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"Heißt es: Wir Deutsche fürchten Gott, sonst niemand in der Welt, oder wir Deutschen -?" gebe ich zu bedenken. (E.M.Remarque. Im Westen nichts Neues.)

Nach hundert Jahren stelle ich mir auch diese Frage - mit oder ohne "n"?

Und eine Nebenfrage - wie hat Bismarck diesen Satz in seiner Rede tatsächlich gesagt? Im Internet gibt es beide Varianten.

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    Ähnlich, auf Englisch: german.stackexchange.com/q/52004/35111
    – David Vogt
    Jun 2 at 8:44
  • 1
    Ok, habe wohl die Gesamtkomplexität des Themenkreises unterschätzt und meine Antwort zurückgezogen :-) Mir war gar nicht bewußt das es zwar 'wir Deutsche' aber 'die Deutschen' sind, während 'wir Engländer' und 'die Engländer' gleich dekliniert wird. Könnte mit der Endung zusammenhängen. Ein schlauer Kollege wird's sicher aufklären.
    – user41853
    Jun 2 at 9:43
  • Die Nebenfrage ist hier off-topic.
    – Carsten S
    Jun 2 at 15:14
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Dies ist ein bekannter Zweifelsfall. Beides ist möglich. Heutzutage tritt jedoch die Form «wir Deutschen» häufiger auf.

Wie kommt es zu der Schwankung?

Das Wort «Deutsche» ist, grammatisch gesehen, ein Adjektiv (denn Adjektive sind diejenigen Wörter, die nach Definitheit, Numerus, Genus und Komparation deklinieren). In der grammatischen Kategorie der Definitheit haben Adjektive starke oder schwache Endungen:

  1. Starke Endung: Deutsche fürchten Gott.
  2. Schwache Endung: Die Deutschen fürchten Gott.

Nota bene: Beide Fälle sind bzgl. der übrigen grammatischen Kategorien völlig gleich: Kasus ist Nominativ, Numerus Plural (daher Genus unbestimmt), Komparation Positiv. Ausserdem spielt es keine Rolle, ob auf das Adjektiv ein Substantiv folgt oder nicht (ausser für die Rechtschreibung):

  1. Starke Endung: Deutsche Menschen fürchten Gott.
  2. Schwache Endung: Die deutschen Menschen fürchten Gott.

Nach verschiedenen Wörtern, insbesondere nach unbestimmten Zahladjektiven ist der Gebrauch schwankend und es kommen sowohl starke als auch schwache Endungen vor, z.B. nach Wörtern wie alle, andere, beide, einige, etliche, folgende, manche, mehrere, sämtliche, solche, viele, welche, wenige (Liste aus meiner alten Duden-Grammatik):

  1. Starke Endung: Manche Deutsche fürchten Gott.
  2. Schwache Endung: Manche Deutschen fürchten Gott.

Ebenso ist dies der Fall nach Personalpronomen:

  1. Starke Endung: Wir Deutsche fürchten Gott.
  2. Schwache Endung: Wir Deutschen fürchten Gott.

Beides ist richtig.

Welche Form ist häufiger?

Die Dudengrammatik (Duden, Grammatik der deutschen Gegenwartssprache, 6., neu bearbeitete Auflage, Mannheim, Leipzig Wien Zürich, 1998, §481: «Das Adjektiv nach Personalpronomen») beschreibt, dass die Schwankung zwischen starker und schwacher Endung im Dativ singular aller drei Genera und im Nominativ plural auftritt. Zum Nominativ plural – wie er in «wir Deutsche(n)» vorliegt – heisst es Folgendes (wobei mit «Typ II» die schwache Endung gemeint ist):

Im Nom. Plur. wird heute das Adjektiv im Allgemeinen nach Typ II, also wie nach diese, gebeugt, bei ihr noch häufiger als bei wir:

wir erbärmlichen Wichte, wir älteren Leute (Carossa), ihr motorisierten Narren (Kästner).

Der von tofro angeführte Artikel Wir Deutschen lieben Fussball oder Wir Deutsche lieben Fussball? — Flexion von adjektivischen Bezeichnungen nach einem Personalpronomen des IDS weist darauf hin, dass bei einer Suche mit Google oder im IDS-Korpus die schwache Form «wir Deutschen» etwa doppelt so viele Treffer erzielt wie die starke Form «wir Deutsche». Dies deckt sich mit der zitierten Aussage aus der Dudengrammatik.

Nach Dudengrammatik und IDS ist also heutzutage nach «wir» die schwache Form «wir Deutschen» häufiger.

Was hat Bismarck wirklich gesagt?

Laut dem zitierten Artikel des IDS ist Bismarcks Zitat häufiger mit starker Adjektiv-Endung in der Form «Wir Deutsche fürchten Gott» anzutreffen. Allerdings erscheine das Zitat schon im 19. Jahrhundert mit beiden Formen. Der Artikel meint lapidar:

Übrigens spricht diese «Variatio» nicht unbedingt für die Genauigkeit der Zitierenden.

Laut dem Artikel des IDS habe Bismarck also eher «wir Deutsche» gesagt, doch sei es nicht sicher.

