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Warum von nach zugunsten im folgenden Satz?

... und die zwar seit zwei Jahrhunderten als soziale Grundlage fortbestehende Kleinfamilie verliert zugunsten von frei gewählten und gestalteten Bindungen an Bedeutung

Wäre zugunsten + Genitiv wie folgt nicht richtig ?

... zugunsten frei gewählter und gestalteter Bindungen

2 Answers 2

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In manchen Verbindungen kann der Genitiv durch von + Dativ ersetzt werden. Je nach Kontext wird diese Ersetzung unterschiedlich bewertet. Im folgenden Beispiel würde die Ersetzung als umgangssprachlich empfunden:

Der Hund meines Nachbarn bellt ständig.
Der Hund von meinem Nachbarn bellt ständig.

In anderen Kontexten, z.B. wenn ein Nomen unbegleitet auftritt, wird der Genitiv dagegen als stilistisch auffällig bewertet (mit % markiert).1

% Aufgrund Schneematsches kam es zu Unfällen.2

Hier ist die Ersetzung mit von voll akzeptabel; alternativ kann das Nomen ohne Endung stehen.

Aufgrund von Schneematsch kam es zu Unfällen.
Aufgrund Schneematsch kam es zu Unfällen.2

Im Ausgangsbeispiel sind beide Varianten voll akzeptabel.

1 Das ist die Einschätzung des Sprachwissenschaftlers Peter Gallmann in seinen Skripten zur Genitivregel, http://gallmann.uni-jena.de/Wort/Wort_NP_Genitiv_Besonderheiten.pdf und http://gallmann.uni-jena.de/Wort/Wort_NP_Genitiv.pdf. Die entsprechenden Beispiele finden sich im zweiten Skript unter "Prestige-Präpositionen". Siehe auch folgende Antworten auf dieser Seite: 1 2 3 4.

2 Dass die Variante ohne Endung präferiert wird, findet sich im Vergleich der Treffer auf presseportal.de bestätigt: Aufgrund Schneematsch(e)s kommt nur einmal vor, aufgrund Schneematsch mehrfach. Auch im Vergleich von aufgrund Glatteises mit aufgrund Glatteis liegt letzteres vorne.

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  • Wo hast du das Weglassen der Genitivendung her? Das hört sich gruslig an.
    – tofro
    Jan 8 at 12:48
  • @tofro Das ist Gallmanns "Genitivregel". Siehe etwa Duden-Grammatik § 1534 oder den Abschnitt zu "Prestige-Präpositionen" im Skript Genitivregel II: Besonderheiten.
    – David Vogt
    Jan 8 at 14:19
  • 1
    Danke. Ich sehe allerdings in beiden Quellen keine "Erlaubnis", das so zu bilden, die nicht mindestens als "fragwürdig" markiert wären. Ich will nicht ausschließen, dass ich nur zu doof war, sie zu finden, aber als Beleg kann ich beide nicht akzeptieren. Kannst du mich mit der Nase draufstoßen?
    – tofro
    Jan 8 at 15:39
  • 1
    @tofro Im Skript ist bei (29b) wegen Todesfalls als stilistisch auffällig markiert, wegen Todesfall nicht. Bei den Beispielen in (33) werden die Belege mit -s als "selten" klassifiziert, die ohne -s nicht. In der Duden-Grammatik unter § 1539 heißt es etwas vorsichtiger, dass sich mit bestimmten Präpositionen "noch oft" Formen mit -s finden; aber immerhin heißt es dort auch: "Sonst überwiegt Endungslosigkeit".
    – David Vogt
    Jan 8 at 16:44
  • 1
    Das ist alles richtig und auch so i.O. Bloß: Man sollte bedenken, für wen diese Site hier da ist - nämlich für Lernende. Und ob es so sinnvoll ist, regionale Ausnahmen (ich komme übrigens aus B-W und finde das Konstrukt trotzdem gruslig) ohne weitere Markierung als "voll akzeptabel" hinzustellen, stelle ich mal zur Diskussion. Der Nicht-Muttersprachler sollte wenigstens gewarnt werden, das dass keine Lehrbuchgrammatik ist.
    – tofro
    Jan 8 at 21:08
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Ohne Präposition ist zugunsten ein Adverb, das zwingend den Genitiv fordert.

Mithilfe der Präposition von kann dieses Beispiel (wie viele andere Genitive) umschrieben werden. Und von fordert bis auf ganz wenige Ausnahmen grundsätzlich den Dativ. Beides ist richtig und vollkommen gleichwertig.

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  • umschrieben oder umgeschrieben? Jan 6 at 18:55
  • @jonathan.scholbach Kommt das hier nicht auf dasselbe raus?
    – tofro
    Jan 6 at 19:37
  • 2
    Ich denke, nein. Die nicht-trennbare Version von umschreiben heißt so viel wie "vage beschreiben", die trennbare "etwas Geschriebenes ändern". Oder? Jan 7 at 11:00
  • 1
    @jonathan.scholbach Die untrennbare Version bedeutet für mich (und Wiktionary unterstützt mich darin) "mit anderen Worten beschreiben" - bei mir kommt da kein "vage" vor, alternativ "paraphrasieren". Die trennbare Version "etwas Geschriebenes nochmals bearbeiten". Im Kontext hier kommt für mich beides mehr oder weniger auf dasselbe raus.
    – tofro
    Jan 7 at 11:05

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