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Bei den Antworten einer kürzlich hier erschienenen Frage wurde mir in einem Kommentar zur wörtlichen Bedeutung von "Raubtier" Folgendes mitgeteilt:

I think this is a case of remotivation: raub- + X is reanalysed as carnivorous X.

Das legt offenbar nahe, dass der Wortbestandteil "Raub-" in "Raubtier" ursprünglich keine semantische Verbindung zum Aspekt des Fleischfressens oder des Jagens nach Beute hatte.

Gleichwohl gehe ich davon aus, dass der Wortbestandteil "Raub-" nicht rein zufällig gewählt wurde, sondern man sich schon irgendetwas dabei gedacht hat, die betreffenden Tiere so zu bezeichnen.

Welche Information sollte der Wortbestandteil "Raub-" in "Raubtier" ursprünglich vermitteln?

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    DWDS liefert da eine sehr umfangreiche etymologische Auflistung, gibt es daran Zweifel? Jan 8, 2023 at 17:12
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    Find ich ein bißchen übertrieben, Pfeifers Vermerk Entsprechend Raubtier n. (Anfang 18. Jh.) als "sehr umfangreich" zu bezeichnen (und dann gleich die Frage abzuwerten).
    – David Vogt
    Jan 8, 2023 at 17:53
  • @infinitezero: Na ja, wie schon im anderen Kommentar angedeutet, dreht sich der Großteil der etymologischen Auflistung um das grundlegende Wort "rauben", ohne konkret auf die Interpretation von "rauben" im Kompositum "Raubtier" einzugehen. Ich persönlich vermute durchaus, dass dieses "Raub-" mit dem Entreißen von Fleisch, der "Beschlagnahme" des Beutetiers zu tun hat, habe aber keine geeigneten Quellen gefunden, um dies stichhaltig zu widerlegen - und auch der genannte DWDS-Artikel ist dazu wie gesagt viel zu ... Jan 8, 2023 at 20:15
  • ... implizit. Der Autor des in meiner Frage zitierten Kommentars zweifelt andererseits offenbar durchaus daran, dass dieses "Raub-" in "Raubtier" ursprünglich irgendeine inhaltliche Verbindung zum Fleischfressen hatte. Deshalb würde ich der Sache gerne auf den Grund gehen und Belege für die von mir vermutete, oder möglicherweise auch eine davon abweichende Bedeutung zu finden, statt rein nach Gefühl herumzuraten. Jan 8, 2023 at 20:17
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    Ich verstehe die gesamte Diskussion nicht. Ein Raubvogel, ist einer der Beute macht. Dass Raub vor ein paar Hundert Jahren nicht exakt den gleichen Bedeutungsumfang hatte wie heute sollte nicht überraschen. Was sonst David Vogt meinte, kann er erklären, dazu bedarf es keiner Frage hier.
    – Carsten S
    Jan 9, 2023 at 9:11

2 Answers 2

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Der Zusammenhang zwischen "Raubtier" und dem "Räuber" dürfte aus dem Lateinischen stammen (Die Taxonomie ist eine sehr frühe Wissenschaft, die schon zu einer Zeit bestand, als Latein noch die allgemeine Wissenschaftssprache war - Carl von Linné hat seine erste Taxonomie komplett in Latein verfasst):

Dort heißt das Raubtier (und der Räuber) "praedator", oder "raptor" - Substantivierungen von praedare bzw. rapere, die von "Beute erwerben, "plündern" (und natürlich "rauben") bis "schänden" oder auch einfach "nehmen" alles Mögliche bedeuten können, was eine Aktion enthält, wo jemandem gegen seinen Willen etwas weggenommen wird.

Als wörtliche Übersetzung für "praedator" finde ich "Beutemacher", für "raptor" "Räuber" - was für ein Raubtier schon ziemlich gut passt. Und wenn schon die alten Römer den gleichen Begriff für beides (den Raüber und das Raubtier) verwendet haben, liegt es nahe, dass auf Latein schreibende Wissenschaftler dasselbe taten.

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Der Kommentar ist von @DavidVogt. Gemeint ist, dass Raubtier durch Gebrauch eindeutig bestimmt ist und später wegen einer erweiterten Bedeutung des Begriffes Tier neu interpretiert wird.

Noch im Rolandslied wurden tiere und vogele getrennt (s. Grimm). Ebenso kann man Tiere von Tierchen, Ungeziefer, Untier usw. unterscheiden.

