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Weiß jemand woher das auf in "auf keinen / jeden Fall" kommt und weshalb es nicht (mehr) "in jedem / keinem Fall" heißt?

Für mich hört sich mindestens die Variante in jedem Fall sehr "natürlich" an, aber ngrams gibt mir eher den Hinweis, dass es sich nicht um eine Entwicklung handelt. Könnte es eine Übernahme aus dem Englischen ("in any case") ähnlich zu "Sinn machen" sein?

Bei der Formulierung "auf alle Fälle" existiert ja ebenfalls ein "Gegenstück" mit "in allen Fällen", woher kommt also das auf?

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  • Woher nimmst du die Behauptung, es würde nicht (mehr) in jedem/keinen Fall heißen? Kann ich leider nicht nachvollziehen
    – tofro
    Jun 26 at 7:46
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"Auf jeden Fall" bedeutet unbedingt, ganz bestimmt, sicher, unter allen Umständen. "Auf keinen Fall" das Gegenteil, also niemals, unter keinen Umständen, etc. Sicherheit wird angenommen, eine Option ist ausgeschlossen.

"In jedem Fall" bedeutet jeweils für sich, in jedem Einzelfall, von Fall zu Fall und kann beispielsweise spezifische Besonderheiten oder Optionen der Einzalfälle ausdrücken.

Zwischen den beiden Wendungen mit Tendenzen in die eine oder andere Richtung würde ich "jedenfalls" sehen.

Siehe auch Duden "Fall", Bedeutung 2a.

DWDS "Fall" hat "in jedem Fall" nicht, sondern führt "in" nur in Verbindung mit optionalen Unterscheidungen.

Die "auf" Präposition mit Akkusativ sehe ich hier schlicht als Bedeutung einer zeitlichen oder kausalen Folge an, nach Duden, Absatz 2c. "Auf" in Verbindung mit Dativ würde ja eher ein räumliches Übereinander bedeuten.

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  • 1
    Das hattoch mit Etymologie nichts zu tun. Eine Dudel-Definition beinhaltet natürlich schon die gesuchte Bedeutung. Es macht deshalb prinzipiel keinen Sinn darauf zu verweisen ohne die Ausschlag gebende Stelle zu zitieren. Zuberwarten steht, da steht nix. Auch sonst kommt hier zu usage nicht viel. Die ersten paragraphen behandeln allenfalls Meaning
    – vectory
    Jul 13 at 23:13
  • Hmhm. Zu lange im Zuber dudeln kann Auschlag geben :-)
    – user41853
    Jul 15 at 15:34
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Ein kleines Beispiel zur Verständnis:

Ich habe drei Eimer. Ich gebe auf alle Eimer(Fälle) Wasser. Ich gebe in alle Eimer(Fälle) Wasser.

Es wird absolut beides verwendet, und umgangssprachlich wird vielleicht auch nicht so sehr darauf geachtet, korrekt ist beides und sollte mit dem Englischem eher wenig am Hut haben.

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Für mich hört sich mindestens die Variante in jedem Fall sehr "natürlich" an

Für mich nicht. Ich finde es schwierig herauszustellen in welchen Fällen ich auf jeden bevorzugen würde. Man kann die zwei ja nur schwer verwechseln.

Es käme auf die Herkunft der Phrasen insgesamt an. Ich behaupte mal, da sei vom Fragesteller Vorarbeit zu leisten, ggf. durch stellen der richtigen Frage. Eine steile Hypothese könnte ggf. ein wesentlich älteres Datum anzeigen, als schriftliche Beweise zuließen. Eine klassische Zwickmühle aus nicht wollen und nicht können ergibt sich. So geht hier nichts. Problematisch ist unter anderem, dass Fall neben gleichbedeutend Casus (vgl. Lat. cado "ich falle*, sowie Engl. case "(kriminal-)Fall" usw.) wie eine Lehnübersetzung anmutet, sowie Fall überhaupt verschiedenste Bedeutungen abdeckt.

