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Bitte schauen Sie sich folgende Sätze an:

Die Nachbarn hören oft laut Musik.

Im Hotel gab es typisch deutsches Essen.

Die Wörter "laut" und "typisch" sind nur Adjektive und es gibt Nomen nach ihnen. Meine Fragen sind:

1 - warum sind sie nicht "laute Musik" und "typisches deutsches Essen"?

2 - Sind deklinierte Wörter auch richtig?

3 - in welchen Situationen können wir undeklinierte Adjektive nutzen?

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  • Vielen Dank Herr Halvarf fürs Korrigieren May 29 at 13:00
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Den ersten Satz sehe ich als eine umgangssprachliche Kontamination (Verschmelzung / Vermischung) von

  • Die Nachbarn haben ihre Musik oft laut gestellt.
  • etwas laut tun: laut sprechen, laut Saxophon spielen, die Tür laut zuknallen ...

Für mich wäre ... hören oft laute Musik naheliegender; allerdings erscheint mir der Satz

Die Nachbarn hören ihre Musik oft sehr laut

relativ umgangssprachlich-natürlich.

Das typisch im zweiten Beispiel ist ein adverbialer Gebrauch; typisch ist hier die Eigenschaft deutsch des Essens, und der Gesamtausdruck typisch deutsch bezieht sich auf das Essen. Ein typisches deutsches Essen kann umgangssprachlich vermutlich vorkommen, es passt aber logisch nicht, denn die Bedeutung ist nicht

  • Das Essen ist typisch
  • und das Essen ist deutsch,

sondern nur

  • Das Essen ist typisch deutsch.

Adverbien haben im Deutschen weder Kasus- noch Genus- noch Numerusmarkierungen.

Undeklinierte Adjektive bzw. Adjektiv-Adverbien (= adverbial gebrauchte Adjektive) gibt es

  • als Subjekt-Prädikativ nach sein, bleiben, werden: Das Wetter ist schön / bleibt schön / wird schön; auch bei salzig schmecken, gut aussehen, sich weich anfühlen, sich gut anhören usw.; die letzten Fälle werden von Grammatiken teilweise als Adverbien aufgefasst, weil sie mit wie? erfragt werden können;
  • als Objekt-Prädikativ in vielen Ausdrücken wie etwas interessant finden, jemanden für intelligent halten ...
  • im adverbialen Gebrauch mit Verben: schnell fahren, kurz anhalten, etwas lang und breit erklären ...
  • adverbial bei Adjektiven: ein unglaublich spannender Film, hell angestrichene Wände ...
  • adverbial bei Adverbien: Er fuhr wahnsinnig schnell, die Sachen schrecklich umständlich in Kisten packen ...
  • als freies Prädikativ (Depiktiv): die Wäsche ungebügelt in den Schrank legen, wütend die Gruppe verlassen, seinen Kaffee schwarz trinken ...
  • in vielen verbalen Ausdrücken, die als Vokabeln gelernt werden müssen: frei haben, zu kurz kommen ...
  • in sehr vielen trennbaren Verben: sich hocharbeiten, den Kaffee warmstellen, falschspielen, dichthalten (der Polizei nichts erzählen), fremdgehen (den Partner betrügen), kleinschneiden ...
  • super bleibt immer undekliniert: ein super Film, eine super Sache; ähnlich verhalten sich klasse und Hammer, bei denen nicht klar ist, ob sie als Adjektive empfunden werden; diese sind alle umgangssprachlich;
  • ein paar nachgestellte Adjektive, ungefähr mit der Bedeutung 'komplett, mehr als genug': wir hatten im Urlaub Sonne satt; das war Natur pur; wir haben Zeit satt; am Wochenende ist hier Gedränge total ...
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"Laut" wird hier als Adverb benutzt, nicht als Attribut. Das klingt zuerst etwas unlogisch, weil das Hören ja eigentlich nicht laut ist, sondern die Musik laut ist. Aber hier ist tatsächlich gemeint, dass die Nachbarn etwas laut tun , nämlich "Musik hören". Wenn die Nachbarn Musik hören, ist dieser Vorgang aus der Sicht von mir laut. Deshalb wird die Adverbform laut benutzt.

Man könnte auch sagen: Die Nachbarn hören oft laute Musik. Dann bezieht sich das "laute" direkt auf die Musik, nicht auf den Vorgang des Musikhörens.

Beim zweiten Satz bestimmt das Wort "typisch" das Attribut "deutsch" näher. Es ist also nicht "typisches Essen" gemeint, sondern das Essen ist "typisch deutsch". Wenn ein Adjektiv sich auf ein anderes Adjektiv bezieht, benutzt man die Adverbform des Adjektivs (typisch). "Typisches deutsches Essen" wäre hier etwas unsauber, denn es wird dann eigentlich nicht gesagt, wofür das Essen denn typisch ist. "Typisches" und "deutsches" beziehen sich dann beide direkt auf Essen und stehen nebeneinander, als hätten sie nichts miteinander zu tun.

Er fährt ein gebraucht gekauftes Auto. (Das Auto war schon gebraucht, als er es gekauft hat.)

Am Abend verlassen extrem müde Arbeiterinnen die Fabrik. (Die Arbeiterinnen sind nicht extrem, sondern extrem müde.)

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