Wenn @DavidVogt Remotivation sagt, nehme ich an, es sei ein neues Motiv gemeint. Ob diese Begrifflichkeit astreines Latein ist oder selbst remotiviert ist, sei dahingestellt.

Ich persönlich vermute durchaus, dass dieses "Raub-" mit dem Entreißen von Fleisch, der "Beschlagnahme" des Beutetiers zu tun hat, habe aber keine geeigneten Quellen gefunden, um dies stichhaltig zu widerlegen

So ähnlich dürfte es den meisten Sprechern gehen. Schließlich spricht man synonym vom Räuber (Raubtier), vllt. weil der Fuchs gern Schafe aus der Herde reißt und der Hirte sich hintergangen fühlt. Zahme Hunde, die nichtdestotrotz Fleisch fressen, sind dagegen keine Räuber.

Ausschlaggebend dürfte sein, dass das Tier sich gerne rauft. An der Stelle verweißt Pfeifer auf mittelirisch robb "(wühlendes) Tier" mit Fragezeichen versehen und vergleicht sogleich rauben (DWDS: raufen).

Wirklich wichtig für die Sprachwissenschaft ist jedoch der Finnische Befund, demnach das Wort raha für Geld von wertvollem Fell abgeleitet ist, das als Lehnwort etwa aus dem Germanischen entlehnt sein soll, wofür zuerst altnordisch skrá herangezogen wird: "Originally, this meant the fur of squirrel," (en.WT: raha) wobei da fragwürdig ist, auf welchen Bezugspunkt "originally" gemünzt ist. In altnordisch beziehen sich die Belege wohl eher aufs Schreiben.

Die dafür angesetzte Wurzel *(s)ker- "schneiden" ist im Prinzip mit dem Anlaut r < *(h)r vereichbar, wobei har nicht auszuschließen ist, genauso für *ker- "army": Vergleich engl. harrier "bird of prey", to harry "rob, steal, plunder", zu Deutsch Hehr "Armee". Das sogenannte s-mobile, das werdenden Indogermanisten über der Krippe hängt, bleibt unterdessen ein ungeklärtes Problem. Ein noch größeres Problem sind die etlichen Vogelnamen, jene welche den jeweiligen Vogel Ruf nachahmend erklärt werden, obwohl offensichtlich ist, dass Rabe und Möwe mangels Lippen keinen Labiallaut realisieren können.

Um die Tragweite des Problems zu erläutern, muss etwas weiter ausgeholt werden. 1. Ob Indisch Rupie und Russisch Rubel verwandt seien, ist unsicher; Rappen wird von vornherein ausgeschlossen. Für das eine wird "rot" als Ausgangspunkt angesetzt. Weil die meisten Gegenstände Farben haben, von denen Rot naturgemäß hervorsteht, sind solche Herleitungen vielzählig anzutreffen, aber zu reduktiv um als urindogermanisch zu gelten. 2. So ähnlich wird zumindest ein Wort für Blut wegen der Farbe begründet. Ebenfalls ist skrá wohl mit unserem Schorf verwandt, aber das ist ebenfalls nicht in Stein gemeißelt. Ein derartiger Anspruch wird auch der geltwerten Mark zugerechnet, um gleichfalls die Grenzmark als Abschnitt zu erklären. Murks. 3. Da man von rohem Fleisch spricht, wobei das Wort im Sprachvergleich auf etwas blutiges zurückzuführen ist, sowie Tiere nachweißlich auch am Stück gehandelt wurden, kann man im Prinzip von zufälliger Verwechslung ausgehen.

Ich schließe wieder mal mit der müden Einsicht, dass dem ohne weiteres nicht beizukommen ist.

Sinngemäß handelt es sich schlicht um ein Tier, welches raubt, wobei Auslegungssache ist, welches Tier gemeint ist. Ramon-Garcia spricht beispielhaft von "Ersatzkontinuanten", was leider kaum rezipiert wird, und verkennt dabei die durch allseits beliebte Sprachspiele bestätigte Möglichkeit der sinnentstellenden Folksetymologie. Um sich dem anzuschließen, empfehle ich den Vergleich mit lat. ruderalis, vgl. roh, s. Wild, s. o. Mark, vgl. Indo-Iranisch *mrgwa- "beast" (ohne Etymologie).

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  • Für den Teil über "raha" im Zusammenhang mit "Fell" möchte ich mal das Märchen "Allerleihrau" erwähnen, in dem auch die Bezeichnung "Rautierchen" auftaucht. Diese Namen erhält die Hauptfigur, da sie einen Mantel aus "tausenderlei" Fellen trägt. Jan 9, 2023 at 8:01

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