Ich erwarte, dass auf jeden Fall aus jedenfalls herruehrt und dies widerum mit allenfalls, sowie Vielfalt, mulitply, etc. aus Morphosyntax heraus zu begründen sei. Entscheidend dürfte die Entwicklung zu je- sein. Dies soll mit ewig wurzelverwandt sein (DWDS.de, Wiktionary).

Hypothese: Demnach könnte man ansetzen ?ewj'()fall, quasi, wobei offen bleibt woher der Nasal stammt, etwa aus Beugung wegen Umdeutung zur Nominalphrase, folgt daraus. Zu beweisen wüsste ich das aber nicht. Woher auch, wenn Deutsch die möglicher Weise einzige Sprache ist, die es in der Form erhalten haben mag. Dabei steht English anyway recht nahe, auch always. Insbesondere e-ver soll tatsächlich im Anlaut verwandt sein, das Ende ist aber noch nicht abzusehen (Wiktionary). Allerdings bieten sich janz sicher fiele andere Möglichkeiten.

Merke, Etymologie ist kein Popularitätswettbewerb in der Disziplin Freistil auf 100 Meter Abschreiben. Ich wiederhole, ist es nicht! Demnach kann ich Frank und Frei bis zum Beweis des Gegentei behaupten, die richtige Antwort weiß der Geier.

Das ist dann ja auch eine Antwort, "unbekannt", wenn nicht klar ist, ob es mit er Richtung "auf" oder dem Nomen Fall ursprünglich doch nichts gemein hät.

Nicht zuletzt bleibt anzumerken, wie schon im Eingang eingangs angedeutet, dass es sich jedenfalls um eine Kontraktion handelt, zuweilen auch als Univerbation f'jeden. Dies wird meist adverbial oder alleinstehend als Interjektion verwendet und wirkt schlicht bestätigend wie Jawohl, ja! usw. Das zeigt sich unter anderem daran, dass die Univerbation wenngleich selten als Adverb genutzt wird. Der hat auf jeden voll verrissen, o.ä., citation needed. Vgl. dazu Der hat ja ne Vollmeise, bzw. der hat ja/gar/ja gar keine Ahnung (s. dazu Niederdeutsche Lautverschiebungen, wie auch Nordsee-spezifisches, also Friesisch i-epen "open", d. h. geöffnet, offen).


Nachträglich noch eine weitere Überlegung. Wenngleich ich unser auf-jeden aus *aiwo- herleiten und damit subtil unterstellen wollte, die Formen mit in seien eben zufällige Neuerungen, könnte man doch versuchen nie- zu vergleichen, sowie auch un- und ne (nicht, auch als Fragepartikel) zusammengehören, obwohl man dann erst einmal unfall erwarten würde. Allah dingens wäre **ney- (citation needed), bzw. ist nie "never" durchaus erklärbar als Negation von *heyu-, je* (Althochdeutsch io und nio). Der Vokal im Anlaut bleibt fraglich, siehe aber auch Französisch en, en case de "im Fall dass", oder Niederländisch en "not" (neben anderen Bedeutungen), bzw. umgekehrt Vulgär-Latein in- "un-". Hinzu kommt dass unser irgend- wohl mit Skandinavisch ingen ("nicht") ein Verhältnis führte, um nicht zu sagen auch verwandt gewesen sein mag (Wiktionary). Ich bezweifle, ob sich heute noch nach nachweisen ließe, dass unsere beiden Varianten komplementär mit entgegengesetzter Polarität verwendet wurden, vgl. aber in keinem Fall.

Leider jottes han ich eingangs ausgeschlossen, irgenwelche Präferenz für Verwendung nahelegen zu wollen. Nun werd ich nicht behaupten, in keinem Fall vor auf keinem Fall zu Nutz ziehen. Das wäre mehr an den Haaren herbeigezogen als die Frau eines Keule schwingenden Urindogermanen. Ich meine aber doch, das Adverb jedenfalls gehöre viel eher der Hochsprache an, denn dessen Verwendung in der Kanzleisprache klingt für meine Begriffe jedenfalls archaisch.

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