgedrückt. Natürlich zeigt die Interpunktion an, was schon da ist. In diesem Fall zeigt sie für mich eben an, dass in meinem Beispiel eine grammatische Struktur vorhanden ist, die es in deinem Beispiel nicht gibt, weswegen man mein Beispiel mMn auch nicht ohne weiteres hintereinander in einer Reihe schreiben kann (und selbst bei der Spiegelung bin ich mir nicht sicher).
    – P_S
    Mar 12 at 9:16
  • 1
    @P_S, ich habe das Beispiel jetzt angeglichen und die Diskussion über den Doppelpunkt in der Antwort aufgegriffen. Mar 12 at 14:37
1

In solchen typographischen Auflistungen sind Zeichensatzregeln (teilweise(*)) außer Kraft gesetzt und durch die typographische Darstellung ersetzt, u.U. sogar verdeutlicht.

Grammatikregeln, die den Sinnzusammenhang zwischen den Worten regeln, müssen allerdings weiter gelten - ansonsten kann, allein durch den Wunsch nach einer "übersichtlichen" Darstellung, der Sinn eines Textes verloren gehen. Zu den wichtigsten Grammatikregeln hierbei gehört die Kongruenz in Kasus, Numerus und Genus. Geht diese verloren, entsteht u.U. eine Sinnentstellung.

(*) Allerdings nur dann, wenn die Liste reine, einfache Aufzählungen enthält. Sobald z.B. die Liste eine Auflistung von Nebensätzen darstellt, wird dringend empfohlen, die einzelnen Listenpunkte der Aufzählung nach üblichen Rechtschreibregeln durch Kommata abzugrenzen und mit einem Punkt zu beenden.

1

Wie Björn Friedrich bereits ausgeführt hat, ist es im Beispiel regelkonform, die gesamte Aufzählung in die Dativform zu bringen.

Andererseits verringert die Flexion den Wiedererkennungswert der im Zentrum der Aussage stehenden Objekte von Gebrauchstexten; auch leiden einfache Nutz- und Wartbarkeit:

  • innerhalb digitaler Medien kann Copy&Paste helfen, Tippfehler zu vermeiden
  • auf Werbe- und Angebotstafeln ändert man einzelne Einträge gelegentlich

Um also die Usability solcher Listen zu erhöhen, wird manchmal die Grammatik selbst gebeugt, und es entstehen die in der Frage aufgeführten Varianten. Aber es gibt Alternativen.

Sobald man von durch durch ersetzt, was die Liste in den Akkusativ zwingt, fallen die lästigen Endungen weg

Sie werden begrüßt durch:

  • nette Einhörner
  • liebe Narwale
  • tolle Nashörner

eine weitere Lösung wäre

Es begrüßen Sie:

  • nette Einhörner
  • liebe Narwale
  • tolle Nashörner

Das Komma und das und in kolumnenartigen Aufzählungen kann man weglassen.

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Meines Erachtens ist im Problembeispiel der Kasus der aufgezählten Elemente nicht grammatisch festgelegt.

Sie werden von folgenden Tieren begrüßt: nette(n) Einhörner(n), liebe(n) Narwale(n), …

Selbstverständlich regiert die Präposition von den Dativ; aber mit begrüßt ist der Satz vollständig und abgeschlossen, und über eine Satzgrenze hinaus kann die Präposition keinen Kasus regieren. (Rektion, nicht Kongruenz, ist der revelante Begriff: Die Präposition fordert vom abhängigen Element einen bestimmten Kasus, ohne selbst ein Kasusmerkmal zu haben.)

Was passiert, wenn der Kasus wie im Problembeispiel nicht grammatisch festgelegt sind? Es kommt zu Unsicherheit und Schwankungen. Ich denke, man wird sowohl Beispiele mit parallelem Kasus (in diesem Fall Dativ) als auch mit dem "unregierten Kasus", also Nominativ, finden.

Interessanter finde ich aber Beispiele wie das folgende:

Den Sieg machten folgende Teilnehmer unter sich aus: Erster wurde X, auf Platz zwei landete Y und Z wurde Dritter. (Variation eines Korpusbelegs)

Hier folgt auf eine Ankündigung von Teilnehmern eine Aufzählung von Sätzen. Das bedeutet: Die Elemente dieser Art von Aufzählung können nicht nur im Kasus, sondern sogar in der Form vom ankündigenden Element abweichen.

Zwei mit dem Problembeispiel kontrastierende Beispiele seien genannt: Fälle mit gespaltenen Konjunkten oder abgetrennten Appositionen.

Er wurde damals von seiner Frau begleitet und seinem Bruder.

Sie werden freundlich vom größten Landsäugetier begrüßt, einer Giraffe.

Die nachgestellten Elemente sind eindeutig Teil des Satzes und der Präposition untergeordnet. Daher ist nur der Dativ (als der von der Präposition regierte Kasus) möglich. In beiden Fällen kann man, im Gegensatz zum Problembeispiel, umstellen und so zeigen, daß alle Elemente Teil desselben Satzes sind.

Von seiner Frau und seinem Bruder wurde er damals begleitet.

Vom größten Landsäugetier, einer Giraffe, werden Sie freundlich begrüßt.

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  • Die Annahme, dass "Präpositionen nicht über Satzgrenzen wirken" läßt sich mit vielen Beispielen widerlegen.
    – tofro
    Mar 13 at 9:51
  • 1
    @tofro Dann schreib doch bitte eins dazu. Wie soll mir der Kommentar sonst helfen?
    – David Vogt
    Mar 13 at 9:58
  • Nimm z.B. einfach eine Frage/Antwort-Folge: Dann ist klar, dass die Präposition in der Frage natürlich über die Satzgrenze hinaus auch in der Antwort relevant ist.
    – tofro
    Mar 13 at 10:52
  • @tofro Eine in der Frage auftauchende Präposition würde doch in der Antwort wiederholt? Mit welchem Mitarbeiter haben Sie denn gesprochen? - Ich glaube, mit dem Chef. Aber die Antwort ist sowieso frei, genauso gut ginge auch das war der Chef oder das weiß ich nicht mehr.
    – David Vogt
    Mar 13 at 11:10
  • 1
    @P_S Ich sehe das parallel zu Sätzen wie ich möchte ihnen jetzt drei Gründe nennen: syntaktisch und semantisch vollständig, aber auf der Ebene des Textes auf etwas Nachfolgendes verweisend (Textdeixis).
    – David Vogt
    Mar 15 at 18:37
0

Richtig:

Sie werden von folgenden Tieren begrüßt:

  • netten Einhörnern
  • lieben Narwalen
  • tollen Nashörnern
1
  • Danke für die Antwort - kannst du sie vielleicht begründen?
    – P_S
    Mar 12 at 9:31

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