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Hypothese: Irgendwie wird die Redensart adv. bis die Schwarte kracht (bis zum Abwinken, bis der Arzt kommt, bis es knallt, ad absurdum, insb. ““bis zur Erschöpfung; bis zum Überdruss; übermäßig; in großen Mengen; gewaltig” [redensarten-index]) doch wohl von niederländisch zwaartekracht “Schwerkraft" kommen. Eine sinvolle Erklärung dafür sehe ich nicht, doch wie könnte es anders sein?

Vorbetrachtung: 1. Lautsymbolik im Hinterglied – Theoretisch kommt erschwerend hinzu, dass krachen einerseits wie nl. kraken, en. crack auf eine Schalwurzel zurückgeführt wird, jedoch nicht ohne außergermanische Vergleiche. Siehe z.B. auch als Scherzname Volker Racho "Vollkaracho" (der Endung nach wohl italiänisch oder spanisch).

Andererseits ist Kraft nicht weniger abstrakt, ermangelt jedoch weiterer Vergleiche (lt. Pfeifer “eine Labialerweiterung ie. *grep- der Wurzel ie. *ger- ‘drehen, winden’” hat wenig für sich und macht keinen Unterschied im Hinblick auf “die unterschiedlichen Erweiterungen der Schallwurzel ie. *ger- bzw. *grā- ‘heiser schreien’).

Für althochdeutsch heißt es bei Pfeifer: "Rechtssprachlich bedeutet bereits ahd. kraft ‘Gültigkeit, Wirksamkeit’; daran anknüpfend vgl. rechtskräftig sowie in Kraft treten, sein, bleiben, außer Kraft setzen, treten, bleiben.”

Genügt dies, um auf vb. greifen in verschiedenen Wendungen aus der Rechtssprache zu schließen? Bspw. DRW: ergreifen VI “(Rechtskraft) erlangen”, vnd ergreifft also das ergangen vrteil seine krafft 1561 Rotschitz Bl. 75 Vermutlich nicht, da ausweislich DRW: greifen A transitiv I eine Person 1 “(mit den Händen) fassen, ergreifen” bzw. III bildlich 1. “(Krieg) beginnen”, “(einen Rat) fassen” ein handfester Bedeutungsunterschied begriffen wird. Von kriegen steht an der Stelle nichts, fr. guerre “Krieg" ebensowenig, während angreifen und ergreifen wie anfangen, anfechten, klagen, sich beschweren etc. hier zu weit ins Feld führen.

Höchstwahrscheinlich ließen sich alternative Formulierungen finden, etwa knacken.

  1. Zum Vordergleid – Schwere, nl. zwaarte "het zwaar sijn" < zwaar is jedenfals nicht mit schwarze Magie zu vergleichen. Zum Schwert greifen, vgl. nl. zwaard, grijpen, ist dem vorhergesagten nach auszuschließen, zumal Schwert auch unsicher ist. Leider ist “Verdere herkomst onzeker”, nachdem Pokorny *wer- mit s-mobile nur andeutet (Philippa et al., vgl. Pfeifer). Meines Wissens ist sehr mit sever zu vergleichen, etwa "du bist schwer in Ordnung", und umgekehrt schwer mit serious.

Demgegenüber ist Schwarte, nl. zwoord, jedoch auch “Herkunft ungewiss” (Pfeifer). Schwarte wird zwar vereinzelt auch noch als Synonym zu Schinken “dickes Buch” begriffen, ist für die Redewendung kaum maßgeblich da Bücher in der Regel keinen Krach machen. Dass Schweinsschwarte nach längerem braten kross wird, halte ich auch für unerheblich, selbst wenn über den Begriff der Lederhaut wiederum auf cortex "Rinde" bzw. codex "Buch, Baumstumpf", cutis "Rinde, Haut" geschlossen werden könnte.

Mit einer solchen Unterscheidung würde der Vergleich zum Niederländisch unbegründeter Weise ignoriert.

Last but not least ist es wohl Zufall, dass sich gravy zu gravity verhält wie Schwarte zu einer schweren Kost, einem herzhaften Essen, kräftig gewürzt. Die lautmalerische Note wird daran besonders deutlich.

  1. Wahrscheinlicher erscheint mir ein Ansatz mit σαρκ "Fleisch" einerseits und Geschwader andererseits, angenommen square wie Quader ließe hier eine Rückführung auf *kʷetwóres zu und, insofern diese Form als unnatürliches Konstrukt der vergleichenden Methode zu genügen herhalten muss, ferner einen Zusammenhang mit *kʷékʷlos (vgl. wheel) bzw. *Kers- (vgl. Karren) zu vermuten. Die Doppeldeutigkeit diesen Über- und Nebeneinanders erscheint mir bisher unüberwindbar.

