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Ich stelle eine alte Frage zur Verbreitung des Selbstreflexiven Pronomens erneut, da das Thema nicht richtig beschrieben wurde. Die Antwort war für's erste auch sehr hilfreich, immerhin nicht falsch, trifft jedoch den Kern der Frage nicht, den ich hier noch einmal verdeutlichen will.

Stimmt es, dass in südlichen Dialekten die Verwendung des Pronomens sich nach einigen Verben, die im Hochdeutsch bzw. in meinem Idiolekt nicht selbst-reflexiv sind, zumindest in festen Wendungen üblich ist?

Was daran missverständlich war, erschließt sich mir nicht.

Z.B. heißt es Der Laden hat geöffnet, oder etwa ist auf. Eine reflexive Konstruktion wäre denkbar, meiner Meinung nach jedoch unüblich: "Der Laden hat sich geöffnet". Dieses Beispiel ist aus der Luft gegriffen, mag irreführend sein, ist mir auch egal.

Belastbare Beispiele vergleichbarer Analogien werden mit fuffzig Internetpunkten fraglicher Herkunft entlohnt.

Stein des Anstoßes ist diesmal übrigens eine Frage zum Zustandspassiv bzw. Zustandsreflexiv.

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  • Bitte definiere »selbst-reflexiv«. Ist damit etwas anderes als »reflexiv« gemeint, oder doch dasselbe? Ich unterscheide diese drei Kategorien: 1. transitiv »Sie wäscht das Auto.« 2. unecht reflexiv (auch »pseudoreflexiv«) »Sie wäscht sich.« und 3. echt reflexiv »Sie schämt sich.« Meinst du mit »selbst-reflexiv« eine dieser drei Kategorien, oder meinst du etwas anderes? Falls du eine dieser drei Kategorien meinst, bitte ich dich den Ausdruck »selbst-reflexiv« durch den gängigen Begriff zu ersetzen. Wenn du etwas anderes meinst, bitte ich um eine klare Definition. Oct 26, 2023 at 10:43

1 Answer 1

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Die Frage bezog sich auf »die südlichen Dialekte«, womit vermutlich die hochdeutschen und besonders die oberdeutschen Dialekte gemeint sind, die sich wiederum in die alemannischen Dialekte und die bairischen Dialekte unterteilen lassen. (Alemannisch: deutsche Dialekte der Schweiz, Liechtensteins, Vorarlbergs, großer Teile Baden-Württembergs, des Westens Bayerns (Schwaben), des Piemont in Italien und des Elsass in Frankreich. Bairisch: deutsche Dialekte in Altbayern, Österreich ohne Vorarlberg und Südtirol in Italien)

Ich kann leider nur Aussagen über einen Teil der bairischen Dialekte machen, nämlich über die mittelbairischen Dialekte. Es gibt nämlich auch die nordbarischen Dialekte (größte Verbreitung in der Oberpfalz und in Teilen von Ober- und Mittelfranken) und die südbairischen Dialekte (im Wesentlichen die Dialekte der österreichischen Bundesländer Tirol und Kärnten), die sich in einigen Merkmalen von den mittelbairischen Dialekten unterscheiden, und mir ist leider nicht klar, ob das, was ich hier ausführe, auch für nord- und südbairische Dialekte gilt.

Mittelbairische Dialekte haben starken Einfluss darauf, was im österreichischen Standarddeutsch als korrekt gilt, und vieles, was ich hier aufliste, ist tatsächlich korrektes österreichisches Standarddeutsch, allerdings glaube ich auch, dass einige der hier als »mittelbairisch« angeführten Varianten auch im deutschen Standarddeutsch zumindest als erlaubte Varianten geduldet werden.

Mittelbairisch deutsches Standarddeutsch
Ich erwarte mir ein wertvolles Geschenk. Ich erwarte ein wertvolles Geschenk.
Es lohnt sich nicht, darauf zu warten. Es lohnt nicht, darauf zu warten.
Es steht sich nicht dafür, dass du dich so abrackerst. Es steht nicht dafür, dass du dich so abrackerst.
Klaus kniete sich nieder. Klaus kniete nieder.
Die Hose zwickt mich an den Oberschenkeln.  Die Hose zwickt an den Oberschenkeln.

Eine Besonderheit des Wiener Arbeiterdialekts, der vor allem in den südlichen und östlichen Bezirken Wiens, aber auch in daran angrenzenden Gemeinden Niederösterreichs gesprochen wird, ist der doppelte Reflexiv:

Wiener Arbeiterdialekt sonst
Schwarzkappler zum Fahrgast ohne Fahrschein: »Können Sie sich Ihnen ausweisen?« Kontrolleur zum Fahrgast ohne Fahrschein: »Können Sie sich ausweisen?«
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    Die Beispiele mit "lohnen", "knien", "zwicken" erscheinen mir absolut nicht spezifisch bairisch, sondern komplett akzeptables (vielleicht seltenes, zumindestens die beiden letzteren) Hochdeutsch.
    – tofro
    Oct 26, 2023 at 11:59
  • @tofro: Ich habe mir eher erwartet, dass »sich etwas erwarten« auch in der Nordhälfte Deutschlands gängig sei. Oct 26, 2023 at 13:08
  • Erstens ist das letzte kein "Arbeiterdialekt", sondern einfach Resultat Wiener Dialekts. Im Wiener Dialekt ist nämlich "sich"="ihna" und das "Sie" wird zu "'S" verkürzt: "Kennan'S Ihna..."="Können Sie sich.." Da das "Ihna" so ähnlich wie "Ihnen" klingt, wird, wenn der Dialektsprecher Hochdeutsch versucht, das Wiener Doppel-Reflexivum daraus, weil das "Ihnen" natürlich nicht das (durchaus gefühlte) Bedürfnis nach einem "sich" stillt und deshalb ein zusätzliches "sich" eingefügt wird. Zweitens ist der "Fahrgast ohne Fahrschein" in Wien ein "Schwarzfahrer".
    – bakunin
    Oct 26, 2023 at 13:28
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    @bakunin Ich denke, "eahna" == "sich" ist eher zweifelhaft. Zumindestens im Bayrischen bairisch sagt man "die is eahna nachglaffa", was deutlich nicht "sich" heißt.
    – tofro
    Oct 26, 2023 at 14:12
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    Davon ganz abgesehen: In einem Kommentar zur Frage wird eine Definition, was "selbst-reflexiv" überhaupt ist, eingefordert - durchaus zu Recht, wie ich meine. Dann aber - als derjenige, der selbst von sich sagt, nicht zu wissen, was das überhaupt sein soll - eine Antwort zu produzieren, halte ich für grenzwertig. "Ich weiß zwar nicht, was die Frage ist, aber ich habe eine (sinnvolle!) Antwort darauf"??
    – bakunin
    Oct 26, 2023 at 14:52

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