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  • Sicher daß das stimmt ? "Wir Deutsche" mag ein substantiviertes Adjektiv sein, aber dann folgt es den Regeln eines Substantivs (wird beispielsweise groß geschrieben, und dekliniert wie ein Substantiv). "Wir Deutschen" aus der Frage hört sich nicht richtig an. "Die Deutschen" schon. Das 'n' im Nominativ scheint mit manchen Substantiven zu funktionieren, mit anderen nicht. Warum ? Wäre zufrieden wenn die Antwort "weil es halt so ist" lautet.
    – user41853
    Jun 2 at 19:43
  • @a_donda: Die sog. «Substantivierung» von Adjektiven ist eine rein orthografische Unsitte. Die Grammatik, sprich: die Deklination, bleibt davon völlig unberührt. Es heisst «ich Deutsche» genau so wie «ich deutsche Frau», «ich Deutscher» genau so wie «ich deutscher Mann». Kein Substantiv dekliniert so, völlig ausgeschlossen. Und wohl ist es so, dass wir Deutschsprachigen bzw. wir Deutschsprachige meistens eine der beiden Optionen vorziehen (für mich tönt «wir Deutschsprachigen» richtiger), aber trotzdem wird auch die andere verwendet. Beide sind richtig – so ist es halt.
    – mach
    Jun 3 at 22:08
  • Interessant. Ich bin Deutscher. "wir Deutsche" ist ein substantiviertes Adjektiv, ganz natürlich ohne Unsitte und 'n' (was der Duden ja auch so führt duden.de/suchen/dudenonline/Deutsch). "wir Deutschen" gibt es wohl nicht (6. und 8.), es müßte "wir deutschen Leute/Bürger/.." heißen, dann ist es ein Adjektiv und wird entsprechend behandelt. Es gibt allerdings "die Deutschen" (Substantiv !). Ich denke die Antwort ist so nicht richtig, mache aber keinen Aufstand.
    – user41853
    Jun 4 at 8:50
  • @a_donda: Du irrst dich. «Wir Deutschen» gibt es ganz gewiss, vgl. die Belege in dem von tofro angeführten Artikel Wir Deutschen lieben Fussball oder Wir Deutsche lieben Fussball? — Flexion von adjektivischen Bezeichnungen nach einem Personalpronomen. Und substantivierte Adjektive gefallen mir zwar nicht, aber ich bestreite nicht ihre Existenz, sondern weise lediglich darauf hin, dass es sich um ein rein orthografisches Phänomen handelt ohne grammatische Grundlage, denn grammatisch gesehen verhalten sich die Wörter weiterhin wie Adjektive.
    – mach
    Jun 4 at 12:12
  • Na da sind wohl wie du schreibst persönliche Ansichten. Ich halte mich eher an den Duden als an Internetblogs. Substantivierte Adjektive sind alltäglich.
    – user41853
    Jun 5 at 8:50
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Substantive, die von Adjektiven abgeleitet werden (und das ist hier wohl der Fall), werden mit adjektivischer Flektion dekliniert. Das bedeutet:

  • Ohne Artikel: Starke Flektion, Deutsche
  • mit bestimmtem Artikel: Schwache Flektion, die Deutschen
  • mit unbestimmtem Artikel, Pronomen o.Ä: Gemischte Flektion, wir Deutschen

Man vergleiche z.B. mit "alt":

  • Alte
  • die Alten
  • wir Alten

Einen langen und durchaus interessanten Artikel dazu gibt es hier . Der Artikel kommt zu dem Schluss, dass "wir Deutsche" so verbreitet sei, dass man es schon fast als "richtig" ansehen kann.

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  • 1
    Sie werden so lange adjektivisch gebeugt, bis sie es nicht mehr werden, oder? Die Gerade erlaubt ja auch beides.
    – Carsten S
    Jun 2 at 17:45
  • 2
    @CarstenS Den Satz verstehe ich nicht.
    – tofro
    Jun 2 at 18:54
  • Was ich meinte, ist, dass ich denke, dass Worte, die ursprünglich substantivierte Adjektive sind, wenn sie nicht mehr als solche empfunden werden, die Deklination wechseln können. Wenn das so ist, wäre „die Gerade“ ein Beispiel. Da dachte ich, dass beide Deklinationen geläufig wären, aber nachdem ich in ein Wörterbuch geschaut habe, scheint „an einer Gerade“ auch noch als falsch zu gelten.
    – Carsten S
    Jun 2 at 21:14
  • 1
    @mach die Literatur (Siehe Link) ist nicht deiner Meinung.
    – tofro
    Jun 5 at 11:04
  • 1
    Der Artikel kommt zu dem Schluss, dass "wir Deutsche" so verbreitet sei, dass man es schon fast als "richtig" ansehen kann. Nein! Der Artikel weist darauf hin, daß nach dem Pronomen starke Flexion (du Armer, wir Deutsche, für uns Deutsche) erwartet wird. Nur in der 1. und 2. Person Plural, und dort auch nur im Nominativ, gibt es eine Ausnahme und die schwache Flexion ist nicht nur möglich, sondern sogar verbreiteter als die starke: wir Deutschen > wir Deutsche.
    – David Vogt
    Jun 5 at 13:04

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