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Zitat von einer gewöhnlich der deutschen Sprache mächtigen Quelle - dem BVerfG:

Das menschliche Leben ist die vitale Basis der Menschenwürde als tragendem Konstitutionsprinzip und oberstem Verfassungswert.

Wer kann begründen, weshalb nach "als" Dativ steht? Und worauf bezieht es sich? Bei Genitiv wäre es die Menschenwürde (und das wäre logisch, weil die Menschenwürde ein Konsitutionsprinzip ist), bei Nominativ Leben oder Basis ...

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    Dieser "inkongruente Dativ" wird seit vierzig Jahren diskutiert, siehe die hier zitierte Arbeit von Jost Gippert.
    – David Vogt
    Jan 27, 2023 at 10:17

2 Answers 2

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Tja - welche Regel gilt? Der Duden schreibt zur Kasuskongruenz bei der Apposition unter Verwendung von "als":

Wenn jedoch das Bezugswort im Genitiv steht, dann gibt es zwei Möglichkeiten. Enthält die als-Gruppe ein Artikelwort, steht sie im Genitiv: das Aufstellen des Christbaums als des wichtigsten Symbols für Weihnachten. Enthält sie kein Artikelwort, wird sie in der Regel in den Nominativ gesetzt: das Erscheinen des Sterns als leuchtender Wegweiser.

Im Beispiel enthält die als-Gruppe kein Artikelwort, Teil 1 der Regel greift also nicht. Teil 2 der Regel gilt laut Duden nur "in der Regel". Verwendet man wie vorgeschlagen den Nominativ, könnte der geneigte Leser annehmen, dass sich die als-Gruppe auf "vitale Basis" bezieht. Das geht nicht. Der Genitiv würde die Kongruenz und damit den Bezug deutlich machen, ist aber laut Duden nicht die Regel. Akkusativ geht gar nicht. Bleibt nur noch der Dativ? Schließlich gilt: "Dativ geht immer!"

Ich hätte hier wahrscheinlich nach längerem Grübeln gegen den Duden entschieden und den Genitiv eingesetzt; dies geht wohl auch mit anderen Stimmen konform, die von einer strengen Kongruenzregel ausgehen.

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  • Ich finde den Dativ an der Stelle super eklig.
    – Skobo Do
    Jan 26, 2023 at 13:37
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    Spannend, als Schweizer klingt für mich der Dativ als richtig und natürlich und der Genitiv klingt machbar aber holprig. Jan 27, 2023 at 13:24
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Ich befürchte, da ist dem Schreiber des Verfassungsgerichts ein - durchaus gängiger - Fehler unterlaufen - Ich kann keine Begründung für einen Dativ finden, beim besten Willen nicht - und @tohuwawohus Begründung, "wenn du nix besseres weißt, nimm Dativ" finde ich nicht sehr überzeugend.

Man könnte das "tragende Konstitutionsprinzip"

  • als Adjunkt zu "Menschenwürde" betrachten, was logisch wäre (sie ist ein Konstitutionsprinzip"), was Genitiv erfordern würde, was aber eher ungewöhnlich (aber durchaus richtig, nur nicht gebräuchlich) wäre,

  • als Adjunkt zu "Basis", was zwar grammatikalisch, schlecht aber semantisch zu begründen wäre - "eine Basis" ist kein Konstitutionsprinzip (außerdem würde das auf Nominativ herauslaufen) -

  • als Adjunkt zu "Leben" (was auch ein Konstitutionsprinzip, zumindestens das Recht darauf, wäre) - das würde ebenfalls nach Nominativ rufen.

... als tragenden Konstitutionsprinzips ...

würde Kongruenz mit "Menschenwürde" herstellen, wäre als Genitiv vollkommen richtig, aber eher (zumindestensungebräuchlich.

... als tragendes Konstitutionsprinzip ...

würde Kongruenz mit dem Prädikativ insgesamt herstellen und damit den Nominativ verwenden.

Für den Dativ gibt es leider überhaupt keine Begründung (außer, dass es so oft falsch gemacht wird, dass es schon fast standardsprachlich geworden ist).

Ich empfehle die Lektüre diesen Artikels als vertiefendes Material, Leo kennt zumindestend das Problem mit dem falschen Dativ.

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