Schluss: Das würde im Ergebnis bedeuten, auf deutscher Seite sei für die Redensart bis die Schwarte Kracht mit mindestens einer von drei Möglichkleiten zu rechnen, abgesehen von der Null-Hypothese, dass keinerlei Verwandschaft vorliegt (auch dies wäre angemessen zu begründen): a) Schwert, greifen, insoweit unbegründet und auszuschließen, b) eine übetragene Bedeutung mit kraft als Verb, das insofern nicht ersichtlich ist und in kriegen zu suchen wäre, was wiederum lautliche Severitäten bereitet, c) Achse in einem technologischen Sinne; beheflsweise auf Bootsbau zu übertragen.

Ein vermeinicher Hinweis darauf findet sich lediglich unter *wer- s.v. zwaar zur Wurzel, “ die in het Germaans verder alleen in oe. weorn, wearn ‘schaar, troep’ […] voorkomt.” Behelfsweise sei auf nl. waagen "Ladung" als Ableitung vom Fortbewegungsmittel genannt. Außerdem denkbar wäre gleichzusetzen Vierkant als Prügel wie die Kline eines Degen, quasi Schwertes; s.a. Scharte, to card; bzw. Schaar anstatt Geschwader, Schwadron. Außerdem wird im albanischen eine Ableitung "Drehspieß” quasi Lammkeule aus *kʷel- vermutet. Der Wechsel l ~ r ist im deutschen jedoch recht selten.

https://www.redensarten-index.de/suche.php?suchbegriff=schwarte&bool=relevanz&gawoe=an&sp0=rart_ou&sp1=rart_varianten_ou

https://etymologiebank.nl/trefwoord/zwaartekracht

https://etymologiebank.nl/trefwoord/kracht

https://etymologiebank.nl/trefwoord/zwaar

https://www.dwds.de/wb/etymwb/krachen

https://www.dwds.de/wb/etymwb/Kraft

https://www.dwds.de/wb/etymwb/schweer

https://www.dwds.de/wb/etymwb/Schwarte

https://drw.hadw-bw.de/drw-cgi/zeige?index=lemmata&term=*greifen

2 Answers 2

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Die Schwarte kracht auch wortwörtlich - wenn man sie schön knusprig in der Pfanne oder im Ofen brät bis sie kross wird und (krachend) aufplatzt.

Dieser wortwörtliche Ursprung, im Sinne dass etwas Schönes und früher auch eher Seltenes (ein Krustenbraten) bis zur Vollendung (perfekt gegart mit aufgeplatzter, krosser Schwarte/Fettschicht) gebracht wird, wird in dieser Redensart aufgegriffen und übertragen oder als pars pro toto gebraucht.

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    Stichwort "Krustenbraten" bei dem die Haut und die Fettschicht darunter (zusammem "Schwarte") wie Popcorn bei genügend Hitze aufspringt und dadurch erst wirklich essbar wird. Vorher ist die Schwarte zäh und dick, danach knusprig und brüchig. Dec 27, 2023 at 19:52
  • Das ist sehr spekulativ. Die Schwarte steht hier für etwas Schöne, das bis zur Vollendung gebracht wird. Die Redewendung "bis die Schwarte kracht " steht allerdings auch für Negatives, vgl. dwds.de/wb/bis%20die%20Schwarte%20kracht. Jan 4 at 0:01
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Mehrere ältere Wörterbücher deuten darauf hin, dass bis die Schwarte Kracht unter anderem von Prügel, Schlägen usw. gesagt wird. In dieser Hinsicht ist es durchaus sinnvoll, dass Schwarte "Haut" und damit aufplatzende Hautverletzungen, Platzwunden, gemeint sein könnten.

Leider erklärt das nicht, weshalb und wieso krachen darin Eingang findet.

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  • Das schnelle Zusammentreffen von Gürtel und Haut kann durchaus ein krachendes Geräusch verursachen... Jan 12 at 14:38
  • würde ich so nicht sagen. Auf English ist es die whip (Peitsche) die crack makt, bzw der cracker der die Peitsche schwingt. Vielleicht ist dabei von crank auszugehen, bzw. schr-irgendwas. Bis der Schwarte schreit.
    – vectory
    Jan 14 at 0:32

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